Klimawandel & Klimaschutz: Lösungen für Entwicklungsländer

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Lösungen für Entwicklungsländer und Schwellenmärkte

Munich Re trägt mit Lösungen dazu bei, die globalen Herausforderungen zu bewältigen und die Grenzen der Versicherung auszudehnen – auf neue Regionen, Risiken und Kundengruppen. Viele Entwicklungsländer sind häufig besonders von Naturkatastrophen und ihren sozioökonomischen Verwerfungen betroffen. Durch Partnerschaften mit überstaatlichen Organisationen, Entwicklungsbanken sowie nationalen und regionalen Institutionen leisten wir einen Beitrag zur finanziellen Absicherung der Länder.

Entwicklungsländer sind besonders verwundbar in Bezug auf natürliche und von Menschen gemachte Katastrophen. Für die einkommensschwachen Bevölkerungsschichten in diesen Ländern ist es schwierig, sich gegen diese Katastrophenrisiken abzusichern. Neben Investitionen in Maßnahmen zur Risikoreduktion und -vermeidung können Risikotransferlösungen dazu beitragen, die finanziellen Folgen solcher Katastrophen in den betroffenen Ländern abzumildern. In vielen Regionen der Welt engagiert Munich Re sich deshalb vielfach in Zusammenarbeit mit Entwicklungsbanken und -Organisationen bei der Entwicklung und praktischen Umsetzung von Risikotransferlösungen. Diese ermöglichen betroffenen Staaten beispielsweise eine schnelle Finanzierung von Nothilfe für die Bevölkerung und bei den notwendigen Aufräumarbeiten.

Doch die vorteilhaften Wirkungen von Risikotransferlösungen gehen über das Bereitstellen von Versicherungsschutz hinaus. Indem wir unsere Expertise über Möglichkeiten der Risikoabsicherung mit örtlichem Wissen und Infrastrukturen zusammenführen, leisten wir nicht nur einen Beitrag zum Management globaler Herausforderungen, sondern unterstützen auch Regierungen und Volkswirtschaften, Risiken frühzeitig zu erkennen, zu bewerten und auf der Grundlage dieser Bewertung Maßnahmen zu gestalten, um die sozio-ökonomischen Verluste nach Naturkatastrophen zu verringern.

Durch Partnerschaften mit dem öffentlichen Sektor leisten wir einen Beitrag zur internationalen Politikentwicklung und stärken unsere Stimme auf internationaler Ebene. Ein verbessertes Katastrophenmanagement in risikogefährdeten Ländern ermöglicht einen fairen Wettbewerb und ein stabileres Geschäftsumfeld. Davon profitieren auch unsere Kunden im traditionellen Rückversicherungsgeschäft. Wir schaffen bessere Rahmenbedingungen für verantwortungsvolle und sicherere Investitionen und gestalten mittel- bis langfristig neue Märkte.

Umsetzung innovativer Risikotransferlösungen: unser Managementansatz
In unserer Fachabteilung Public Sector Business Development (PSBD) betreuen Experten im engen Schulterschluss mit den Geschäftseinheiten supranationale Organisationen und Entwicklungsbanken. Diese Organisationen sind entweder unsere direkten Kunden oder unsere Partner beim Entwickeln und Umsetzen innovativer Risikotransferlösungen für Dritte. Ferner unterstützt PSBD unsere Mitarbeiter in den verschiedenen Geschäftseinheiten sowie im direkten Kontakt mit unseren Versicherungskunden, wenn es um innovative Risikotransferlösungen für den öffentlichen Sektor geht oder um Risiken, deren Absicherung im öffentlichen Interesse ist. Wir messen unseren Erfolg an der Anzahl der Transaktionen und den erzielten wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen. Wichtig ist uns dabei die Zufriedenheit unserer Kunden und Partner, daher legen wir Wert auf maßgeschneiderte Beratung und Unterstützung.

Nachfolgend stellen wir einige Beispiele für Risikotransferlösungen im Bereich "Public Sector Business Development" vor:

Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility (CCRIF)

Munich Re hat die Weltbank und die Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility (CCRIF) in der Entwicklungsphase der ersten karibischen Katastrophenanleihe beratend unterstützt. Das Programm wurde vor dem Hintergrund der begrenzten wirtschaftlichen Ressourcen in den naturkatastrophengefährdeten Ländern der Karibik sowie ihrer Abhängigkeit von internationalen Geldgebern für die Finanzierung von Schäden nach einer Katastrophe aufgelegt. Die CCRIF verteilt das Risiko auf mehrere Schultern und stellt den Staaten in der Karibik nach großen Naturkatastrophen kurzfristig Finanzmittel zur Verfügung. Munich Re hat hierbei umfassend mit der Weltbank zusammengearbeitet und die erforderliche Expertise zur Konzeption des Deckungsauslösers eingebracht. Darüber hinaus fungiert Munich Re als wichtiger Rückversicherungspartner für die CCRIF.

Am 30. Juni 2014 hat die CCRIF auf dem Kapitalmarkt über eine Katastrophenanleihe mit dreijähriger Laufzeit eine kombinierte Deckung für tropische Wirbelstürme und Erdbeben in Höhe von 30 Millionen US-Dollar erworben. Die Transaktion ist das erste an Versicherungsrisiken gebundene Finanzprodukt (ILS), das von der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD) als Emittentin der Weltbank begeben wird – und die erste Platzierung eines Cat-Bonds zugunsten eines karibischen Sponsors. Munich Re hat an der Strukturierung der ersten Emission einer Katastrophenanleihe der Weltbank mithilfe der neuen Finanzierungsfazilität "Global Debt Issuance Facility" intensiv mitgewirkt.

African Risk Capacity (ARC)

Vor dem Hintergrund wiederkehrender Dürren in der Sahelregion rief die Afrikanische Union (AU) die ARC als Sonderorganisation ins Leben. 2014 wurde die ARC Ltd als Versicherungsgesellschaft auf Gegenseitigkeit auf den Bermudas gegründet. Sie soll dazu beitragen, die Schadenrisiken der AU-Mitgliedstaaten aus Extremwetterereignissen und Naturgefahren zu verringern. Bislang haben acht Beitrittsländer eine Versicherungspolice mit parametrischem Trigger bei der ARC abgeschlossen. Das Startkapital von ARC Ltd wurde von der deutschen KfW Bankengruppe und dem britischen Department for International Development  (DFID) eingebracht.

Mit dem Versicherungsmodell werden Risiken auf den Markt übertragen, um den betroffenen Staaten ein nachhaltiges und bedarfsgerechtes Instrument der Absicherung an die Hand zu geben. Der Deckungsauslöser fußt auf einem Wasser-Index, dem sogenannten Water Requirement Satisfaction Index, im Zusammenspiel mit dem Modell Africa Risk View (ARV). Das Modell ARV wurde vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen entwickelt und berechnet die zu erwartenden Ernteausfälle sowie die Kosten für Maßnahmen gegen Dürre. Es dient auch als Frühwarnsystem, sodass noch vor dem Ende der Regenzeit ermittelt werden kann, ob parameterbedingt eine Auszahlung angestoßen wird.

Wird der Frühwarnmechanismus aktiv, muss ein abschließender Maßnahmenplan über die Verwendung der Auszahlung eingereicht werden. Die Auszahlungen der ARC erfolgen auf nationaler Ebene und werden nur geleistet, wenn die Regierungen über ein vereinbartes und geprüftes Dürreprogramm sicherstellen, dass die Entschädigungsleistung der betroffenen Bevölkerung unmittelbar zugutekommt. Das Erfolgsrezept von African Risk Capacity liegt in der Kombination von Risikoeinschätzung, Notfallplanung, konkreten Maßnahmenplänen, Risikotransfer und frühzeitigen Bereitstellung der Mittel. Mit diesem innovativen Ansatz leistet das Programm einen wichtigen Beitrag zur Verringerung von Dürrerisiken und zur Ernährungssicherung.

Munich Re unterstützt die ARC durch eine Beteiligung an der Rückversicherungsdeckung mit einer weltweiten Kapazität von 55 Millionen US-Dollar. Nach den Dürren 2014/15 trat für Senegal, Mauretanien und Niger der Versicherungsfall ein und sie erhielten insgesamt 26 Millionen US-Dollar. Die Verwendung der Mittel wird in den anschließenden Maßnahmenplänen der jeweiligen Länder konkret festgelegt. Ein Beispiel für die eingeleiteten Sofortmaßnahmen waren Essenspakete, die in öffentlichen Schulen im Senegal an die Schüler ausgegeben wurden.

Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie auf artemis.bm.

Pacific Island Catastrophe Insurance Pilot

Die Pacific Catastrophe Risk Assessment and Finance Initiative (PCRAFI) ist ein Programm, das von verschiedenen Gebern finanziert und von der Weltbank umgesetzt wird. Es ist entstanden im Rahmen des weltweiten Disaster Risk Financing and Insurance Program (DRFIP) der Weltbank. Das Ziel ist, Versicherungslösungen als Beitrag zur Finanzierung von Katastrophenschäden in Schwellen- und Entwicklungsländern zu fördern. Im Mittelpunkt stehen dabei die Beratung von politischen Entscheidungsträgern, die Analyse von Risiken und die Entwicklung von Lösungskonzepten für die Finanzierung und Versicherung von Katastrophenrisiken. Munich Re ist über New Re in Zürich als einer von fünf Versicherern an der Rückdeckung des Projekts beteiligt.

Die beteiligten pazifischen Inselstaaten haben in der Regel keinen Zugang zu den Kapitalmärkten und können zur Finanzierung von Schäden nach Naturkatastrophen nicht schnell Kapital an den Kapitalmärkten aufnehmen. Das Verwenden von parametrischen Triggern, bei denen Auszahlungen an die Stärke der jeweiligen Naturkatastrophe und nicht an tatsächliche Schadensummen gekoppelt sind, erlaubt eine Auszahlung aus dem Versicherungsprogramm innerhalb kurzer Zeit. Die somit rasch zur Verfügung stehenden Mittel können für die Nothilfe und für die Aufräumarbeiten nach einer Naturkatastrophe genutzt werden.

Die teilnehmenden Länder haben bereits von PCRAFI profitiert. So erhielt Vanuatu 1,9 Millionen US-Dollar für Hilfsmaßnahmen und als Wiederaufbauhilfe, nachdem Zyklon Pam im April 2015 auf zahlreichen Inseln Zerstörungen größeren Ausmaßes angerichtet hatte. 2014 erhielt Tonga nach dem Durchzug des tropischen Wirbelsturms Ian 1,3 Millionen US-Dollar.

Projekt "Integriertes Finanzmanagement von Klimarisiken im Agrarsektor in Peru" ins Leben gerufen

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und Munich Re unterstützen den Aufbau eines Risikotransfersystems für die Landwirtschaft in Peru. Dafür wurde das Projekt "Integriertes Finanzmanagement von Klimarisiken im Agrarsektor in Peru" ins Leben gerufen. Es soll gemeinsam mit den zuständigen peruanischen Behörden die rechtlichen, institutionellen und strukturellen Rahmenbedingungen für ein System entwickeln, das die landwirtschaftliche Produktion gegen wetterbedingte Risiken absichert. Das Projekt ist auf fünf Jahre angelegt und wird im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert.

Mikroversicherung – passgenaue Lösungen entwickeln und umsetzen

Munich Re bietet Menschen in gefährdeten Regionen in Partnerschaft mit Erstversicherern und anderen Institutionen sowie internationalen NGOs Mikroversicherungen an. Unsere Mikroversicherungen sind an die Bedürfnisse einkommensschwacher Bevölkerungsschichten angepasst, um diese vor dem Verlust der Existenzgrundlage und anderen Risiken zu schützen. Damit unterstützen wir das Risikoschutzbedürfnis von Familien oder Kleingewerben nach Katastrophenereignissen und leisten einen wichtigen Beitrag gegen die mögliche Verarmung. Das Ziel ist, ein tragfähiges Rückversicherungskonzept aufzubauen, das einen großen Teil der betroffenen Bevölkerung erreicht.

Mit unserem Engagement in Entwicklungs- und Schwellenländern fördern wir nicht nur die wirtschaftliche Stabilisierung und gesellschaftliche Entwicklung vor Ort, sondern investieren auch in einen Wachstumsmarkt und somit in die Zukunft von Munich Re. Deshalb bietet die Unternehmensgruppe nicht nur über die Rückversicherung, sondern auch in den Geschäftsfeldern Erstversicherung (ERGO) und Munich Health Mikroversicherungsprodukte an.

Münchener Klimaversicherungs-Initiative (MCII): Projekt "Climate Risk Adaptation and Insurance in the Caribbean"

Unter dem Dach der Munich Climate Insurance Initiative (MCII) wurde zusammen mit Munich Re, der Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility (CCRIF) und weiteren Partnern für die Karibikinseln Jamaika, St. Lucia und Grenada eine Wetter-Indexversicherung für Einzelpersonen mit geringem Einkommen entwickelt. Das Produkt ("Livelihood Protection Policy") zahlt bei Überschreitung festgelegter Windgeschwindigkeiten oder Regenmengen innerhalb weniger Tage an die Versicherungsnehmer aus. Bereits vor einem Unwetter werden die Versicherten per SMS-Mitteilung vor dem Ereignis gewarnt und können so Leben und Sachwerte in Sicherheit bringen. Ein weiteres Deckungskonzept ("Loan Portfolio Cover") ist in der Planung. Dieses soll Kreditinstitute nach einem Extremwetterereignis absichern, um mögliche Zahlungsausfälle bei Kleinkrediten an Landwirte, Kleinbetriebe und Familien zu kompensieren.

Die Entwicklung einer Versicherungslösung für Wetterrisiken in Entwicklungs- und Schwellenländern in Verbindung mit einer Schaden-Vorbeugungskomponente ist ein erster operativer Schritt von MCII auf dem Weg zu einem weitergehenden Naturkatastrophen-Risikomanagement für einkommensschwache Regionen. Das deutsche Umweltministerium war an der Finanzierung dieses Pilotprogramms sowie bei der inhaltlichen Ausgestaltung maßgeblich beteiligt.

GRI: G4-DMA-Indirect Economic Impacts; G4-EC7; G4-EC8; G4-DMA-Society; G4-FS13-14; G4-DMA-Product Portfolio

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Diese Publikation bieten wir exklusiv Kunden von Munich Re an. Bitte wenden Sie sich an Ihren Client Manager.