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Emerging Risks

Die Risiken von morgen

Erhebliches, aber schwer zu quantifizierendes Schadenpotenzial

Emerging Risks bleiben häufig unerkannt, bis sie sich unerwartet als folgenschwere Risikoereignisse oder spontane Trendentwicklungen manifestieren.

  • Zunahme von Cyber-Angriffen durch weltweite Digitalisierung 
  • 2013: Flugverbot für Dreamliner
  • 2011: Hochwasser in Thailand
  • 2001: Anschlag auf das World Trade Center
43
Mrd. US$
Überschwemmungen und Erdrutsche verursachten in Thailand 2011 die höchsten Schäden aller Zeiten durch ein Hochwasser

Was all diesen Risiken gemeinsam ist: Eintrittswahrscheinlichkeit, Schadenhöhe und potenzielle Auswirkungen sind extrem schwer zu quantifizieren. Nicht zuletzt deshalb, weil Fälle dieser Art noch nie oder nur selten eingetreten sind. Wenn sich Emerging Risks realisieren, sind die Folgen für Menschen und Sachwerte oft verheerend.

Emerging Risks können erhebliche Auswirkungen auf die Versicherungsseite und die Kapitalanlage haben. Meist handelt es sich um so genannte Long-Tail-Risiken, die eine mittel- bis langfristige Schadenregulierungsdauer aufweisen. Ohne klares Verständnis der Risikofaktoren ist ein effektives konventionelles Risikomanagement nicht möglich. Diese zu identifizieren, wird in einer sich rasch verändernden Risikolandschaft aufgrund zunehmender weltweiter Vernetzung, steigender Komplexität und geopolitischer Risiken immer schwieriger. Emerging Risks bieten aber auch neue Geschäftsopportunitäten.  Munich Re unterstützt seine Kunden bei der Entwicklung von effektiven Deckungen und innovativen Versicherungskonzepten für neu aufkommende Risiken.

Munich Re profitiert hierbei von seiner langjährigen Erfahrung bei der Identifikation und Steuerung von Emerging Risks – vom Crowdsourcing über Data Mining bis hin zur Vernetzung mit Wissenschaftlern und Institutionen in aller Welt.

Trends bei Emerging Risks

1,8
Milliarden Menschen
Im Jahr 2025 werden 1,8 Milliarden Menschen in Gegenden leben, in denen absoluter Wassermangel herrscht. (Quelle: Welternährungsorganisation)

Angesichts des Bevölkerungswachstums, der Wirtschaftsentwicklung und des Auftretens extremer Klimaveränderungen wächst der Druck auf endliche, nicht erneuerbare Ressourcen. Experten gehen davon aus, dass Lieferengpässe bei fossilen Energieträgern, seltenen Erden und Industriemetallen in den kommenden Jahrzehnten häufiger werden. Ein weltweites, gravierendes Problem ist aber vor allem die Wasserknappheit. Wassermangel bzw. der fehlende Zugang zu ausreichend Trinkwasser tragen weltweit maßgeblich zur Ernährungsunsicherheit bei. Mit der Ressourcenknappheit gehen potenziell verheerende soziale Auswirkungen einher – massive Migration, Unruhen, wirtschaftliche Stagnation oder Rezession.

Die Folgen für Versicherer sind u. a. höhere Schadenquoten in der Agrarversicherung und steigende Sachschäden aufgrund von sozialen Unruhen, Aufruhr und Plünderungen. Unternehmen müssen z. B. mit Betriebsunterbrechungen und steigenden Investitionskosten für die Produktion rechnen. Risikoexperten gehen davon aus, dass die Versicherungslücke letztlich größer wird, weil Erst- und Rückversicherer ihren Risikoappetit neu justieren.

Energieförderanlagen, Transportmittel und Gebäude werden immer größer, leistungsfähiger und komplexer. Je größer die Infrastruktur und die Anlagen, desto weniger beherrschbar und empfindlicher gegenüber der Umwelt wird die Technik selbst. Aktuelle Schadenfälle bei Ölplattformen oder Großraumflugzeugen und Kumulrisiken bei Megaprojekten verdeutlichen, dass Spitzentechnologie mit hochgradiger Risikoexponierung einhergeht. Das Umweltrisiko nimmt zu – ebenso wie die Gefahr von Reputationsschäden. 

Angesichts steigender Schadenzahlungen und häufigerer Schäden stehen die Versicherer zunehmend unter Innovationsdruck, um neuen Risikobedürfnissen gerecht zu werden. Auf der anderen Seite müssen sich Industriekunden bei ihren Megaprojekten auf höhere Prämien, eine größere Schadenempfindlichkeit und steigende Umwelt- und Reputationsrisiken einstellen.

Entwicklungen im Bereich Offshore-Energie

Bei der Offshore-Energie ist ein Trend zu Ultra-Tiefseebohrungen festzustellen. Die dafür erforderlichen größeren Anlagen gehen mit erhöhten Risiken einher.
2x
Im Jahr 2050 wird es in den meisten Ländern doppelt so viele über 60-Jährige geben wie Kinder. (Quelle: Business Insider, 2014)

Die Menschen werden immer älter, zugleich sinken die Geburtenraten. Der demografische Wandel verändert unsere Gesellschaft und erfordert von der Versicherungswirtschaft neue Lösungen. Angesichts einer alternden Bevölkerung versuchen die Regierungen, die Altersvorsorge zukunftsfähig zu machen und den Gesundheitssektor auf neue Herausforderungen vorzubereiten. Die langfristigen Folgen reichen allerdings noch viel weiter. Der demografische Wandel wirkt sich auf die Infrastruktur und Wirtschaftsleistung eines Landes ebenso aus wie auf das Arbeitsumfeld. 

Die Industrie muss neue Produkte schaffen, um Verbrauchergruppen mit völlig anderen Bedürfnissen gerecht zu werden. Bestimmte Zielgruppen verschwinden ganz. Daraus resultierende Absatzprobleme werden sich vermutlich auf die Beschäftigungszahlen auswirken. Gleichzeitig müssen die Versicherer auf eine veränderte Risikoeinschätzung im Bestandsgeschäft reagieren. 

4,5
Milliarden
Schätzungen zufolge wurden im ersten Halbjahr 2018 bei Hackerangriffen und Verletzungen der Datensicherheit über 4,5 Milliarden Datensätze kompromittiert. (Quelle: Bluefin, 2018)

Digitale Technologien verändern unser Leben rasant. Sie beeinflussen, wie wir die Welt erleben und wie wir interagieren. Unsere Abhängigkeit von Konnektivität und sofortigem Datenzugriff wächst. Gleichzeitig steigt die Anfälligkeit für Sicherheitsrisiken. Cyberangriffe auf IT-Systeme und die dort gespeicherten Daten zählen zu den größten Sicherheitsrisiken unserer Zeit – allerdings sind sie schwer zu identifizieren und einzuschätzen. 

Die Bedrohung kann physisch oder elektronisch sein, sie kann aus technischem oder menschlichem Versagen herrühren. Und sie ist allgegenwärtig. Mit so genannten Virenkits ist es kinderleicht, im Do-It-Yourself-Verfahren Schadprogramme zu erstellen und Cyberangriffe zu automatisieren – auch ohne Programmierkenntnisse. 

Mit 5G beginnt für das Internet der Dinge eine neue Ära. Der neue Standard ermöglicht Datenströme für vernetztes Fahren, Smart Factories, vernetzte Haushalte und Städte. Er treibt neue Technologien wie Augmented Reality voran. Gerade die besonderen Eigenschaften von 5G – direkte Kommunikation von Gerät zu Gerät, häufige Software-Updates, die bald verschlüsselte IMSI-Nummer (International Mobile Subscriber Identity) – machen den Schutz vor Cyber-Spionage zu einer erheblichen Herausforderung. 

Im anbrechenden Zeitalter des Quantum Computing denkt man in Unternehmen gerne an die Vorteile, die von den extrem schnellen Rechnern zu erwarten sind. Voraussichtlich werden Quantencomputer aber als erstes unter anderem dazu genutzt, die Verschlüsselungscodes zu knacken, mit denen sich diese Unternehmen heute schützen. 

Gleiches gilt für die Künstliche Intelligenz (KI). Sie schafft die Grundlage für das Internet der Dinge und die Industrie 4.0 und hilft uns, die riesigen Datenmengen zu verstehen, die in den sozialen Medien generiert werden. KI steckt aber auch hinter Social Bots. Als Schlüsseltechnologie ermöglicht KI Biometrik, Data Mining und Analytics, intelligente Automatisierung, selbstlernende Maschinen und strategische Aufklärung. Gleichzeitig ist es mit KI möglich, in großem Umfang gezielte Fehlinformationen, Fake News oder gefälschte Bilder zu verbreiten und Wahlen zu manipulieren.

Die Assekuranz kann die rasante technologische Entwicklung der Gesellschaft nicht aufhalten. Sie kann aber modernste Technologien – von KI über Cloud Computing bis hin zu Big Data – nutzen, um Unternehmen zu helfen, IT- und Cyber-Risiken zu reduzieren. Erst- und Rückversicherer sorgen für eine Schärfung des Risikobewusstseins und tragen dazu bei, Sicherheitsnormen zu definieren. Sie modellieren Cyberrisiken und entwickeln neue Lösungen für den Risikotransfer. Das Ziel ist, robuste Risikolösungen zu entwickeln, um mit den immer rasanteren technologischen Entwicklungen Schritt zu halten.

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Dr. Gerhard Schmid
Emerging Risk and Innovation Manager