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Weniger Schäden, wachsende Risiken: die Naturkatastrophen des 1. Halbjahres 2026

30.07.2026

Rückversicherung

    Titelbild

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    • Weltweite Schäden durch Naturkatastrophen blieben leicht unter den zehnjährigen Durchschnittswerten
    • Schweres Doppel-Erdbeben in Venezuela forderte tausende Tote und hinterließ Milliardenschäden
    • Ohne Klimawandel kaum möglich: Rekord-Hitzewellen in Nordamerika und Europa gefährden Menschen und bremsen die Wirtschaft
    • Drohender „Super-El Niño”: Wetterextreme in vielen Regionen der Welt zu befürchten
    Thomas Blunck
    Das erste Halbjahr 2026 brachte eine Atempause von Vorjahren mit sehr hohen Naturkatastrophenschäden. Aber der Klimawandel und der Wertezuwachs gehen weiter und erhöhen das Risiko höherer Verluste in der Zukunft. Die besten Maßnahmen für weniger Schäden sind, Hochrisikogebiete nicht mehr für Menschen und Unternehmen zu erschließen sowie weiter in Prävention zu investieren.
    Thomas Blunck
    MItglied des Vorstands

    Die Naturkatastrophen des 1. Halbjahres 2026 in Zahlen

    In den ersten sechs Monaten des Jahres zerstörten Naturkatastrophen weltweit Werte von etwa 112 Mrd. US$. Davon waren nur 44 Mrd. US$ versichert, was einer Versicherungslücke von 60% entspricht. Die Schäden lagen leicht unter den inflationsbereinigten Durchschnittswerten der vergangenen zehn Jahre (Gesamtschäden 113 Mrd. US$; versicherte Schäden 50 Mrd. US$), aber deutlich unter denen der vergangenen fünf Jahre (136 bzw. 66 Mrd. US$).  

    Die zerstörerischste Naturkatastrophe war ein Doppel-Erdbeben in Venezuela am 24. Juni. Innerhalb weniger Minuten ereigneten sich etwa 200 km westlich der Hauptstadt Caracas nahe der Stadt Moròn zwei schwere Erdstöße der Magnituden 7,2 und 7,5. Nach Angaben der US-Erdbebenbehörde USGS war es das schwerste Erdbeben in der sehr erdbebengefährdeten Region seit 1900. Tausende Menschen kamen ums Leben. Nach ersten Einschätzungen wird der Gesamtschaden auf etwa 30 Mrd. US$ geschätzt, von dem weniger als 1 Mrd. US$ versichert war.    

    Für Versicherer waren jedoch – wie häufig – Schwergewitter in den USA der größte Schadentreiber im ersten Halbjahr. Mit 30 Mrd. US$ Gesamt- und 22 Mrd. US$ versicherten Schäden lagen die US-Gewitterschäden allerdings unter den 10-jährigen Durchschnittswerten (34 bzw. 26 Mrd. US$). Dabei sprach die Anzahl von Tornados und Hagelschlägen im Rahmen der erwartbaren Spannen eigentlich für höhere Schäden.

    Verstärkt durch den Klimawandel: Hitzewellen in Europa und Nordamerika

    Hinweis: Dieses Video wurde aufgezeichnet, bevor sich die Waldbrände in Spanien und Frankreich massiv ausweiteten.

    Rekordbrechende Hitzewellen prägten das erste Halbjahr in Nordamerika und Europa. Wissenschaftler sprechen vom „Pulverisieren von Rekorden“, weil neue Höchstwerte die bisherigen vielerorts weit übertrafen. Besonders betraf dies im Juni weite Teile Mittel- und Westeuropas. In Möckern im Osten Deutschlands zum Beispiel wurden 41,8°C gemessen – gleich 0,6°C über dem bisherigen landesweiten Rekord von 2019. Bemerkenswert ist auch, dass der Juni normalerweise nicht der heißeste Monat des Jahres ist. Schon im Mai waren in Europa monatliche Temperaturrekorde gebrochen worden.

    Studien zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen Hitzewellen und dem Klimawandel. Für Europa stellte eine Studie fest, dass die jüngste Hitzewelle vor 50 Jahren etwa 3,5°C kühler gewesen wäre. Europa gilt als der Kontinent, der sich durch den Klimawandel am stärksten erwärmt – doppelt so stark wie der globale Durchschnitt.  

    Laut einer weiteren Untersuchung wurden bei einer Hitzewelle in den USA im Juni bei der Kombination aus Temperatur und Feuchtigkeit Werte erreicht, die ohne den Klimawandel praktisch unmöglich gewesen wären. Schwüle Hitze gilt als besonders belastend und gefährlich für Menschen und Tiere. In vielen Orten der östlichen US-Bundesstaaten fiel die Temperatur selbst nachts kaum unter 27°C (etwa 80°F).  

    Hitzewellen gelten als die Naturgefahr, bei der die meisten Menschen ums Leben kommen. Allein in Deutschland starben nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts in diesem Jahr bis Juni mehr als 5.000 Menschen an Hitzefolgen. Die finanziellen Folgen von Hitzewellen sind schwer zu beziffern, weil sie meist keine direkten Sachschäden nach sich ziehen. Schäden entstehen durch sinkende Produktivität und Produktionsausfälle, aber auch durch Infrastrukturschäden, Transportunterbrechungen und Ernteausfälle.

    Eine Studie der OECD mit Unternehmensdaten aus 23 entwickelten Volkswirtschaften ergab, dass die Arbeitsproduktivität an sehr heißen Tagen und bei Hitzewellen deutlich sinkt. So verringert sich die jährliche Arbeitsproduktivität bei zehn zusätzlichen Tagen mit Temperaturen über 35°C im Schnitt um 0,3%. Das entspricht etwa dem Effekt einer Energiepreissteigerung um 5%. Der Hitzestress nimmt bei höherer Luftfeuchtigkeit dabei noch zu.  

    Super-El Niño verändert Wetterextreme weltweit

    El Niño beeinflusst Wetterextreme auf der ganzen Welt – Die wichtigsten Effekte

    Munich Re, auf Grundlage von IRI, NOAA und anderen

    Die zweite Jahreshälfte 2026 wird voraussichtlich zudem vom Klimaphänomen El Niño geprägt werden. Es bringt meistens noch höhere Temperaturen mit sich und beeinflusst Wetterextreme in vielen Weltregionen.  

    Eine El Niño-Phase ist ein Teil der natürlichen Klimaschwankung ENSO (El Niño/Southern Oscillation), einer Schwankung der Meerestemperaturen und atmosphärischer Zustände im Pazifik mit Einfluss auf das Wetter rund um die Welt.  

    In Australien, Mittelamerika und im Südwesten Afrikas beispielsweise drohen dann vermehrte Trockenheit und Waldbrände. Im Westen Südamerikas, Teilen Brasiliens und auch im Südwesten der USA dagegen kann es starke Niederschläge mit Sturzfluten geben. El Niño dämpft die Hurrikansaison im Nordatlantik, führt aber zu einer höheren Taifun-Aktivität im gesamten Nord-Pazifik, einschließlich des Nordwest-Pazifiks.  

    El Niño verursacht tendenziell höhere globale Durchschnittstemperaturen – zusätzlich zum Klimawandel. Die Meeresoberflächentemperaturen liegen im Schnitt schon jetzt auf Rekordniveau. Bei der globalen Mitteltemperatur dagegen hält bisher 2024 den Rekord mit rund 1,5°C über der vorindustriellen Zeit – es war ebenfalls ein El Niño-geprägtes Jahr. Ähnlich wie jetzt begann damals El Niño im Vorjahr und wirkte dann noch stark in das Jahr 2024 hinein.

    Die Prognosen deuten derzeit auf Rekord-El Niño-Bedingungen am Jahresende. Eine El Niño-Phase dauert üblicherweise sechs Monate bis ein Jahr, mit Schwerpunkt um den Jahreswechsel.  

    Tobias Grimm, Chef-Klimatologe von Munich Re, warnt: „Es ist eine gefährliche Mischung: Zur fortschreitenden Erderwärmung steuert die Welt auch noch auf einen Super-El Niño zu, der zusätzlich aufheizt. Die Auswirkungen werden in der zweiten Jahreshälfte wahrscheinlich deutlich zu spüren sein. Wer rechtzeitig vorsorgt, rettet Menschenleben und begrenzt die wirtschaftlichen Schäden aus Naturkatastrophen.“

    Das Halbjahr in Zahlen:

    In Nordamerika verursachten Naturkatastrophen bis Juni Gesamtschäden von rund 47 Mrd. US$, davon waren 34 Mrd. US$ versichert. Die Schäden lagen damit unter den Durchschnittswerten der vergangenen zehn Jahre.

    Eine Gewitterfront mit einer Serie schwerer Tornados war die kostspieligste Naturkatastrophe in Nordamerika im ersten Halbjahr. Sie zog im April über mehrere Bundesstaaten im Mittleren Westen der USA bis hin nach Texas im Süden. Etwa 100 Tornados wurden gezählt, darunter einer der zweithöchsten Stufe EF4 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 290 km/h (180 mph). Die Schäden beliefen sich auf rund 5,8 Mrd. US$, davon waren rund 4,1 Mrd. US$ versichert. 

    Drei Winterstürme mit starken Schneefällen und Frost zwischen Januar und März gehörten mit zu den teuersten Ereignissen. Ihre Gesamtschäden summierten sich auf rund 11 Mrd. US$, etwa 7,7 Mrd. US$ waren versichert. Ein besonders folgenschwerer Sturm überzog im Januar große Teile der USA und Kanadas mit enormen Schneemengen, Frost und Glätte. Beinahe die gesamte Osthälfte des Kontinents war betroffen. Arktische Kaltluftausbrüche können über Nordamerika bis weit in den Süden vordringen, weil kein Gebirge in West-Ost-Richtung im Weg steht.

    Die Hurrikansaison im Nordatlantik verlief bis Juni mit nur einem schwachen tropischen Wirbelsturm (Arthur) ruhig, wie für eine El Niño-Phase üblich. Allerdings können Hurrikane auch unter El Niño-Bedingungen extreme Schäden anrichten: Hurrikan Andrew im Jahr 1992 ist ein Beispiel. Er verwüstete während einer El Niño-Phase den Bundesstaat Florida, was wegen der damals unerwartet hohen Schäden zu einem Umdenken im Versicherungssektor über die Häufigkeit besonders extremer Stürme führte. Andrew zählt bis heute zu den zehn teuersten tropischen Wirbelstürmen weltweit, gemessen an den inflationsbereinigten Schäden. 

    Während El Niño-Phasen sind auch starke Regenfälle im Süden der USA wahrscheinlicher und erhöhen das Risiko von Sturzfluten und Flussüberschwemmungen.

    Abgesehen von den Hitzewellen richteten in Europa schwere Winterstürme hohe Schäden an. Gleich neun trafen zu Jahresbeginn Portugal und Spanien in kaum mehr als einem Monat, darunter der folgenreichste Sturm Kristin Ende Januar. Kristin fegte mit Windgeschwindigkeiten bis zu 170 km/h und starken Niederschlägen über die iberische Halbinsel und hinterließ hohe Schäden von rund 7,7 Mrd. US$, davon waren 1,8 Mrd. US$ versichert. In Portugal übertrafen die Schäden bereits die jährlichen Gesamt- und versicherten Schäden seit 1980, der üblichen Referenzperiode in Munich Re’s NatCatSERVICE-Datenbank.

    Von den Schäden aus allen Naturkatastrophen in Europa im ersten Halbjahr entfielen alleine auf die neun Winterstürme rund 80% der Gesamtschäden und 70% der versicherten Schäden. In Summe übertrafen die Gesamtschäden von rund 22 Mrd. US$ und die versicherten Schäden von gut 7 Mrd. US$ die Durchschnittswerte der vergangenen zehn Jahre (inflationsbereinigt 18 Mrd. US$/6,6 Mrd. US$).

    In der Region Asien/Pazifik blieben die Schäden deutlich unter denen der Vorjahre. Die Gesamtschäden betrugen 8,7 Mrd. US$ (10-Jahresdurchschnitt inflationsbereinigt: 32 Mrd. US$), davon war etwas mehr als 1 Mrd. US$ (5 Mrd. US$) versichert. 

    Im Mai führten anhaltende Niederschläge in Zentral- und speziell in Südchina zu starken Überschwemmungen. Ein hunderte Kilometer breites Regenband brachte in zahlreichen Provinzen anhaltende Niederschläge von bis zu 400 mm pro Quadratmeter. Nach Medienberichten traten mehr als 100 Flüsse über die Ufer. Innenstädte wurden überschwemmt, Fahrzeuge weggespült. Schätzungsweise 45 Menschen kamen ums Leben. Heftige Niederschläge sind in China während des Sommer-Monsuns in Ostasien üblich, sie begannen dieses Jahr allerdings deutlich früher als sonst. Die Gesamtschäden der Überschwemmungen beliefen sich nach ersten Schätzungen auf etwa 2,8 Mrd. US$, davon war nur ein Bruchteil versichert. 

    Schwere Buschbrände suchten den Südosten Australiens heim. Der Gesamtschaden betrug etwa 1 Mrd. US$, davon waren rund zwei Drittel versichert. Australien ist auch stark den Auswirkungen von Hitzewellen ausgesetzt, deren direkte Schäden schwer zu beziffern sind. Der Australian Climate Service schätzte im jüngsten „Australia’s National Climate Risk Assessment“ unter Berufung auf eine 2018 veröffentlichte Studie, dass Hitzewellen die Arbeitsproduktivität um bis zu rund 0,5% verringern. Milliardeneinbußen für die Wirtschaft sind die Folge. 

    In Indien begannen die für die Landwirtschaft sehr wichtigen Monsunregen später und deutlich schwächer als sonst. Gleichzeitig erhöht der stärker werdende El Niño das Risiko von Dürren im Land. 

    Für das zweite Halbjahr bringt El Niño für weite Teile der Region Asien/Pazifik erhebliche Risiken: In Australien und Teilen Südostasiens erhöht El Niño die Gefahr von Hitze, Dürre und Waldbränden. Zudem verschiebt El Niño die Entstehungsgebiete von Taifunen im Nordwestpazifik tendenziell nach Osten. Dadurch treten verstärkt langlebige und intensive Taifune auf, deren Zugbahnen tendenziell auch häufiger nach Norden in Richtung Japan, Korea und China verlaufen.  

    In Afrika verursachten Naturkatastrophen Schäden von rund Mrd. 2 US$. Nur ein Bruchteil war versichert. Den höchsten Schaden verursachten Stürme und Überschwemmungen in Südafrika im Mai, der Gesamtschaden betrug mehr als 0,5 Mrd. US$. Die Schäden belegten die große Versicherungslücke der Länder Afrikas. Während die exponierten Werte zunehmen, bleibt der versicherte Anteil begrenzt. Regierungen, Unternehmen und Menschen müssen bei Schäden dann den größten Teil selbst tragen, was den Wiederaufbau erschwert.

    Weitere Informationen

    Munich Re ist ein weltweit führender Anbieter von Rückversicherung, Erstversicherung und versicherungsnahen Risikolösungen. Die Unternehmensgruppe besteht aus den Geschäftsfeldern Rückversicherung und ERGO sowie dem Vermögensmanager MEAG. Munich Re ist weltweit und in allen Versicherungssparten aktiv. Das Unternehmen zeichnet sich seit der Gründung im Jahr 1880 durch einzigartiges Risiko-Knowhow und besondere finanzielle Solidität aus. Mit diesen Stärken unterstützt Munich Re die Geschäftsinteressen der Kunden und den technischen Fortschritt. Munich Re entwickelt Deckungen für neuartige Risiken wie Raketenstarts, erneuerbare Energien, Cyberrisiken oder künstliche Intelligenz. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Munich Re einen Versicherungsumsatz von 60,4 Mrd. Euro und ein Konzernergebnis von 6,1 Mrd. Euro. Weltweit beschäftigt Munich Re rund 44.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Stand 31. Dez. 2025).

    Disclaimer
    Der NatCatSERVICE von Munich Re erhebt für die Analyse von Naturkatastrophen-Schäden Informationen von Behörden, wissenschaftlichen Einrichtungen, Verbänden, der Versicherungswirtschaft und aus Medien sowie anderen öffentlich zugänglichen Quellen. In die Bewertung fließen die eigene umfassende Naturkatastrophen-Expertise sowie Marktdaten zu den weltweiten Versicherungsmärkten ein. Munich Re übernimmt keine Gewähr für die Korrektheit der stichtagsbezogenen Erhebung, die sich zudem jederzeit verändern kann. Diese Informationen dürfen nicht die Grundlage für Entscheidungen ohne vorherige professionelle Beratung und sorgfältige Analyse der Hintergründe sein. Munich Re haftet nicht für Schäden aus Entscheidungen Dritter, die auf Grundlage dieser Informationen getätigt wurden.

    Schätzungen von Marktschäden aus ähnlichen Ereignissen eignen sich nicht als alleinige Grundlage für die Schätzung des jeweiligen Munich Re-Anteils, da die Schadenstruktur selbst und die Underwriting-Strategie in den Regionen von Ereignis zu Ereignis verschieden sein können.

    Diese Medieninformation enthält in die Zukunft gerichtete Aussagen, die auf derzeitigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung von Munich Re beruhen. Bekannte und unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächliche Entwicklung unserer Gesellschaft, insbesondere die Ergebnisse, die Finanzlage und die Geschäfte, wesentlich von den hier gemachten zukunftsgerichteten Aussagen abweicht. Die Gesellschaft übernimmt keine Verpflichtung, diese zukunftsgerichteten Aussagen zu aktualisieren oder sie an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.

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    Bud Hedges
    Spokesperson – UK & London Insurance Market