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Gewitter, Hagel und Tornados

Lokal begrenzt, extreme Schäden

Gewitterschäden nehmen zu

Gewitter kommen selten allein. Hagel, starke Windböen, Tornados oder Starkniederschläge sind häufige Gefahren. Sturzfluten, Erdrutsche und Überschwemmungen können die Folge sein. Die Schäden erreichen oft Milliardenhöhe. 
25
Mrd. US$
Schäden aus schweren Gewittern in Nordamerika im Jahr 2017

In den USA sind Gewitter neben Hurrikanen das wichtigste Unwetterrisiko für die Versicherungswirtschaft. Ein Tornado oder ein gewaltiger Hagelsturm, der das Zentrum einer Großstadt trifft, kann einen extrem hohen Einzelverlust verursachen.

Die Lage in Gebieten östlich der Rocky Mountains ist aus globaler Sicht einzigartig, mit starken und häufigen schweren Gewitterausbrüchen, sehr oft mit vielen Tornados.

Die aggregierten Schäden zeigen in den letzten Jahrzehnten selbst bereinigt um den Wertezuwachs eine steigende Tendenz. Allein 2017 betrug der Gesamtschaden aus schweren Gewittern („Severe Convective Storms“) in Nordamerika über 25 Milliarden US-Dollar. Etwa drei Viertel davon trug die Versicherungswirtschaft. Neben Sachschäden an Gebäuden spielen dabei Schäden an Kraftfahrzeugen eine wesentliche Rolle.

Schwere Gewitter und der Klimawandel

Die Wissenschaft hat gezeigt, dass in Nordamerika meteorologische Bedingungen häufiger geworden sind, bei denen extreme Gewitter entstehen. Zugleich gibt es einen Trend zu steigenden Schäden.

Studien auf Basis von Klimamodellen kommen zu dem Schluss, dass der Anstieg der Feuchte in der Atmosphäre der Treiber ist. Auslöser dafür wiederum sind höhere Meerestemperaturen und stärkere Verdunstung. Ein Beitrag des Klimawandels zum Anstieg der (wertebereinigten) Schwergewitterschäden ist daher sehr naheliegend. 

Normalisierte Schäden durch schwere Gewitter in Nordamerika wachsen

Wie in Nordamerika sind in Europa die normalisierten Schäden durch schwere Gewitter gestiegen

Auch in Europa hat die Intensität von Gewittern in bestimmten Regionen in den vergangenen Jahren zugenommen.

Schwere Gewitter können praktisch überall auftreten. Allerdings lassen sich auch Gebiete identifizieren, die eine besonders hohe Gewitter- und damit auch Schadenwahrscheinlichkeit aufweisen. In diesen Regionen liegen die Schadenpotenziale oft in Milliardenhöhe.

Ähnlich wie in Nordamerika wurde auch für Europa belegt, dass schwere Gewitter, insbesondere mit starken Hagelschlägen und Sturmböen, in verschiedenen Regionen häufiger geworden sind. Dadurch erhöht sich das Schadenpotenzial weiter, das ohnehin wegen wachsender Werte und Reparaturkosten zunimmt. Eine wesentliche Rolle spielt der höhere Feuchtegehalt der Atmosphäre. Da höhere Meerestemperaturen und stärkere Verdunstung zu einer feuchteren Atmosphäre führen, ist dies ein Indiz für den Einfluss des Klimawandels. 

Gebäude und Infrastruktur sind bei schweren Hagelereignissen sehr schadenanfällig. Maßnahmen zur Vermeidung von Schäden sind angesichts der steigenden Schäden unbedingt nötig. 

Sturzfluten, Erdrutsche und Überschwemmungen – Schwergewitter kommen selten allein

Gewitterzellen können im Grunde überall auftreten. Und genau hier liegt die Herausforderung: Denn wo genau sie sich entladen, ist so gut wie nicht vorhersagbar. Das gilt auch für die Gefahren in ihrem Gefolge: Wie schnell, wo und in welchem Ausmaß Starkniederschläge zu Sturzfluten und Überschwemmungen führen, hängt vom Einzugsgebiet ab. Sind nach wiederholten Niederschlägen die Böden durchnässt, können an Hängen Erdrutsche auftreten. Wenn Durchlässe verstopfen, staut sich das Wasser vor dem Hindernis – gibt es nach, entsteht eine Flutwelle. Von allen Faktoren ist die extreme Niederschlagsmenge in kürzester Zeit aber der wichtigste Schadentreiber.

Tornados – Nicht nur in den USA

Tornados sind die Windsysteme mit den höchsten Windgeschwindigkeiten. Sie entstehen immer dann, wenn in der Atmosphäre starke vertikale Luftbewegungen auftreten – und sind daher stets an intensive Gewitterzellen gekoppelt. Die Breite des Tornadorüssels liegt durchschnittlich bei rund 100 Metern, die mittlere Zuglänge bei einigen Kilometern. Allerdings wurden auch schon mehr als 1.000 m breite Tornados und Zuglängen bis zu 300 km beobachtet. Am Rand des Rüssels kann die Windgeschwindigkeit im Extremfall bis an etwa 500 km/h heranreichen. Weltweit kommen diese Stürme vor allem in den klimatisch gemäßigten Regionen im Bereich von 20° bis 60° nördlicher und südlicher geografischer Breite vor.
Die Animation zeigt Strömungsprozesse innerhalb eines Tornados und in seinem Umfeld
Tornados sind so gefährlich, weil sie sich binnen Minuten aufbauen und durch ihre lokal extremen Windgeschwindigkeiten zerstörerischer sein können als ein Hurrikan. Man verbindet sie geografisch oft mit dem Mittleren Westen der USA, wo sie gehäuft in der berüchtigten Tornado Alley wüten. Sie erstreckt sich in etwa parallel zum Nord-Süd-Verlauf der Rocky Mountains von Texas über Oklahoma nach Kansas und Nebraska bis South Dakota und Iowa. In den vergangenen Jahren wurden in den USA im Mittel über 1000 solcher Windhosen pro Jahr beobachtet. In Europa werden gemäß der European Severe Weather Database (ESWD) 300 bis 400 gesicherte Tornados pro Jahr gezählt.
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Eberhard Faust
Eberhard Faust
Forschungsleiter Klimarisiken und Naturgefahren
Anja Rädler
Anja Rädler
Meteorologin und Sturmexpertin
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