Aktionärsbrief

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Aktionärsbrief

Sehr geehrte Damen und Herren,

hinter uns liegt eines der schadenreichsten Jahre unserer Unternehmensgeschichte. Die Wirbelstürme Harvey, Irma und Maria sowie die Erdbeben in Mexiko haben Not und Zerstörung über die Karibik, Mittelamerika und den Süden der USA gebracht. Munich Re zahlt allein für diese Ereignisse über 3.000 Millionen Euro aus und hilft somit, die Not der Betroffenen zumindest in finanzieller Hinsicht zu mildern. Auch wenn durch diese ungewöhnliche Häufung von schweren Katastrophen unser ursprüngliches Gewinnziel für 2017 nicht mehr erreichbar war, haben wir auch derart hohe Schäden gut verkraften können.

Die genannten Katastrophen haben erneut Sinn und Notwendigkeit von Rückversicherungsschutz verdeutlicht, und Munich Re steht zu ihrer Rolle als starker Rückhalt für die Versicherungswirtschaft in allen Sparten und Weltregionen. Dennoch müssen wir uns wandeln. Immer kürzere Innovationszyklen, ein verschärfter Wettbewerb auf den Rückversicherungsmärkten, längerfristig tiefe Zinsen, die Digitalisierung aller Lebens- und Arbeitsbereiche, disruptive neue Geschäftsmodelle – unser Umfeld ändert sich rapide und mit ihm die Anforderungen an Munich Re. Wir werden die Transformation von Munich Re gestalten, um neue Chancen, etwa durch die Digitalisierung, zu nutzen und unsere Ertragskraft dauerhaft und nachhaltig zu sichern.

Wir investieren massiv in die digitale Transformation. So haben wir eigene Einheiten aufgebaut, die Daten gewinnen, strukturieren, analysieren und die Erkenntnisse daraus den Geschäftseinheiten zur Verfügung stellen. Schon heute beschäftigt Munich Re mehr als 200 Datenspezialisten, über 300 Mitarbeiter arbeiten im Bereich Innovation, Tendenz weiter steigend. Immer mehr unserer erfahrenen Top-Experten widmen sich auf ihren Fachgebieten ausschließlich oder mit großen Zeitanteilen innovativen Lösungen für bekannte und neuartige Bedarfe. Wir entwickeln neue, digitale Geschäftsmodelle, etwa im Bereich Internet der Dinge. Wir sind globaler Marktführer in dem dynamisch wachsenden Markt für Cyberversicherungen. Unter den Start-ups in der Versicherungsszene gilt Munich Re als erste Adresse für Kooperationen. Mit nexible haben wir gewissermaßen ein eigenes Start-up in Form eines reinen Online-Versicherers gegründet. Wir investieren massiv in die Digitalisierung von ERGO und arbeiten daran, Kunden, die je nach Situation online, telefonisch oder persönlich in einer Filiale betreut werden wollen, ein schnittstellenfreies, modernes Kundenerlebnis zu bieten.

Dies sind nur einige Beispiele für die tief greifende digitale Transformation des Konzerns. Allerdings möchten wir nicht die Geschäftsmodelle von Daten- und Internetkonzernen imitieren. Vielmehr zielt unsere Strategie darauf ab, mit digitalen Bausteinen unser eigenes Kerngeschäft zu verbessern und an den Grenzen zu erweitern. Unser Business ist auch künftig rückversichern und versichern.

Parallel zum Aufbau digitaler Kompetenz bauen wir an anderer Stelle Komplexität ab. Interne Abläufe werden vereinfacht und die Effizienz unserer Prozesse erhöht. Wir senken unsere Kosten und verschlanken uns personell an den Stellen, wo wir dies ohne Einschränkungen für das Geschäft tun können. Auf diese Weise sichern wir die Zukunftsfähigkeit von Munich Re.

Den in den vergangenen Jahren, auch unabhängig von den Großschadenlasten aus 2017, zu verzeichnenden Gewinnrückgang werden wir stoppen und unsere Profitabilität Schritt für Schritt erhöhen. Hierfür haben wir in beiden Geschäftsfeldern sowie bei unserer Kapitalanlagetochter MEAG ehrgeizige Initiativen für profitables Wachstum gestartet.

Im Geschäftsfeld ERGO macht das Strategieprogramm gute Fortschritte, wichtige Meilensteine wurden 2017 erreicht. Auch das Ergebnis stimmt: Mit 273 Millionen Euro hat ERGO das zum Halbjahr schon angehobene Gewinnziel für 2017 übertroffen. Doch bis zum erfolgreichen Abschluss des Strategieprogramms liegt noch viel Arbeit vor uns. Das Ziel bleibt, dass ERGO ab 2021 jährlich mindestens 600 Millionen Euro zum Konzernergebnis beiträgt und die strategischen Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft schafft.

Die Hurrikane in den USA und der Karibik, die starken Waldbrände in Kalifornien sowie die Erdbeben in Mexiko prägten das Ergebnis im Geschäftsfeld Rückversicherung. Die Schaden und Unfallrückversicherung, in der Munich Re in normalen Jahren ihre größten Gewinne erwirtschaftet, verzeichnete 2017 sogar einen Verlust. Allerdings, und das ist die gute Nachricht, stiegen aufgrund der massiven Schäden die Preise für Rückversicherungsschutz bei den zur Jahreswende neu verhandelten Rückversicherungsverträgen. Diese positive Entwicklung dürfte sich im weiteren Verlauf des Jahres noch verstärken, wenn viele weitere Verträge in den von den Katastrophen betroffenen Märkten zur Neuverhandlung anstehen. Wir sind zuversichtlich, dass sich die Marktbedingungen weiter verbessern werden.

Unabhängig davon wollen wir durch eigene Initiativen unsere Profitabilität in der Rückversicherung steigern. Wir werden unsere Chancen auf profitables Geschäft konsequent ergreifen. In ausgewählten Teilmärkten werden wir unsere Bereitschaft, Risiken einzugehen, gezielt erhöhen, ohne die Grundsätze unserer Zeichnungspolitik aufzuweichen. Gleichzeitig werden wir weiterhin mit großer Kraft un- oder unterversicherte Risiken als neue Märkte erschließen, die im vergangenen Jahr geschlossene Kooperation mit der Weltbank und der Weltgesundheitsorganisation WHO zur Absicherung von Entwicklungsländern bei Pandemien ist hierfür ein gutes Beispiel.

In der Kapitalanlage versuchen wir unser Ergebnis zu steigern, indem wir, mit Blick auf unseren langen Anlagehorizont, verstärkt auch in weniger liquiden Märkten investieren und das Risikoprofil unseres Portfolios leicht erhöhen, ohne unsere bewährte, an unseren Verbindlichkeiten orientierte Anlagepolitik im Grundsatz zu verändern. Munich Re bleibt ein konservativer Anleger – absolut und im Marktvergleich. Da Munich Re stark in Zinsträgern investiert ist, haben für uns die Entscheidungen der Zentralbanken eine hohe Bedeutung. Hier gibt es nach wie vor keinen Rückenwind für uns, aber der Gegenwind hat nachgelassen. Insbesondere in den USA, wo die Rückversicherung stark engagiert ist, steigen die Zinsen langsam wieder. Entsprechend sollte in diesem Geschäftsfeld der Rückgang unserer laufenden Rendite 2018 zu einem Ende kommen.

Auch künftig wollen wir mit hohen, wenn möglich steigenden Ausschüttungen Ihr Investment in Munich Re vergüten. Auf die Dividende von Munich Re ist Verlass. Seit fast 50 Jahren ist unsere Dividende nicht mehr gesenkt worden. Selbstverständlich haben wir den Ehrgeiz, diese Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Auch für das zurückliegende von Großschäden geprägte Geschäftsjahr wird Munich Re – vorausgesetzt Aufsichtsrat und Hauptversammlung stimmen zu – eine unveränderte Dividende von 8,60 € je Aktie bezahlen.

Insgesamt können wir optimistisch in die Zukunft blicken. Munich Re ist auf einem guten Weg, die digitale Transformation aktiv zu nutzen, um die Angebote an unsere Kunden noch besser, effizienter und passgenauer zu gestalten. Gleichzeitig senken wir unsere Kosten und setzen gezielte Impulse für profitables Wachstum. Wir haben die finanzielle Stärke, um durch Unternehmenszukäufe, vor allem aber organisch zu wachsen. 2018 streben wir einen Überschuss in der Spanne von 2,1 bis 2,5 Milliarden Euro an, also eine leichte Steigerung gegenüber dem für 2017 geplanten Ergebnis.

Für Ihr Vertrauen, das Sie durch Ihr Investment in Munich Re zum Ausdruck bringen, danke ich Ihnen persönlich – und auch im Namen meiner rund 42.000 Kolleginnen und Kollegen weltweit – sehr herzlich.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Joachim Wenning

Nikolaus von Bomhard - Munich Re

Dr. Joachim Wenning
Vorsitzender des Vorstands
Münchener Rück AG


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Diese Publikation bieten wir exklusiv Kunden von Munich Re an. Bitte wenden Sie sich an Ihren Client Manager.