Schwere Hagelgewitter mit erheblichem Schadenpotential nehmen in Europa beeinflusst durch den Klimawandel stärker zu als in anderen Weltregionen. Das zeigt eine aktuelle Studie von Forscherinnen und Forschern des European Severe Storms Laboratory (ESSL), der Adam-Mickiewicz-Universität Poznań und von Munich Re, die im Wissenschaftsmagazin Nature Geoscience veröffentlicht wurde1. Analysiert wurden Wetterdaten von 1950-2023 sowie Schadendaten von 1992 bis 2023.
Sehr großer Hagel mit mehr als 5 cm großen Hagelkörnern kann erhebliche Schäden an Gebäuden, Fahrzeugen und Infrastruktur verursachen und stellt auch eine Gefahr für Menschen dar. Treffen solche Ereignisse Ballungsräume, entstehen schnell Schäden in Milliardenhöhe. Die Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Wetterdaten, dem Auftreten von sehr großem Hagel und der Entwicklung von Schadensereignissen. Hagel mit kleineren Korngrößen (z.B. 2 cm) verursacht dagegen vor allem in der Landwirtschaft hohe Schäden.
Die Studie hat erstmals globale Hagelrisiken, Trends und Schäden umfassend analysiert. Die gewonnenen Erkenntnisse haben es uns ermöglicht, unser Hagel-Risikomodell für Europa weiterzuentwickeln und auf den neuesten Stand der Forschung zu bringen. Das unterstützt uns maßgeblich bei der Risikobewertung und im Underwriting.
Eine Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse
Durchschnittliche Anzahl von Ereignissen mit großem Hagel 1950-2023
Trend von Großhagel-Ereignissen pro Dekade 1950-2023
In den USA veränderte sich das Hagelrisiko uneinheitlich: Während in vielen Regionen kein Anstieg festzustellen war, stieg das Risiko für sehr großen Hagel beispielsweise im Ballungsraum Dallas (Texas) um rund die Hälfte.
Nur auf der Südhalbkugel nahm das Hagelrisiko regional signifikant ab, insbesondere in Südamerika. Die Forscherinnen und Forscher führen dies unter anderem auf geringere Feuchte und eine erhöhte Stabilität in den mittleren Atmosphärenschichten zurück – tendenziell auch beeinflusst durch den Klimawandel und veränderte Niederschlagsmustern mit längeren Dürren.
Die Schäden durch schweren Hagel nahmen der Studie zufolge in den USA, Australien und Europa zu. Während in Europa die Zunahme von schweren Hagelgewittern – und damit auch der Klimawandel – eine wesentliche Rolle dabei spielt, sind in Australien und den USA andere Faktoren, wie gestiegene exponierte Werte und/oder eine höhere Schadenanfälligkeit ausschlaggebend.
- Battaglioli, F., Taszarek, M., Groenemeijer, P. et al. Contrasting trends in very large hail events and related economic losses across the globe
Nat. Geosci. 19, 52–58 (2026). https://doi.org/10.1038/s41561-025-01868-0
(Der Originalartikel ist unter einer Creative Commons Attribution 4.0 International License lizensiert. Infos unter http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/)
Hagel ist eine sehr schadenträchtige Naturgefahr. Sie sind zwar räumlich begrenzt, aber bei größeren Hagelkörnern potentiell sehr zerstörerisch. Trifft schwerer Hagel einen Ballungsraum, sind schnell Milliardenschäden möglich. Daher sind Studien wie diese sehr wichtig, um das Risiko besser zu verstehen.
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