Die klimatischen Rahmenbedingungen machen in diesem Jahr etwas weniger Hurrikane im Nordatlantik als im langfristigen Durchschnitt wahrscheinlich. Dagegen begünstigen sie die Entstehung von Taifunen im Nordwest-Pazifik, die mit größerer Wahrscheinlichkeit Japan, China, Taiwan oder Korea treffen könnten.
Hintergrund ist die natürliche Klimaschwankung ENSO (El Niño/Southern Oscillation) im Pazifik, die über Fernwirkungen in vielen Regionen der Welt Wetterkatastrophen beeinflusst. Ab dem Sommer wird der Beginn einer „El Niño“-Phase erwartet, bei dem sich die Temperaturen des Oberflächenwassers um den Äquator vom Zentral- bis zum Ostpazifik deutlich erwärmen. Bis Jahresende könnte sich das Phänomen vermutlich zu einem seltenen „Super-El Niño“ verstärken – womit eine Wassererwärmung in der genannten Zone um mehr als 2°C umschrieben wird.
Über Fernwirkungen beeinflussen El Niño-Bedingungen viele Wetterphänomene in zahlreichen Regionen der Welt erheblich. Bei tropischen Wirbelstürmen zum Beispiel hemmt ein El Niño die Entstehung von Hurrikanen im tropischen Nordatlantik tendenziell, während Hurrikane im Ostpazifik vor der Westküste der USA und Mexikos begünstigt werden. Auch die Taifunsaison im Nordwest-Pazifik fällt unter El Niño-Bedingungen üblicherweise heftiger aus.
In Zahlen:
Hurrikane im Nordatlantik
Diese Werte liegen trotz der vermutlich dämpfenden Bedingungen nur leicht unter dem langjährigen Mittel der vergangenen 30 Jahre (15,6 benannte Stürme, davon 7,6 Hurrikane mit 3,5 schweren Hurrikanen), die von einer Warmphase der Wassertemperaturen im tropischen Nordatlantik geprägt sind, der so genannten Atlantic Multidecadal Variability (AMV).
Neben ENSO sind die Wassertemperaturen im tropischen Nordatlantik der Haupteinflussfaktor für die Hurrikanaktivität. Derzeit liegen die Wassertemperaturen im tropischen Nordatlantik ebenso wie im Golf von Mexiko über dem Durchschnitt. Das könnte zu mehr Stürmen als üblich in der frühen Phase der Hurrikansaison führen, bevor sich El Niño-Bedingungen voll entfalten. El Niño beeinflusst auch die möglichen Zugbahnen, da Hurrikane dann tendenziell früher nach Norden drehen. Dadurch könnte sich der Anteil der Stürme reduzieren, die in die Karibik und den Golf von Mexiko ziehen. Das Risiko von Sturmtreffern für die südlichen Bundesstaaten an der US-Ostküste wäre dann aber größer.
~64 Mrd. US$
Schäden durch Hurrikan Andrew 1992 (inflationsbereinigt). Fast zwei Drittel entfielen auf Versicherer.
Hurrikane im Nordost-Pazifik
Taifune im Nordwest-Pazifik
Ähnlich wie bei Hurrikanen im Nordost-Pazifik begünstigen El Niño-Bedingungen im Nordwest-Pazifik die Entstehung von tropischen Wirbelstürmen. Deshalb dürfte die diesjährige Taifun-Saison mehr Stürme hervorbringen als im langfristigen Durchschnitt (vergangene 30 Jahre: 24,5 benannte Stürme, davon 15 Taifune mit 8,7 Super-Taifunen). Eine erste Studie von Tropical Storm Risk (TSR)² sagt eine überdurchschnittliche Sturmaktivität mit 27 benannten Stürmen, davon 18 Taifune mit 11 starken Taifunen voraus.
Im Nordwest-Pazifik verlaufen Taifun-Zugbahnen je nach genauer Ausprägung der El Niño-Bedingungen in der Tendenz eher weiter nordöstlich, also Richtung Ost-China, Korea und Japan, während bei neutralen bis La Niña-Bedingungen Stürme eher Süd-China, die Philippinen und Vietnam treffen. Hinzu kommt, dass nach Einschätzung von Wissenschaftlern auch der Klimawandel langfristig die Taifun-Zugbahnen tendenziell polwärts verschiebt, wodurch die Taifun-Risiken um das Ostchinesische Meer und in Japan zunehmen. Insgesamt ist das Taifun-Risiko in diesem Jahr also in der Region China, Taiwan, Korea und Japan voraussichtlich deutlich erhöht.
Anders als in den Vorjahren sind die Rahmenbedingungen für die Wirbelsturmsaison relativ klar: Mit El Niño-Bedingungen sind eine etwas schwächere Hurrikan-Saison und eine stärkere Taifun-Saison wahrscheinlich. Doch auch in weniger aktiven Saisons kann es immer sehr schwere Treffer geben, die nicht vorherzusagen sind. Prävention muss im Mittelpunkt stehen, um Schäden möglichst zu dämpfen. Schon ein einziger Sturm kann extreme Schäden verursachen, wie die Geschichte gezeigt hat.
Weitaus größter Teil der Schäden durch tropische Wirbelstürme in Nordamerika
Tropische Wirbelstürme werden in den verschiedenen Ozeanbecken unterschiedlich genannt: Hurrikane im Nordatlantik und Nordost-Pazifik, Taifune im Nordwest-Pazifik und Zyklone im Indischen Ozean und im Südpazifik. Die bei weitem höchsten Schäden richten tropische Wirbelstürme in Nordamerika und der Karibik an: Drei Viertel der inflationsbereinigten Gesamtschäden seit 1980 (rund 1.800 von rund 2.400 Mrd. US$) und sogar fast 90% der versicherten Schäden (rund 800 von knapp 900 Mrd. US$) durch solche Stürme entstanden dort. Auf Asien und Australien/Ozeanien entfielen 24% der Gesamtschäden und nur rund 11% der versicherten Schäden zwischen 1980 und 2025.
2025 blieben die Schäden durch tropische Wirbelstürme relativ gering, da keiner der teilweise extrem starken Stürme das US-Festland traf.
Die Hurrikansaison beginnt offiziell am 1. Juni und dauert bis Ende November. Kurz vor oder nach diesem Zeitraum sind auch Stürme möglich, aber deutlich weniger wahrscheinlich. Bei den Taifunen sind dagegen insbesondere im ständig warmen südlichen Nordwest-Pazifik, etwa bei den Philippinen, bis in den Januar Taifune möglich.
1 Colorado State University, Tropical Storm Risk 2 Tropical Storm RiskExperten
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