Saison der tropischen Wirbelstürme 2026 beginnt
Starker El Niño vor der Tür – Etwas weniger Hurrikane im Nordatlantik und mehr Taifune in Asien wahrscheinlich
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Die klimatischen Rahmenbedingungen machen in diesem Jahr etwas weniger Hurrikane im Nordatlantik als im langfristigen Durchschnitt wahrscheinlich. Dagegen begünstigen sie die Entstehung von Taifunen im Nordwest-Pazifik, die mit größerer Wahrscheinlichkeit Japan, China, Taiwan oder Korea treffen könnten.

Hintergrund ist die natürliche Klimaschwankung ENSO (El Niño/Southern Oscillation) im Pazifik, die über Fernwirkungen in vielen Regionen der Welt Wetterkatastrophen beeinflusst. Ab dem Sommer wird der Beginn einer „El Niño“-Phase erwartet, bei dem sich die Temperaturen des Oberflächenwassers um den Äquator vom Zentral- bis zum Ostpazifik deutlich erwärmen. Bis Jahresende könnte sich das Phänomen vermutlich zu einem seltenen „Super-El Niño“ verstärken – womit eine Wassererwärmung in der genannten Zone um mehr als 2°C umschrieben wird.

Über Fernwirkungen beeinflussen El Niño-Bedingungen viele Wetterphänomene in zahlreichen Regionen der Welt erheblich. Bei tropischen Wirbelstürmen zum Beispiel hemmt ein El Niño die Entstehung von Hurrikanen im tropischen Nordatlantik tendenziell, während Hurrikane im Ostpazifik vor der Westküste der USA und Mexikos begünstigt werden. Auch die Taifunsaison im Nordwest-Pazifik fällt unter El Niño-Bedingungen üblicherweise heftiger aus.

In Zahlen:

Basierend auf der aktuellen Analyse der klimatologischen Bedingungen erwartet Munich Re für die Hurrikansaison 2026 etwas weniger Stürme als üblich. Führende Forschungsinstitute1 halten im Mittel etwa 12-13 benannte Wirbelstürme im tropischen Nordatlantik für möglich. Etwa fünf bis sechs davon könnten sich zu Hurrikanen entwickeln, davon etwa zwei zu schweren Hurrikanen mit Windgeschwindigkeiten über 110 mph (177 km/h). Die Spannen der Vorhersagen der Institute sind allerdings beträchtlich.

Diese Werte liegen trotz der vermutlich dämpfenden Bedingungen nur leicht unter dem langjährigen Mittel der vergangenen 30 Jahre (15,6 benannte Stürme, davon 7,6 Hurrikane mit 3,5 schweren Hurrikanen), die von einer Warmphase der Wassertemperaturen im tropischen Nordatlantik geprägt sind, der so genannten Atlantic Multidecadal Variability (AMV).

Neben ENSO sind die Wassertemperaturen im tropischen Nordatlantik der Haupteinflussfaktor für die Hurrikanaktivität. Derzeit liegen die Wassertemperaturen im tropischen Nordatlantik ebenso wie im Golf von Mexiko über dem Durchschnitt. Das könnte zu mehr Stürmen als üblich in der frühen Phase der Hurrikansaison führen, bevor sich El Niño-Bedingungen voll entfalten. El Niño beeinflusst auch die möglichen Zugbahnen, da Hurrikane dann tendenziell früher nach Norden drehen. Dadurch könnte sich der Anteil der Stürme reduzieren, die in die Karibik und den Golf von Mexiko ziehen. Das Risiko von Sturmtreffern für die südlichen Bundesstaaten an der US-Ostküste wäre dann aber größer. 

~64 Mrd. US$

Schäden durch Hurrikan Andrew 1992 (inflationsbereinigt). Fast zwei Drittel entfielen auf Versicherer.

Eine Prognose über die Anzahl oder Stärke der Stürme, die auf Land treffen, ist sehr schwierig. Gleichzeitig muss immer berücksichtigt werden: Schon ein einziger Treffer eines starken Sturms in einer stark besiedelten Region kann auch in einer eher ruhigen Sturmsaison verheerende Schäden verursachen. So verwüstete im Jahr 1992 während einer El Niño-Phase Hurrikan Andrew den Bundesstaat Florida, was zu einem Umdenken im Versicherungssektor über die Art und die Häufigkeit besonders extremer Stürme führte. Andrew zählt bis heute zu den zehn teuersten Hurrikanen, die die USA trafen. Der Gesamtschaden betrug inflationsbereinigt 64 Mrd. US$, fast zwei Drittel davon waren versichert. Heute wäre der Schaden eines ähnlichen Sturms noch viel höher, da vielfach höhere Werte betroffen wären. 
Im Gegensatz zum Nordatlantik werden Hurrikane im Nordostpazifik westlich der USA und Mexikos bei einer El Niño-Phase begünstigt.
Durch Hurrikan Otis zerstörte Gebäude in Acapulco
Im Jahr 2023 zum Beispiel verwüstete während einer El Niño-Phase der extrem starke Hurrikan Otis das Tourismuszentrum Acapulco an der mexikanischen Westküste. Der Gesamtschaden betrug rund 14 Mrd. US$ (inflationsbereinigt), davon waren knapp 5 Mrd. US$ versichert.
Schäden, die durch den Supertaifun Mangkhut in Hongkong im Jahr 2018 verursacht wurden

Ähnlich wie bei Hurrikanen im Nordost-Pazifik begünstigen El Niño-Bedingungen im Nordwest-Pazifik die Entstehung von tropischen Wirbelstürmen. Deshalb dürfte die diesjährige Taifun-Saison mehr Stürme hervorbringen als im langfristigen Durchschnitt (vergangene 30 Jahre: 24,5 benannte Stürme, davon 15 Taifune mit 8,7 Super-Taifunen). Eine erste Studie von Tropical Storm Risk (TSR)² sagt eine überdurchschnittliche Sturmaktivität mit 27 benannten Stürmen, davon 18 Taifune mit 11 starken Taifunen voraus.

Im Nordwest-Pazifik verlaufen Taifun-Zugbahnen je nach genauer Ausprägung der El Niño-Bedingungen in der Tendenz eher weiter nordöstlich, also Richtung Ost-China, Korea und Japan, während bei neutralen bis La Niña-Bedingungen Stürme eher Süd-China, die Philippinen und Vietnam treffen. Hinzu kommt, dass nach Einschätzung von Wissenschaftlern auch der Klimawandel langfristig die Taifun-Zugbahnen tendenziell polwärts verschiebt, wodurch die Taifun-Risiken um das Ostchinesische Meer und in Japan zunehmen. Insgesamt ist das Taifun-Risiko in diesem Jahr also in der Region China, Taiwan, Korea und Japan voraussichtlich deutlich erhöht. 

Anja Rädler
Anders als in den Vorjahren sind die Rahmenbedingungen für die Wirbelsturmsaison relativ klar: Mit El Niño-Bedingungen sind eine etwas schwächere Hurrikan-Saison und eine stärkere Taifun-Saison wahrscheinlich. Doch auch in weniger aktiven Saisons kann es immer sehr schwere Treffer geben, die nicht vorherzusagen sind. Prävention muss im Mittelpunkt stehen, um Schäden möglichst zu dämpfen. Schon ein einziger Sturm kann extreme Schäden verursachen, wie die Geschichte gezeigt hat.
Anja Rädler
Meteorologin und Klimaexpertin

Weitaus größter Teil der Schäden durch tropische Wirbelstürme in Nordamerika

Tropische Wirbelstürme werden in den verschiedenen Ozeanbecken unterschiedlich genannt: Hurrikane im Nordatlantik und Nordost-Pazifik, Taifune im Nordwest-Pazifik und Zyklone im Indischen Ozean und im Südpazifik. Die bei weitem höchsten Schäden richten tropische Wirbelstürme in Nordamerika und der Karibik an: Drei Viertel der inflationsbereinigten Gesamtschäden seit 1980 (rund 1.800 von rund 2.400 Mrd. US$) und sogar fast 90% der versicherten Schäden (rund 800 von knapp 900 Mrd. US$) durch solche Stürme entstanden dort. Auf Asien und Australien/Ozeanien entfielen 24% der Gesamtschäden und nur rund 11% der versicherten Schäden zwischen 1980 und 2025.

2025 blieben die Schäden durch tropische Wirbelstürme relativ gering, da keiner der teilweise extrem starken Stürme das US-Festland traf.

Die Hurrikansaison beginnt offiziell am 1. Juni und dauert bis Ende November. Kurz vor oder nach diesem Zeitraum sind auch Stürme möglich, aber deutlich weniger wahrscheinlich. Bei den Taifunen sind dagegen insbesondere im ständig warmen südlichen Nordwest-Pazifik, etwa bei den Philippinen, bis in den Januar Taifune möglich.

1 Colorado State University, Tropical Storm Risk 2 Tropical Storm Risk

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Anja Rädler
Meteorologin und Sturmexpertin
Andreas Lang
Andreas Lang
Klimawissenschaftler
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