San Francisco bleibt hochgefährdet
Am 18. April 1906 um 5.12 Uhr morgens erschütterte ein Erdbeben der Magnitude 7,9 San Francisco. Innerhalb kürzester Zeit stürzten tausende Gebäude ein. Eine Feuersbrunst wütete drei Tage lang und legte fast das gesamte Stadtzentrum in Schutt und Asche. 120 Jahre später ist die Stadt viel besser geschützt, sicher ist sie nicht.
Das Erdbeben gilt als eines der schwersten Erdbeben aller Zeiten. Ausgelöst hatte es ein Bruch der Sankt-Andreas-Verwerfung, an der sich die Nordamerikanische und die Pazifische Platte horizontal aneinander vorbeischieben – pro Jahr etwa zwei bis drei Zentimeter. Nach Angaben des U.S. Geological Survey (USGS) riss die Verwerfung damals auf einer Länge von 477 Kilometern (296 Meilen). An der Erdoberfläche verschob das Beben die Seiten stellenweise um sechs Meter.
In der Folge wurden in San Francisco etwa 28.000 Häuser durch die Erdstöße und die anschließenden Großfeuer zerstört. Gebrochene Wasserleitungen erschwerten die Löscharbeiten. Die Hälfte der rund 400.000 Einwohner hatte kein Obdach mehr, etwa 3.000 Menschen in der Stadt und im Umland überlebten die Katastrophe nicht.
Der Sachschaden wird in damaligen Werten auf mehr als 500 Mio. US$ in geschätzt, der größte Teil entstand durch die Feuer. Die Versicherungen trugen davon etwa 180 Mio. US$. Die reinen Einsturzschäden waren nach den damals üblichen Verträgen nicht versichert, die Brände dagegen schon.
Für Munich Re war das Unglück prägend: Die gezahlte Schadenssumme von 11 Mio. Mark war die größte seit der Firmengründung 26 Jahre zuvor. Bis heute ist der Schaden gemessen am Anteil an den jährlichen Prämien von damals mehr als 7,3 Prozent der größte Schaden für Munich Re durch eine Naturkatastrophe.
Das Erdbeben von 1906 steht auch für die Rolle von Munich Re als verlässlicher Risikoträger. Unsere Kunden können sich auf unsere Stärke und Expertise verlassen. Bei einem ähnlich schweren Beben wie 1906 wären auch heute die Schäden enorm. Jeder Dollar für Prävention durch Verstärkung von Bauten und eine resilientere Infrastruktur zahlt sich mehrfach aus.
Die Risikolage heute
Heute ist San Francisco besser vorbereitet – aber hoch gefährdet. In der Region der San Francisco Bay leben heute zehnmal so viele Menschen, und die exponierten Werte sind noch stärker gestiegen, einschließlich der starken Konzentration digitaler Infrastruktur im Silicon Valley. Zwar gehören die Baustandards in Kalifornien mittlerweile zu den strengsten weltweit, und auch die Brandbekämpfung in Hochhäusern ist bebensicher ausgelegt. Aber in der Region gibt es immer noch viele alte Gebäude und Infrastrukturbauten, die nicht verstärkt sind und einem starken Beben nicht Stand hielten.
Ein Beben wie 1906 könnte in der Region wieder katastrophale Auswirkungen haben. Eine Studie schätzte im Jahr 2006 die denkbaren direkten wirtschaftlichen Schäden auf 90 bis 120 Mrd. US$ – und seitdem hat sich der Wert der Gebäude in der Region um die San Francisco Bay schätzungsweise um den Faktor zwei bis drei erhöht.* Direkte Schäden – ohne Berücksichtigung indirekter Schäden wie Betriebsunterbrechungen – jenseits von 200 Mrd. US$ scheinen deshalb eine realistische Annahme.
Steht das nächste große Beben bevor?
Wie viel ist versichert?
Anders als 1906 sind direkte Erdbebenschäden in der Region heute versicherbar. In Kalifornien vertreibt vor allem die staatliche California Earthquake Authority (CEA) Gebäudeversicherungen für Erdbebenrisiken, allerdings zu erheblichen Kosten mit hohen Selbstbehalten für die Versicherten. Zudem unterstützt die CEA mit deutlichen Preisnachlässen, wenn alte Gebäude für mehr Standfestigkeit verstärkt werden.
Anders als die direkten Gebäudeschäden durch Erdstöße werden Brandschäden nach einem Erdbeben über die Standard-Gebäudeversicherung gedeckt. Kalifornien gehört zu den Bundesstaaten, in denen die so genannte „Standard Fire Policy“ den Rahmen für die Gebäudeversicherungen setzt. Neben anderen Risiken deckt diese Brandschäden aller Art, einschließlich durch Brände nach einem Erdbeben. Nur in Regionen mit sehr hohem Waldbrandrisiko müssen Immobilienbesitzer auf Deckungen durch das staatlich gestützte Versicherungsprogramm „FAIR Plan“ zurückgreifen, wenn andere Versicherer keine Deckung mehr gewähren.
Im Fall eines schweren Bebens im Großraum San Francisco würden die versicherten Schäden daher stark von deren Art abhängen: etwa 30 Mrd. US$, falls wenig Brände ausbrechen würden, bis mehr als 100 Mrd. US$ bei vielen Großbränden und Ausfallserien der Infrastruktur. Doch Schätzungen sind wegen der sehr wenigen historischen Ereignisse schwieriger als bei anderen Naturgefahren.
Laut Zahlen der CEA haben in ganz Kalifornien weniger als 15 Prozent der Hausbesitzer eine Versicherung gegen direkte Erdbebenschäden abgeschlossen. Trotz der bekannten Bedrohung könnte das nicht allein an den Preisen für die Versicherung und hohen Selbstbehalten liegen. Viele Menschen setzen vermutlich darauf, dass sie ein so seltenes Ereignis wie das 1906-Erdbeben schon nicht treffen wird – und tragen die Risiken selbst.
Zudem verlangen große Immobilienfinanzierer keine Erdbebenversicherungen für die Kreditvergabe. Auch die Basel-Regulierung für Banken gewährt den Finanzhäusern keine Kapitalerleichterung im Fall von Erdbebenversicherungen für Immobilien im Kreditportfolio.
Auch im Gewerbe ist die Verbreitung von Erdbebenversicherungen relativ niedrig. Nur Großunternehmen haben vermutlich zu einem größeren Anteil Erdbebenrisiken abgesichert, da sie häufig „All-Risks“-Policen kaufen. Diese enthalten üblicherweise auch Erdbebendeckungen, allerdings mit Sublimits zur Begrenzung. Betriebsunterbrechungsdeckungen, die indirekte Schäden durch Lieferausfälle nach Schäden beim Zulieferer decken, springen oft erst nach einer bestimmten Wartefrist ein.
Ein schweres Erdbeben in Kalifornien gehört für Munich Re zu den größten Risikoszenarien. Daher steuert das Unternehmen die Exponierung für Erdbeben- und Folgeschäden bei verlässlich hoher Kapazität sehr genau. Munich Re ist ein führender, finanzstarker Risikoträger mit besonderer Risikoexpertise. Risikodeckung gewährt das Unternehmen generell unter der Voraussetzung, dass Raten und Bedingungen den Risiken angemessen sind.
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