Cyber-Versicherung: Risiken und Trends 2026
Abstrakte digitale Grafik mit grünen und blauen Lichtstrahlen und Datenmustern auf dunklem Hintergrund.
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Die Welt im Jahr 2026 ist geprägt von geopolitischen Spannungen, bewaffneten Konflikten, Kriegen und einem hartem Wettbewerb in Zukunftsbranchen sowie einer Cyber-Bedrohungslandschaft, die ein entschlossenes Risikomanagement erfordert. Sowohl als böswillige Angriffe als auch nicht vorsätzliche Ereignisse können Cyber-Risiken die Existenz von Unternehmen bedrohen und massive Auswirkungen auf Dritte haben, die sich sogar auf Wirtschaft und Gesellschaften insgesamt ausweiten können. 
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© Andreas Pohlmann
Cyber-Versicherungen sind relevanter und Cyber-Risiken sind brisanter denn je. Munich Re war von Beginn an eine tragende Säule des Cyberversicherungsmarktes. Unser strategischer Ansatz ermöglicht es uns, auch unsicheren Zeiten standzuhalten, weil wir uns auf unsere umfassende Underwriting-Expertise und unsere Disziplin stützen und mit einer langfristigen Geschäftsausrichtung auf die Förderung eines nachhaltigen Marktes abzielen. Munich Re investiert kontinuierlich in robuste interne Modelle, wir analysieren und quantifizieren stetig Cyber-Bedrohungen, um damit unsere Risikoeinschätzung und Lösungen anzupassen. Unser Ziel bleibt unverändert: Wir wollen unseren Kunden helfen, ihre Geschäftsmöglichkeiten in einer hypervernetzten Welt zu nutzen.
Thomas Blunck
CEO Reinsurance
Dieser Bericht bietet einen Überblick über Cyber-Schäden und die zugrunde liegenden Bedrohungsvektoren, gibt einen Ausblick auf die Cyber-Risikolandschaft für das Jahr 2026 und darüber hinaus und er informiert über Trends, die sich auf die Cyber-Versicherung und die Marktnachfrage auswirken.

1. Wesentliche Treiber von Cyber-Schäden

Wäre Cyberkriminalität ein Land, so wäre es die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Mit prognostizierten weltweiten Kosten von 14 Billionen US-Dollar im Jahr 2028 wird die Cyberkriminalität die gesammelte Wirtschaftsleistung von Deutschland, Japan und Indien übersteigen. Nur die USA und China weisen ein größeres Bruttoinlandsprodukt auf.

Die Cyber-Risikolandschaft wird weiterhin durch eine Zunahme der Häufigkeit und der Folgen von Cyber-Angriffen und nicht böswillig verursachten Cyber-Ereignissen geprägt. Insgesamt ist die große Mehrheit der Cyberrisiken nicht abgesichert.

Munich Re sieht als wesentliche Treiber für versicherte Schäden Ransomware-Angriffe, Daten-Diebstahl (Data Breach), Email-Betrug (Business Email Compromise - BEC) und DDoS-Angriffe (Distributed Denial of Service - DDoS). 

Quelle: Munich Re 
Diese Schadenstreiber und weitere Angriffsmuster treffen praktisch jede Branche. Dabei sind - laut Daten von Munich Re und Google Mandiant Underwriting Threat Intelligence - Regierungen sowie Industrie- und Technologieunternehmen am stärksten den Cyberangriffen durch finanziell motivierte Bedrohungsakteure, Hacktivisten und staatlich unterstützte Akteure ausgesetzt.

Von Cyberangriffen betroffene Segmente (2025):

Quelle: Munich Re & Mandiant Cyber Threat Intelligence Jan 2026
Angesichts der dynamischen Bedrohungslage, die im Folgenden ausführlich beschrieben wird, gehen die Experten von Munich Re davon aus, dass sich diese Trends fortsetzen werden.

2. Einblicke in Cyber-Schäden

Betrachtet man die Daten von Munich Re zu allen aktiv gemanagten Schäden in ihrem Portfolio, dominieren Eigenschäden (Schäden, die ein Unternehmen direkt erlitten hat) mit 62 % klar gegenüber den Drittschäden, die die Haftung für Schäden gegenüber anderen Parteien abdecken. Die Erstattung für versicherte Schäden wird hauptsächlich durch Betriebsunterbrechung bestimmt, gefolgt von Haftpflicht im Zusammenhang mit Datenschutzverletzungen und Entschädigung für “incident response“ Aufwände, wie aus den Schadenskategorien der Versicherten hervorgeht.
Main Coverage Elements in 2025
© Munich Re
Quelle: Munich Re Schadendaten

Während der Fokus der Öffentlichkeit nach wie vor auf Großunternehmen gerichtet ist, betrifft die Mehrzahl der Cybervorfälle und -schäden tatsächlich Kleinstunternehmen und KMU.

Bei der Analyse von Ereignismustern achten Versicherer sowohl auf die Entwicklung bösartiger als auch nicht vorsätzlicher Ereignisse, da beide für die Ausrichtung des Portfolios entscheidend sind.

Die Schadendaten von Munich Re zeigen ein Verhältnis von 3 zu 1 zwischen böswilligen und nicht vorsätzlichen zurechenbaren Schadenereignissen. Dabei melden mittlere und große Unternehmen einen höheren Anteil an nicht vorsätzlichen Schadenereignissen, insbesondere in den Bereichen IT, Gesundheitswesen und Finanzen. Beide Ereignistypen sind in der Regel versicherbar, und beide können zu extremen Schadensauswirkungen führen. Betrachtet man die Schadenentwicklung seit 2021, so dominieren eindeutig die böswilligen Cyber-Fälle, wobei das Gesamtbild noch stark von den bis dahin zunehmenden Ransomware-Angriffen beeinflusst wird. Allerdings gewinnen auch die nicht vorsätzlichen Ereignisse an Bedeutung. Sie sind oft auf menschliches Versagen, fehlerhafte Software oder zunehmend auf Sammelklagen gegen unautorisierte Datenerfassung durch Tracking-Tools (sog. Pixel-Prozesse) zurückzuführen. 

Zunahme der nicht vorsätzlichen Vorfälle

Quelle: Munich Re Schadendaten

3. Cyber-Bedrohungslandschaft und Trends

Über die rückblickende Analyse von Cyber-Schäden und -Ereignissen hinaus ist die antizipative Einschätzung von Risiken und künftigen Trends der Bedrohungen entscheidend für die Anpassung von Underwriting, Modellierung und Risikomanagement sowie für die weitere Verfeinerung der maßgeschneiderten Cyberversicherungsdeckungen und Lösungen.
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© Andreas Pohlmann
In Reaktion auf die starken geopolitischen, technologischen und wirtschaftlichen Stressfaktoren müssen sich die Unternehmen gleichermaßen stark auf ihre Widerstandsfähigkeit und ihren Schutz achten. Jede Geschäftstätigkeit im digitalen Zeitalter birgt Gefahren, die kein Manager sich leisten kann zu vernachlässigen: Es ist längst überfällig, dass das längst geschärfte Risikobewusstsein auch in adäquates Handeln auf Führungsebene mündet. Im Interesse höherer Widerstandsfähigkeit von Unternehmen und gesteigerter Nutzung von Cyberversicherungen, begrüßt Munich Re sowohl den Wettbewerb als auch die Zusammenarbeit. Wir werden unser stark diversifiziertes, profitables Portfolio mit diszipliniertem Risikoappetit weiter ausbauen.
Stefan Golling
Vorstandsmitglied
Global Clients und Nordamerika
Zu den Haupttrends, die die künftige Bedrohungslandschaft prägen, gehören Geopolitik, digitale Lieferketten und die zunehmende Professionalisierung der Cyberkriminalität, sowie agentische und physische Künstliche Intelligenz (KI). 
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© Munich Re
Quelle: Munich Re

Geopolitik - digitale Grenzen und Schutz kritischer Infrastrukturen

Vor dem Hintergrund extremer geopolitischer Spannungen, die sogar in bewaffneten Konflikten und Kriegen eskalieren, ist der Cyberspace ein mächtiger Schauplatz, um politische, wirtschaftliche und militärische Vorteile zu erlangen. Geopolitische Konfliktlinien prägen also auch die Cyber-Bedrohungen, die zunehmend sowohl den öffentlichen als auch den privaten Bereich bedrohen.

Generell werden die Angreifer immer aktiver und wenden sich überschneidende Taktiken, Techniken und Verfahren (TTPs) an: Die Trennlinien zwischen staatlich unterstützten (Advanced Persistent Threats (APTs)) und staatlich geduldeten Gruppen und Kriminellen verschwimmen dabei immer mehr, ebenso wie ihre Motive - die von Spionage, Sabotage und Kampagnen zur Unterbrechung kritischer Infrastrukturen und Lieferketten bis hin zum reinen Gewinnstreben reichen.

DDoS-Kampagnen von Hacktivisten können niedrigschwellige geopolitische Interessen unterstützen, während die Kompromittierung von Lieferketten und Malware-Angriffe staatlich unterstützten Gruppen zugeschrieben werden können, die mit neuen Gruppen in skalierbaren, spezialisierten und agilen Ökosystemen zusammenarbeiten.

Zunehmend sind Störungen durch Ransomware-Angriffe das Ergebnis von Allianzen, die geopolitische Ziele in finanziell motivierte kriminelle Ökosysteme einbetten. In diesem Zusammenhang werden KI-Systeme zu Technologien mit doppeltem Verwendungszweck, die sich in militärischer Hinsicht mit Cyber- und kinetischen Taktiken vermischen.

Rund 64 % der Unternehmen gehen davon aus, dass sie ein potenzielles Ziel von geopolitisch motivierten Cyberangriffen sein werden (WEF). Diejenigen, die an kritischen Lieferketten und Infrastrukturen beteiligt sind - z. B. in der Verteidigungs-, Energie-, Finanz- und Telekommunikationsindustrie - sind besonders gefährdet.

Lieferketten - Kontinuum zwischen Kritikalität und Kontrolle

Digitale Lieferketten sind auf globaler und nationaler Ebene sowie für jedes einzelne Unternehmen unerlässlich geworden. Während mehr als zwei Drittel der großen Unternehmen in den letzten 12 Monaten mindestens einen Vorfall im Bereich der Cybersicherheit von Drittanbietern erlebt haben, geben Experten einen klaren Ausblick: Die nächste Generation von Cyberangriffen wird zunehmend die Imitation von Zulieferern, Logistik- und Digitaldienstleistern umfassen und das implizite Vertrauen zwischen Unternehmen und ihren Anbietern ausnutzen. Spoofing-Plattformen werden sich weiterentwickeln, um Anmeldeportale oder Zahlungsformulare zu klonen und so die Anmeldedaten der Benutzer zu stehlen. Darüber hinaus werden Cyberangriffe zunehmend dazu genutzt, Software- und Firmware-Lieferketten mit schwer zu erkennbaren Modifikationen oder bösartiger Logik zu infiltrieren und zu manipulieren.

Mit zunehmender Hyperkonnektivität, systemischen Abhängigkeiten und Monostrukturen - z. B. in Bezug auf Cloud-Anbieter, Content-Delivery-Netze oder Productivity Suites - können mit Blick auf die Sicherheit auch Kumul-Modelle und Budgets nicht unverändert bleiben. Die primären Herausforderungen und Einschränkungen beim Risikomanagement für Dritte werden weiterhin die Transparenz, die Bewertung und Sicherstellung der Integrität sowie die Sicherheitskontrollen für Lieferanten sein.

Cyberkriminalität – die Raffinesse einer Branche, die auf Diebstahl basiert

Die Cyberkriminalität entwickelt sich weiter zu einer hyperorganisierten, dienstleistungsorientierten "Branche", die durch die gesenkten Anforderungen an Qualifikation und Kapital für neue Marktteilnehmer zunehmend attraktiv wird. Ransomware-as-a-Service (RaaS)-Anbieter liefern KI-gesteuerte, schlüsselfertige Pakete, entwickeln und bieten Affiliate-Modelle mit Tutorials, Lead-Site-Hosting und verschlüsselte Geldtransfers im Rahmen von Geldwäscheaktivitäten, Dark-Web-Märkte und geschlossene Foren, die gestohlene Daten und einen ersten Zugang anbieten, um nur einige Beispiele zu nennen.

Deepfakes, Stimmenklone und synthetische Identitäten, bei denen echte Nutzerdaten mit gefälschten Informationen kombiniert werden, werden immer häufiger eingesetzt, um herkömmliche Schutzmaßnahmen zu umgehen. Darüber hinaus entwickeln sich die Märkte für Infostealer und Initial-Access-Broker immer mehr zum Mainstream und diversifizieren ihren Zugang zu Ziel-Cloud-Umgebungen, Software-as-a-Service (SaaS)-Plattformen und OT/IoT-Ökosystemen (Operational Technology/Internet of Things). Die Kriminellen arbeiten mit staatlichen Akteuren zusammen, die auf diese Weise die Zuordnung von Aktivitäten verschleiern und globale Operationen beschleunigen können.

Immer häufigere und raffiniertere Angriffe üben Druck auf potenzielle Opfer sowie auf kritische Lieferketten aus – und sind eine Belastung für alle Gesellschaften und Volkswirtschaften.

Agentische KI - ein Aktivposten für Angreifer und Verteidiger gleichermaßen

Der Einsatz von agentenbasierter KI setzt sich immer mehr durch und wird den Umfang, die Geschwindigkeit und die Präzision von offensiven und defensiven Cybermaßnahmen gleichermaßen beeinflussen. Agentische KI wird zunehmend in der Lage sein, mehrstufige Operationen zu planen und anzupassen, Schwachstellen effektiver auszunutzen, aus den Reaktionen auf Erkennungen zu lernen und mit minimalen menschlichen Eingaben zu arbeiten.

Da KI bereits in der Lage ist, Deepfakes, realistische Domains und Websites zu generieren und hyperpersonalisiertes Social Engineering und Phishing zu betreiben, werden die bestehenden Angriffsflächen exponentiell wachsen. Folglich steht zu erwarten, dass synthetische Inhalte und Personas sowie die zunehmenden Fehlinformationen das Vertrauen weiter untergraben.

Darüber hinaus werden KI-Modelle selbst Ziel von Angriffen sein und müssen gesichert werden. Zu den wichtigsten Angriffsvektoren gehören Prompt Injection und Data Poisoning sowie das Einfügen von bösartigen Daten oder Anweisungen zur Manipulation von Ergebnissen.

Agentenbasierte KI wird nicht nur Teile der Cyber-Kill-Chain verbessern und die Einstiegshürden für Angreifer senken, sondern der Einsatz autonomer Systeme könnte auch die Cybersicherheit erheblich verändern. 

Ungeachtet all dieser Technologie bleibt der Faktor Mensch bestehen - als Schutzfaktor und potenzielles Einfallstor gleichermaßen. Selbst mit agentenbasierter KI wird der Mensch nicht vollständig ersetzt werden können. Daher scheinen einige der aktuellen Diskussionen über agentenbasierte KI vor allem Hype zu sein.

Unsere Experten von Munich Re gehen davon aus, dass agentenbasierte KI in naher Zukunft eher die Häufigkeit als den Schweregrad von Angriffen beeinflussen wird. Zu den betroffenen Deckungen könnten insbesondere Systemausfälle und (C)BI, Incidence Response, die Wiederherstellung von Daten und Cyber-Erpressung gehören - die alle potenziell durch ein First-Party-Element abgedeckt sind. Darüber hinaus könnte die Branche mehr Drittschäden durch unrechtmäßige Datenerhebung, Datenschutzverletzungen sowie Medienhaftung und Tech-E&O verzeichnen.

Trotz der Tatsache, dass KI ein zweischneidiges Schwert sein wird - das sowohl zum Guten als auch zum Schlechten eingesetzt werden kann - sind die Wahrnehmung und die Erwartungen der Risk-Owner insgesamt positiv: Nur 23 % der von Munich Re befragten Führungskräfte gaben an, dass KI negative Auswirkungen auf ihr Unternehmen haben wird, 66 % erwarten, dass KI positive Auswirkungen auf ihr Geschäft haben wird, und 57 % der Befragten vertrauen Unternehmen, die KI einsetzen.

Positive Wahrnehmung von AI

Quelle: Munich Re: Globale Umfrage zu Cyberrisiken und Cyberversicherung 2026

Physikalische KI & Robotik - autonome Systeme erledigen komplexe Aufgaben

Physikalische KI - die Kombination von KI und Robotik - bringt Roboter auf ein neues Niveau. Generative KI trägt dazu bei, Roboter von deterministischen Automaten in intelligente, sich selbst entwickelnde Systeme zu verwandeln, die in der Lage sind, natürliche Sprache und visuell basierte Befehle wahrzunehmen, zu lernen und mit Menschen zu interagieren. Agentische KI und Sensoren befähigen Roboter, komplexe Aufgaben in der realen Welt zu bewältigen. Nach Angaben der International Federation of Robotics waren im Jahr 2024 weltweit mehr als 4,7 Millionen Industrieroboter im Einsatz, mehr als 500.000 werden pro Jahr neu installiert. Zu den Schlüsselindustrien, die jetzt physische KI einsetzen, gehören Logistik, Lagerhaltung und Fertigung. Die Robotikindustrie, die davon ausgeht, dass KI in den nächsten fünf bis zehn Jahren in verschiedenen Anwendungen weit verbreitet sein wird, diskutiert offen über die rechtlichen und ethischen Unklarheiten und fordert klare Rahmenbedingungen. Gleichzeitig mit dem Einsatz ist es Aufgabe des jeweiligen Unternehmens, diese erhöhte Konnektivität mit robuster und aktualisierter Sicherheit zu verbinden. Zu den größten Bedrohungen gehören Remote-Hijacking, Malware und Datendiebstahl, die zu Körperverletzungen, Sachschäden oder Produktionsausfällen führen können.

4. Cyber-Versicherung - Risiken und Chancen angehen

Sowohl die Rückschau auf Schäden als auch die Vorausschau auf die Cyber-Bedrohungslandschaft und Trends deuten darauf hin, dass sich die Bedrohungsszenarien weiter fortentwickeln und weit über Ransomware hinausgehen werden. Vor allem vor dem Hintergrund aktueller geopolitischer Spannungen und technologischer Innovationen sind künftige Cyber-Bedrohungen wohl vielfältiger und weitreichender einzuschätzen. Dieses Potenzial sollte das Bewusstsein für Cyberrisiken und für deren erhebliche Auswirkungen auf den Ruf und das Kerngeschäft von Unternehmen weiter schärfen. Das Bewusstsein allein kann jedoch keine finanziellen Verluste verhindern, das können nur Widerstandsfähigkeit und Versicherung. Welche Schlüsse lassen sich aus den gewonnenen Erkenntnissen für Cyberversicherungslösungen ziehen?

  • Auch wenn Cyber-Bedrohungen nicht immer bösartig sind, müssen sie immer mit Priorität behandelt werden. Cyber-Risikomanagement muss ganzheitlich und integrativ sein und laufend überprüft werden.
  • Während der Fokus der Öffentlichkeit immer noch auf Großunternehmen liegt, betrifft die Mehrzahl der von Munich Re erfassten Cybervorfälle und Cyber-Schäden Kleinstunternehmen und KMU. Cyber-Schutz ist ein Kernanliegen für Unternehmen und Branchen jeder Größe.
  • Tiefgreifende Datenanalysen von Cyberangriffen und Schäden sind für ein besseres Verständnis und eine treffende Quantifizierung des Risikos von entscheidender Bedeutung.
  • Cybervorfälle, die digitale Lieferketten betreffen, erweisen sich eher als Regel denn als Ausnahme und können als systemisches Risiko erhebliche Auswirkungen haben.
  • Nicht neu, aber anders: Die KI-Technologie vergrößert das Ausmaß bestehender Bedrohungen und kann die Gefährdung erhöhen. Dies gilt insbesondere für KI-Agenten, die zunehmend in IoT- und OT-Geräte eingebettet oder mit diesen verbunden werden, wodurch KI und die physische Welt weiter verschmelzen.
  • Im Jahr 2025 verursachten Naturkatastrophen Schäden in Höhe von 224 Mrd. USD, von denen 108 Mrd. USD durch Versicherungen gedeckt waren; 48 % der Schäden waren versichert. Wie wir sehen, ist die Versicherung ein wichtiger Faktor im Risikomanagement für die Weltwirtschaft, wenn es um Naturgefahren geht. Das Gleiche muss für die Cyberversicherung erreicht werden.
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© Munich Re
Die Geschäftsphilosophie im Cyberbereich von Munich Re ist unverändert: Cyber-Risiken verstehen, bewerten, quantifizieren und versicherbar machen. Dennoch ist der Löwenanteil der Cyberrisiken immer noch nicht versichert, obwohl sie versicherbar sind. Wie unsere Cyber Risk and Insurance Survey 2026 zeigt, haben fast 9 von 10 befragten Führungskräften das Gefühl, dass ihr Unternehmen nicht ausreichend gegen Angriffe geschützt ist, was ich als Aufforderung an die Versicherer verstehe, ihre Bemühungen zu verstärken. Die Cyberversicherung ist relevant, hat ihre Wirksamkeit bewiesen und ist bereit zu wachsen.
Jürgen Reinhart
Chief Underwriter Cyber

Das Ziel der Cyber-Versicherungsbranche ist es, Kunden dabei zu unterstützen, ihre Risiken zu erkennen, zu verstehen und optimal zu mindern. Die Versicherung bietet nicht nur eine Entschädigung nach einem Schaden, sondern trägt auch dazu bei, das Bewusstsein für die Gefährdung zu schärfen, die Cybersicherheit zu erhöhen und Unternehmen und Organisationen jeder Größe vor den potenziell massiven Störungen zu schützen, die Vorfälle mit sich bringen können.

Mit Blick auf die Zukunft konzentriert sich Munich Re weiterhin auf Herausforderungen und Chancen im strategischen Feld der Cyberversicherung und arbeitet dabei Hand in Hand mit Partnern und Kunden. Durch eine stärkere Verbreitung von Cyberversicherungen und eine globale Zusammenarbeit bei dieser Aufgabe können die Marktteilnehmer die Versicherten unterstützen und die globale Wirtschaft und Gesellschaft schützen.

Cyber-Versicherung in Kürze

Eine typische Police deckt nicht-physische Schäden infolge böswilliger und unbeabsichtgter Ereignisse. Cyberrisiken reichen von Hackerangriffen, Datenschutzverletzungen, Softwarefehlern und Spionage bis hin zu Computerviren. Der Versicherungsschutz kann Entschädigungen bei Betriebsunterbrechungen, Reaktionskosten, Reparatur- und Wiederherstellungskosten, PR- und Rechtskosten sowie Ransom-Kosten umfassen. Die Policen decken in der Regel sowohl die Kosten für die Eigenschäden als auch die Schäden an Dritten ab.
Der Abschluss einer Cyberversicherung empfiehlt sich für Unternehmen aller Größen und Branchen. Unabhängig von ihrer Größe können alle Unternehmen zur Zielscheibe werden, während nicht böswillige Vorfälle wie fehlerhafte Software und unbefugter Zugriff auf Daten eine noch größere Herausforderung für die IT-Sicherheit darstellen können, insbesondere für kleinere Unternehmen ohne spezielle Ressourcen. Durch die Versicherung kann jeder auf umfassendes Fachwissen und schnelle Reaktionsressourcen im Notfall zugreifen und so ein optimales Management von Cybervorfällen gewährleisten. Dies gilt auch für Privatpersonen und ihre Familien, die ebenfalls wachsenden Cyberbedrohungen ausgesetzt sind. 
Die Rückversicherung spielt eine zentrale Rolle, indem sie Fachwissen zur Verfügung stellt und die Erstversicherer bei der Bewältigung von Cyberrisiken unterstützt und auch dadurch dass sie große oder unvorhersehbare Schäden mit ihnen teilt und abfedert. So wird es den Versicherern erleichtert, ihre Kapazitäten für die Deckung von Cyberrisiken zu erweitern und den Versicherungsnehmern angemessenen Cyber-Versicherungsschutz zu bieten.

QUELLEN:

Global Cyber Risk and Insurance Survey 2026 / Munich Re (selektive Daten vorab)

Cyberversicherung: Die Deckungslücke verringern und nachhaltiges Wachstum fördern / Munich Re

Naturkatastrophenstatistik 2025 / Munich Re

Threat Landscape 2025 / ENISA

Quantum Europa Strategie / Europäische Kommission

Global Cybersecurity Outlook 2026 / WEF

Cybercrime worldwide / Statista

2026 Global Threat Report / CrowdStrike

2025 Q4 DDoS threat report / Cloudflare

2025 Supply Chain Cybersecurity Trends / SecurityScorecard

Top 5 Global Robotik Trends 2026 / International Federation of Robotics

Cyber Insurance Market Outlook 2026: Resilient Earnings, Tougher Competition, Pockets Of Growth / S&P Global

 

 

Autoren: Tim Marshall, Jan Eich, Martin Kreuzer, Axel von dem Knesebeck 

Unsere Experten

Timothy Marshall
Timothy Marshall
Cyber Underwriting Standards and Support
Munich Re
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Jan Eich
Head of Cyber Claims
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Martin Kreuzer
Senior Risk Manager Cyber Risks
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Axel von dem Knesebeck
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