
Cyber-Versicherungen sind relevanter und Cyber-Risiken sind brisanter denn je. Munich Re war von Beginn an eine tragende Säule des Cyberversicherungsmarktes. Unser strategischer Ansatz ermöglicht es uns, auch unsicheren Zeiten standzuhalten, weil wir uns auf unsere umfassende Underwriting-Expertise und unsere Disziplin stützen und mit einer langfristigen Geschäftsausrichtung auf die Förderung eines nachhaltigen Marktes abzielen. Munich Re investiert kontinuierlich in robuste interne Modelle, wir analysieren und quantifizieren stetig Cyber-Bedrohungen, um damit unsere Risikoeinschätzung und Lösungen anzupassen. Unser Ziel bleibt unverändert: Wir wollen unseren Kunden helfen, ihre Geschäftsmöglichkeiten in einer hypervernetzten Welt zu nutzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Wesentliche Treiber von Cyber-Schäden
Wäre Cyberkriminalität ein Land, so wäre es die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Mit prognostizierten weltweiten Kosten von 14 Billionen US-Dollar im Jahr 2028 wird die Cyberkriminalität die gesammelte Wirtschaftsleistung von Deutschland, Japan und Indien übersteigen. Nur die USA und China weisen ein größeres Bruttoinlandsprodukt auf.
Die Cyber-Risikolandschaft wird weiterhin durch eine Zunahme der Häufigkeit und der Folgen von Cyber-Angriffen und nicht böswillig verursachten Cyber-Ereignissen geprägt. Insgesamt ist die große Mehrheit der Cyberrisiken nicht abgesichert.
Munich Re sieht als wesentliche Treiber für versicherte Schäden Ransomware-Angriffe, Daten-Diebstahl (Data Breach), Email-Betrug (Business Email Compromise - BEC) und DDoS-Angriffe (Distributed Denial of Service - DDoS).
Von Cyberangriffen betroffene Segmente (2025):
2. Einblicke in Cyber-Schäden
Während der Fokus der Öffentlichkeit nach wie vor auf Großunternehmen gerichtet ist, betrifft die Mehrzahl der Cybervorfälle und -schäden tatsächlich Kleinstunternehmen und KMU.
Bei der Analyse von Ereignismustern achten Versicherer sowohl auf die Entwicklung bösartiger als auch nicht vorsätzlicher Ereignisse, da beide für die Ausrichtung des Portfolios entscheidend sind.
Die Schadendaten von Munich Re zeigen ein Verhältnis von 3 zu 1 zwischen böswilligen und nicht vorsätzlichen zurechenbaren Schadenereignissen. Dabei melden mittlere und große Unternehmen einen höheren Anteil an nicht vorsätzlichen Schadenereignissen, insbesondere in den Bereichen IT, Gesundheitswesen und Finanzen. Beide Ereignistypen sind in der Regel versicherbar, und beide können zu extremen Schadensauswirkungen führen. Betrachtet man die Schadenentwicklung seit 2021, so dominieren eindeutig die böswilligen Cyber-Fälle, wobei das Gesamtbild noch stark von den bis dahin zunehmenden Ransomware-Angriffen beeinflusst wird. Allerdings gewinnen auch die nicht vorsätzlichen Ereignisse an Bedeutung. Sie sind oft auf menschliches Versagen, fehlerhafte Software oder zunehmend auf Sammelklagen gegen unautorisierte Datenerfassung durch Tracking-Tools (sog. Pixel-Prozesse) zurückzuführen.
Zunahme der nicht vorsätzlichen Vorfälle
3. Cyber-Bedrohungslandschaft und Trends
In Reaktion auf die starken geopolitischen, technologischen und wirtschaftlichen Stressfaktoren müssen sich die Unternehmen gleichermaßen stark auf ihre Widerstandsfähigkeit und ihren Schutz achten. Jede Geschäftstätigkeit im digitalen Zeitalter birgt Gefahren, die kein Manager sich leisten kann zu vernachlässigen: Es ist längst überfällig, dass das längst geschärfte Risikobewusstsein auch in adäquates Handeln auf Führungsebene mündet. Im Interesse höherer Widerstandsfähigkeit von Unternehmen und gesteigerter Nutzung von Cyberversicherungen, begrüßt Munich Re sowohl den Wettbewerb als auch die Zusammenarbeit. Wir werden unser stark diversifiziertes, profitables Portfolio mit diszipliniertem Risikoappetit weiter ausbauen.
Geopolitik - digitale Grenzen und Schutz kritischer Infrastrukturen
Vor dem Hintergrund extremer geopolitischer Spannungen, die sogar in bewaffneten Konflikten und Kriegen eskalieren, ist der Cyberspace ein mächtiger Schauplatz, um politische, wirtschaftliche und militärische Vorteile zu erlangen. Geopolitische Konfliktlinien prägen also auch die Cyber-Bedrohungen, die zunehmend sowohl den öffentlichen als auch den privaten Bereich bedrohen.
Generell werden die Angreifer immer aktiver und wenden sich überschneidende Taktiken, Techniken und Verfahren (TTPs) an: Die Trennlinien zwischen staatlich unterstützten (Advanced Persistent Threats (APTs)) und staatlich geduldeten Gruppen und Kriminellen verschwimmen dabei immer mehr, ebenso wie ihre Motive - die von Spionage, Sabotage und Kampagnen zur Unterbrechung kritischer Infrastrukturen und Lieferketten bis hin zum reinen Gewinnstreben reichen.
DDoS-Kampagnen von Hacktivisten können niedrigschwellige geopolitische Interessen unterstützen, während die Kompromittierung von Lieferketten und Malware-Angriffe staatlich unterstützten Gruppen zugeschrieben werden können, die mit neuen Gruppen in skalierbaren, spezialisierten und agilen Ökosystemen zusammenarbeiten.
Zunehmend sind Störungen durch Ransomware-Angriffe das Ergebnis von Allianzen, die geopolitische Ziele in finanziell motivierte kriminelle Ökosysteme einbetten. In diesem Zusammenhang werden KI-Systeme zu Technologien mit doppeltem Verwendungszweck, die sich in militärischer Hinsicht mit Cyber- und kinetischen Taktiken vermischen.
Rund 64 % der Unternehmen gehen davon aus, dass sie ein potenzielles Ziel von geopolitisch motivierten Cyberangriffen sein werden (WEF). Diejenigen, die an kritischen Lieferketten und Infrastrukturen beteiligt sind - z. B. in der Verteidigungs-, Energie-, Finanz- und Telekommunikationsindustrie - sind besonders gefährdet.
Lieferketten - Kontinuum zwischen Kritikalität und Kontrolle
Digitale Lieferketten sind auf globaler und nationaler Ebene sowie für jedes einzelne Unternehmen unerlässlich geworden. Während mehr als zwei Drittel der großen Unternehmen in den letzten 12 Monaten mindestens einen Vorfall im Bereich der Cybersicherheit von Drittanbietern erlebt haben, geben Experten einen klaren Ausblick: Die nächste Generation von Cyberangriffen wird zunehmend die Imitation von Zulieferern, Logistik- und Digitaldienstleistern umfassen und das implizite Vertrauen zwischen Unternehmen und ihren Anbietern ausnutzen. Spoofing-Plattformen werden sich weiterentwickeln, um Anmeldeportale oder Zahlungsformulare zu klonen und so die Anmeldedaten der Benutzer zu stehlen. Darüber hinaus werden Cyberangriffe zunehmend dazu genutzt, Software- und Firmware-Lieferketten mit schwer zu erkennbaren Modifikationen oder bösartiger Logik zu infiltrieren und zu manipulieren.
Mit zunehmender Hyperkonnektivität, systemischen Abhängigkeiten und Monostrukturen - z. B. in Bezug auf Cloud-Anbieter, Content-Delivery-Netze oder Productivity Suites - können mit Blick auf die Sicherheit auch Kumul-Modelle und Budgets nicht unverändert bleiben. Die primären Herausforderungen und Einschränkungen beim Risikomanagement für Dritte werden weiterhin die Transparenz, die Bewertung und Sicherstellung der Integrität sowie die Sicherheitskontrollen für Lieferanten sein.
Cyberkriminalität – die Raffinesse einer Branche, die auf Diebstahl basiert
Die Cyberkriminalität entwickelt sich weiter zu einer hyperorganisierten, dienstleistungsorientierten "Branche", die durch die gesenkten Anforderungen an Qualifikation und Kapital für neue Marktteilnehmer zunehmend attraktiv wird. Ransomware-as-a-Service (RaaS)-Anbieter liefern KI-gesteuerte, schlüsselfertige Pakete, entwickeln und bieten Affiliate-Modelle mit Tutorials, Lead-Site-Hosting und verschlüsselte Geldtransfers im Rahmen von Geldwäscheaktivitäten, Dark-Web-Märkte und geschlossene Foren, die gestohlene Daten und einen ersten Zugang anbieten, um nur einige Beispiele zu nennen.
Deepfakes, Stimmenklone und synthetische Identitäten, bei denen echte Nutzerdaten mit gefälschten Informationen kombiniert werden, werden immer häufiger eingesetzt, um herkömmliche Schutzmaßnahmen zu umgehen. Darüber hinaus entwickeln sich die Märkte für Infostealer und Initial-Access-Broker immer mehr zum Mainstream und diversifizieren ihren Zugang zu Ziel-Cloud-Umgebungen, Software-as-a-Service (SaaS)-Plattformen und OT/IoT-Ökosystemen (Operational Technology/Internet of Things). Die Kriminellen arbeiten mit staatlichen Akteuren zusammen, die auf diese Weise die Zuordnung von Aktivitäten verschleiern und globale Operationen beschleunigen können.
Immer häufigere und raffiniertere Angriffe üben Druck auf potenzielle Opfer sowie auf kritische Lieferketten aus – und sind eine Belastung für alle Gesellschaften und Volkswirtschaften.
Agentische KI - ein Aktivposten für Angreifer und Verteidiger gleichermaßen
Der Einsatz von agentenbasierter KI setzt sich immer mehr durch und wird den Umfang, die Geschwindigkeit und die Präzision von offensiven und defensiven Cybermaßnahmen gleichermaßen beeinflussen. Agentische KI wird zunehmend in der Lage sein, mehrstufige Operationen zu planen und anzupassen, Schwachstellen effektiver auszunutzen, aus den Reaktionen auf Erkennungen zu lernen und mit minimalen menschlichen Eingaben zu arbeiten.
Da KI bereits in der Lage ist, Deepfakes, realistische Domains und Websites zu generieren und hyperpersonalisiertes Social Engineering und Phishing zu betreiben, werden die bestehenden Angriffsflächen exponentiell wachsen. Folglich steht zu erwarten, dass synthetische Inhalte und Personas sowie die zunehmenden Fehlinformationen das Vertrauen weiter untergraben.
Darüber hinaus werden KI-Modelle selbst Ziel von Angriffen sein und müssen gesichert werden. Zu den wichtigsten Angriffsvektoren gehören Prompt Injection und Data Poisoning sowie das Einfügen von bösartigen Daten oder Anweisungen zur Manipulation von Ergebnissen.
Agentenbasierte KI wird nicht nur Teile der Cyber-Kill-Chain verbessern und die Einstiegshürden für Angreifer senken, sondern der Einsatz autonomer Systeme könnte auch die Cybersicherheit erheblich verändern.
Ungeachtet all dieser Technologie bleibt der Faktor Mensch bestehen - als Schutzfaktor und potenzielles Einfallstor gleichermaßen. Selbst mit agentenbasierter KI wird der Mensch nicht vollständig ersetzt werden können. Daher scheinen einige der aktuellen Diskussionen über agentenbasierte KI vor allem Hype zu sein.
Unsere Experten von Munich Re gehen davon aus, dass agentenbasierte KI in naher Zukunft eher die Häufigkeit als den Schweregrad von Angriffen beeinflussen wird. Zu den betroffenen Deckungen könnten insbesondere Systemausfälle und (C)BI, Incidence Response, die Wiederherstellung von Daten und Cyber-Erpressung gehören - die alle potenziell durch ein First-Party-Element abgedeckt sind. Darüber hinaus könnte die Branche mehr Drittschäden durch unrechtmäßige Datenerhebung, Datenschutzverletzungen sowie Medienhaftung und Tech-E&O verzeichnen.
Trotz der Tatsache, dass KI ein zweischneidiges Schwert sein wird - das sowohl zum Guten als auch zum Schlechten eingesetzt werden kann - sind die Wahrnehmung und die Erwartungen der Risk-Owner insgesamt positiv: Nur 23 % der von Munich Re befragten Führungskräfte gaben an, dass KI negative Auswirkungen auf ihr Unternehmen haben wird, 66 % erwarten, dass KI positive Auswirkungen auf ihr Geschäft haben wird, und 57 % der Befragten vertrauen Unternehmen, die KI einsetzen.
Positive Wahrnehmung von AI
Physikalische KI & Robotik - autonome Systeme erledigen komplexe Aufgaben
4. Cyber-Versicherung - Risiken und Chancen angehen
Sowohl die Rückschau auf Schäden als auch die Vorausschau auf die Cyber-Bedrohungslandschaft und Trends deuten darauf hin, dass sich die Bedrohungsszenarien weiter fortentwickeln und weit über Ransomware hinausgehen werden. Vor allem vor dem Hintergrund aktueller geopolitischer Spannungen und technologischer Innovationen sind künftige Cyber-Bedrohungen wohl vielfältiger und weitreichender einzuschätzen. Dieses Potenzial sollte das Bewusstsein für Cyberrisiken und für deren erhebliche Auswirkungen auf den Ruf und das Kerngeschäft von Unternehmen weiter schärfen. Das Bewusstsein allein kann jedoch keine finanziellen Verluste verhindern, das können nur Widerstandsfähigkeit und Versicherung. Welche Schlüsse lassen sich aus den gewonnenen Erkenntnissen für Cyberversicherungslösungen ziehen?
- Auch wenn Cyber-Bedrohungen nicht immer bösartig sind, müssen sie immer mit Priorität behandelt werden. Cyber-Risikomanagement muss ganzheitlich und integrativ sein und laufend überprüft werden.
- Während der Fokus der Öffentlichkeit immer noch auf Großunternehmen liegt, betrifft die Mehrzahl der von Munich Re erfassten Cybervorfälle und Cyber-Schäden Kleinstunternehmen und KMU. Cyber-Schutz ist ein Kernanliegen für Unternehmen und Branchen jeder Größe.
- Tiefgreifende Datenanalysen von Cyberangriffen und Schäden sind für ein besseres Verständnis und eine treffende Quantifizierung des Risikos von entscheidender Bedeutung.
- Cybervorfälle, die digitale Lieferketten betreffen, erweisen sich eher als Regel denn als Ausnahme und können als systemisches Risiko erhebliche Auswirkungen haben.
- Nicht neu, aber anders: Die KI-Technologie vergrößert das Ausmaß bestehender Bedrohungen und kann die Gefährdung erhöhen. Dies gilt insbesondere für KI-Agenten, die zunehmend in IoT- und OT-Geräte eingebettet oder mit diesen verbunden werden, wodurch KI und die physische Welt weiter verschmelzen.
- Im Jahr 2025 verursachten Naturkatastrophen Schäden in Höhe von 224 Mrd. USD, von denen 108 Mrd. USD durch Versicherungen gedeckt waren; 48 % der Schäden waren versichert. Wie wir sehen, ist die Versicherung ein wichtiger Faktor im Risikomanagement für die Weltwirtschaft, wenn es um Naturgefahren geht. Das Gleiche muss für die Cyberversicherung erreicht werden.
Die Geschäftsphilosophie im Cyberbereich von Munich Re ist unverändert: Cyber-Risiken verstehen, bewerten, quantifizieren und versicherbar machen. Dennoch ist der Löwenanteil der Cyberrisiken immer noch nicht versichert, obwohl sie versicherbar sind. Wie unsere Cyber Risk and Insurance Survey 2026 zeigt, haben fast 9 von 10 befragten Führungskräften das Gefühl, dass ihr Unternehmen nicht ausreichend gegen Angriffe geschützt ist, was ich als Aufforderung an die Versicherer verstehe, ihre Bemühungen zu verstärken. Die Cyberversicherung ist relevant, hat ihre Wirksamkeit bewiesen und ist bereit zu wachsen.
Das Ziel der Cyber-Versicherungsbranche ist es, Kunden dabei zu unterstützen, ihre Risiken zu erkennen, zu verstehen und optimal zu mindern. Die Versicherung bietet nicht nur eine Entschädigung nach einem Schaden, sondern trägt auch dazu bei, das Bewusstsein für die Gefährdung zu schärfen, die Cybersicherheit zu erhöhen und Unternehmen und Organisationen jeder Größe vor den potenziell massiven Störungen zu schützen, die Vorfälle mit sich bringen können.
Mit Blick auf die Zukunft konzentriert sich Munich Re weiterhin auf Herausforderungen und Chancen im strategischen Feld der Cyberversicherung und arbeitet dabei Hand in Hand mit Partnern und Kunden. Durch eine stärkere Verbreitung von Cyberversicherungen und eine globale Zusammenarbeit bei dieser Aufgabe können die Marktteilnehmer die Versicherten unterstützen und die globale Wirtschaft und Gesellschaft schützen.
Cyber-Versicherung in Kürze
Was deckt die Cyberversicherung ab?
Wer braucht eine Cyberversicherung?
Welche besondere Rolle spielt die Rückversicherung bei Cyber-Risiken?
QUELLEN:
Global Cyber Risk and Insurance Survey 2026 / Munich Re (selektive Daten vorab)
Cyberversicherung: Die Deckungslücke verringern und nachhaltiges Wachstum fördern / Munich Re
Naturkatastrophenstatistik 2025 / Munich Re
Threat Landscape 2025 / ENISA
Quantum Europa Strategie / Europäische Kommission
Global Cybersecurity Outlook 2026 / WEF
Cybercrime worldwide / Statista
2026 Global Threat Report / CrowdStrike
2025 Q4 DDoS threat report / Cloudflare
2025 Supply Chain Cybersecurity Trends / SecurityScorecard
Top 5 Global Robotik Trends 2026 / International Federation of Robotics
Cyber Insurance Market Outlook 2026: Resilient Earnings, Tougher Competition, Pockets Of Growth / S&P Global
Autoren: Tim Marshall, Jan Eich, Martin Kreuzer, Axel von dem Knesebeck
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