Schutzlücke in Europa:
Ausbau von Cyber-Versicherung für KMU ist eine gemeinsame Aufgabe des Marktes
Closing the Cyber Protection Gap: Expanding insurance for SMEs is a joint market task
© Hinterhaus Productions / Getty Images

Weltweit halten 9 von 10 C-Level Manager das eigene Unternehmen für nicht ausreichend gegen Cyber-Risiken geschützt und sind angesichts drohender Attacken besorgt. Die Antwort der Teilnehmer der Cyber Risk and Insurance Survey 2026 von Munich Re bestätigt ein gewachsenes Risikobewusstsein, das zurecht besteht, denn die Cyber-Bedrohungslage durch Attacken und Schwachstellen verschärft sich. Besonders kritisch ist, dass Cyber-Angreifer zunehmend die gesamte Lieferkette ins Visier nehmen und automatisiert Ziele in großer Zahl attackieren. Damit geraten auch kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) stärker in den Fokus der Kriminellen. Die Deckungslücke der KMU ist weiterhin besorgniserregend groß. Um diese zu schließen, ist eine verstärkte Zusammenarbeit von Erst- und Rückversicherern entscheidend

Treffen Cyber-Angriffe große Unternehmen, schlagen Betriebsunterbrechungen oder finanzielle Einbußen daraus oft auch kaskadenartig auf kleinere Zulieferer und Dienstleister durch. Die wirtschaftlichen Folgen solcher Ereignisse können weitreichend sein und ganze Wertschöpfungsketten betreffen und bis hin zu Insolvenzen führen.

KMU sind dabei häufig besonders verwundbar. Sie verfügen oftmals über geringere Ressourcen für Präventionsmaßnahmen, Schulungen oder IT-Sicherheitsstrukturen. Kommt es zu einem Angriff, werden die Wiederherstellung von Systemen, die Wiederaufnahme des Betriebs und die Bewältigung der finanziellen Folgen schnell zu einer enormen Herausforderung für die betroffenen Unternehmen, die existenzielle Dimensionen annehmen kann.

Gleichzeitig bleibt ein großer Anteil der Cyber-Risiken in Europa – insbesondere im KMU-Segment – bisher unversichert. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen verfügen oft nicht über ausreichenden Zugang zu geeigneten Versicherungsprodukten oder unterschätzen die Bedeutung eines umfassenden Cyber-Risikomanagements.

Versicherer in der Pflicht

Damit das steigende Risikobewusstsein der Unternehmensverantwortlichen in den KMU stärker in effektiven Versicherungsschutz münden kann, sind die Versicherer gefordert: Cyber-Produkte müssen so gestaltet sein, dass sie für Versicherte und Vertriebspartner verständlich und einfach zugänglich sind. Der Abschluss einer Police sollte unkompliziert erfolgen, der Versicherungsschutz transparent sein und sich klar an den Bedürfnissen der Unternehmen orientieren.

Im Kern geht es darum, Komplexität zu reduzieren und gleichzeitig die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten zu stärken. Die bestehende Versicherungslücke gemeinsam mit bislang un- oder unterversicherten Unternehmen zu schließen, ist angesichts einer schnell wachsenden Bedrohung durch Cyberkriminalität, neue Technologien und geopolitische Spannungen von zentraler Bedeutung – insbesondere für KMU.

Die Situation vieler KMU unterscheidet sich deutlich von der großer Konzerne. Für viele mittelständische Betriebe ist eine kontinuierliche Auslastung geschäftskritisch, da sie häufig mit begrenzten Ressourcen arbeiten. Produktionsausfälle lassen sich nur schwer kompensieren. Gleichzeitig sind qualifizierte Fachkräfte schwer zu finden und für den Geschäftserfolg entscheidend, während IT-Sicherheitsbelange oder regulatorische Anforderungen häufig als zusätzliche Belastung wahrgenommen werden.

Eine schlanke und bedarfsgerechte Cyberversicherung kann künftig eine wichtige Rolle als letzter Baustein einer stabilen Sicherheitsarchitektur übernehmen. Ein wirksames Cyber-Risikomanagement umfasst dabei mehrere Elemente: vermeidbare Risiken reduzieren, potenzielle Bedrohungen überwachen, die eigene Abwehr- und Reaktionsfähigkeit stärken – auch mit Unterstützung externer Spezialisten – und schließlich verbleibende Restrisiken durch Versicherungsschutz absichern.

Welche Cyber-Risiken kann eine Police abdecken?

Werden Unternehmen Opfer von Schadsoftware, Datenschutzverletzungen oder Hackerangriffen, deckt eine Cyberversicherung in der Regel sowohl eigene Schäden als auch Haftpflichtansprüche Dritter ab. Dazu zählen etwa Kosten infolge einer Betriebsunterbrechung, Aufwendungen für die Wiederherstellung von IT-Systemen und Daten sowie mögliche Schadensersatzforderungen.

Darüber hinaus umfassen viele Policen zusätzliche Leistungen, etwa für IT-Forensik, Rechtsberatung oder Krisenmanagement. Aus Unternehmenssicht ist es entscheidend, dass alle potenziell wesentlichen Risiken berücksichtigt werden – eine enge Zusammenarbeit zwischen Versicherern und Versicherten bildet hierfür die Grundlage.

Welche Rolle kann ein Rückversicherer übernehmen?

Seit mehr als 15 Jahren investiert Munich Re als einer der führenden Anbieter im Cybermarkt kontinuierlich in Risikoexpertise. Datenanalyse, Kumulmodellierung und Kooperationen mit Technologieunternehmen sind zentrale Bausteine für die Weiterentwicklung des Cyberversicherungsmarktes und schaffen die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Erst- und Rückversicherern.

Das gemeinsame Ziel besteht darin, dieses komplexe Geschäftsfeld nachhaltig zu erschließen und damit die Cyber-Resilienz von Unternehmen und Organisationen zu stärken.

Der Beitrag der Rückversicherung konzentriert sich dabei auf drei zentrale Säulen:

1. Risikotransfer und Kapazitätsbereitstellung

Solide Rückversicherungskapazität, basierend auf fundierten Risikomodellen und Diversifizierung, ermöglicht es Erstversicherern, Cyber-Risiken von Unternehmen zu übernehmen, die zuvor unversichert oder unterversichert waren. Durch die gemeinsame Risikotragung trägt die Branche maßgeblich dazu bei, die Lücke zwischen versicherten und tatsächlichen wirtschaftlichen Schäden zu verringern und den Markt nachhaltig zu entwickeln.

2. Expertise und Modellierung

Munich Re setzt im Underwriting auf eigene Expertise und investiert kontinuierlich in interdisziplinäre Studien und Kooperationen, um Wissen über Cyber-Risiken weiter auszubauen. Erkenntnisse aus Studien und der laufenden Analyse der Bedrohungslage fließen direkt in den Dialog mit Kunden ein.

3. Markt- und Vertriebsunterstützung

Die Weiterentwicklung des Cybergeschäfts ist eine gemeinsame Aufgabe aller Marktteilnehmer. Ziel ist eine hohe Resilienz der versicherten Unternehmen sowie eine stärkere Marktdurchdringung. Erstversicherer profitieren dabei von der Kapazität und Expertise der Rückversicherer – etwa in der Produktentwicklung, im Underwriting oder bei der Vertragsgestaltung. Umgekehrt schätzen Rückversicherer das Marktwissen, Kundennähe und Vertriebskraft der Erstversicherer.

Europa ist bereits heute nach Nordamerika, der zweitgrößte Cyberversicherungsmarkt weltweit mit einer Prämie von über 3,5 Mrd. US-Dollar. Auch weiterhin besteht erhebliches Wachstumspotenzial: eine Chance für Versicherer als auch für Unternehmen, die sich gegen die finanziellen Folgen von Cyberangriffen absichern möchten.

Munich Re Experte

Bengt von Toll
Bengt von Toll
Head of Cyber Europe and Latin America

Newsletter

Immer einen Schritt voraus mit exklusiven Einblicken und Branchen-Updates! Abonnieren Sie unseren Munich Re Insights Newsletter und lernen Sie die neuesten Trends im Risikomanagement, Expertenanalysen, Markteinblicke und Innovationen in der Versicherungsbranche aus erster Hand kennen. Seien Sie Teil unserer Gemeinschaft von Vordenkern bei Munich Re und machen Sie sich auf den Weg in eine widerstandsfähigere Zukunft.
    alt txt

    properties.trackTitle

    properties.trackSubtitle

    0:00
    0:00