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Mobilität und Transport

Drohnen im freien Flug – höchste Zeit für Standards

Die kommerzielle Nutzung von Drohnen nimmt zu. Was jetzt dringend gebraucht wird, sind technische Standards und Regelungen für den Einsatz der unbemannten Fluggeräte. Die US-amerikanische Non-Profit-Organisation NextGen Air Transportation (NGAT), ein Konsortium aus Wirtschaftsunternehmen, staatlichen und wissenschaftlichen Institutionen, befasst sich mit Fragen der Flugsicherung, des Luftraummanagements und der Flugsicherheit im Zusammenhang mit der Integration von UAVs (Unmanned Aerial Vehicles) in den Luftraum. NGAT-Leiter Kyle Snyder von der North Carolina State University gibt Einblicke in die Arbeit des Konsortiums.

15.06.2015

Welche Trainings- und Ausbildungsmöglichkeiten bietet die North Carolina State University im Rahmen von NGAT?

NGAT fungiert in North Carolina als Schaltzentrale in Sachen UAV. Wir sind in unserem Bundesstaat federführend, was die Koordination der Ausbildungsangebote für den unbemannten Flugverkehr angeht. Hier an der North Carolina State University bieten wir allerdings kein Training für Drohnenpiloten an. Unsere Stärke liegt darin, Luft-und Raumfahrtingenieure und Informatiker so auszubilden, dass sie bessere unbemannte Luftfahrzeuge bauen. Schon seit 30 Jahren entwickeln unsere Studenten der Luft- und Raumfahrttechnik im Rahmen ihrer Konstruktionsprojekte unbemannte Flugkörper.

Was sind die Schwerpunkte der Ausbildung?

Ein Schwerpunkt liegt darin, zu vermitteln, wie man die Daten, die mit Hilfe von Drohnen gesammelt werden, optimal nutzen kann. Zum Beispiel, wie Landwirte durch Luftaufnahmen überwachen können, wie es um ihre Pflanzen steht, oder wie Drohnen in der Landvermessung eingesetzt werden können, um GIS-Daten zu erheben. Das bedeutet, dass man sich intensiv mit GIS befasst und ein umfassendes Bild davon verschafft, welche verschiedenen Arten von Informationen verfügbar sind. Für die GIS-Ausbildung arbeiten wir mit unserem Institut für Fernerkundung zusammen und stellen ihnen Datenbestände aus unseren Flügen zur Verfügung. Aktuell bieten wir einen einmaligen Lehrgang zur drohnengestützten Bilddatenerfassung und Messung von Entfernungen mit Hilfe von Licht- und Radartechnik an. Dabei kommen Fernerkundungs- und Bildgebungsverfahren zum Einsatz, die auf der LIDAR-Technologie (Light Detection and Ranging) basieren.

Wo wird ein richtiges Drohnen-Flugtraining angeboten?

An der Auburn University in Alabama gibt es eine Flugschule für unbemannte Luftfahrzeuge. Sie hat kürzlich die Genehmigung der US-Luftfahrtbehörde FAA (Federal Aviation Administration) erhalten, ein kommerzielles Flugtraining anzubieten. Eine unserer Partnerhochschulen hier in North Carolina, die Elizabeth City State University, hat jetzt einen Lehrgang "UAV-Flug" eingerichtet, in dem man lernt, Drohnen zu steuern. Er ist Teil des Bachelor-Studiengangs Luftfahrt. Ich glaube, es gibt an praktisch allen größeren Hochschulen in den USA Lehrangebote zum Thema unbemannte Luftfahrzeuge, sei es wie hier bei uns an der North Carolina State in der Luft- und Raumfahrttechnik oder auch in der Luftfahrt, mit dem Schwerpunkt auf Flugausbildung und Flughafenmanagement. Beide Seiten sind wichtig, denn wir gehen davon aus, dass die Nutzung von Drohnen weiter zunimmt. Eine Ausbildung muss Pflicht sein, auch bei kleinen Luftfahrzeugen. Die Luftfahrtbehörde FAA hat vor Kurzem angekündigt, dass sie die Einführung von Regeln plant, die für den Betrieb von UAVs einen Drohnen-Führerschein sowie einen FAA-Theorietest vorsehen, der alle zwei Jahre erneut abgelegt werden muss.

Arbeiten Sie mit den Behörden zusammen, um die künftigen Regelungen zu präzisieren?

Ja. Wir erarbeiten gemeinsam mit den Behörden des Staates North Carolina zusätzliche Regeln. Denn wer hier in North Carolina eine Genehmigung zum Betrieb von Drohnen erhalten will, sollte unserer Ansicht nach auch die hier geltenden Gesetze zu UAVs kennen. Wir arbeiten außerdem mit privaten Flugschulen zusammen, die angekündigt haben, entsprechende Kurse anbieten zu können, sobald die Anforderungen der FAA feststehen. Es ist besser, hier den privaten Sektor zu unterstützen, anstatt die Ausbildung an unserer Universität anzubieten. Denn die Nachfrage wird sehr hoch sein.

Welche Standards sollten Ihrer Meinung nach eingeführt werden?

Wir fliegen grundsätzlich nur mit Unterstützung eines von der FAA zugelassenen Piloten. Ich gehe aber nicht davon aus, dass die Luftfahrtbehörde das für die kommerzielle Nutzung von Drohnen generell als Standard vorschreibt. Wichtig ist vor allem, dass die Drohnenpiloten wissen, was im Luftraum passiert und welche Regeln dort gelten. Es müssen Grundkenntnisse vermittelt werden, wie der Luftraum funktioniert, welche verschiedenen Arten von Lufträumen es gibt, wie die Kommunikation mit der Flugsicherung abläuft, und was von bemannten Luftfahrzeugen und Piloten im Luftraum zu erwarten ist. Dazu ist eine Kombination der Theorieteile von Piloten- und Instrumentenflugausbildung erforderlich. Bei vielen der kleinen Luftfahrzeuge, die heute auf den Markt kommen, nützt es allerdings kaum, wenn man ein bemanntes Luftfahrzeug fliegen kann.

Die kommerzielle Nutzung von Drohnen nimmt zu – worin sehen Sie die größten Herausforderungen?

Ein große Herausforderung liegt darin, dass das Kind eigentlich längst in den Brunnen gefallen ist. Es ist so einfach, Drohnen zu kaufen. Und sie sind heute auch sehr einfach zu fliegen. Die Technik hat sich in den letzten fünf Jahren derart weiterentwickelt, dass es inzwischen fast schon zu spät ist, Regeln aufzustellen. Eine unserer ersten Fragen an Drohnenpiloten ist immer, ob sie auch die Flugverbotszone im Umkreis von acht Kilometern um den nächsten Flughafen einhalten. Leider wissen viele Leute nicht einmal, wie sie das feststellen können.

Welche Unterstützung kann die Assekuranz leisten?

Ich bin gespannt, was passiert, wenn die FAA verbindliche Regelungen veröffentlicht. Allein in den USA verkauft Amazon jeden Monat 3.000 Drohnen. Ich frage mich, wie viele Käufer, die ihre Drohnen kommerziell nutzen, dann tatsächlich die geforderte Lizenz erwerben werden. Die Assekuranz wird eine wichtige Rolle spielen. Beispielsweise wird ein professioneller Fotograf, der Luftaufnahmen von Hochzeiten, Immobilien oder landwirtschaftlich genutzten Flächen macht, nur dann eine Versicherung abschließen können, wenn er nachweist, dass er über die erforderlichen Qualifikationen verfügt.

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