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Mobilität und Transport

Startrisiko versichern

Knappe Budgets, Zeitdruck und Totalschäden: staatliche Raumfahrtagenturen müssen umdenken und erwägen die Deckung von Schäden – ein großes Potenzial auch für Munich Re als Marktführer in der Raumfahrtversicherung.

27.01.2015

Der 22. August 2014 sollte für das europäische Navigationssystem GALILEO ein ganz besonderer Meilenstein werden: Die ersten zwei der geplanten 30 Satelliten wurden mit einer Soyuz Trägerrakete aus Kourou (Französisch Guyana)  im Weltall ausgesetzt. Doch die Feier blieb aus. Denn die Satelliten wurde in die falsche Erdumlaufbahn eingeschossen, weit unter der geplanten Kreisbahn in 23.522 Kilometern Höhe. Aufgrund einer kurzfristigen Vereisung der Treibstoffleitungen in der Trägerrakete wurde der Raketenmotor mit zu wenig Treibstoff versorgt, die Satelliten mussten früher als geplant in den Orbit ausgesetzt werden und kreisen nun lediglich auf einer Höhe von 17.000 Kilometer – ein Debakel für die Europäische Weltraumorganisation (ESA), denn die beiden Satelliten können höchstwahrscheinlich nicht operationell eingesetzt werden. Die zwei geschätzt mehr als 50 Millionen Euro teuren Satelliten bildeten den Grundstein für den Aufbau des europäischen Konkurrenten zum amerikanischen GPS-System und zum russischen GLONASS-System. Da derzeit in der Regel nur die Satelliten kommerzieller Raumfahrtprojekte versichert werden, muss nun die EU als Auftraggeber der ESA und damit der europäische Steuerzahler den Schaden tragen.

Hohe Schäden bei ESA und NASA in 2014

Staatliche Weltraumorganisationen haben immer wieder hohe Schäden zu beklagen: So explodierte Ende Oktober 2014 eine Antares-Trägerrakete des US-Herstellers Orbital Science nur Augenblicke nach dem Start. Die Rakete mit dem unbemannten privaten Raumfrachter "Cygnus" sollte im Auftrag der staatlichen Weltraumbehörde NASA die Raumstation ISS mit Vorräten und wissenschaftlichem Material versorgen. Der Schaden durch den Verlust der Antares-Rakete, des Transporters und des Versorgungsmaterials wird auf mehr als 200 Millionen US-Dollar geschätzt.

Während in der Vergangenheit die staatlichen Raumfahrtprogramme mit hohen Budgets ausgestattet waren und somit auch Großschäden tragen konnten, steigt der Kostendruck und es stehen weitaus weniger Ressourcen zur Verfügung. Großschäden bringen ambitionierte staatliche Raumfahrtprojekte ins Wanken und verursachen hohe Kosten für die Allgemeinheit. Während die eingesetzten kommerziellen Trägerraketen vom internationalen Raumversicherungsmarkt und von Munich Re versichert werden, sind die Satelliten der staatlichen Programme bislang nicht gedeckt. „Obwohl wissenschaftliche Satelliten wegen der hohen Kosten und des Prototypcharakters nur schwer versicherbar sind, wären wir jederzeit bereit das reine Startrisiko zu decken“, erklärt Christian Riedl, Leiter der Raumfahrtabteilung.

Die Raumfahrtversicherung: Drei Deckungsformen

Die Raumfahrtversicherung ist grob in drei Deckungsformen unterteilt, die den Phasen von der Vorbereitung über den Start bis hin zum Betrieb der Satelliten im Orbit folgen. Dementsprechend bietet Munich Re folgende Deckungen: Pre-Launch-Versicherung, Launch-Versicherung und In-Orbit-Versicherung:

Pre-Launch-Versicherung: Die Pre-Launch-Versicherung bietet Allgefahrendeckung für Sachschäden in der Startvorlaufphase. Das heißt: während der Satellit vom Hersteller zum Startplatz transportiert wird (wobei für den eigentlichen Transport häufig eine separate Transportversicherung abgeschlossen wird), während der Satellit für den Start konfiguriert und in die Trägerrakete eingesetzt wird und während die gesamten Vorbereitungen für den Start getroffen werden.

Launch-Versicherung: Die Launch-Versicherung deckt die Phase vom Abheben der Rakete vom Boden bis zur Trennung des Satelliten von der Rakete und dem Aussetzen des Satelliten im "richtigen" Orbit, bzw. beinhaltet meist auch das erste Betriebsjahr des Satelliten. Ein Teilschaden wird angenommen, wenn der Satellit nur teilweise betriebsbereit ist oder seine Lebensdauer verkürzt wurde. Überschreitet die Beeinträchtigung durch einen Teilschaden eine bestimmte Schwelle, sprechen wir von einem sogenannten konstruktiven Totalschaden.

In-Orbit-Versicherung: Die In-Orbit-Versicherung bietet Schutz gegen das Risiko eines vollständigen oder teilweisen Ausfalls eines Satelliten während seiner Betriebsphase. Wie bei der Launch-Versicherung ist der versicherte Wert ein "agreed value", der zu Beginn der Lebensdauer des Satelliten auf dem Wiederbeschaffungswert basiert. Die Versicherungssumme deckt somit die Gesamtkosten der Herstellung eines Ersatzsatelliten und seiner Beförderung in den Orbit. Zusätzlich zu den beschriebenen Sachschadenversicherungen bietet Munich Re eine neuartige Launch plus life-Deckung für eine bis zu 15 Jahre langen Betriebsdauer von Satelliten ab Start.

Mehr Geschäft durch neue Anforderungen

Im Falle GALILEO hätte ein von Beginn an im Projekt berücksichtigter Versicherungsschutz das Budget des Gesamtprogramms nur minimal erhöht, dafür aber die Kosteneinhaltung selbst bei Großschäden gesichert und damit dem gesamten Projekt mehr Planungssicherheit gegeben.
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