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Gesundheitsrisiken

Zika-Virus – Eine Gefahr mit vielen Unbekannten

Eine akute Zika-Infektion ist für Erwachsene nicht gefährlich, dennoch sind mittel- bis langfristige Komplikationen möglich. Ein Zusammenhang zwischen dem Zika-Virus und Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen gilt als wahrscheinlich. Für die Lebensversicherungsindustrie erwartet man nach jetzigem Kenntnisstand nur geringe Auswirkungen.

03.02.2016

200.000 Soldaten ziehen mit Pestiziden in den Kampf gegen das Zika-Virus in Brasilien. Sie gehen von Haus zu Haus, verteilen Broschüren mit Tipps, wie man sich schützen kann, und verteilen kostenlosen Mückenschutz für Schwangere. Auch genmanipulierte männliche Mücken werden eingesetzt, um eine weitere Ausbreitung der Insekten zu verhindern. Bevor die olympischen Spiele in Rio de Janeiro beginnen, sollen Besucher bedenkenlos einreisen können. Die 3-4 Millimeter große Mücke „Aedes Aegypti“ ist das Problem: Sie verbreitet sich sehr schnell und überträgt auch die Viren, die das Dengue-Fieber und das Chikungunya-Fieber auslösen. Die Impfstoffentwicklung beginnt am Nullpunkt. Auch die genaue Art und Weise der Übertragung des Virus sowie die Ursache der raschen Ausbreitung sind ungeklärt. Bislang gehen Forscher davon aus, dass man nach einmaliger Erkrankung immun gegen das Virus ist.

Folgen einer Infektion sind noch nicht absehbar

Das Virus verursacht bei erkrankten Erwachsenen Hautauschlag, Kopf- und Gliederschmerzen, sowie leichtes Fieber. Die Symptome sind wenig gefährlich. Dennoch können die Folgen viraler Infektionen mittel- bis langfristig Komplikationen verursachen, nachdem sich der Patient bereits von der akuten Erkrankung erholt hat, so Karsten Filzmaier, Leiter des Medizinischen Kompetenzzentrums von Munich Re. Das konnte auch bei der kürzlich abgeklungenen Ebola-Epidemie beobachtet werden: Erst nach Monaten sind bei den Überlebenden der Infektion Augenprobleme oder neurologische Symptome aufgetreten. Eine Zika-Infektion könnte daher Risiken bergen, die heute noch nicht absehbar seien. Gefährlich wird es für Schwangere, die mit dem Zika-Virus infiziert sind. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es eine Verbindung zwischen der Zika-Epidemie und dem gehäuften Auftreten von Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie) bei Neugeborenen in den betroffenen Gebieten. Eine Mikrozephalie ist eine schwere angeborenen Hirnfehlbildung, die zu kognitiven und neurologischen Entwicklungsstörungen führen kann. Insgesamt sei es aber noch zu früh, das Ausmaß der Folgen zu beschreiben, warnt Filzmaier.

Virus breitet sich in Süd- und Mittelamerika aus

Wenn das Virus – und davon geht man zur Zeit aus – überwiegend nur durch einen Mückenstich auf den Menschen übertragen wird, dann  lässt sich eine globale Pandemie ausschließen und regionale Epidemien werden sich auf den Lebensraum der Mücke beschränken“, meint Filzmaier. Das Epizentrum liegt im Bundesstaat Pernambuco, mit der Hauptstadt Recife. Man schätzt mittlerweile eine halbe bis eineinhalb Millionen Erkrankte. Doch nicht nur in Brasilien, sondern in bereits 22 weiteren Ländern Süd- und Mittelamerikas sowie der Karibik ist das bis vor Kurzem kaum bekannte Virus aufgetreten, darunter das ebenfalls stark betroffene Kolumbien. Seit Oktober seien 13.500 Erkrankungen aufgetreten. In einigen Ländern wird Frauen ein temporärer „Schwangerschaftsverzicht“ nahegelegt, die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche steigt. Das Zika-Virus wird sich noch weiter ausbreiten: In den Armenviertel der Großstädte bieten sich ideale Bedingungen für die Vermehrung der Stechmücke.

Zusammenhang zwischen Zika-Virus und neurologischen Erkrankungen denkbar

Weil nach jetzigem Kenntnisstand eine akute Zika-Infektion bei Erwachsenen harmlos verläuft, ist keine unmittelbare Auswirkung auf die Morbiditäts- oder Mortalitätsrate zu erwarten. Die noch unbekannten mittel- bis langfristigen Komplikationen einer Virus-Infektion könnten jedoch einen Einfluss darauf haben. „In den letzten Wochen sind vermehrt Patienten in Lateinamerika an dem sogenannten Guillain-Barré-Syndrom erkrankt. Diese neurologische Krankheit kann durch eine Virus-Infektion hervorgerufen werden“, erklärt Filzmaier. „Ein Zusammenhang zwischen dem Zika-Virus und dieser oder anderen neurologischen Erkrankungen ist daher denkbar, allerdings zur Zeit wissenschaftlich (noch) nicht bestätigt.“ Filzmaier fährt fort, dass das Risiko, bei guter medizinischer Behandlung an dem Guillain-Barré-Syndrom zu versterben, gering sei. Bei einem Fünftel der Erkrankten bleiben jedoch dauerhaft neurologische Beeinträchtigungen zurück.

Lebensversicherung: Auswirkungen auf Critical Illness-Produkte möglich

Sollte es zu einem deutlichen Anstieg der Guillain-Barré-Fälle in den betroffenen Ländern kommen, könnte sich dies auf Critical Illness-Produkte auswirken. Denn die für das Syndrom typischen Lähmungen sind in der Police meist gedeckt.  Auch gibt es Critical Illness-Produkte, bei denen Kinder im Rahmen der Versicherungspolice automatisch bei den Eltern mitversichert sind. Bei anderen Produkten wiederrum sind sogenannte „angeborene Fehlbildungen“ eines Kindes gedeckt. Je nach Vertragsbedingungen könnte es hier aufgrund der Zunahme von Neugeborenen mit Mikrozephalie auch zu einer Zunahme der Leistungsansprüche kommen. „Die Zika-Epidemie ist ein klassisches Beispiel für ein medizinisch-epidemiologisches Änderungsrisiko in der Lebensversicherung“, so Filzmaier. 

Das Auswärtige Amt rät Schwangeren vor Reisen in die betroffenen Regionen ab. 
Weitere Informationen der World Health Organisation: WHO Q&A

Munich Re Experten
Karsten Filzmaier
leitet das Center of Competence for Medical Research & Consulting im Ressort Life/Health.
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