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Gesundheitsrisiken

Verbesserte Überlebenschancen nach Schädel-Hirn-Trauma

Nach dem Skiunfall des mehrfachen Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher wird in den Medien über die Folgen eines schweren Schädel-Hirn-Traumas diskutiert. Fortschritte in der Medizin haben die Überlebenschancen für diese Verletzungsart erhöht – und damit auch die Möglichkeiten, sich als Patient noch zu versichern.

29.01.2014

Als Schädel-Hirn-Trauma (SHT) wird jede Verletzung des Schädels mit Hirnbeteiligung bezeichnet. Die häufigsten Ursachen sind Straßenverkehrsunfälle, gefolgt von Stürzen, Sportunfällen und Gewaltanwendungen. Die Verletzungsart, zählt weltweit zu den Hauptursachen für Todesfälle und Invalidität.   Ein SHT kann durch einen Schlag auf den Kopf, durch abruptes Beschleunigen und Abbremsen des Kopfes oder durch eine Kombination von Bewegung und Aufprall hervorgerufen werden. Zusätzlich zu dem Schaden, der im Moment der Verletzung entsteht, können Folgeschäden des Gehirns durch Durchblutungsstörungen sowie die Erhöhung des Schädeldrucks verursacht werden. Diese Folgeschäden treten in den ersten Stunden oder Tagen nach der Erstverletzung ein und tragen wesentlich zur letztendlichen Schädigung des Gehirns bei. Wird die akute Phase eines Schädel-Hirn-Traumas überlebt, so können zahlreiche neurologische, kognitive und psychosoziale Auffälligkeiten und Störungen bestehen bleiben, die bis hin zu einer dauerhaften Behinderung des Betroffenen führen können. Bei einem günstigen Verlauf und optimaler medizinischer Behandlung kann in vielen Fällen auch eine vollständige Genesung erreicht werden.   Zu unterscheiden ist ein SHT von einer nicht-traumatisch bedingten Hirnverletzung, etwa einem Schlaganfall. Ein Schlaganfall ist oft das Ergebnis eines Krankheitsprozesses, während es sich bei einem SHT um ein einmalig auftretendes Ereignis handelt.

Studien zu langfristigen Folgen

Ein schweres SHT ist ein lebensbedrohliches Ereignis mit einer Sterblichkeitsrate von über 30 Prozent in den ersten sechs Monaten. Die Überlebenschancen haben sich jedoch dank der modernen Intensivmedizin und Fortschritten in der Neurochirurgie wesentlich verbessert. Dadurch rücken die langfristigen Folgen eines SHT immer mehr in das Interesse der Mediziner. Auch die Datenlage zu SHT hat sich in den vergangenen 20 Jahren durch eine Reihe von Studien über den Langzeitverlauf nach solchen Verletzungen verbessert. Dabei zeigt sich, dass das Alter und der Schweregrad einer dauerhaften Behinderung wichtige prognostische Risikofaktoren für das Überleben sind. So hat ein 40-jähriger Mann, der ein Schädel-Hirn-Trauma nur mit schwerer Behinderung und als Pflegefall überlebt, heutzutage eine mittlere Überlebensdauer von mehr als 13 Jahren. Mit nur geringen körperlichen oder geistigen Einschränkungen hat er hingegen fast die gleiche Lebenserwartung wie ein gesunder Mann gleichen Alters.   Studien zeigen zudem, dass Überlebende, die anschließend keiner Pflegebehandlung bedürfen, signifikant höhere Überlebenschancen hatten als Patienten, die nach der Rehabilitationsbehandlung in Pflegeeinrichtungen verlegt werden mussten.

Versicherbarkeit dank MIRA

MIRA, das Risikoprüfungs-Tool von Munich Re, bietet auf der Basis solcher medizinischer Daten risikoadäquate Einschätzungsrichtlinien für Antragsteller mit einem überlebten SHT. Insbesondere neurologische Defizite, körperliche Funktionsstörungen, Atmungsprobleme oder psychosoziale Veränderungen müssen im Rahmen der Risikoprüfung bei Antragstellern mit überlebtem SHT beachtet werden. Antragsteller, die drei Jahre nach einem schweren SHT keine Folgeschäden aufweisen, können in günstigen Fällen sogar als Normalrisiko angenommen werden.   Gleiches gilt für alle Invaliditätsabsicherungen. Jedoch können sich Langzeitkomplikationen, hauptsächlich sensorischer, verhaltensbezogener und kognitiver Natur, langsam und sogar erst Jahre nach der Verletzung entwickeln. Vollständig wiederhergestellte Patienten nach schwerem SHT können folglich in der Invaliditätsversicherung angenommen werden, allerdings zu einem erhöhten Beitrag, um das Risiko der Langzeitkomplikationen auszugleichen.

Mehr Überlebende, aber oft mit schweren Funktionsstörungen

Hinsichtlich der Beurteilung von Sport- und Freizeitrisiken, lehrt uns der tragische Unfall von Michael Schumacher, dass niemand vor den Gefahren im (Extrem-)Sport sicher ist. Dank der modernen Notfall- und Intensivmedizin und der inzwischen gängigen Schutzausrüstung (Skihelme etc.) haben sich die Überlebenschancen nach einem SHT deutlich verbessert. Allerdings führt dies dazu, dass immer mehr Patienten mit schweren, teils irreparablen Funktionsstörungen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Und für Versicherungen bedeutet dies, dass sich die Anzahl an Schadenfällen in der Invaliditätsabsicherung weiter erhöhen wird. Außerdem können sich solche Schadensfälle je nach Ausmaß der Verletzung als sehr komplex in der versicherungsmedizinischen Bewertung herausstellen.

Munich Re Experten
Karsten Filzmaier
leitet das Center of Competence for Medical Research & Consulting im Ressort Life/Health.
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