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Gesundheitsrisiken

Schwere Prüfung für die Psyche

Psychische Erkrankungen sind auf der Liste der Auslöser in der Berufsunfähigkeitsversicherung ganz nach oben gerückt. In den Medien wird kontrovers diskutiert, ob es wirklich einen Anstieg entsprechender Erkrankungen gibt oder hier nur viel Lärm um nichts gemacht wird. TOPICS Online zeigt, was diese Entwicklung für das Geschäftsmodell der Berufsunfähigkeitsversicherung bedeutet.

14.07.2014

Waren lange Zeit orthopädische Erkrankungen der Auslöser Nummer eins für eine Berufsunfähigkeit, haben ihnen in Deutschland inzwischen psychische Erkrankungen den Rang abgelaufen. Hier sind in einigen Berufsgruppen bereits 25 Prozent aller Leistungsfälle auf seelische Krankheiten zurückzuführen. Auch in anderen europäischen Staaten ist eine entsprechende Entwicklung zu beobachten. Es gibt erste Hinweise durch epidemiologische Studien, wonach die Zahl seelischer Erkrankungen in der Bevölkerung nicht angestiegen ist. Krankheiten wie Angststörungen oder Depressionen werden heute aber schneller erkannt und behandelt als früher. Kritisch für Versicherer: Es handelt sich bei den Betroffenen auch um solche Gruppen, die bisher als risikoarm galten – und somit als besonders wettbewerbsrelevant.

Was bedeutet die Entwicklung für Versicherer?

Psychische Erkrankungen schaffen veränderte Voraussetzungen. Bei körperlichen Beschwerden kann der Arzt konkrete Untersuchungen veranlassen, zum Beispiel ein EKG oder ein Blutbild. „Die objektiven Ergebnisse dieser Messungen liegen der Versicherung bei jedem Antrag auf Leistungen vor. Sie sind für den Leistungsprüfer in der Schadenabteilung hilfreich, um das Restleistungsvermögen des Antragstellers mit dem Anforderungsprofil der beruflichen Tätigkeit abzugleichen“, erklärt Dr. Achim Regenauer, Chief Medical Director bei Munich Re. Auf Basis dieser Fakten lassen sich die Möglichkeiten einer Gesundheitsverbesserung und die Aussichten auf eine Reaktivierung bestimmen. „Anders sieht es bei psychischen Beschwerden aus. Die Ursachen sind sehr komplex und sowohl in der Persönlichkeitsstruktur als auch in der Biografie und dem sozialen Umfeld des Betroffenen begründet. Daher ist der Schweregrad einer seelischen Krankheit für den Leistungsprüfer oft nicht nachvollziehbar“, so Regenauer weiter. Die komplizierten und konkurrierenden Diagnoseschlüssel erschweren die richtige Einordnung zusätzlich.

Es besteht Handlungsbedarf

Wegen ihrer Komplexität benötigen psychische Erkrankungen eine entsprechend umfangreiche, qualifizierte Leistungsprüfung. Ein Mehraufwand, der sich im Fallmanagement auszahlt. Denn hier kann und sollte die Versicherung Betroffenen gezielt beim Wiedereinstieg in den Beruf helfen, zum Beispiel durch Änderung des Arbeitsprofils, Arbeitsplatzinventionen oder arbeitsmedizinische Betreuung. Um so länger psychisch Erkrankte nämlich arbeitsunfähig geschrieben sind, desto schwieriger gestaltet sich die Wiedereingliederung. Und desto höher fallen die benötigten Leistungen aus. „Gerade in jungen Lebensaltern werden seelische Erkrankungen zu einem wesentlichen Risikotreiber“, erläutert Patricia Lewerich, Head of Section CoC Life Insurance Products and Risks bei Munich Re. „Hinzu kommt, dass besonders die risikoarmen Berufsgruppen betroffen sind. Versicherer sind mit einer steigenden Anzahl von Leistungsempfängern konfrontiert, die sich dank günstiger Berufsklasseneinstufung zu attraktiven Konditionen überdurchschnittlich hoch versichert haben.“

Das Fazit

Psychische Erkrankungen erfordern ein Umdenken in der Leistungsprüfung und beim Fallmanagement. „Anbieter sollten ihr Risikomanagement interdisziplinärer aufstellen als bisher“, zeigt Lewerich auf. „Erst wenn Aktuariat, Versicherungsmedizin und Schadenmanagement ihre Erkenntnisse zusammenführen, entsteht ein umfassendes Gesamtbild. Das ist wichtig, um Risiken von seelischen Krankheiten und die daraus resultierenden Herausforderungen im Schadenmanagement sichtbar zu machen.“ Die Voraussetzung für gezielte Verbesserungen ist also die enge Zusammenarbeit aller Disziplinen – als Basis für eine realistische Einschätzung und die richtige Portefeuille-Steuerung.

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