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Gesundheitsrisiken

E-Zigaretten-Nutzer sind keine Nichtraucher

In diesem Jahr steht der Weltnichtrauchertag am 31. Mai unter dem Motto „Rauchen - eine Bedrohung für die menschliche Entwicklung“. E-Zigaretten als Alternative zum Tabak sind dabei bisher weitgehend unterschätzt worden. Denn auch ihr Konsum wirkt sich in vielerlei Hinsicht ungünstig auf die Gesundheit aus.

30.05.2017

Die Nachfrage nach E-Zigaretten ist innerhalb von nur wenigen Jahren geradezu explodiert. Lag das Marktvolumen 2009 noch bei EU-weit gerade mal 61 Millionen Euro, so stieg es bis 2014 auf deutlich über 2 Milliarden Euro an. Und immer noch entwickelt sich der Markt in verschiedenen Teilen der Welt sprunghaft.
In diesem Jahr steht der Weltnichtrauchertag am 31. Mai unter dem Motto „Rauchen - eine Bedrohung für die menschliche Entwicklung“. E-Zigaretten als Alternative zum Tabak sind dabei bisher weitgehend unterschätzt worden. Denn auch ihr Konsum wirkt sich in vielerlei Hinsicht ungünstig auf die Gesundheit aus. © Quelle: Europäische Kommission
Entwicklung des E-Zigaretten-Marktes in der EU:
Die Nachfrage nach E-Zigaretten wächst stark, doch ihre Nutzung birgt Gefahren für die Gesundheit

Verharmlosung hat den Trend zur E-Zigarette gefördert

Der enorme Nachfrageanstieg ist auf eine Kombination aus Verharmlosungen und Lifestyle-Verlockungen zurückzuführen. So wurde das Dampfen von E-Zigaretten lange als vermeintlich gesunde Alternative zum Tabakrauchen beworben. Zudem nutzen viele Konsumenten die aufwendig designten Verdampfer und Liquids auch als Lifestyle-Accessoires, die das eigene Image unterstreichen sollen. Vor allem Jugendliche sind dafür anfällig. 

Eine Studie aus dem Jahr 2016 zeigt: Rund ein Drittel aller E-Zigaretten-Nutzer in den USA haben niemals zuvor geraucht1. Der Anteil der Jugendlichen in dieser Gruppe ist überdurchschnittlich hoch. Der Befund alarmiert, zeigt er doch, dass gerade junge Menschen über die E-Zigarette in die Nikotinabhängigkeit geraten können. Dies konterkariert die Erfolge jahrzehntelanger Aufklärungsarbeit, die zuletzt zu einem merklichen Rückgang des Raucheranteils unter Jugendlichen geführt hatte.

Das Rauchen von E-Zigaretten schadet der Gesundheit

Die Beliebtheit der E-Zigarette ist Folge eines weitverbreiteten Irrtums. Dass sie von einigen Medizinern als Hilfsmittel zum Ausstieg aus der Tabaksucht empfohlen wird, macht das Inhalieren nikotinhaltiger Dämpfe noch lange nicht gesund. Im Gegenteil: Studien bestätigen, dass die Aerosole von E-Zigaretten neben Nikotin auch verschiedene krebserregende Stoffe enthalten – zum Beispiel Formaldehyde und Acetaldehyde. Zudem verstärken die Aerosole entzündliche Aktivitäten in den Lungenzellen und hemmen die gesunde Entwicklung von Embryonen. Negative Auswirkungen auf das Herzkreislaufsystem sind aufgrund fehlender Langzeitstudien noch nicht eindeutig belegbar, aber wahrscheinlich1.

Im Vergleich zum klassischen Tabakkonsum ist das Rauchen von E-Zigaretten zwar sehr wahrscheinlich weniger schädlich, gesundheitlich aber immer noch höchst bedenklich. Selbst der vermutete medizinische Nutzen als Entwöhnhilfe bei starker Tabaksucht ist bis heute nicht statistisch evident nachgewiesen. Unstrittig ist dagegen, dass sich die gesundheitlichen und damit auch volkswirtschaftlichen Kosten des E-Zigaretten-Konsums zu einer enormen Belastung entwickeln könnten.

Der Gesetzgeber reagiert – jetzt auch in Deutschland

Diese Gefahr hat die Europäische Union erkannt und bereits 2014 die sogenannte EU-Tabakproduktionsrichtlinie überarbeitet. In der neuen Fassung werden E-Zigaretten als Tabakprodukte eingestuft, für die ähnliche Auflagen und Restriktionen wie für klassische Zigaretten gelten sollen. Nach der Verabschiedung durch das EU-Parlament waren die nationalen Gesetzgeber aufgefordert, die Richtlinie bis Mai 2017 in gültiges Recht zu überführen. 

In vielen EU-Mitgliedsstaaten ist dies bereits 2016 geschehen. Als eines der letzten Länder hat nun auch Deutschland entsprechende Gesetze auf den Weg gebracht und in Kraft gesetzt. Seit dem 20. Mai 2017 gelten E-Zigaretten nun auch in Deutschland als Tabakprodukte. Sie unterliegen strengen Auflagen, müssen besonders gekennzeichnet sein und dürfen nur eingeschränkt beworben werden.
In diesem Jahr steht der Weltnichtrauchertag am 31. Mai unter dem Motto „Rauchen - eine Bedrohung für die menschliche Entwicklung“. E-Zigaretten als Alternative zum Tabak sind dabei bisher weitgehend unterschätzt worden. Denn auch ihr Konsum wirkt sich in vielerlei Hinsicht ungünstig auf die Gesundheit aus. © RistoArnaudov

Erhebliche Risiken aus versicherungswirtschaftlicher Sicht

Sowohl aus medizinischer Sicht als auch durch die neue Rechtslage ist die Botschaft klar: E-Zigaretten-Raucher sind keine Nichtraucher. Sorge bereitet aus Sicht der Versicherungswirtschaft insbesondere der hohe Anteil junger E-Zigaretten-Raucher. Denn über die individuellen gesundheitlichen Risiken hinaus birgt der Trend zur E-Zigarette auch wirtschaftliche Nachteile für den Einzelnen. 

Stichwort Rauchertarife: Wer als Raucher eingestuft wird, muss oftmals für Produkte der Lebensversicherung höhere Prämien zahlen als Nichtraucher. Insbesondere für die wachsende Zahl an jungen Konsumenten von E-Zigaretten bedeutet dies, dass für sie der Zugang zu Versicherungsschutz teurer wird. Somit bergen E-Zigaretten nicht nur gesundheitliche Gefahren; sie könnten auch dazu führen, dass die Versicherungslücke sich gerade bei jungen Menschen weiter vergrößert – mit entsprechenden wirtschaftlichen Konsequenzen für den Einzelnen und die Gesellschaft.

1 The Health Effects of Electronic Cigarettes; Chitra Dinakar, M. D., and George T. O’Connor, M. D.; N Engls J Med 2016; 375:1372-81

Munich Re Experten
Karsten Filzmaier
leitet das Center of Competence for Medical Research & Consulting im Ressort Life/Health.
Dr. Charlotte von Bodelschwingh
ist Medical Consultant im Ressort Life/Health.
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