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Gesundheitsrisiken

Unterwegs sein als Prävention

Mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, im Büro den Aufzug meiden und die Treppen nehmen, im Stehen arbeiten: Es gibt diverse Möglichkeiten, Bewegung in den Alltag zu bekommen. Internationale Studien bestätigen, dass regelmäßige Bewegung das Erkrankungsrisiko deutlich senkt. Auch der gerade erschienene DKV-Report bestätigt: Langes Sitzen und Bewegungsmangel sind Gift für die Gesundheit.

26.01.2015

Um herauszufinden, wie lange die Menschen pro Tag sitzend verbringen, haben sich die Wissenschaftler im Zentrum für Gesundheit der Sporthochschule Köln etwas Besonderes einfallen lassen: Sie fragten mehr als 3.000 Studienteilnehmer nicht pauschal danach, wie lange sie täglich sitzend verbringen, sondern splitteten die Tätigkeiten auf, denen man in der Regel im Sitzen nachgeht. Das Autofahren gehört dazu, das Arbeiten am Arbeitsplatz, das Fernsehen oder die Zeit vor dem Computer. An Arbeitstagen also sitzen die Menschen durchschnittlich 7,5 Stunden, Jüngere sogar mehr als neun Stunden, fanden die Wissenschaftler heraus.

Der Durchschnittsdeutsche sitzt 7,5 Stunden am Tag

Das sind folgerichtig auch siebeneinhalb Stunden, in denen sich die Befragten nicht bewegen. Dass in dieser Hinsicht tatsächlich nicht alles optimal ist, belegt ein Blick in die Ergebnisse der fünf als gesundheitsrelevant auserkorenen Bereiche Aktivität, Ernährung, Rauchen, Alkohol und Stressempfinden. Etwas mehr als jeder Zweite bewegt sich nach eigenen Angaben wöchentlich zumindest 150 Minuten „moderat“ und 75 Minuten „intensiv“, entspricht damit also dem geforderten Benchmark der Weltgesundheitsorganisation WHO. Wer ein Studium hinter sich hat und am besten verdient, ist am meisten gefährdet, sich zu wenig zu bewegen. Parallel dazu ist auch der gefühlte Stress in dieser Gruppe der Befragten zumindest mit am größten. Den Rentnern geht es nach dem gemeinsam von der Sporthochschule Köln und der DKV Deutsche Krankenversicherung AG herausgegebene Report gesundheitlich am besten. 15 Prozent der Befragten, die älter als 65 Jahre sind, erreichen gar in allen genannten Kategorien den Benchmark.

Nur jeder Zehnte raucht, die Senioren ernähren sich im Altersvergleich am besten und sind am Entspanntesten von allen. Ganz im Gegensatz dazu stehen die Menschen im mittleren Alter (30 bis 45 Jahre), die korpulent sind, männlich und zu den gut Verdienenden gehören: Sie sind pauschal gesehen die personifizierte Risikogruppe, die durch ihr Verhalten nicht zuletzt auch den Kindern Anschauungsunterricht darin geben, wie sie sich nicht verhalten sollten. So hat eine parallel gemachte Befragung von 300 Eltern ergeben, dass bereits die Sechs- bis Zwölfjährigen allein außerhalb der Schule insgesamt vier Stunden sitzen, bei den Hausaufgaben, beim Fernsehen, im Auto.

„Kinder, die regelmäßig Sport treiben, bekommen bessere Noten“

Dabei ist es gerade die Bewegung, die schon Kindern hilft, den Stoff in der Schule schneller und besser zu verstehen. Das bestätigt auch eine Studie der Universität Dublin, die den Zusammenhang von „körperlicher Aktivität und akademischer Leistung“ anhand einer Gruppe Jugendlicher untersuchte.  „Kinder, die regelmäßig Sport treiben, bekommen bessere Noten“, fasst Dr. Karsten Filzmaier zusammen, Versicherungsmediziner bei Munich Re.  Tatsächlich bestätigen mehrere weltweite Studien, dass schon 15 Minuten Bewegung am Tag ausreichen, um das Sterberisiko zu senken.  „Wichtig ist, sich überhaupt zu bewegen“, sagt der Mediziner der Munich Re, „ob man sich dann ein, zwei oder drei Stunden täglich bewegt, macht dann gar nicht mehr den großen Unterschied.“ Eine Langzeitstudie der Universität in Cambridge geht noch einen Schritt weiter. So kommen die Wissenschaftler nach Analyse von über 300.000 Studienteilnehmern über 12 Jahre hinweg zu dem Schluss, dass durch Bewegungsmangel doppelt so viele Menschen sterben als durch Fettleibigkeit – nämlich allein in Europa im letzten Jahr 676.000. Sie könnten allein durch regelmäßige Bewegung heute noch am Leben sein, so der Schluss der Wissenschaftler.

Der Grund für das erhöhte Risiko liegt der Studie nach darin, dass Herzkreislauferkrankungen wahrscheinlicher werden und auch – sowohl bei Bewegungsarmut als auch bei einem erhöhten Body Mass Index (BMI) – die Gefahr der Zuckerkrankheit Diabetes 2 zunimmt. Der Fett- und Blutzuckerkreislauf gerät aus dem Takt: Das bestätigt auch der Vorstandsvorsitzende der DKV Clemens Muth als Resümee des DKV-Reports.

Berufsunfähigkeitsversicherungen: Schadenshäufigkeit sinkt

„Guter Nebeneffekt von regelmäßiger Bewegung ist übrigens, dass das Depressionsrisiko bei Erwachsenen durch anderthalb Stunden Sport täglich um bis zu 30 Prozent gesenkt wird“, betont Karsten Filzmaier von Munich Re, der dadurch auch auf die Relevanz der Bewegung in Hinsicht auf Berufsunfähigkeitsversicherungen herstellt. Neben psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Burnout ist es auch für den Bewegungsapparat des Menschen sinnvoll, in Bewegung zu bleiben, etwa bei Rückenschmerzen oder Arthrosen. „Beim Burnout und in der Nachbehandlung von überstandenen Krebserkrankungen ist Bewegung sogar Teil der Therapie“, so Filzmaier – mal ganz abgesehen davon, dass die Schadenshäufigkeit sinkt und die Berufsunfallversicherung nicht so häufig nötig wird.

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