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Gesundheitsmanagement

Wenn Ärzte Fehler machen

Auch die besten Ärzte machen Fehler. Wurde ihnen vor Jahren noch blind vertraut, steigen heute die Anzahl der Klagen und die dadurch entstehenden Kosten überproportional an. Wer seinen Markt gut kennt, kann den Trend für ein wachsendes Haftpflichtgeschäft nutzen.

06.12.2011

Früher galten Ärzte noch als die „Halbgötter in Weiß“. Diagnosen und Entscheidungen wurden meist akzeptiert. Klagen aufgrund von Behandlungsfehlern waren selten. Heute sind die Patienten besser informiert und kritischer. Medienberichte über Pfusch im Krankenhaus beleben diese Skepsis zusätzlich. Klagen gegenüber Ärzten und Entschädigungskosten nehmen global gesehen deutlich zu. Für Heilwesen-Haftpflichtversicherer ergeben sich daraus zahlreiche Anknüpfungspunkte, um sowohl das Entschädigungsinteresse der Patienten als auch das Bedürfnis nach Abdeckung des Behandlungsrisikos der Mediziner zu befriedigen. Wer erfolgreich Produkte vertreiben will, muss sich aber vorab mit den kulturellen, wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen der jeweiligen Märkte auseinandersetzen.

Das Marktpotenzial ist noch nicht ausgeschöpft

Da weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene aussagekräftige Statistiken vorliegen, lässt sich der Weltmarkt nur annäherungsweise einschätzen. Die USA als größter MedMal-Markt verzeichneten 2009 ein geschätztes Prämienvolumen von circa 8 Milliarden Euro. Der US-Anteil am weltweiten Haftpflichtmarkt liegt bei etwa 50 Prozent. Nimmt man diesen Anteil auch für MedMal an, läge das weltweite Prämienvolumen derzeit bei circa 16 Milliarden Euro.

Und das ist sicherlich noch nicht die maximal mögliche Entwicklung. In den Emerging Markets steigen sowohl die Versorgungsstandards als auch die Nachfrage nach ärztlichen Leistungen kontinuierlich an. Zugleich nimmt die Anspruchsmentalität der Patienten zu. Diese Entwicklung lässt sich derzeit unter anderem in vielen Ländern Lateinamerikas beobachten.

In stärker entwickelten Märkten verläuft die Wachstumskurve des Gesundheitssektors zwar deutlich langsamer, dafür stärkt hier die Rechtsprechung zunehmend die Position der Geschädigten. Die Entschädigungsniveaus klettern hier in bisher unbekannte Höhen.

Mit dem Wohlstand wächst die Klagebereitschaft

Bevölkerungsreiche Länder aus den Emerging Markets können allein wegen der großen Zahl an potenziellen Versicherungsnehmern interessante Chancen bieten. Beispielsweise praktizieren in China 1,86 Millionen Ärzte – im Gegensatz zu 0,73 Millionen in den USA; die ärztliche Versorgung pro 10.000 Einwohner liegt in den USA bei 26 und in China bei nur 14 Ärzten. Hält die wirtschaftliche Entwicklung an, wird die Versorgungsdichte zunehmen.

Hinzu kommt, dass in China die Haftung vom Staat auf die Krankenhäuser verlagert wurde und die Regierung inzwischen in bedeutenden Wirtschaftszentren Pflichtversicherungen für Krankenhäuser eingeführt hat. Mit der Entwicklung des Landes steigt sowohl die Bereitschaft, Geld für ärztliche Versorgung zu investieren; als auch bei Behandlungsfehlern zu klagen.

Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung lebt in Ländern, deren Einkommensniveau im Bereich „lower middle income“ liegt. Die Bevölkerung ist dort im Schnitt relativ jung. Bei wachsendem Wohlstand sind hier vergleichbare Entwicklungen zu erwarten.

Bieten „lower middle income“-Länder Chancen?

Auch Ärzte machen Fehler. Wurde ihnen vor Jahren blind vertraut, steigen heute die Anzahl der Klagen und die dadurch entstehenden Kosten überproportional an. © Munich Re

Einkommen und medizinische Versorgungsdichte können mögliche Trigger für Wachstumspotenzial sein. Jedoch ist in den jeweiligen Märkten auch stark auf die wirtschaftliche Entwicklung, die kulturelle Entwicklung, das Haftungsrecht sowie die Organisation des Versicherungsmarkts zu achten. Eine saubere statistische Risikobewertung sowie Knowhow bei der Risikoselektion, beim Risikomanagement oder bei der Schadenbearbeitung sind somit unerlässliche Erfolgsfaktoren für jeden Versicherer, der in dieser Sparte aktiv sein möchte.

Im aktuellen TOPICS MAGAZIN 2/2011 werden exemplarische Märkte wie Frankreich, Kanada oder USA analysiert sowie Entwicklungen und Tendenzen in der Rechtsprechung beschrieben.

Munich Re Experten
Michael Janisch
leitet das Expertennetzwerk MedMal bei Munich Re.
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