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Leben & Gesundheit

Initiative der Weltbank sagt Epidemien und Pandemien den Kampf an

Auf die Ebola-Krise in Westafrika 2014 war die Welt nicht vorbereitet. Die internationale Hilfe kam zu spät: Sie konnte weder die humanitäre noch die wirtschaftliche Katastrophe in den betroffenen Ländern verhindern. Dieser Fall soll sich so nicht wiederholen. Die Weltbank hat mit Unterstützung von Munich Re, Swiss Re und GC Securities, ein Bereich von MMC Securities LLC, die Pandemic Emergency Financing Facility (PEF) eingeführt und besitzt damit bald ein effektives Instrument zur schnellen Pandemiebekämpfung, um Leben zu retten und Volkswirtschaften zu schützen.

29.06.2017

Es besteht kaum ein Zweifel, dass wir in der Zukunft eine schwere Epidemie erleben werden – wahrscheinlich innerhalb einer Lebensspanne sogar eine globale Pandemie, die Gesellschaften und Volkswirtschaften destabilisieren könnte. Dabei haben bereits begrenzte epidemische Ausbrüche das Potenzial, großes humanitäres Leid hervorzurufen und Volkswirtschaften durch krankheitsbedingte Fehlzeiten, gestörte Arbeitsabläufe und verminderte Produktivität zu beeinträchtigen. Das haben die Ausbrüche von SARS und Ebola drastisch bewiesen.
Auf die Ebola-Krise in Westafrika 2014 war die Welt nicht vorbereitet. Die internationale Hilfe kam zu spät: Sie konnte weder die humanitäre noch die wirtschaftliche Katastrophe in den betroffenen Ländern verhindern.
Dimensions of historical outbreaks

Bei der Absicherung von Ländern gegen Naturkatastrophen und gegen Pandemieausbrüche gibt es viele Parallelen. So sind vor allem Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen stark unterversichert. Im Katastrophenfall stehen dort oft nicht genügend finanzielle Mittel zur Verfügung, um Nothilfe zu gewährleisten und mit den finanziellen Verlusten fertig zu werden – geschweige denn einen Wiederaufbau von zerstörten Vermögenswerten nach Naturkatastrophen zu ermöglichen. Für die Weltbank war es daher ein logischer Schritt, Versicherungsmechanismen zu entwickeln, um Schwellen- und Entwicklungsländern zu helfen. Beispiele sind der türkische Katastrophenversicherungspool TCIP, die Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility (CCRIF) für karibische Staaten oder die Pacific Catastrophe Risk Assessment and Financing Initiative (PCRAFI) für pazifische Inselstaaten. Bislang deckten solche Versicherungsmechanismen jedoch ausschließlich Naturkatastrophenrisiken.

Definition
Epidemie: Stark gehäufte Vorkommen von ansteckenden Erkrankungen über dem normalen Maß, die zeitlich und räumlich begrenzt bleiben. 
Pandemie: Eine Epidemie, die sich über Kontinente hinweg global ausbreitet und große Teile der Bevölkerung betrifft.

Auf die Ebola-Krise in Westafrika 2014 war die Welt nicht vorbereitet. Die internationale Hilfe kam zu spät: Sie konnte weder die humanitäre noch die wirtschaftliche Katastrophe in den betroffenen Ländern verhindern.
Conventionl funding for epidemic outbreaks - Example: Ebola 2014, Guinea

Dringend notwendige Anschubfinanzierung

Die von der Weltbank in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und anderen Partnern des öffentlichen und privaten Sektors entwickelte und von G7- und G20-Ländern unterstützte PEF ist nun in der Lage, die dringend benötigten Mittel zur Eindämmung von Krankheitsausbrüchen bereitzustellen. So kann die PEF verhindern, dass sich seltene, gefährliche Krankheitsausbrüche zu tödlichen und kostenintensiven Pandemien entwickeln. Michael Roth, Senior Manager for Public Sector Business Development bei Munich Re, erklärt: „Für Munich Re ist die Weltbank ein einzigartiger Partner mit herausragender Erfahrung im Bereich komplexer Entwicklungsfinanzierungen. Wir freuen uns sehr, dass wir von Beginn an der Entwicklung der PEF beteiligt waren – an der Ideenfindung, der Konzeptentwicklung, der Bewertung der Versicherbarkeit und der Strukturierung der Versicherungskomponente."

Frühere Krisen haben gezeigt: Es besteht eine kritische Finanzierungslücke während der frühen Phasen eines Ausbruchs. In diesem frühen Stadium stehen meist nur wenig Mittel zur Verfügung. Breitere Hilfe kann häufig erst mobilisiert werden, wenn ein Ausbruch Krisenproportionen erreicht. Gunther Kraut, Project Lead von Munich Re’s Global Epidemic Risk Business: "Hätte es die PEF im Jahr 2014 während des Ebola-Ausbruchs gegeben, wäre bereits im Juli die erforderliche Notfallreaktion finanzierbar gewesen. Stattdessen flossen die Gelder erst im Oktober – drei Monate, in deren Verlauf die Ebola-Fälle um das Zehnfache anstiegen. Nach neuesten Schätzung der Weltbank stifteten Spender insgesamt mehr als 7 Mrd. US$ zur Abwehr und Folgenbewältigung, der wirtschaftliche Schaden in Guinea, Liberia und Sierra Leone belief sich auf 2,8 Mrd. US$."
Auf die Ebola-Krise in Westafrika 2014 war die Welt nicht vorbereitet. Die internationale Hilfe kam zu spät: Sie konnte weder die humanitäre noch die wirtschaftliche Katastrophe in den betroffenen Ländern verhindern.
Casualties in the event of an epidemic (illustrative)

Eine wichtige Säule in der globalen Gesundheitsversorgung

Die PEF ermöglicht bessere Planung und eine schnellere Reaktion, auch dank größerer Transparenz und verstärkter Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Werden Epidemien rechtzeitig bekämpft, sind sie meistens eindämmbar: Unterstützung zur richtigen Zeit macht den Unterschied. Rebecca Cichon, Senior Manager Origination bei Munich Re’s Capital Partners-Einheit in Zürich: "Die PEF regelt klar den Fluss von Geldern von den Risikoträgern über die Weltbank an die handelnden Organisationen und Regierungen. Dadurch wird der Weg geebnet für eine schnelle, effektive Reaktion auf Epidemie- und Pandemie-Ausbrüche.“

Die PEF kombiniert Deckungen aus den Versicherungs- und Rückversicherungsmärkten mit Mitteln aus Pandemieanleihen, die von der Weltbank ausgegeben werden. Die Anleihen werden im "Capital at Risk"-Programm der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD) ausgegeben. Die Versicherungskomponente der PEF beinhaltet auch Swaps, die die Bedingungen einer Versicherungspolice festlegen. Die PEF-Versicherungskomponente wurde mit Munich Re und Swiss Re entwickelt und nutzt die Modellierung von AIR Worldwide.

Die PEF hat das Potenzial, tausende Leben zu retten. Erhalten die betroffenen Länder und Hilfsorganisationen rasch die notwendigen Mittel, kann ein Epidemieausbruch eingedämmt werden, bevor er das Stadium einer Pandemie erreicht. Thomas Thumerer, Senior Manager Structuring bei Munich Re's Capital Partners-Einheit in München: "Dies ist eine der ersten und komplexesten Katastrophenbond-Transaktionen ihrer Art, um Pandemierisiken auf innovative Weise an die Kapitalmärkte zu bringen. Von der anfänglichen Idee bis zur endgültigen Lösung mussten zahlreiche Herausforderungen überwunden werden, nicht zuletzt die der Gestaltung eines geeigneten parametrischen Auszahlungskonzepts.“

Im Notfall

Für eine Finanzierung im Rahmen der PEF kommen Länder in Frage, die Mitglieder der Internationalen Entwicklungsagentur (IDA) sind. Die IDA ist der Zweig der Weltbank, der für die ärmsten Länder der Welt Finanzhilfen bereitstellt. (Die) PEF deckt die Viren ab, die das größte Potential haben, eine Pandemie zu verursachen. Diese sind Orthomyxoviren (pandemische Influenza-A-Viren), Coronaviren (SARS, MERS), Filoviren (Ebola, Marburg) und andere von Tier zu Mensch übertragbare Viren (Rifttalfieber, Krim-Kongo-Fieber und Lassafieber). Zahlungen der PEF an förderfähige Länder werden ausgelöst, sobald ein bestimmtes Maß an Ansteckungen
erreicht ist. In die Entscheidung einbezogen werden die Anzahl der Todesfälle, die Ausbreitungsgeschwindigkeit und die Ausdehnung des Ausbruchs über Landesgrenzen hinweg. Die Bestimmung basiert auf öffentlich zugänglichen Daten, die von der WHO gemeldet werden.
Auf die Ebola-Krise in Westafrika 2014 war die Welt nicht vorbereitet. Die internationale Hilfe kam zu spät: Sie konnte weder die humanitäre noch die wirtschaftliche Katastrophe in den betroffenen Ländern verhindern.
Cost for intervention (illustrative)

Unsere Kernkompetenz: Wir stärken die Resilienz von Unternehmen und Gesellschaften

Die PEF bietet eine einzigartige Kombination verschiedener Risikotransferlösungen, in dem sie die Stärken jeder einzelnen Komponente ausschöpft. Sie ist so auch ein wichtiges Element in der Entwicklung eines Versicherungsmarkts für Epidemie-Risiken. Kraut: "Die Erfahrung von Investoren und (Rück-)Versicherern mit der PEF wird wichtige Impulse für die Entwicklung von Epidemie- und Pandemieversicherungslösungen für eine breitere Gruppe aus privaten und öffentlichen Institutionen setzen. Im Laufe der Zeit werden wir unseren Kunden eine immer breitere Palette innovativer Risikotransferlösungen für Epidemierisiken anbieten können und damit die Resilienz von Gesellschaften weiter stärken."

Die PEF hat ein Volumen von mehr als 500 Mio. US$ für die kommenden fünf Jahre, um Entwicklungsländer gegen das Risiko von Pandemien abzusichern. Dies umfasst die Versicherungskomponente mit einer Deckungssumme von 425 Mio. US$ mit der Kombination aus Anleihen und Derivaten, eine Barkomponente und Zusagen von Geberländern für künftige zusätzliche Deckungen. Die Versicherungskomponente der PEF wurde gemeinsam mit Munich Re und Swiss Re entwickelt, die Modellierung stammt von AIR Worldwide. Die Prämien werden von Japan und Deutschland finanziert. In Ergänzung der Versicherungskomponente bietet eine Geldkomponente die Möglichkeit, flexibel Maßnahmen gegen Krankheitsausbrüche zu finanzieren, für die keine Auszahlungen aus den Versicherungsdeckungen möglich sind. Dieses Programm wird 2018 bereitstehen; die Erstfinanzierung von 50 Mio. € stellt Deutschland zur Verfügung.

Munich Re Experten
Gunther Kraut
Head of Epidemic Risk Solutions
Michael Roth
Senior Consultant Public Sector Business Development
Rebecca Cichon
Senior Manager Origination, Capital Partners Hub Zurich
Thomas Thumerer
Senior Manager Structuring, Capital Partners Munich
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