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Jährlich bearbeiten Wiechers und seine vier Kollegen im Center of Competence für Offshore-Risiken etwa 300 Anfragen nach Versicherungsschutz.
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Infrastruktur

"Modelle allein reichen nicht"

Wenn Joachim Wiechers auf die Frage nach seinem Beruf „Underwriter für Offshore-Risiken“ antwortet, trifft er gewöhnlich auf Unverständnis. „Als ich 1997 bei Munich Re anfing, konnte ich damit ebenfalls nicht viel anfangen“, räumt er ein. Bis dahin war Wiechers als Ingenieur im Anlagenbau für die Öl- und Erdgasindustrie mit der Rückversicherungswelt nicht in Berührung geraten. Doch auf der Suche nach einer neuen Herausforderung bewarb er sich damals als Spezialist für das Geschäft mit Offshore-Risiken – ein Sprung ins kalte Wasser.

07.04.2011

Er gelang, weil Joachim Wiechers sich intensiv einarbeiten konnte und einen tiefen Einblick in das Versicherungsgeschäft und die Aufgaben eines Underwriters erhielt: „Im Gegensatz zu anderen Rückversicherern schreiben wir Ingenieure bei Munich Re nicht nur Expertisen, sondern bestimmen auch mit, ob ein Risiko gezeichnet, also unterschrieben, wird. Daher kommt der Begriff Underwriter.“ Jährlich bearbeiten Wiechers und seine vier Kollegen im Center of Competence für Offshore-Risiken etwa 300 Anfragen nach Versicherungsschutz – ein strammes Pensum.

Nach der ersten Hürde folgt das Feintuning

Von Anfang an gehörte es zu Wiechers Arbeitsgebiet, Modelle zu entwickeln, mit denen sich Risiken bereits in einer frühen Phase adäquat einschätzen lassen. Doch ein Modell allein reicht nicht aus. Schafft es eine Anfrage über die erste Hürde, folgt das Feintuning. Dann klopft der Experte jeden Fall auf seine Besonderheiten ab, kalkuliert die risikoadäquate Prämie und überlegt, welche Einschränkungen oder Selbstbehalte sinnvoll sind.

„Vom Bauchgefühl kann man sich dabei nicht ganz trennen. Wenn es so wäre, könnte die Aufgabe ja auch eine Maschine erledigen“, erklärt Wiechers. Doch müsse man schon sehr plausible Gründe haben, um bestimmte Modellergebnisse zu verwerfen. „Schließlich soll der Kunde ja nachvollziehen können, wie sich der Preis zusammensetzt oder warum eine Deckung eingeschränkt wird.“ Um Projekte vor Ort zu begutachten, ist in der Regel keine Zeit. Wiechers und sein Team greifen wie in der Branche üblich auf Spezialunternehmen zurück, die viel stärker ins Detail gehen können, und haken intensiv nach.

Grösstes fakultatives Offshore-Energy-Risiko

Bei großen Bauvorhaben wie der Ostseepipeline hält der Experte zudem engen Kontakt mit den Projektmanagern. „Wir legen großen Wert darauf, die Risiken mit sogenannten Warranty Surveyors zu begleiten. Sie kontrollieren für uns permanent die Auflagen und schätzen die Sicherheitslage ein.“ Die Herausforderung bei der Nord-Stream-Gaspipeline bestand allerdings weniger in der Technologie als vielmehr darin, die verschiedenen Interessen von Konsortium, Banken, Versicherern und Maklern unter einen Hut zu bringen. Hier war Expertise und Verhandlungsgeschick gefragt.

Auch wenn Nord Stream das bislang größte fakultative Offshore-Energy-Risiko für Munich Re war, hat Wiechers keine schlaflosen Nächte verbracht. Schließlich befasst er sich seit über zehn Jahren mit der Einschätzung solcher Projekte und konnte seine bisherigen Erfahrungen einfließen lassen. „Außerdem sind wir gut vorbereitet, falls etwas passiert. Mit unseren Kunden führen wir Workshops durch, die bestimmte Szenarien simulieren. So weiß jeder genau, wie er im Schadenfall zu reagieren hat“, beruhigt Wiechers.

Ganz nebenbei noch ein Studium

Und was kommt nach Nord Stream? Dieses Vorhaben zu übertreffen werde schwierig, da ist sich der Experte sicher. „Das Projekt der Dii GmbH, Strom aus der Wüste Nordafrikas nach Europa zu leiten, dürfte eines Tages bestimmt auf unserem Tisch landen, wenn es um die Unterseekabel für den Stromtransport geht. Aber das liegt noch in weiter Ferne“, so Wiechers. Näher rückt hingegen die geplante Southstream-Pipeline durch das Schwarze Meer. Und als ob er nicht schon genug zu tun hätte, schreibt der dreifache Familienvater Joachim Wiechers momentan seine Masterarbeit im Studiengang Stochastik, den er vor gut drei Jahren berufsbegleitend aufgenommen hat. „Ich kann nur empfehlen, sich auch in mittleren Jahren noch einmal mit etwas Neuem auseinanderzusetzen“, bilanziert er nicht ohne Stolz die anstrengende Zeit. Denn das Studium hat ihm viel dabei geholfen, in seinem angestammten Job fokussiert zu bleiben. Und das ist die beste Voraussetzung, Munich Re im Offshore-Segment an der Spitze zu halten.
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