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Fossile Brennstoffe

Ist die Ölindustrie bereit für die Zukunft?

Die Nutzung von Erdöl und Erdgas durch den Menschen hat eine sehr lange Geschichte. Wie groß die geopolitische Bedeutung dieser Energieträger in Zukunft sein wird, ist jedoch umstritten. Ist die Kohlenwasserstoffindustrie bereit für ein neues Energiezeitalter?

17.01.2017

Bereits vor 4.000 Jahren nutzten die Menschen Rohöl. Die ersten Ölraffinerie-Verfahren wurden im Mittelalter eingeführt. Im Zuge der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert setzte man zunehmend in großem Umfang erdölbasierte Kraftstoffe als Alternative zur Kohle ein. Mit der Erfindung des Verbrennungsmotors und des Automobils (1886) wurde Öl schließlich zum wichtigsten Energieträger des 20. Jahrhunderts. Zu jener Zeit entstanden die großen Ölkonzerne – „Big Oil“ war geboren.

Die Geburtsstunde der Opec

Der internationale Wettstreit, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts um den Zugang zu den reichen Ölvorkommen im Nahen Osten entbrannte, war kennzeichnend für die große geopolitische Bedeutung des Rohstoffs. Die Kontrolle über die Ölreserven bei regionalen und internationalen Konflikten spielte eine zunehmend wichtige strategische Rolle.

Mit Gründung der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) im Jahr 1960 kam es zu einer deutlichen Verschiebung der weltweiten Machtstrukturen am Ölmarkt. Ereignisse wie das OPEC-Ölembargo 1973 und die iranische Revolution 1979 trieben die Rohölpreise auf Rekordhöhe. Es folgten Phasen der Instabilität.

Trotz des Eintritts von Russland in den internationalen Erdöl- und Erdgasmarkt in den 1990er Jahren und der laufenden Bemühungen der USA um größere Unabhängigkeit in der Energieversorgung, hat die OPEC nach wie vor großen Einfluss auf das weltweite Angebot sowie die Preise. Seit der Jahrtausendwende ist der Ölmarkt volatiler denn je. Die Gründe dafür sind politische Instabilität, bewaffnete Konflikte und Versorgungsschwierigkeiten. 2008 kletterte der Rohölpreis auf Rekordniveau, rutschte aber rund ein Jahr später während der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise auf einen Tiefstand. Auch weiterhin drohen Unsicherheit und Volatilität.

Große Veränderungen kündigen sich an

Nach Jahren der Konsolidierung wird der weltweite Öl- und Gasmarkt heute klar von einer relativ kleinen Anzahl großer Konzerne dominiert. An ihrer Spitze steht Saudi Aramco. Der Konzern verzeichnete 2015 einen Jahresumsatz von 478 Milliarden US-Dollar. Daneben gibt es noch rund 20 weitere Öl- und Gasunternehmen, die im gleichen Jahr einen Umsatz von je über 100 Milliarden US-Dollar erwirtschafteten. In Hochphasen konnten diese Unternehmen kräftiges Wachstum und Gewinne verzeichnen. Doch jetzt stehen sie an einem Scheideweg. 

Schon oft wurde darauf hingewiesen, dass die Ölreserven auf unserem Planeten eines Tages erschöpft sein werden. Aufgrund des technischen Fortschritts und dank des zeitweise extrem hohen Preisniveaus kommen bereits heute zunehmend innovative Verfahren der Öl- und Gasförderung zum Einsatz . Zudem werden neue On- und Offshore-Ölfelder in Betrieb genommen. Dennoch ist nicht zu leugnen, dass die fossilen Energiequellen begrenzt sind, auch wenn niemand mit Sicherheit vorhersagen kann, wann die Vorkommen erschöpft sein werden. Außerdem werden kurz- bis mittelfristig neue, nicht-fossile Energietechnologien sowie Umwelt- und Emissionsschutz-Auflagen den Einsatz von Kohlenwasserstoffen als Energieträger beeinflussen. Klar ist: Die großen multinationalen Öl- und Gasunternehmen müssen jetzt die Weichen stellen, ihre Ressourcen nutzen und sich für den anstehenden Paradigmenwechsel rüsten.

Stehen wir vor einer Energierevolution?

Die rasche Verbreitung erneuerbarer Energien ist ein positives Zeichen für die globale Energiewende hin zu einer CO2-armen Wirtschaft. Trotz der Preisrückgänge bei den fossilen Energieträgern erlebten die erneuerbaren Energien 2015 ein nie dagewesenes Wachstum. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Energiemix steigt und laut der International Renewable Energy Agency (IRENA) gibt es auch immer mehr Jobs in Branchen der sauberen Energieerzeugung aus Sonne, Wind, Erdwärme und Wasserkraft. Demgegenüber ist weltweit ein Rückgang der Arbeitsplätze in der Öl-, Gas- und Kohleförderung zu verzeichnen. So waren 2015 bereits rund 8,1 Million Menschen in klimafreundlichen Branchen beschäftigt – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2014 (7,7 Millionen), so die neuesten Zahlen von IRENA. Steigende regulatorische Anforderungen und der Druck der öffentlichen Meinung lassen großen, weithin bekannten Unternehmen kaum eine Wahl: Sie müssen ihr Profil in Sachen Geschäftsmodell und Nachhaltigkeit schärfen. 

Erfreulicherweise haben die Vorreiter unter den Öl- und Gasunternehmen schon vor Jahrzehnten erste Schritte in Richtung alternative Energietechnologie unternommen, beispielsweise, indem sie Solarmodule herstellen. Einige zukunftsorientierte Akteure auf dem Energiemarkt haben erkannt, welches Entwicklungspotenzial in erneuerbaren Energiequellen wie Wind, Wasser und Sonne steckt. Diese Technologien bieten aufgrund ihrer Zukunftsfähigkeit klare Vorteile, sind aber längst noch nicht so gewinnbringend wie früher Erdöl und Erdgas. Dies ist jedoch nur eine Frage der Zeit, da in den letzten Jahren nicht nur die Kosten für Öl und Gas, sondern auch die für Sonnen- und Wind-Energie deutlich sanken. Das wirtschaftliche Gefälle zwischen „alten“ und „neuen“ Energieträgern verringert sich damit zunehmend. Die Frage ist: Können die multinationalen Unternehmen dem Bedarf der Energiewirtschaft von morgen gerecht werden und auch künftig eine Schlüsselrolle einnehmen oder werden neue Spieler den zukünftigen Energiemarkt dominieren? 

Vorausschauende Anbieter investieren in neue Technologien

Verschiedene große Öl- und Gasunternehmen sind bereits auf einem guten Weg in eine CO2-arme Wirtschaft. Sie begegnen der zunehmenden Verknappung der natürlichen Ressourcen mit hohen Zukunftsinvestitionen, zum Beispiel in schwimmende Offshore-Windparks, Solarprojekte und weitere klimaschonende Technologien. Zudem arbeiten sie an Stromspeicher-Lösungen oder Neuerungen im Bereich Biotechnologie und Geothermie. Allerdings lassen sich ernst zu nehmende Risiken nicht einfach wegdiskutieren. Insbesondere die schwankungsanfälligen erneuerbaren Energiequellen wie Wind und Sonne bringen zahlreiche Herausforderungen mit sich.

Zum einen bedeuten sie für konventionelle Kraftwerke Einschnitte bei der Betriebsdauer – mit entsprechenden Gewinneinbußen. Zum anderen müssen die Leistungsschwankungen aus variablen erneuerbaren Energiesystemen durch eine geeignete Infrastruktur ausgeglichen werden. Selbst wenn es uns gelingen würde, unseren Strombedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken, bräuchten wir nach wie vor konventionelle, kostenintensive Backup-Systeme wie Gas- oder Kohlekraftwerke. Schließlich müsste man gerüstet sein für den Fall, dass Sonne, Wind oder Wasser nicht verfügbar sind. Noch heute erinnern sich viele Norweger an den heißen Sommer 2003, als es nicht genug Wasser gab, um die Wasserkraftwerke zu speisen. Für die Elektrizitätsversorgung ist Norwegen in erster Linie auf Wasserkraft angewiesen. Es stehen kaum Backup-Systeme zur Verfügung, sodass die Regierung damals die Bevölkerung dazu aufrief, Strom zu sparen. Bis heute fehlen Konzepte und Anlagen zur Energiespeicherung. 

Trotz der Herausforderungen sollen Kommunen und Städte durch weitere Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien klimaneutral werden. Innovative Technologien und Gewinnchancen werden die treibenden Kräfte hinter den Null-Emissionsprojekten sein. Doch wie alle neuen (und selbst die bewährten) Technologien sind auch erneuerbare Energien nicht ohne Risiken. Hier kommt die Versicherungswirtschaft ins Spiel.

Risikopartnerschaften als Motor des Wandels

Mit ihrem fundierten Risikowissen ist Munich Re für die Öl- und Gasunternehmen von heute ein idealer Partner auf dem Weg zur Energiewirtschaft von morgen. Mit gezielten Lösungen zur Absicherung von Projekt- und Performancerisiken sowie mit Naturkatastrophendeckungen tragen Versicherungsunternehmen maßgeblich dazu bei, innovative Projekte zu ermöglichen und das Kreditrisikomanagement zu verbessern. Dank ihres technischen Knowhows, ihrer Kenntnisse über Naturkatastrophen sowie ihrer jahrzehntelangen Erfahrung in der Einschätzung von Energierisiken sind Versicherer ideale Berater und Partner bei innovativen Energieprojekten.  Große multinationale Unternehmen haben die besten Voraussetzungen, den Wandel voranzutreiben – beispielsweise mit Offshore-Windparks oder anderen Großprojekten im Bereich der erneuerbaren Energien. Aber auch kleinere Energieanbieter und Start-ups können – etwa mit dezentralen, gemeinschaftlichen oder netzunabhängigen Lösungen – einen wesentlichen Beitrag leisten. Indem sie Projekte zu erneuerbaren Energien versichern oder auch direkt in derartige Vorhaben investieren, senden Erst- und Rückversicherer ein deutliches Signal an potenzielle Investoren und tragen damit effektiv dazu bei, Innovationen zu fördern. Daher wird Munich Re den von ihr eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen.  Die Energiewende passiert nicht über Nacht, und auch die Big-Oil-Unternehmen benötigen Zeit, um sich auf ihre neue Rolle in der Energiewirtschaft vorzubereiten. Erfolgreiche Ansätze basieren auf ihrer Finanzierbarkeit, der Energiesicherheit durch Risikodiversifizierung, der Berücksichtigung von Umweltbelangen und ihrer Akzeptanz in der Bevölkerung. Dementsprechend sind in den Prozess viele verschiedene Stakeholder eingebunden, die Expertise in den Bereichen Energie, Technologie und Risiko beisteuern. Ihre partnerschaftliche Zusammenarbeit wird das Fundament eines erfolgreichen Wandels sein.

Munich Re Experten
Martin Stricker
Underwriter
Wolfgang Ulbrich
Senior Underwriter
Scott Johnson
Underwriter
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