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Wirtschaft

Investoren: Innovationen müssen Gewinne erwirtschaften

Was macht die Aktie von Munich Re zu einem attraktiven Investment? Joachim Wenning, CEO von Munich Re, traf Markus Engels von Allianz Global Investors, der die Gruppe seit zwanzig Jahren aus Investorensicht bewertet.

30.08.2017

Wenning: Lassen Sie uns mit der Frage nach unserem Excess Capital starten, sie wird in vielen Gesprächen mit unserem Team in Investor Relations diskutiert. Wir hören immer wieder „Gebt doch ein bisschen schneller oder ein bisschen mehr davon an die Aktionäre zurück. Nehmen wir mal an, wir tun das, wie wirkt sich so was auf den Aktienkurs aus?

Engels: Das ist eine gute Frage...

Wenning: Ich würde unterstellen, es hat überhaupt keinen Einfluss. Vielleicht würde sich der Kurs kurzfristig bewegen, aber er käme schnell wieder herunter. Was denken Sie?

Engels: Munich Re zahlt momentan zirka 100 Prozent ihres Gewinnes aus. Der Kapitalbestand ist ausweislich der Solvenzquote deutlich über dem oberen Rand von 220 Prozent ... und doch halten Sie eine Flughöhe oberhalb der Zielbandbreite bei. Ich denke, dass man zumindest eine Antwort finden muss: Warum fliegt man so hoch, oder warum ist die Bandbreite so festgelegt?
 
Wenning: Ja, versteh’ ich. Und glauben Sie, dass der Aktienkurs davon profitieren würde, wenn wir auf  220 Prozent gingen?

Engels: Es ist schwer zu sagen, aber Munich Re bekommt momentan für freie Optionen wie Kapitalflexibilität und niedrige Verschuldung keinen Kredit vom Markt. Insofern glaube ich schon, dass eine Verringerung des Überschusskapitals (Excess Capital) positiv für den Kurs wäre. Jedoch ist dabei Sicherheit das höchste Gut von Munich Re. Das Kapital ist eine Stärke, die auf jeden Fall erhalten bleiben muss.
© Munich Re
Das Kapital ist eine Stärke, die auf jeden Fall erhalten bleiben muss.
Markus Engels
Allianz Global Investors
Wenning: Was müsste ich tun, damit Sie Ihre Bewertung der Munich Re-Aktie materiell besser bewerten?

Engels: Sehr einfach: Den Gewinn erhöhen. Munich Re ist in den letzten Jahren nicht gewachsen. Die Gewinne waren aufgrund der Rückversicherungsmärkte stabil bis leicht rückläufig, die ERGO hat zusätzlich belastet. Jetzt will der Markt wissen: „ Wo ist der Boden der Gewinne, und wie kann sich das Unternehmen weiterentwickeln?“ Es geht darum, managebare Risiken ins Portfolio zu bekommen, die Rendite bringen, ob das nun in der Rückversicherung, mit PIRI oder wo auch immer geschieht, ist sekundär. Der Großteil des Gewinnes sollte dabei unverändert aus dem Versicherungsgeschäft kommen und nicht aus abenteuerlicher Kapitalanlage. Das ist es, was Investoren mögen, weshalb sie Geld investieren und Munich Re langfristig halten. Gepaart mit einer hohen Ausschüttung, ist das ein attraktives Gesamtpaket.
© Munich Re
Wir setzen Technologien ein, um unsere Risikointelligenz weiter zu verbessern..
Joachim Wenning
CEO Munich Re
Wenning: Wie sieht der Kapitalmarkt Innovationen bei Munich Re?

Engels: Munich Re hat Optionen gezeigt, aber wir können sie noch nicht in Zahlen greifen. Darin liegt Fantasie, und sie wird auch am Markt besprochen, doch kann Innovation in den Modellen noch nicht zuverlässig reflektiert werden. Deswegen ist es für uns Investoren wichtig in den nächsten Jahren, zu sehen, wie Wachstumspläne greifen und Innovationen sich in Zahlen ummünzen. Was man aus heutiger Sicht sagen kann: Sie haben historisch gute Beispiele, wie den britischen Versicherer Admiral, wo Sie junge Unternehmen begleitet haben, die dann erfolgreich waren in ihrem Markt.

Engels: Munich Re muss sich auf der einen Seite durch Evolution selbst angreifen, aber auf der anderen Seite auch schneller als die Wettbewerber sein, um profitable Geschäftsfelder aufzutun. Wie gehen Sie vor?

Wenning: Wir konzentrieren uns auf die Werthebel in unserem Geschäft und darauf, wie wir sie durch die Digitalisierung verstärken können. Dabei müssen wir differenzierte Antworten finden. Was meine ich mit Werthebel: In der Erstversicherung kommt es entscheidend darauf an, mit operationaler Exzellenz und Effizienz zu produzieren. Eine neue Technologie wie Artificial Intelligence kann Automatisierungen unterstützen und den Geschäftsbetrieb noch günstiger und kompetitiver machen. Im Vertrieb gilt es die Schnittstelle zum Kunden mit digitalen Mitteln attraktiver, interaktiver zu gestalten sowie maßgeschneiderte Produkte noch besser und schneller anzubieten. 

Engels: Wo setzen Sie in der Rückversicherung an?

Wenning: Hier ist der stärkste Hebel die Fähigkeit der Underwriter im Risk Assessment. Wir setzen Technologien ein, um unsere Risikointelligenz weiter zu steigern. Neue Quellen und Informationen werden genutzt, die Daten werden tiefer analysiert und verarbeitet. Das hilft uns, bessere Lösungen für die Kunden zu entwickeln, zum Beispiel digitale Services, die Daten für den Kunden und den Rückversicherer nutzbar machen. Daten und Technologie sind die gemeinsame Basis von Erst- und Rückversicherung, und da fühlen wir uns im Konzern sehr gut aufgestellt.
Kurz und knapp: Munich Re CEO Joachim Wenning und Markus Engels, Allianz Global Investors über Innovationen, die Gewinne erwirtschaften müssen
Engels: Sie profitieren im Underwriting von Ihrem Spezialwissen, Ihr Service wird gerne von Ihren Kunden in Anspruch genommen. Können Sie sich vorstellen, dass in der Zukunft das Wissen auch in Form von Gebühren in Rechnung gestellt wird, losgelöst vom Underwriting-Prozess?

Wenning: Das können wir uns vorstellen. Hier und da, noch nicht in der ganzen Breite, nutzen wir auch schon solche Fee-Modelle. Unser Geschäftsmodell wird sich allerdings nie vollständig verschieben, weil generell die Risiken ansteigen. Die Bevölkerung wächst, die Wirtschaftsaktivitäten steigen an, Komplexität und Integration nehmen zu – und die damit verbundenen Risiken suchen nach Versicherungsschutz. Service-Modelle sind Zusatzmodelle.

Wenning: Welches Teilsegment in unserer Gruppe finden Sie besonders interessant?

Engels: Ich denke, Hartford Steam Boiler wird am Markt oft als die optimale Akquisition für Munich Re bezeichnet, das kann man sicherlich auch sagen: Zum richtigen Zeitpunkt war Munich Re am richtigen Ort und hat das richtige Asset bekommen, auch weil es in die Zukunft gerichtet viel verspricht und Expertise hat, also das ist etwas, was der Markt gut findet.
Hartford Steam Boiler: Zum richtigen Zeitpunkt war Munich Re am richtigen Ort und hat das richtige Asset bekommen.
Markus Engels
Allianz Global Investors
Wenning: Was ist aus Ihrer Sicht weniger attraktiv für den Kapitalmarkt?

Engels: Die Lebensrückversicherung bekommt am Kapitalmarkt einen Abschlag, einfach weil wir generell Schwierigkeiten haben, die Wertgenerierung gut zu verstehen. Das hat sehr viel mit asymmetrischer Rechnungslegung und den daraus resultierenden Volatilitäten zu tun. Zusätzlich machen uns die wesentlichen Indikatoren eine Bewertung des Geschäfts schwer - Solvency-II-Werte, Embedded Values, IFRS-Gewinne.

Wenning: Würden Sie so weit gehen und sagen „Dann macht das doch lieber gar nicht. Alles, was man nicht erklären kann, wird nie ausreichend honoriert werden.“
Was macht die Aktie von Munich Re zu einem attraktiven Investment? Joachim Wenning, CEO von Munich Re, traf Markus Engels von Allianz Global Investors, der die Gruppe seit zwanzig Jahren aus Investorensicht bewertet.
Joachim Wenning und Markus Engels sprechen über die Attraktivität der Münchener-Rück-Aktie.
Engels: Nein, um die Frage auf den Punkt zu beantworten: Ich glaube, innerhalb von Munich Re macht Lebensrückversicherung Sinn und ist ein ausgleichender Faktor, der auch Risikotragfähigkeit mitbringt.

Wenning: Wie sehen Sie ERGO?

Engels: ERGO war in der Vergangenheit etwas, was eher niedrig bewertet wurde. Jetzt muss man als Investor sehen, was die Zukunft bringt. Kann man aus der Vorstandsposition von Herrn Rieß bei Munich Re vielleicht schließen, dass die Bedeutung von ERGO in der Gruppe gestiegen ist?
Strategisch gesehen war ERGO von jeher ein wertvoller Teil unseres Gruppenportfolios.
Joachim Wenning
CEO Munich Re
Wenning: Strategisch gesehen war ERGO von jeher ein wertvoller Teil unseres Gruppenportfolios. Im Zuge der digitalen Transformation der Gruppe wird dieser Wert immer stärker sichtbar. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Teilen unserer Gruppe ist intensiv. Und das ist erfreulich.
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