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Versicherungsmärkte

Brasilien: Ganz nah an den Bedürfnissen der Kunden

Nächstes Jahr feiert Munich Re das 20. Jubiläum seiner ständigen Präsenz in Brasilien. Rodrigo Belloube, Leiter der Niederlassung in São Paulo, gibt einen Einblick in den brasilianischen Markt und erklärt, wie wichtig eine enge Kundenbeziehung ist.

03.08.2016

Topics Online: Nach Jahren des starken Wachstums befindet sich die brasilianische Wirtschaft derzeit in einer Rezession, zudem ist die politische Lage schwierig. Gleichzeitig ist Brasilien die unumstritten stärkste Wirtschaftsmacht Lateinamerikas. Wie interpretieren Sie diese Entwicklungen?

Rodrigo Belloube: Es lässt sich nicht leugnen, dass sich die Wirtschaft nach einer schwindelerregenden Wachstumsphase abgeschwächt hat. Wenn wir wieder auf Erfolgskurs sind, hoffe ich auf ein moderateres, stetigeres und langfristiges Wachstum. Allerdings ist verständlich, dass die Korruptionsvorwürfe gegen hochrangige Politiker und das Amtsenthebungsverfahren, mit dem sich die Präsidentschaft konfrontiert sieht, den Investoren Sorge bereiten. Wir müssen jedoch berücksichtigen, dass Korruption leider nichts Ungewöhnliches ist und die Tatsache, dass immer mehr Fälle ans Licht gelangen, zeigt, dass die Gesellschaft nicht länger bereit ist, sie zu tolerieren. In etwa fünf Jahren kann ich mir Brasilien also weitaus stabiler und nachhaltiger vorstellen als je zuvor.

Derzeit richten sich alle Augen auf die Olympischen Spiele in Rio. Waren die Bauprojekte, die für die Spiele und schon für die WM 2014 erforderlich waren, ein Segen für die Wirtschaft im Allgemeinen?

Diese großen Sportveranstaltungen machten die Notwendigkeit bestimmter Investitionen deutlich, doch viele Projekte in Bereichen wie Energieversorgung, Flughäfen und Straßen waren so oder so schon lange überfällig. Als Brasilianer würde ich sagen, dass die Gesellschaft von den vielen infrastrukturellen Großinvestitionen für die Weltmeisterschaft insbesondere bei der Mobilität langfristig profitiert hat: Die neuen U-Bahn-Linien haben die erschwinglicheren Wohnungen am Stadtrand besser ans Stadtzentrum angebunden, wo sich die Arbeitsstellen in der Industrie und in der Dienstleistungsbranche befinden. Zudem wurden die Flughäfen vergrößert und die Abwasseraufbereitung verbessert, was langfristig von Vorteil ist.

Welche Rolle hat die Assekuranz dabei gespielt?

Nun, all diese Großprojekte und Investitionen wollen versichert sein und wir können dabei unterstützen. Allerdings sind in den vergangenen Jahren viele Versicherer und Rückversicherer auf den brasilianischen Markt gedrängt und haben das verfügbare Geschäftsvolumen möglicherweise überschätzt. Es gab ganz klar ein Überangebot an Leistungen. Doch dank unserer hiesigen Erfahrungen sind wir nahe am Markt und in der Lage, Möglichkeiten zu erkennen, die andere nicht sehen.

Große Energie- und Infrastrukturprojekte waren also die treibenden Kräfte der Versicherungsbranche in Brasilien. Hält der Trend an?

Es gibt zahlreiche Projekte, die in den nächsten Jahren in Angriff genommen werden müssen, insbesondere in Hinblick auf erneuerbare Energien – dabei ist die Versicherungswirtschaft ein wichtiger Partner. Beispielsweise besteht großes Potenzial für den Ausbau von Wasserkraft, insbesondere im Norden Brasiliens. Doch in diesem Gebiet sind wir sehr vorsichtig, um sicherzugehen, dass die Projekte, die wir versichern, nachhaltig und umweltverträglich sind – besonders in Regionen, in denen der riesige Dschungel des Landes möglicherweise betroffen sein könnte. Weiterhin besteht großes Potenzial bei der Ernteversicherung im Agrarland Brasilien, also für Ernteschutz durch innovative Produkte. Auch bei der Kfz- und Wohngebäudeversicherung sehe ich Nachholbedarf.

Im nächsten Jahr feiert  Munich Re das 20. Jubiläum ihrer Präsenz auf dem brasilianischen Markt. Was sind die Vorteile dieses langjährigen Engagements?

Eigentlich reicht unser Engagement bereits zurück bis ins Jahr 1951, doch unsere dauerhafte Präsenz nahm 1997 mit der Gründung einer Außenstelle mit Sitz in São Paulo, geführt von unserem derzeitigen CEO Nikolaus von Bomhard, ihren Anfang. Das war lange vor der Liberalisierung des Rückversicherungsmarktes. Damals agierten wir als Retrozessionär des monopolistischen staatlichen Rückversicherers IRB (Instituto de Resseguros do Brasil S.A.). Schon vom ersten Tag an lag unser Hauptaugenmerk darauf, nahe an den Kunden zu sein. Als 2007 die Rückversicherungslizenzen verfügbar wurden, lag es nahe, dass wir  2008 als Erste ein vollwertiger Rückversicherer mit dem Status „ressegurador local“ wurden. Neben umfangreicher Kapazitäten haben wir die brasilianischen Versicherer und Industrien stets mit Innovationen und Feingefühl für die regionalen Bedürfnisse unterstützt. Dabei können unsere lokalen Mitarbeiter und Partner auf unser weltweites Netzwerk an Experten zurückgreifen. Und wir arbeiten eng mit unseren Kunden und deren Kunden zusammen, um ganz eigene, maßgeschneiderte Deckungen zu entwickeln, beim Kapitalmanagement ebenso wie bei innovativen, technologiegetriebenen Lösungen.

Welche besonderen Aspekte des Angebots sind Ihrer Meinung nach für den brasilianischen Markt am wichtigsten?

Ich denke, was unsere Kunden in Brasilien am meisten wertschätzen, ist unsere Fähigkeit, auf persönlicher Ebene zu arbeiten, ihre Bedürfnisse zu verstehen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

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