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Versicherungsmärkte

Diversifikation - Der Fels in der Brandung

Belastungen durch staatliche Rettungspakete für die europäischen Peripherieländer, Inflationsangst wegen der laxen Geldpolitik, Furcht vor einem Jahrzehnt der Deflation wie in Japan: Derzeit stellt sich die Frage von Neuem, ob langfristig mit weiterhin sehr niedrigen oder aber stark steigenden Renditen für Bundesanleihen zu rechnen ist – und welche Konsequenzen für die Anlagestrategie zu ziehen sind.

12.10.2011

Ein Kommentar von Dr. Jürgen Callies.

Zinsmärkte am Scheideweg

Aus unserer Sicht sind die deutschen Zinsmärkte derzeit am Scheideweg angelangt. In der gegenwärtigen Situation gibt es Argumente für steigende wie für fallende Zinsen und die Weichenstellungen der Politik (Stichwort Euro-Schuldenkrise, Notenbanken, Haushaltsdefizite) werden dabei immer bedeutender. Dennoch verfestigt sich das Bild, dass der 30-jährige Zinstrend nach unten abgelöst wird durch einen breiten Seitwärtstrend der Renditen, wir uns aber trotzdem auf eine Phase insgesamt niedriger Zinsen einstellen müssen. Blickt man zurück auf die Renditeentwicklung deutscher Bundesanleihen, dann startete ein langfristiger Abwärtstrend zu Beginn der 1980er-Jahre. Eingeleitet wurde er durch die stabilitätsorientierte Politik der Fed und der Bundesbank; weitere Ursachen waren die Stabilität bzw. der Rückgang der Rohstoffpreise bis zum Beginn des neuen Jahrtausends, die verstärkte Liberalisierung und Deregulierung der Märkte sowie der Aufbau umfangreicher Devisenreserven bei den BRIC-Staaten.

Zudem führten die beiden Jahrhundertkrisen (Internetblase, Kreditkrise) Anfang des neuen Jahrtausends dazu, dass Anleger verstärkt „Safe Havens“ anstrebten und damit den Abwärtstrend der Renditen von Staatsanleihen in Deutschland und den USA beförderten.

Gegenläufige Trends bei der Zinsentwicklung

In Zukunft gilt dies nur noch teilweise. Mit sinkenden Rohstoffpreisen über einen längeren Zeitraum sowie einer stabilitätsorientierten Geldpolitik wie in den 1980er- und 1990er-Jahren dürfte zunächst nicht mehr zu rechnen sein. Vielmehr spricht das hohe Wachstum in den Emerging Markets für anhaltenden Preisdruck bei Rohstoffen und die Notenbanken haben zumindest aktuell offenkundig andere Ziele als die Geldwertstabilität.

Dagegen werden sich in den kommenden Jahren vor allem die Öffnung der Märkte, die Produktivitätsgewinne vor allem der Schwellenländer und im Dienstleistungssektor sowie weiterhin ein nur moderater Anstieg des Lohndrucks inflationsdämpfend und damit zinsbegrenzend auswirken. Hinzu kommt: Gerade in den Industrieländern wird das Thema Demografie immer wichtiger und insbesondere die Nachfrage nach langlaufenden Anleihen steigen lassen.

Hohe Renditen wie zwischen 1970 und 2000 sind illusorisch

Wägt man die verschiedenen Einflussfaktoren auf die Zinsentwicklung ab, sollte beim aktuellen Renditeniveau von um die zwei Prozent bei zehnjährigen Bundesanleihen der Abwärtstrend der Renditen in Deutschland zu einem Ende gekommen sein. Bandbreiten von sechs bis neun Prozent, wie es sie bei zehnjährigen Bundesanleihen in den 1980er- und 1990er-Jahren gab, sind illusorisch. Aus heutiger Sicht könnte sich die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen in den nächsten 10 bis 20 Jahren bei zwei bis 5,5 Prozent einpendeln, wobei wir den größeren Teil der Zeit eine Bandbreite zwischen drei und vier Prozent erwarten. Dies würde bedeuten, dass sich Bundesanleihen auch längerfristig im Niedrigzinsumfeld bewegen werden. Angesichts der derzeitigen Ängste um ein Auseinanderbrechen der Währungsunion könnte die Safe-Haven-Funktion der Bundesanleihen auch dazu führen, dass deren Rendite kurzzeitig nach unten ausschlägt.

Verschärft sich die Krise, sinken die Renditen weiter

Die aktuelle Eurokrise zeigt: Die absolut sichere Anlage gibt es nicht mehr. Auch wenn Bundesanleihen zu den wenigen Papieren gehören, denen diese Eigenschaft zugeschrieben wird, können sie durch die Euro-Schuldenkrise höchst unterschiedlich betroffen sein.

Denn langfristig gibt es drei Möglichkeiten, um die Krise zu meistern. Wünschenswert wäre eine Kombination von Reformen, Sparen, Privatisierung und Rückgewinnung von Wachstumskräften in den Krisenländern. Wenn dies scheitert, bleibt entweder der Weg in die Transferunion, oder es scheitern tatsächliche ein oder mehrere Mitgliedsländer.

Während eine Verschärfung der Krise weiter sinkende Renditen bedeuten würde, führt der Weg in die Transferunion wohl mittelfristig zu fallenden Kursen und steigenden Renditen für Bundesanleihen.

Die Maxime lautet: Diversifikation

Für den Kapitalanleger empfiehlt es sich, nicht nur auf Bundesanleihen zu setzen, sondern an bewährten Prinzipien festzuhalten: Die Diversifikation, also die Mischung und Streuung nach Regionen und Assetklassen, ist wichtig. Dabei sollten auch Emerging Markets oder neue Anlageklassen wie Renewable Energies berücksichtigt werden. Neben der Diversifikation hat die Liquidität eine besondere Bedeutung: Weil sich Rahmenbedingungen schnell ändern und entsprechend flexible Reaktion erfordern, muss ein signifikanter Anteil der Kapitalanlagen in liquiden Anlageformen erfolgen.

Munich Re Experten
Jürgen Callies
Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre und Promotion im Bereich Technologie und Außenhandel ist Jürgen Callies seit über 20 Jahren in verschiedenen Funktionen im Kapitalmarktresearch tätig. Seit 2002 ist er Leiter Research bei der MEAG, dem Vermögensverwalter von Munich Re und ERGO. Insgesamt verwaltet die MEAG Kapitalanlagen im Wert von derzeit rund 203 Milliarden Euro.
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