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Globale Trends und Politik

Zukunft braucht Wachstum

Sollten wir angesichts von Ressourcenknappheit und Klimawandel auf Wirtschaftswachstum verzichten? Auf keinen Fall, sagt Michael Menhart, Chefvolkswirt bei Munich Re. Er ist überzeugt: Wachstum dient nicht nur dem Eigeninteresse, sondern dem Wohl der Volkswirtschaft.

13.10.2015

Ludwig Erhard, der Vater des deutschen Wirtschaftswunders, fragte sich bereits 1957, „ob es noch immer nützlich und richtig ist, mehr Güter, mehr materiellen Wohlstand zu erzeugen oder ob es nicht sinnvoll ist, unter Verzichtsleistung auf diesen ‚Fortschritt‘ mehr Freizeit, mehr Besinnung (...) zu gewinnen“. Dabei betrug das damalige Pro-Kopf-Einkommen um die 10.000 Euro (Westdeutschland); heute sind es knapp über 36.000 Euro (Gesamtdeutschland). Grund genug, Ambitionen in Sachen Wirtschaftswachstum zurückzuschrauben? Nur auf den ersten Blick.

Angela Merkel hat recht ...

... wenn sie sagt: „Wir müssen lernen, den Wachstumsbegriff für das 21. Jahrhundert neu zu definieren.“ Wir leben in einer Welt mit endlichen Ressourcen. Wir spüren die Folgen von Umweltzerstörung und Klimawandel. Und wir haben erkannt, dass Wohlstand und Wohlbefinden der Menschen sich nicht durch stetiges Wirtschaftswachstum allein garantieren lassen.

Im Gegenteil: Die übermäßige Gier nach Wohlstandszuwachs – erkauft mit maßloser Verschuldung – verursachte bereits manche Finanz- und Wirtschaftskrise. Außerdem dürfen wir uns, wollen wir die wirtschaftlichen Fortschritte eines Landes wirklich messen, nicht allein auf die Zunahme des Bruttoinlandsprodukts verlassen. Diese Messgröße hat Mängel: Ehrenamtliche Tätigkeiten, Kindererziehung, Pflege und vieles mehr werden dabei beispielsweise nicht erfasst. Eigentlich ein charmanter Gedanke: Wir halten unseren aktuellen Lebensstandard konstant, konsumieren vielleicht etwas weniger und haben dafür mehr Freizeit.

So verführerisch dies klingt, es wird nicht funktionieren. Wir werden uns auch zukünftig um Wirtschaftswachstum bemühen müssen. Das gilt offensichtlich für die Teile der Welt, die noch lange nicht unser westliches Wohlstandsniveau erreicht haben. Ohne Wirtschaftswachstum kann die Bevölkerung von Entwicklungsländern ihre wesentlichen Grundbedürfnisse nicht befriedigen, Schwellenländer können sich nicht dem Standard der Industrieländer annähern.

Ein langfristiger wirtschaftlicher Stillstand hätte aber auch für die hoch entwickelten Staaten dramatische Folgen – in erster Linie für den Arbeitsmarkt. Dank technischem Fortschritt lässt sich unsere Wirtschaftsleistung mit immer weniger Arbeitskräften erbringen. Ohne Wachstum stiege die Zahl der Arbeitslosen also stetig weiter an. Außerdem benötigen wir große Investitionen, um grundlegende Herausforderungen der Zukunft – wie etwa große Infrastrukturmaßnahmen oder die Energiewende in Deutschland – zu bewältigen. Investitionen ohne Wachstum? Undenkbar.

Tragende Rolle für Versicherer

Niemand glaubt an Wirtschaftswachstum als Allheilmittel. Vielmehr müssen wir uns fragen: Wie kann Wachstum in nachhaltigere Wege gelenkt werden?

Unter anderem durch die Erfahrung und Kreativität von Versicherern. Angemessener Versicherungsschutz gegen Schäden und Unfälle trägt dazu bei, neue Industrien und innovative Technologien erfolgreich einzuführen. Zeitgemäße Formen der Alters- und Gesundheitsvorsorge helfen, den demografischen Wandel zu gestalten.Versicherer streben daher nicht nur aus Eigeninteresse nach Wachstum – es dient auch dem Wohl der Volkswirtschaft.

Munich Re Experten
Michael Menhart
Chefvolkswirt von Munich Re
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