dcsimg
Globale Trends und Politik

Solvency II: Munich Re ist gut aufgestellt

Am 1. Januar 2016 tritt Solvency II in Kraft. Am 30. November stellt Munich Re in London den Analysten vor, wie wir für das neue Aufsichtsregime gerüstet sind. Bernhard Kaufmann, Group Chief Risk Officer bei Munich Re zu den neuen Anforderungen an die Assekuranz, der Zertifizierung unseres internen Modells sowie den Chancen für unsere Gruppe.

30.11.2015

Topics Online: Letzte Woche hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) das interne Risikomodell von Munich Re zertifiziert. War das noch eine Überraschung?

Bernhard Kaufmann: Überrascht hat uns das sicher nicht, aber dennoch haben wir uns gefreut. Immerhin haben wir bereits vor fünfzehn Jahren damit begonnen, unser internes Modell aufzubauen. Wir verwenden seit vielen Jahren unser internes Modell für unsere ökonomische Steuerung als Basis für unser Value Based Management und um unsere Risiken transparent zu machen. Unser internes Modell  bildet alle Risiken der gesamten Gruppe ab. Das ist ein Differenzierungsmerkmal gegenüber Peers, die teilweise partielle Modelle einsetzen oder nur Teile der jeweiligen Gruppe abdecken. Munich Re hat hier einen sehr hohen Standard.

Topics Online: Am 30. November stellen Sie den Analysten vor, wie Munich Re auf Solvency II vorbereitet ist. Was sind die wichtigsten Botschaften?

Kaufmann: Wir haben in den vergangenen Jahren unsere Hausaufgaben gemacht und sind sehr gut vorbereitet. Wir gehören zu den wenigen Versicherern deren Solvenzquote durch die Umstellung auf das neue System sogar etwas höher ist als jene, die wir zuletzt veröffentlicht hatten.

Topics Online: Warum ist sie höher?

Kaufmann: Wir haben unsere interne Steuerung auf den auch für Solvency II relevanten Prinzipien aufgesetzt, weil mit diesen unser Geschäftsmodell sehr präzise abgebildet wird. Dabei waren wir sehr puristisch und haben uns strikt an die ökonomischen Bewertungsmaßstäbe und Marktkonsistenz gehalten. In der politischen Diskussion zur Einführung von Solvency II gab es teilweise eine Aufweichung der Prinzipien, die zu niedrigeren Kapitalanforderungen führen.

Topics Online: Die Kapitalanforderungen unter Solvency II sind bei anhaltend niedrigen Zinsen für Lebensversicherer eine besondere Herausforderung. Wie agieren wir hier?

Kaufmann: Unter Solvency II muss man insbesondere für Geschäft mit langlaufenden Garantien und Optionen viel Kapital hinterlegen. Damit sind Lebensversicherer mit einem großen Bestand solcher Garantieprodukte besonders betroffen. Eine adäquate Kapitalausstattung ist eine Zielsetzung des neuen Solvenzregimes – auch im Sinne des Verbraucherschutzes. Somit steigt natürlich auch die Kapitalanforderungen für unsere Lebensversicherungstöchter. Unsere Gruppe ist aber sehr komfortabel kapitalisiert, daher stellt sich für uns eher die Frage: Wie können wir diese Kapitalisierungsanforderung möglichst effizient gestalten. Dazu zählen beispielsweise auch Rückversicherungslösungen.

Topics Online: Wird die Nachfrage nach Rückversicherung steigen?

Kaufmann: Im neuen Regime wird vor allem die Notwendigkeit, den Kapitalbedarf aktiv zu managen zunehmen, da unter Solvency II mehr Risikokategorien bei der Kapitalanforderung berücksichtigt werden als bisher. Beispiele sind Katastrophenrisiken und Ausfallrisiken. Für Katastrophenrisiken gibt es entsprechende Rückversicherungslösungen. Beim Ausfallrisiko ist ein Aspekt, dass ein Erstversicherer, der eine Forderung gegenüber seinem Rückversicherer hat, den möglichen Ausfall des Rückversicherers mit Kapital hinterlegen muss. Für Munich Re als Rückversicherer mit einem sehr guten Rating ist das ein Vorteil, weil die Kapitalanforderung für den Erstversicherer – im Vergleich zu anderen Rückversicherern – geringer wird.

Topics Online: Also überwiegen für uns die Chancen?

Kaufmann: Ja, denn Rückversicherung ist ein sehr schnelles, effizientes und zielgerichtetes Instrument, um den Kapitalbedarf der Unternehmen aktiv und flexibel zu optimieren. Nicht nur in Europa, sondern weltweit werden risikobasierte Solvenzregime eingeführt. Die Kunden verlangen von uns Antworten, wie man den Kapitalbedarf in dieser neuen Welt steuert und wir müssen unsere Kunden dazu zielgerichtet beraten und Lösungen liefern. Auf diese Entwicklungen sind wir beispielsweise mit unserer neuen Einheit Capital Partners gut aufgestellt.

Munich Re Experten
Bernhard Kaufmann
Group Chief Risk Officer bei Munich Re
Drucken
Wir verwenden Cookies um Ihr Internet-Nutzungserlebnis zu verbessern und unsere Websites zu optimieren.

Mit der weiteren Nutzung unserer Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies dieser Website zu. Weitere Informationen zu Cookies und dazu, wie Sie die Cookie-Einstellungen in Ihren Browsereinstellungen anpassen können, finden Sie in unsereren Cookie-Richtlinien.
Sie können Cookies deaktivieren, aber bitte beachten Sie, dass das Deaktivieren, Löschen oder das Verhindern von Cookies Ihre Internet-Nutzung beeinflussen wird.