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Globale Trends und Politik

Geldpolitik der Fed ist keine Option für die EZB

Um stolze 3,5 Prozent ist die US-Wirtschaft im 3. Quartal gewachsen. Gleichzeitig beendet die Fed ihre unkonventionelle Geldpolitik des Quantitative Easing (QE). In Europa wird gefordert, die EZB solle dem Beispiel der Fed folgen und Staatsanleihen kaufen. Warum sollte hier nicht klappen, was in den USA scheinbar funktioniert hat? Welche Alternativen gibt es sonst, die Konjunktur zu beleben und die Deflationsgefahr zu bannen?

10.11.2014

Kommentar von Michael Menhart

Wie erfolgreich das QE-Programm mit seinen Anleihekäufen wirklich war, wird sich erst zeigen, wenn sich die US-Konjunktur nachhaltig stabilisiert hat. Auch ist noch nicht klar, ob diese Art der Geldpolitik gefährliche Preisblasen nach sich zieht. Für ein finales Urteil ist es deshalb zu früh.  


Was aber ist für Europa opportun? Die EZB bewegt sich mit den jüngsten Programmen zum Ankauf von Wertpapieren des privaten Sektors bereits in Richtung QE. Ob ein darüber hinaus gehender Ankauf von Staatsanleihen der schwachen Konjunktur auf die Sprünge hilft, darf bezweifelt werden. Zudem wären die Risiken enorm. Verschlechtert sich die Konjunktur aufgrund eines externen Schocks weiter, hätte die EZB einen Großteil ihres Pulvers verschossen. Hinzu kommt: Der institutionelle Rahmen der Eurozone lässt einen solchen Kurs schlichtweg nicht zu. Außerdem kann die derzeitige Rolle der EZB als „Feuerlöscher“, der pragmatisch eingreift, aber vereinbarte Regeln verletzt, kein Dauerzustand sein, vor allem wenn dies als Ersatz für Reformen verstanden wird. Das betont im Übrigen auch die EZB.

© Munich Re
Die derzeitige Rolle der EZB als „Feuerlöscher“ kann kein Dauerzustand sein, vor allem wenn dies als Ersatz für Reformen verstanden wird.
Michael Menhart
Head of Economic Research

Wer für groß angelegte Staatsanleihekäufe plädiert, muss akzeptieren, dass gemeinsame Haftung mit gemeinsamer Kontrolle einher gehen muss. Das würde eine politische Union, also eine stärkere Integration und Abgabe staatlicher Souveränität bedeuten. Dafür gibt es derzeit weder in der Bevölkerung noch in Brüssel hinreichend Unterstützung. Auch für die gegenteilige Position, die eine gemeinsame Haftung ablehnt und eine Rückkehr zu den strengen Maastricht-Kriterien fordert, fehlen die Mehrheiten, allen voran in den Krisenländern. Und auch Deutschland wird sich – Maastricht hin, Maastricht her – trotz „schwarzer Null“ wieder flexibler zeigen, wenn es die ökonomische Lage erfordert.   Da es derzeit für keine dieser beiden Positionen politische Mehrheiten gibt wird sich der bisherige Ansatz des Durchwursteln wohl fortsetzen.

Die EZB wird als letzte Instanz den Euro mit allen Mitteln verteidigen. Allerdings muss die Politik dringend erkennen, dass das Instrumentarium der EZB allein nicht ausreicht, um die zahlreichen Probleme in der Eurozone zu lösen. Strukturelle Reformen sind unabdingbar, ebenso weitere Schritte politischer Integration. Und wenn zur Überwindung der aktuellen Wachstumsschwäche Investitionen etwa in Infrastruktur diskutiert werden, ist dies schon allein deshalb ein Fortschritt, weil eine Diskussion über Fiskalpolitik mehr demokratische Legitimation genießt als das Vertrauen auf eine allmächtige Zentralbank.

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