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Globale Trends und Politik

Europa braucht mehr Arbeitsmigration

Die Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union darf nicht eingeschränkt werden. Der Austausch von Arbeitskräften über die Ländergrenzen hinweg ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass der Binnenmarkt funktioniert. Sie nützt am Ende allen.

14.02.2014

Die Debatte um die Freizügigkeit in der Europäischen Union muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Je mehr Menschen bereit sind, für eine Arbeitsstelle in ein anderes EU-Land zu gehen, umso besser. Längst rekrutieren deutsche Unternehmen etwa Auszubildende aus Spanien, um ihren künftigen Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs zu decken. Für die jungen Menschen aus Spanien ist dies, angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit im eigenen Lande, eine gute Chance auf einen vielversprechenden Berufseinstieg. Gleichzeitig profitiert Deutschland, denn ohne zuwandernde Arbeitskräfte hätten deutsche Unternehmen längst ein Problem, ihre vakanten Stellen zu besetzen. Deren Anteil an den gesamten Stellen war zuletzt hierzulande mit 2,3 Prozent ohnehin schon im europäischen Vergleich sehr hoch. Arbeitsmigration ist ein Zeichen dafür, dass der Binnenmarkt funktioniert. Nach Angaben der EU-Kommission leben rund 14 Millionen EU-Bürger in einem anderen EU-Mitgliedsland. Fast 80 Prozent von ihnen sind im erwerbsfähigen Alter - ihre Beschäftigungsquote lag mit rund 68 Prozent höher als bei den Einheimischen.

© Munich Re
Eine Einschränkung der Freizügigkeit von Personen führt dazu, dass der europäische Stier nicht auf vier Füßen steht, sondern mit nur drei Beinen hinkt.
Michael Menhart
Head of Economic Research
Güter, Dienstleistungen und Kapital kennen in der EU keine Grenzen. Eine Einschränkung der Freizügigkeit von Personen führt dazu, dass der europäische Stier nicht auf vier Füßen steht, sondern mit nur drei Beinen hinkt. Arbeitsmobilität ist auch wichtig für das Funktionieren einer Währungsunion. In den USA wechselten im Jahr 2012 fast 2,3 Prozent der Bevölkerung ihren Wohnsitz in einen anderen Bundesstaat. In der EU betrug die Migration zwischen den Ländern gerade einmal 0,3 Prozent. Ein optimaler Währungsraum ist nur dann erreicht, wenn zur Abfederung asymmetrischer Schocks eine ausreichende Faktormobilität – also auch Arbeitsmobilität – vorhanden ist. Diese Erkenntnis des Nobelpreisträgers für Wirtschaftswissenschaften Robert Mundell ist nach wie vor gültig. Hinzu kommt: Der demographische Wandel zwingt gerade Länder wie Deutschland dazu, sich für Zuwanderung zu öffnen, will man die sozialen Sicherungssysteme vor dem Kollaps bewahren. Zuwanderung gefährdet nicht das deutsche Sozialsystem, Zuwanderung sichert es. Indem die Zuwanderer unbesetzte Stellen in sozialen Berufen, etwa in der Pflege, füllen. Indem sie den Mangel an Fachkräften und Hochqualifizierten ausgleichen. Vor allem aber indem sie als Beitragszahler in die umlagefinanzierten Sozialsysteme einzahlen, die andernfalls durch die alternde deutsche Bevölkerung allein nicht mehr zu finanzieren wären. Die Freizügigkeit in der EU darf deshalb nicht aufgehoben oder eingeschränkt werden. Im Gegenteil.

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