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Resilienz

Satelliten, Supercomputer und Statistiken - das Jahr 2015 in Zahlen

Das Spektrum der GeoRisikoForschung von Munich Re ist weit. Der Blick über den Tellerrand ist eines der wichtigsten Attribute für einen global agierenden Rückversicherer. Innovation, Kreativität und Ideenvielfalt, gepaart mit detailliertem Expertenwissen, sorgen für Bewegung und Entwicklung in den Märkten.

02.03.2016

Hochaufgelöste Satellitendaten nutzt man schon seit vielen Jahren bei der Post-Event-Schätzung, um aktuelle Schadenereignisse zu bewerten. Neue Satelliten- und Auswertetechniken erhöhen die praktische Anwendung enorm und sorgen für zeitnahe qualitativ hochwertige Schadenschätzungen, ohne dass sich gleich ein Heer an Schadenregulierern auf den Weg machen muss. Doch die dafür verwendeten Verfahren müssen an die Bedürfnisse der Versicherungswirtschaft angepasst werden. Dabei können unsere Experten, die den notwendigen technischen Background und Erfahrung mit diesen Systemen haben, unterstützen.

Die Modellierung von Erdbebenereignissen und ihre Darstellung im dreidimensionalen Raum eröffnet neue Möglichkeiten, um die extremen Kräfte, die bei gewaltigen Erdstößen freigesetzt werden, noch besser zu verstehen. Munich Re ist zu diesem spannenden Thema eine Kooperation mit der Polytechnischen Universität in Mailand eingegangen. Schwergewitter haben nicht nur in den USA, sondern auch in Europa in den vergangenen Jahren an Intensität zugenommen. Insbesondere Hagelschläge kosten die Versicherungswirtschaft jedes Jahr Milliarden.

Wie haben sich die Schadenereignisse weltweit über die vergangenen Jahrzehnte entwickelt und was sind die Gründe für diesen Verlauf? Das ist ein Themenkomplex, mit dem wir uns schon sehr lange und umfassend beschäftigen. Immer wieder wurden die Methoden hierfür verfeinert, angepasst und auf den neuesten Stand der Wissenschaft gebracht. Etwaige Trends und deren Ursachen können nur unter Beachtung sozioökonomischer Werteentwicklung sowie Klimavariabilität und Klimawandel identifiziert und analysiert werden.

Das Jahr in Zahlen – global

2015 war das vierte schadenarme Jahr in Folge, seit 2011 die Belastungen aus Naturkatastrophen eine neue Dimension erreicht hatten. Trotz der moderaten Schadenbelastung infolge des weitgehenden Ausbleibens extremer Katastrophen summierten sich die Gesamtschäden 2015 auf 100 Milliarden US-Dollar. Davon trug die Assekuranz 30 Milliarden US-Dollar. Die Gesamtschäden blieben sowohl unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre von rund 180 Milliarden US-Dollar als auch unter dem langjährigen Mittel der vergangenen 30 Jahre, das sich auf 130 Milliarden US-Dollar belief. Die versicherten Schäden erreichten dagegen in etwa die Schadenbelastung von 2014 (31 Milliarden US-Dollar) und auch die Größenordnung des langjährigen Durchschnitts der vergangenen 30 Jahre (34 Milliarden US-Dollar). 23.000 Menschen kamen 2015 bei Naturkatastrophen ums Leben. Das waren drei Mal so viel wie im Vorjahr, das mit rund 7.700 Todesopfern zu den Jahren mit den wenigsten Todesopfern gezählt werden kann. Bei der Anzahl der Ereignisse setzte sich der Trend zu immer mehr und umfangreicheren Meldungen fort, sodass sich die Anzahl mit 1.060 Ereignissen sogar noch erhöht hat. Die stärkste Zunahme wurde bei den Klein- und Kleinstschadenereignissen verzeichnet, die am häufigsten mit Unsicherheiten behaftet sind. Siehe hierzu auch den Artikel auf Seite 62, der sich eingehend mit der Frage der Vergleichbarkeit historischer und aktueller Ereignisse beschäftigt.

Anzahl der Ereignisse

Weltweit können die Schadenereignisse in vier Hauptgruppen unterteilt werden: Sechs Prozent entfielen vergangenes Jahr auf geophysikalische Ereignisse (Erdbeben, Tsunami, Vulkanausbrüche) und weichen damit am deutlichsten vom langjährigen Mittel ab, das bei zwölf Prozent liegt. 94 Prozent der Ereignisse sind wetterbedingt; 41 Prozent entfielen auf Stürme und 42 Prozent auf Überschwemmungen, elf Prozent waren Dürren, Hitzewellen und Waldbrände, die als klimatologische Ereignisse bezeichnet werden. Die Aufteilung der Wetterereignisse auf die einzelnen Gefahren entspricht dem langjährigen Durchschnitt.

Todesopfer

Mit 23.000 Todesopfern blieb 2015 unter dem Mittel der vergangenen zehn sowie der vergangenen 30 Jahre. Nichtsdestotrotz kam es zu einigen sehr schweren Ereignissen. 80 Prozent davon entfielen auf den asiatischen Kontinent, deutlich mehr als der langjährige Durchschnitt von rund 70 Prozent. Die Katastrophe mit den meisten Todesopfern war mit Abstand die Erdbebenserie, die Ende April Nepal und die Anrainerstaaten Indien, China und Bangladesch getroffen hat. Es kamen rund 9.000 Menschen ums Leben. Damit gehört dieses Ereignis zu den 15 opferreichsten Erdbebenereignissen seit 1980 weltweit. Eine Hitzewelle im Mai und Juni kostete in Indien und Pakistan fast 3.700 Menschen das Leben. Auch in Europa sorgte heißes, trockenes Wetter für extremen Hitzestress. Hierdurch starben insgesamt über 1.200 Menschen.

Schäden

Die Gesamtschadenbelastung aus Naturkatastrophen des vergangenen Jahres summierte sich auf 100 Milliarden US-Dollar. 31 Ereignisse überschritten dabei die Milliardengrenze. Hierzu zählen Ereignisse wie das Erdbeben in Nepal, Winterstürme in den USA, Kanada und Europa, Taifune in China, Japan und auf den Philippinen, großräumige Überschwemmungen in Großbritannien sowie eine Reihe von Dürreereignissen, die nahezu jeden Kontinent betrafen. Im langjährigen Vergleich ist die Schadenbelastung aus geophysikalischen Ereignissen von 22 auf sieben Prozent zurückgegangen, dafür stieg sie für Stürme von durchschnittlich 40 auf 47 Prozent. Hydrologische Ereignisse sind mit rund 28 Prozent in etwa gleich geblieben, klimatologische sind von durchschnittlich 13 auf 18 Prozent leicht angestiegen. Hierbei spielen besonders Dürreereignisse eine Rolle, die sich auf die Agrarsektoren der USA, Kanadas, Europas und Chinas auswirken.

Der NatCatSERVICE von Munich Re schätzt die Schadenbelastung für die weltweite Assekuranz 2015 auf rund 30 Milliarden US-Dollar. Dies ist ebenso wie bei der Höhe der Gesamtschäden das vierte Jahr in Folge mit rückläufigen Schadenhöhen und der niedrigste Wert seit 2009. 58 Prozent aller versicherten Schäden entfielen auf Nordamerika, 19 Prozent auf Europa, acht bzw. zwölf Prozent auf Australien und Asien sowie drei Prozent auf Südamerika. Zu den teuersten Ereignissen gehörte eine Wintersturmserie in den USA und Kanada, die einen versicherten Schaden von 2,1 Milliarden US-Dollar verursachte. Mehrere Unwetter in den USA im April und Mai zogen versicherte Schäden in Höhe von jeweils 1,2 bzw. 1,4 Milliarden US-Dollar nach sich.

Am Ende des Jahres sorgte noch Wintersturm Goliath mit heftigen Unwettern, Tornados, Starkregen und Schneesturm im Südwesten des Landes für rund 550 Millionen US-Dollar versicherte Schäden. 45 Menschen kamen dabei ums Leben.

Außerhalb Nordamerikas waren vor allem Europa und Asien betroffen: Wintersturm Niklas zog im März/April über Europa, und Ende des Jahres sorgten die Winterstürme Chuck und Daniel für großflächige Überschwemmungen in Großbritannien. Insgesamt summierten sich die Schäden in Europa für die Versicherungswirtschaft auf fast fünf Milliarden US-Dollar. Im August traf Taifun Goni auf Japan, Korea und die Philippinen und verursachte versicherte Schäden von 1,4 Milliarden US-Dollar. Auch der australische Versicherungsmarkt wurde 2015 von mehreren Ereignissen getroffen, darunter gab es Unwetter mit Hagel und Sturzfluten sowie einen Wintersturm im April. Die Gesamtsumme für 2015 beläuft sich auf rund zwei Milliarden US-Dollar.

Das Jahr in Zahlen – regional

Nordamerika
In Nordamerika (inkl. Mittelamerika und Karibik) wurden 22 Prozent aller weltweiten Schadenereignisse 2015 verzeichnet. Dabei kamen insgesamt rund 800 Menschen ums Leben. Von den direkten Gesamtschäden in Höhe von 30 Milliarden US-Dollar trug die Versicherungswirtschaft mehr als die Hälfte, 17 Milliarden US-Dollar. Zehn Ereignisse überstiegen bei den Gesamtschäden die Milliardengrenze, davon auch drei Ereignisse, bei denen der versicherte Schaden ebenfalls eine Milliarde US-Dollar übertraf: Darunter fielen Winterstürme sowie Unwetter und Überschwemmungen in den USA und Kanada. Die Gesamtbelastung aus Schadenereignissen summierte sich auf 24 Milliarden US-Dollar allein für die USA; davon waren 14 Milliarden US-Dollar versichert. Sowohl die USA als auch Kanada litten 2015 in einigen Teilen unter extremer Trockenheit. Vor allem die landwirtschaftliche Produktion wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die Gesamtschäden daraus beliefen sich insgesamt auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar. Die Hurrikansaison verlief 2015 moderat. Die gesamte Schadenbelastung aus den tropischen Stürmen im Atlantik lag bei lediglich 1,5 Milliarden US-Dollar, weitab von den durchschnittlichen Summen der vergangenen Jahre. 

Südamerika
Rund 100 Schadenereignisse wurden 2015 auf dem südamerikanischen Kontinent verzeichnet. Vor allem Überschwemmungen und Unwetter kosteten 370 Menschen das Leben und verursachten direkte Gesamtschäden von knapp zwei Milliarden US-Dollar. Zudem kam es zu einer Reihe kleinerer Erdbeben sowie einem starken Ereignis in Chile mit einem Tsunami. Das Beben hatte eine Magnitude von Mw 8,3, sein Epizentrum lag in der Provinz Araucania. Die Gesamtschäden erreichten 800 Millionen US-Dollar, 350 Millionen davon waren versichert.

Europa
13 Prozent aller Schadenereignisse entfielen 2015 auf Europa. Dabei kamen fast 1.600 Menschen ums Leben, wobei die Hitzewellen in den Sommermonaten die meisten Todesopfer forderten. Der Gesamtschaden aller Ereignisse belief sich auf knapp 13 Milliarden US-Dollar. Der versicherte Schaden summierte sich auf 5,6 Milliarden US-Dollar. Vor allem in Deutschland, aber auch in anderen Teilen Europas richtete Wintersturm Niklas Ende März bis Anfang April großflächige Verwüstungen an; am Ende des Jahres sorgten die Winterstürme Desmond und Eve mit ergiebigen Niederschlägen zu großflächigen Überschwemmungen in Großbritannien. Der Gesamtschaden belief sich auf fast drei Milliarden US-Dollar, davon entfallen rund zwei Milliarden auf die Versicherungswirtschaft. Auch kleinräumige Ereignisse haben 2015 hohe Schäden hervorgerufen. Gerade bei Unwetterereignissen mit Starkregen besteht die Gefahr von Sturzfluten. Ende September kamen in Frankreich an der Côte d’Azur 20 Menschen bei solch einem Ereignis ums Leben. Die Unwetterfront zog auch über Spanien und Italien. Insgesamt belief sich der versicherte Schaden auf 700 Millionen US-Dollar. Osteuropa und Teile Mitteleuropas zeigten sich dagegen 2015 von einer sehr trockenen Seite. Dort kam es zu einem erheblichen Niederschlagsdefizit und hohen Temperaturen. Besonders in Rumänien, aber auch in Polen und Tschechien wirkte sich die Trockenheit auf die landwirtschaftliche Produktion aus. Der Gesamtschaden wird auf 1,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. 

Afrika
Der afrikanische Kontinent wurde 2015 fast ausschließlich von wetterbedingten Ereignissen betroffen. Hierbei standen vor allem Dürren, Überschwemmungen, Unwetter und zwei tropische Zyklone im Vordergrund. Insgesamt wurden rund 100 Schadenereignisse registriert. Die Gesamtschadenbelastung summierte sich auf drei Milliarden US-Dollar. Hiervon war nur ein geringer Teil versichert. Fast 1.700 Menschen fanden bei den Ereignissen den Tod, vor allem bei Überschwemmungen. Die teuersten Ereignisse 2015 waren zwei Dürreperioden – eine im südlichen Afrika, die andere in Äthiopien. Der Gesamtschaden für beide Ereignisse summierte sich auf zwei Milliarden US-Dollar. 

Asien
39 Prozent aller weltweiten registrierten Schadenereignisse entfielen auf Asien. 80 Prozent der Todesopfer waren hier zu beklagen. 44 Prozent der Gesamtschäden, jedoch lediglich 12 Prozent der versicherten Schäden traten in Asien auf. 13 Ereignisse erreichten oder überstiegen den Gesamtschaden von einer Milliarde US-Dollar. Ende April erschütterten mehrere Erdstöße Teile Südasiens. Die Beben richtete vor allem in Nepal schwere Verwüstungen an. Mehr als 500.000 Häuser und öffentliche Gebäude wurden zerstört. Der Gesamtschaden belief sich auf 4,8 Milliarden US-Dollar. Bei diesem Ereignis verloren 9.000 Menschen ihr Leben. Bangladesch, China und Indien waren mit einem Gesamtschaden von fast 500 Millionen US-Dollar ebenso betroffen. Von Juli bis November wurde Indien immer wieder von schweren Überschwemmungen heimgesucht. Durch ausgeprägte Monsunregen traten Flüsse über die Ufer. Die Gesamtschäden verteilten sich auf zwei Hauptereignisse und machten insgesamt fünf Milliarden US-Dollar aus. Die Versicherungswirtschaft war mit rund 800 Millionen US-Dollar beteiligt. Die sehr aktive Taifunsaison verursachte Schäden in Höhe von 11,5 Milliarden US-Dollar. Zusätzlich wurden weite Teile Asiens von Dürren und Waldbränden heimgesucht; allen voran gilt es hier die extrem ausufernden Brände in Indonesien zu nennen, die durch extreme Trockenheit, aber auch durch gezieltes Legen von Feuer entstanden sind und die Region monatelang in Smog hüllten.

Australien/Ozeanien
In dieser Region dominierten 2015 die Wetterereignisse; insgesamt wurden rund 80 erfasst. Das teuerste für die Gesamt- und Versicherungswirtschaft war ein Wintersturm, der im April New South Wales traf und Schäden in Höhe von 1,3 Milliarden US-Dollar verursachte. 730 Millionen US-Dollar davon übernahm die Versicherungswirtschaft. In Queensland traf Zyklon Marcia auf Land. Insgesamt belief sich die Gesamtschadenbelastung aus Naturkatastrophen in Australien auf 3,9 Milliarden US-Dollar, davon waren 2,1 Milliarden versichert. Zyklon Pam fegte über Vanuatu, die Fiji-Inseln sowie Kiribati. Die Schadenbelastung beider Ereignisse summierte sich auf 1,3 Milliarden US-Dollar für die Volkswirtschaften, der versicherte Schaden belief sich auf 550 Millionen US-Dollar. Neuseeland blieb 2015 weitgehend von größeren Ereignissen verschont, lediglich einige lokale Überschwemmungen summierten sich auf rund 200 Millionen US-Dollar.
Das Spektrum der GeoRisikoForschung von Munich Re ist weit. Der Blick über den Tellerrand ist eines der wichtigsten Attribute für einen globalen Rückversicherer.
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