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Resilienz

Resilienz

Mehr als ein Modewort

Im Bereich der Vorsorge und des Managements von Naturkatastrophen ist das Wort "Resilienz" zum meistgebrauchten Schlagwort geworden. Resilienz stellt eine der wesentlichen Komponenten nachhaltiger Entwicklung dar, wie sie die UN zum Beispiel in ihren Sustainable Development Goals 2015 formuliert haben. Und es ist auf gutem Weg, dem Schlüsselwort der vergangenen Jahre "Nachhaltigkeit" den Rang abzulaufen. Das Resilienz-Konzept zielt im Kern darauf ab, die Gesellschaften in die Lage zu versetzen, Schadenereignisse möglichst gut zu bewältigen.

09.03.2017

In diesem Zusammenhang sollte nicht vergessen werden, welche anderen Bausteine zum Management von Naturkatastrophen gehören, die ebenfalls die Resilienz stärken.

Dies beginnt bei der Mitigation von Naturgefahren, also der Einflussnahme auf deren Frequenz und/oder Intensität. Hier bestehen jedoch kurzfristig nur wenige Möglichkeiten. Zum Beispiel wird in einigen Regionen versucht, starke Hagelereignisse zu bekämpfen, indem man Gewitterwolken vom Flugzeug aus mit Kondensationskernen (Silberjodid) impft. Es ist jedoch wissenschaftlich nicht belegt, ob hierdurch die Hagelintensität tatsächlich abnimmt. Andere Methoden des "Geo-Engineering", etwa zur Beeinflussung von Tropenstürmen, existieren bisher nur als visionäre Ideen und werden als nicht praktikabel angesehen. Daher bleibt bei den wetterbedingten Naturgefahren der Klimaschutz das wichtigste Instrument, um vor allem in den nächsten Jahrzehnten eine Häufung von unbeherrschbaren Ereignissen zu vermeiden.

Risikominderung lässt sich auch durch das Management der Exposition erreichen. Dazu gehört beispielsweise, hoch gefährdete Regionen wie Küsten oder überschwemmungsgefährdete Gebiete weniger stark zu besiedeln. Hierin liegt ein immenses Potenzial, das leider oftmals wegen kurzfristigem Gewinnstreben vernachlässigt wird oder weil ärmere Menschen schlicht keine anderen Siedlungsmöglichkeiten haben.

Ein weiterer Baustein ist die Verminderung der Vulnerabilität. Die Schadenanfälligkeit von Bauwerken lässt sich zum Beispiel durch Durchsetzung strengerer Standards für schadenresistente Bauweisen und geeignete Baumaterialien vermindern, und Schutzmaßnahmen wie Deiche reduzieren das Risiko für ganze Gebiete.

Danach kommen Maßnahmen des akuten Katastrophenmanagements, wie Frühwarnung, Evakuierungen und Nothilfe.

Alle Maßnahmen tragen dazu bei, materielle Schäden und menschliches Leid zu vermindern. Wird eine Gesellschaft durch ein Extremereignis weniger in Mitleidenschaft gezogen, kann sie schneller auf die Beine kommen und ist somit per se schon resilienter.

Resiliente Gesellschaften zeichnen sich aber auch dadurch aus, dass sie in der Lage sind, beschädigte Infrastruktur rasch zu reparieren und den Wiederaufbau zügig zu beginnen. Hierbei spielt Versicherung eine wichtige Rolle, da sie zu einer verlässlichen und schnellen Finanzierung der Wiederherstellungsmaßnahmen beiträgt. Das gilt insbesondere für Schwellen- und Entwicklungsländer.

Mehrere volkswirtschaftliche Studien haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass eine hohe Versicherungsdurchdringung die Volkswirtschaft eines Landes nach großen Naturkatastrophen stützt. Je mehr Schäden versichert sind, umso weniger sinkt nach einer Naturkatastrophe die Wirtschaftsleistung und umso schneller erholt sich das Land. In Ländern mit sehr hoher Versicherungsdichte kann sich sogar ein positiver Effekt auf die Wirtschaftsleistung ergeben.

Auf alle Fälle gibt es etliche zuverlässige Indizien dafür, dass Versicherung unabhängig vom Wohlstandsniveau einer Gesellschaft positive Wirkungen entfaltet. Das bedeutet, dass von zwei Ländern mit gleichem Pro-Kopf-Einkommen dasjenige widerstandsfähiger gegen Naturkatastrophen ist, das den höheren Versicherungsschutz aufweist. Oder mit anderen Worten: Je höher die Versicherungsdurchdringung, umso resilienter sind die betroffenen Gesellschaften.
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