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Resilienz

Katastrophenvorsorge wirkt

In den Schwellen- und Entwicklungsländern ist der allergrößte Teil der Schäden aus Naturkatastrophen nicht versichert. Die Lücke zwischen versicherten und unversicherten Schäden ist viel größer als in Industrieländern. Im Durchschnitt der Jahre 1980 bis 2016 entstanden zehn Prozent der nicht versicherten, aber nur ein Prozent der versicherten Schäden weltweit in Schwellen- und Entwicklungsländern. Der fehlende Versicherungsschutz führt dazu, dass der Wiederaufbau gerade in den ärmeren Ländern erst verzögert einsetzt, bisweilen sogar fast unmöglich ist. Insbesondere viele Entwicklungsländer verfügen nur über unzureichende finanzielle Ressourcen und sind im Katastrophenfall auf Hilfe von außen angewiesen.

09.03.2017

Um Folgen von Naturkatastrophen finanziell besser abfedern zu können, haben sich Partnerschaften zwischen Regierungen, supranationalen Organisationen und der Versicherungswirtschaft als hilfreich erwiesen. Munich Re ist als Risikoträger an Risikopools beteiligt, die meist länderübergreifend Versicherungsdeckungen für Risiken aus Wetterkatastrophen, teilweise auch aus Erdbeben und Tsunamis bieten. Diese erst in den vergangenen Jahren entstandenen Pools gibt es in der Karibik (Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility, CCRIF), für pazifische Inselstaaten (Pacific Catastrophe Risk Assessment & Finance Initiative, PCRAFI) und in Afrika (African Risk Capacity, ARC).

Munich Re an Risikopools beteiligt

Die CCRIF wurde 2007 als weltweit erster Risikopool gegründet, an dem mehrere Länder beteiligt sind. Er versichert 16 karibische Staaten gegen Erdbeben und Wirbelstürme und funktioniert wie eine Versicherung auf Gegenseitigkeit. Der Fonds behält einen Teil der von den Mitgliedsstaaten versicherten Risiken und überträgt den Rest auf den Rückversicherungsmarkt. Auszahlungen sind an die Intensität der Naturkatastrophe mit sogenannten parametrischen Triggern gekoppelt, nicht an wirkliche Schadenmeldungen. Ziel ist es, dadurch eine rasche Auszahlung zu gewährleisten und die Liquidität des Landes zu stützen. Durch die gemeinsame Lösung werden die Risiken besser gestreut, sodass die Gesamtkosten sinken. Zwischen 2007 und 2016 hat CCRIF fast 68 Millionen US-Dollar Katastrophenhilfe an die Mitgliedsstaaten geleistet. Die größte Zahlung ging mit 23 Millionen US-Dollar 2016 an Haiti, weniger als zwei Wochen nachdem Hurrikan Matthew den Südwesten der Insel verwüstet hatte. Inzwischen erstreckt sich der Pool auch auf Zentralamerika, nachdem 2016 Nicaragua beigetreten ist. Außerdem wurde das Angebot um Versicherungspolicen gegen Starkregen erweitert. Die PCRAFI ist ein Programm, das von verschiedenen Gebern finanziert und von der Weltbank umgesetzt wird. Über das Versicherungsprogramm zedieren die beteiligten Staaten (Vanuatu, die Solomonen, die Cookinseln, die Marshallinseln, Tonga, Fidschi und Samoa) Risiken aus tropischen Wirbelstürmen und Erdbeben/Tsunamis über ein Versicherungsderivat an die Weltbank, die diese Risiken an den Versicherungsmarkt weitergibt. Auch hier erlauben die verwendeten parametrischen Trigger eine Auszahlung innerhalb kurzer Zeit. Die somit rasch zur Verfügung stehenden Mittel können für die Nothilfe und für die Aufräumarbeiten nach einer Naturkatastrophe genutzt werden. PCRAFI wurde in enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Staaten entwickelt, um möglichst weit den Interessen der Länder zu entsprechen. Durch diese Einbeziehung erlangten die Länder selbst ein genaueres Bild von ihrer Risikoexponierung und konnten Maßnahmen für die Risiko-Prävention und Reduktion darauf abstimmen. Den Aufbau der ARC, einer Dürreversicherung für afrikanische Länder, hatte die Afrikanische Union 2010 beschlossen. Während einer extremen Dürre sind die Vorräte von Kleinbauern innerhalb weniger Monate aufgebraucht, dann müssen sie ihr Vieh notschlachten. Die Dürreversicherung soll das verhindern. Voraussetzung für den Beitritt sind nationale Dürre-Nothilfepläne. Sie legen fest, wie die Versicherungszahlungen im Katastrophenfall eingesetzt werden. Auf diese Weise kann der Bevölkerung rasch geholfen werden, die Menschen können neues Saatgut sowie Nahrung und Futter für das Vieh kaufen. Die Auszahlungen erfolgen ohne weitere Bedingungen nach Überschreiten einer mit Satelliten festgestellten Schadenschwelle.

Fonden – Beispiel für eine die Resilienz stärkende Versicherungslösung

Ein anderes Beispiel für eine resilienzstärkende Versicherungslösung ist der mexikanische FONDEN (Fondo de Desastres Naturales). Die mexikanische Regierung hat den Fonds 1999 eingerichtet, nachdem sie die Katastrophenvorsorge als nationale Priorität eingestuft hatte. Er soll gewährleisten, dass die öffentliche Infrastruktur nach einer Naturkatastrophe rasch wiederhergestellt werden kann. Alle Bundesstaaten zahlen in den Fonds ein, im Schadenfall kann die Regierung der betroffenen Region mit einer schnellen Auszahlung rechnen. Der Fonds ist über eine Rückversicherungspolice gedeckt. Eine seiner Besonderheiten ist das detaillierte Regulierungs- oder Schadenprotokoll, das Bestandteil des Rückversicherungsvertrags ist. Das Protokoll definiert den Regulierungsprozess und gibt Fristen und Leitlinien vor. Sobald unabhängige Stellen eine Katastrophe bestätigt haben, erstellt der betroffene Bundesstaat eine erste Schadenschätzung. Danach beginnt die Regulierung gemäß Schadenprotokoll. FONDEN ist somit ein Programm, das neben dem Risikotransfer versucht, transparent bei der Schadenabwicklung zu sein.

Öffentlich-private Partnerschaften bei der Finanzierung von Katastrophenrisiken

Naturkatastrophen führen in der Regel zu großen Schäden. Zerstörte Infrastruktur und unterbrochene Kommunikationssysteme erschweren es der Bevölkerung, die Folgen der Katastrophe zu überwinden. Welchen Unterschied rechtzeitige Vorsorge und gut ausgearbeitete Notfallpläne machen, zeigt ein Vergleich der Hurrikane Katrina und Sandy in den USA. Während Katrina aufgrund des unzureichenden Hochwasserschutzes sowie einer ungenügenden Katastrophenvorbereitung enorme Schäden hinterließ und die Krisenbewältigung nur schleppend vorankam, bewahrte die gute Notfallplanung bei Hurrikan Sandy sieben Jahre später die Region New York/New Jersey vor ähnlich langwierigen Folgen. Das Department of Homeland Security hatte Katrina zum Anlass genommen, seine Vorgehensweise grundlegend zu ändern und einen umfassenderen Ansatz zu verfolgen. Alle Bereiche der Gesellschaft sollten künftig auf Notfälle jeglicher Art vorbereitet sein. Eine Critical Infrastructure Task Force legte fest, dass die Erhöhung der Resilienz – und nicht etwa verstärkte Schutzmaßnahmen – oberste Priorität haben sollten. So hatte die nationale Koordinationsstelle für Katastrophenhilfe FEMA schon vor dem Landfall von Sandy wichtige Maßnahmen ergriffen. Eingebunden in die Vorbereitungen waren neben öffentlichen Institutionen auch private und gemeinnützige Organisationen, um zu klären, was die Menschen vor Ort am dringendsten benötigten. Die FEMA legte Depots mit Hilfsgütern an, richtete Notfallzentren ein und schickte mehr als 900 Mitarbeiter in das Gebiet. Das Engagement zahlte sich aus: Die Schäden hielten sich in Grenzen, und das Leben in New York und in New Jersey fand nach Sandy rasch zur Normalität zurück. Auch Bangladesch hat aus der Erfahrung gelernt. Anfang der 1970er-Jahre führte die Regierung das Cyclone Preparedness Programme (CPP) ein, nachdem eine Sturmflut 300.000 Menschen das Leben gekostet hatte. Das CPP beschäftigt gut 200 Festangestellte und hat knapp 50.000 freiwillige Helfer rekrutiert. In der Zentrale in der Hauptstadt Dhaka werden meteorologische Daten über drohende Zyklone ausgewertet und die Informationen über Rundfunk, Mobilfunk und Internet verbreitet. Die Freiwilligen erhalten Schulungen in Erster Hilfe, absolvieren Übungen und werden mit allem ausgestattet, was man im Ernstfall braucht. Außerdem wurden Tausende Schutzbauten aus Beton errichtet, die häufig auf Stelzen stehen, in die die Menschen bei Zyklonen flüchten können. Das übrige Jahr werden die Gebäude meist als Schulen genutzt. Als 2007 ein ähnlich starker Zyklon über dieselbe Region hinwegfegte wie 1970, starben zwar erneut etwa 3.000 Menschen, aber immerhin deutlich weniger als in den Jahrzehnten zuvor.
Auch wenn sich das Wirtschaftswachstum in China weiter verlangsamt, bleiben Aussichten für Versicherungen ausgezeichnet. Wir erwarten einen zweistelligen Zuwachs. © Quelle: Munich Re, basierend auf Global Facility for Disaster Reduction and Recovery (GFDRR)
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Auch wenn sich das Wirtschaftswachstum in China weiter verlangsamt, bleiben Aussichten für Versicherungen ausgezeichnet. Wir erwarten einen zweistelligen Zuwachs. © Quelle: Munich Re, basierend auf Global Facility for Disaster Reduction and Recovery (GFDRR)
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