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Naturkatastrophen

Das Naturkatastrophenjahr in Zahlen

Waldbrände und tropische Stürme dominierten die Schadenbilanz 2018

2018 war das viertteuerste Jahr gemessen an den versicherten Schäden seit 1980. Die Häufung von schweren und teuren Ereignissen in der zweiten Jahreshälfte waren hierfür verantwortlich. 

08.01.2019

Gemessen an den Rekordschäden des Vorjahres durch die Hurrikane Harvey, Irma und Maria zeichnete sich 2018 zu Jahresbeginn als gemäßigteres Schadenjahr ab. Dann jedoch häuften sich in der zweiten Jahreshälfte mit Überschwemmungen, tropischen Wirbelstürmen sowohl in USA als auch in Japan sowie mit Waldbränden und Erdbeben Schäden in Milliardenhöhe. Diese summierten sich für die Gesamtwirtschaft auf 160 Milliarden US$, davon wurden 80 Milliarden von der Versicherungswirtschaft getragen.

Der Vergleich mit den letzten 30 Jahren zeigt, dass 2018 in Bezug auf die Gesamtschäden über dem inflationsbereinigten Durchschnitt von 140 Milliarden US$ liegt. Bei den versicherten Schäden hingegen lag 2018 mit 80 Milliarden US$ sogar deutlich über dem Durchschnittswert von 41 Milliarden US$. Damit gehört 2018 zu den 10 teuersten Katastrophenjahren in Bezug auf die Gesamtschäden, für die Versicherungswirtschaft war es sogar das viertteuerste Jahr seit 1980.

Zu Buche schlugen vor allem die Hurrikane Michael und Florence im Atlantik sowie die Taifune Jebi, Mangkhut und Trami in Asien. Insgesamt beliefen sich die Schäden aus tropischen Wirbelstürmen in 2018 auf rund 57 Milliarden US$, davon waren 29 Milliarden versichert. Dazu kamen noch extrem hohe Belastungen aus Waldbränden in Kalifornien, die insgesamt zu einem Gesamtschaden von 24 Milliarden US$ führten. 18 Milliarden wurden hier von der Versicherungswirtschaft getragen. Über das Jahr hinweg verursachten 29 Ereignisse einen Gesamtschaden von jeweils einer Milliarde US$ oder mehr.

2018 waren rund 50 % der weltweiten gesamtwirtschaftlichen Schäden aus Naturkatastrophen versichert, das ist deutlich mehr als der Langfristdurchschnitt von 28 %. Dabei entfielen 68 % auf Nordamerika, 23 % auf Asien und 8 % auf Europa. Der Rest (< 1 %) teilt sich auf Südamerika, Afrika, Australien und Ozeanien auf.

Die Versicherungswirtschaft konnte mit ihren Leistungen zur Katastrophenresilienz – d.h. die Fähigkeit, nach einem Schockereignis wieder in eine Situation ähnlich wie vor der Katastrophe zurückzukehren – beitragen. Allerdings lag der Schwerpunkt der Leistungen erneut fast ausschließlich in den Industrieländern. Die Beobachtung in dieser Ländergruppe seit den 1980er-Jahren zeigt eine stetige Zunahme der Bereitschaft sich gegen Naturereignisse abzusichern. Völlig anders sieht dagegen nach wie vor die Absicherung in Entwicklungs- und Schwellenländern aus, doch gerade für einkommensschwache Ökonomien ist die Verbesserung von Risikomanagement- und Resilienzbildungsystemen ein wichtiger Baustein, um humanitäre Katastrophen zu mildern und nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu ermöglichen.

Bei den Naturkatastrophen des Jahres kamen 10.400 Menschen weltweit ums Leben. Damit reiht sich 2018 in die Jahre 2016, 2014, 2000 sowie dreier weiterer Jahre in den 80iger-Jahren ein, bei denen die Opferzahlen um die 10.000 blieben. 34 % kamen bei geophysikalischen Ereignissen wie Erdbeben oder Vulkanausbrüchen ums Leben. Das sind deutlich weniger als 49 % im Zeitraum von 1980–2017. Durch Sturmereignisse kamen 24 % ums Leben, was in etwa den 26 % seit 1980 entspricht. Anders hingegen verhielt sich die Opferzahl bei Überschwemmungsereignissen, die sich mit 35 zu 14 Prozent deutlich unterschieden. Grund hierfür waren großflächige Überschwemmungsereignisse in Asien und Afrika.

Erdbeben mit und ohne Tsunamis im August, September und Dezember in Indonesien forderten insgesamt über 3.000 Todesopfer und gehörten damit 2018 zu den tödlichsten Ereignissen, gefolgt von Überschwemmungen in Indien, Japan und Nigeria. Bei Waldbränden sind 2018 weltweit 273 Menschen ums Leben gekommen. Das ist die zweithöchste Anzahl in der Zeitreihe seit 1980, die nur durch großflächige Brände in Indonesien im Jahre 1997 mit 375 Todesopfer übertroffen wurde. Allen voran sind hierfür in 2018 die Brände in Griechenland mit 100 und in den USA mit insgesamt 108 Todesopfern verantwortlich. 

Hurrikane und Waldbrände
Die Hälfte der Schäden aus Naturkatastrophen 2018 war versichert, deutlich mehr als im Durchschnitt

Anzahl

2018 wurden 850 Ereignisse im NatCatSERVICE von Munich Re registriert. Dabei entfielen 5 % auf geophysikalische Ereignisse wie Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche, 42 % auf Stürme, 46 % auf Überschwemmungen, Sturzfluten und Erdrutsche sowie 7 % auf Hitze, Kälte und Waldbrände. Die Verteilung folgt im Großen und Ganzen dem langfristigen Trend zu mehr Stürmen und Überschwemmungen. Hauptsächlich waren die Kontinente Asien (43 %), Nordamerika (20 %) Europa (14 %) und Afrika (13 %) betroffen.

Betrachtet man die Anzahl in den vier von Munich Re definierten Katastrophenklassen (https://natcatservice.munichre.com/) auf Basis des Gesamtschadens und/oder der Zahl der Todesopfer, die in der Einteilung von einem kleinen Schadenereignis hin bis zu großen Katastrophen reichen, liegen 2018 in der Klasse 4 und 3 (Katastrophen und schwere Ereignisse) zusammen 12 % der Ereignisse. In der Klasse 2 waren dies 28 % und in Klasse 1, was den Kleinstschäden entspricht, 60 %. Damit setzt sich die Entwicklung hin zu mehr kleinräumigen Ereignissen mit hoher Frequenz, aber geringem Schadenmaß weiter fort. Diese Klasse ist am stärksten der Berichterstattung unterworfen und weist daher die höchste Unsicherheit auf.

Camp Fire
Waldbrand "Camp Fire" in Kalifornien war die teuerste Naturkatastrophe des Jahres für Versicherer

Das Jahr in Zahlen - regional

Nordamerika (inkl. Zentralamerika und Karibik)

Nordamerika wurde gleich von zwei Ereignisarten besonders schwer getroffen. Auf der einen Seite sorgte auch dieses Mal die Hurrikansaison wieder für hohe Schäden, die sich 2018 auf 31 Milliarden US$ summierten. Die Versicherungswirtschaft wurde hierbei mit 15 Milliarden US$ belastet. Hauptsächlich trugen die Hurrikane Michael und Florence zu der Schadenlast bei. Diese Schäden kamen nicht an die Rekordsummen in 2017 heran, die mit insgesamt knapp 230 Milliarden US$ und einem versicherten Schaden von 93 Milliarden US$ zu Buche schlugen. Auf der anderen Seite kam jedoch es zu Milliardenschäden aus großen Waldbränden wie dem Camp-, Woolsey- und Carr-Feuer, die in den USA im Juli/August und im November in Kalifornien wüteten. Alle zusammen verursachte Gesamtschäden in Höhe von 24 Milliarden US$, 18 Milliarden entfielen auf die Versicherungswirtschaft. Bei 15 großen Waldbränden kamen 110 Menschen ums Leben.

Auf dem gesamten Kontinent wurden 163 relevante Schadensereignisse aus Naturgefahren registriert, die Gesamtschäden summierten sich auf 82 Milliarden US$, 53 Milliarden US$ waren davon versichert. Es kamen über 800 Menschen zu Tode. Die höchste Opferzahl mit 165 kamen bei dem Ausbruch des Vulkans de Fuego in Guatemala ums Leben. Eine Hitzewelle in Kanada sorgte im Juni und Juli für Temperaturen von über 35°C. Betroffen hiervon war vor allem das Gebiet um Montreal. Es wird hier – verglichen mit der mittleren jährlichen Sterblichkeit – von rund 100 zusätzlichen Todesopfern ausgegangen.

Waldbrände in Kalifornien
Camp Fire in Kalifornien verursachte bislang höchsten Schaden durch einen Waldbrand der Geschichte

Südamerika

Für Südamerika war 2018 ein äußerst naturkatastrophenarmes Jahr. Gerade einmal 51 signifikante Ereignisse wurden in der Datenbank NatCatSERVICE registriert. Dabei kamen 144 Menschen ums Leben und die Schäden summierten sich auf rund 1 Milliarde US$. Mit 72 % dominierten die hydrologischen Ereignisse wie Überschwemmungen, Sturzfluten und Erdrutsche. Dazu kamen noch Unwetterereignisse (20 %), Erdbeben (6 %) und klimatologische Ereignisse (rund 2 %). 

Europa

Europa blickt auf ein Schadenjahr zurück, das sich mit 113 Ereignissen und einem Gesamtschaden von 16 Milliarden US$ (13,5 Milliarden €) ähnlich verhält wie in den Jahren 2014, 2015 und 2017. Die Versicherungswirtschaft trug hierzu rund 6 Milliarden US$ (5 Milliarden €) zur Linderung der Schadenlast bei. Besonders die starke Trockenheit, die weite Teile Europas in 2018 betroffen haben, führte zu großräumigen Ernteeinbußen und Schäden in der Land- und Fortwirtschaft. Dieses Dürreereignis summierte sich auf rund 3,9 Milliarden US$ (3,3 Milliarden €) und war damit das teuerste Ereignis 2018 in Europa. Nur ein kleiner Teil hiervon, 280 Millionen US$ (230 Millionen €) waren versichert. Des Weiteren fegten die zwei Winterstürme Friederike und Burglind im Januar über Europa hinweg und hinterließen Gesamtschäden von 4 Milliarden US$ (3,1 Milliarden €), rund 3 Milliarden US$ (2,4 Milliarden €) waren hiervon versichert. Die Ausläufer des Tropensturms Leslie erreichten Mitte Oktober Frankreich, Portugal und Spanien. Mit hohen Windgeschwindigkeiten bis zu 170 km/h und heftigen Regenfällen waren es hauptsächlich Sturzfluten und Erdrutsche, die zu Sachschäden in Höhe von 350 Millionen US$ (310 Millionen €) führten. Rund 50 Millionen davon waren versichert. Kurz darauf ballte sich ein Unwetter zusammen, das hauptsächlich die Adria Anrainerstaaten Italien, Kroatien und Slowenien betraf. Teilweise fegten heftige Bora-Böen über die Küstengebiete. Die Schäden summierten sich auf 3,5 Milliarden US$ (3 Milliarden €) und wurden nach der Dürre zum zweitteuersten Ereignis in Europa. Zu den tödlichsten Ereignissen in 2018 gehörten zudem die Waldbrände in Griechenland mit 100 und eine Kältewelle im Februar und März mit 77 Todesopfern. 

Afrika

Insgesamt wurden auf dem afrikanischen Kontinent rund 100 signifikante Ereignisse registriert. Dabei kamen fast 1.200 Menschen ums Leben, die meisten bei Überschwemmungsereignissen und Sturzfluten in Nigeria und Kenia. Die Gesamtschadenschätzung beläuft sich für 2018 auf 1,4 Milliarden US$. Die versicherten Schäden sind aufgrund der niedrigen Versicherungsdichte sehr gering. 

Asien

Asien war der Kontinent, der mit 43 % der Ereignisse und 74 % der Todesopfer 2018 weltweit am stärksten belastet war. Die Gesamtschäden kumulierten sich auf 59 Milliarden US$. Das entspricht in etwa 37 % der globalen Schadenlast. 18 Milliarden US$ entfielen dabei auf die Versicherungswirtschaft und entsprechen damit nur 24 % der weltweiten Leistung aus der Assekuranz. Insgesamt kamen bei Naturkatastrophen 7.750 Menschen ums Leben. Besonders betroffen hiervon waren Japan und Indonesien.

In Japan wurden zwar nur 14 Ereignisse registriert, darunter allerdings 5 Ereignisse mit Milliardenschaden. Im Juli sorgten heftige Niederschläge für Überschwemmungen mit teilweise heftigen Sturzfluten und Erdrutschen in vielen Millionenstädten wie Hiroshima, Kyoto und Osaka. Die Schäden summierten sich auf 9,5 Milliarden US$, 2,4 Milliarden US$ waren durch die Versicherungswirtschaft abgedeckt. Im September trafen die beiden Tropenstürme Jebi und Trami auf Land und sorgten für großflächige Verwüstungen. Auch hier summierten sich die Schäden. Beide Stürme zusammen verursachten Gesamtschäden in Höhe von 15,9 Milliarden US$. Davon waren rund 11,6 Milliarden versichert. Auch zwei Erdbebenereignisse trugen erheblich zur Schadenlast bei. Im Juni und September bebte die Erde in der Präfektur Osaka und in Hokkaido, so dass sich die Schäden auf weitere 9 Milliarden US$ aufsummierten. Insgesamt wurde Japan durch Naturkatastrophen in 2018 mit 34 Milliarden US$ belastet. 16 Milliarden US$ wurde von der Versicherungswirtschaft getragen.

Im Juli sorgten heftige Niederschläge für Überschwemmungen mit teilweise heftigen Sturzfluten und Erdrutschen © Carl Court / Getty Images
Indonesien wurde besonders heftig von Tsunamiereignissen getroffen. Ausgelöst wurden diese durch Erdbeben und Unterwasser-Erdrutsche, die sich an den Flanken des aktiven Vulkans Anak Krakatau gebildet hatten. Beim Beben nahe der Stadt Palu und dem anschließenden Tsunami im September kamen über 2.000 Menschen ums Leben, der Sachschaden reichte in die Milliarden. Am Ende des Jahres ereignete sich dann noch ein weiterer Tsunami als Folge des Ausbruchs des Vulkans Anak Krakatau, bei dem ein Erdrutsch unter Wasser einen Tsunami auslöste, der mehr als 400 Menschenleben forderte. Da nur wenige Betroffene versichert sind, ist der Schaden für Versicherer voraussichtlich gering. Eine höhere Versicherungsdurchdringung in solchen Ländern könnte helfen, die finanziellen Folgen von Naturkatastrophen schneller zu bewältigen. 

Australien/Ozeanien

Über 40 Ereignisse wurden in Australien und Ozeanien registriert. Darunter war eine Vielzahl von kleineren Schäden wie z.B. die Erdbeben auf Papua Neuguinea, Taifun Mangkhut auf den Philippinen und Zyklon Josie der die Fiji-Inseln traf. Am 20. Dezember zog ein Hagelsturm über Sydney, der zu erheblichen Sachschäden führte. Verlässliche Schätzungen der Schäden lagen zunächst noch nicht vor. Insgesamt kamen auf dem gesamten Kontinent 164 Menschen ums Leben, Die meisten davon bei den Erdbeben in Papua Neuguinea.

User Experte
Petra Löw
Leiterin NatCatSERVICE Climate & Public Sector Business Development
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