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Stürme

Nachlassender El Niño wird Tropensturmsaison beeinflussen

Taifune und Hurrikane 2019                               

Die anstehende Hurrikansaison im Nordatlantik und die Taifunsaison im Nordwestpazifik wird nach einer Auswertung bisheriger Prognosen etwa so viele tropische Wirbelstürme mit Hurrikanstärke hervorbringen wie im langfristigen Mittel. Wer auf eine Verschnaufpause setzt, wird womöglich enttäuscht: Schwere Treffer von Stürmen sind immer möglich. Daher müssen Vorsorge und schadenmindernde Maßnahmen im Vordergrund stehen.

04.06.2019
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Die Rahmenbedingungen:

Die tatsächliche Sturmaktivität ist sehr schwer vorherzusagen, da sie von vielen Faktoren beeinflusst wird. Von großer Bedeutung ist die weitere Entwicklung der natürlichen Klimaschwankung El Niño-Southern Oscillation (ENSO) im Pazifik. 2019 könnte ihr Einfluss relativ gering sein: Die aktuell schwache El-Niño-Phase soll sich über die kommenden Monate noch weiter abschwächen. Während El-Niño-Phasen wird die Hurrikanaktivität im Nordatlantik eher gedämpft. Im Nordwestpazifik entstehen unter El-Niño-Bedingungen dagegen oft überdurchschnittlich viele schwere Taifune.

Vorhersagen vom Mai lassen nun eine weitere Abschwächung auf nur noch geringe El-Niño-Intensität oder gar neutrale Verhältnisse innerhalb der nächsten Monate erwarten, einschließlich der Hauptmonate der Hurrikansaison August bis Oktober. In diesem Fall hätte El Niño möglicherweise nur noch geringen oder gar keinen Einfluss mehr auf die Sturmaktivität im Atlantik, so dass einige der bisherigen Prognosen vielleicht etwas zu optimistisch waren.

Wie ein Hurrikan entsteht
© Munich Re

Nun zu den Prognosen:

Die kürzlich veröffentlichte Prognose der US-Wetterbehörde NOAA sagt eine in etwa durchschnittliche Hurrikansaison voraus, was den Erwartungen von Munich Re entspricht. Die NOAA ging von leicht überdurchschnittlichen Meeresoberflächentemperaturen im tropischen Atlantik und der Karibik sowie einem verstärkten westafrikanischen Monsun aus. Beides würde die Entstehung von tropischen Wirbelstürmen begünstigen – während fortgesetzte schwache El-Niño-Bedingungen eher abschwächend wirken würden.

Zuvor veröffentlichte Studien einiger bekannter Prognoseinstitute hielten es für wahrscheinlich, dass die Anzahl der Hurrikane 2019 leicht unterdurchschnittlich ausfallen könnte. Dies entsprach der Erwartung weiterhin schwacher El-Niño-Verhältnisse sowie von Meeresoberflächentemperaturen im tropischen Atlantik, die in den Hauptmonaten August-Oktober nicht über dem Durchschnitt liegen.

Unter dem Strich liegen alle erwähnten Vorhersagen der Hurrikananzahl nahe bei den langfristigen Mittelwerten. In der Vergleichsperiode 1950-2018 entstanden im Schnitt pro Jahr 11,6 tropische Wirbelstürme, von denen 6,3 Hurrikanstärke (mehr als 64 Knoten oder 119 km/h) erreichten und 2,6 in die Kategorie der schweren Hurrikane fielen.

Für die Taifunsaison im Nordwestpazifik wird die Gesamtzahl von tropischen Wirbelstürmen ebenfalls nahe des Durchschnittswertes von 26 erwartet, davon könnten entsprechend des Langfristmittels 17 Taifunstärke erreichen. Die schwachen El-Niño-Verhältnisse könnten zu einer leicht erhöhten Anzahl von schweren Taifunen (Kategorie 3-5) führen, so dass 10 anstelle des Langfristmittels von 9 entstehen könnten.

Eine Prognose der Schäden ist dabei nicht möglich, da sich denkbare Zugbahnen und Landfalls nur bei konkreten Stürmen und selbst dann nur Tage vorher abschätzen lassen. Angesichts der extremen Schäden durch tropische Wirbelstürme in den vergangenen Jahren kommt daher auf längere Sicht der Schadenprävention durch sturmsichere Gebäudekonstruktionen eine Schlüsselrolle zu.

Schließlich reicht ein einziger schwerer Wirbelsturm über einem Ballungsraum aus, um extreme Schäden zu verursachen. Und in aller Regel wird der größte Teil der Schäden eben nicht von vielen kleineren Stürmen verursacht, sondern von wenigen sehr schweren Ereignissen: Weltweit zerstörten tropische Wirbelstürme seit 1980 Werte von über 1,3 Billionen US$. Davon entfielen fast neun Zehntel (rund 1,2 Billionen US$) auf besonders schwere Ereignisse, wie aus der NatCatSERVICE-Datenbank von Munich Re hervorgeht. Zu diesen gehören Wirbelstürme der höchsten drei Kategorien mit Windgeschwindigkeiten jenseits von etwa 180 km/h (95 Knoten).

2017 hatten Hurrikane im Nordatlantik Rekordschäden von 230 Mrd. US$ verursacht, größtenteils in den USA. Im vergangenen Jahr verursachten die Hurrikane Florence und Michael erneut Milliardenschäden, während in Asien die Schäden durch Taifune im Nordwestpazifik so hoch wie noch nie waren (rund 30 Mrd. US$). 

Losses © Munich Re, NatCatSERVICE

Munich Re Experten
Eberhard Faust
Forschungsleiter Klimarisiken und Naturgefahren
Mark Bove
Mark Bove
Meteorologe und Fachmann für die Modellierung von Naturkatastrophenrisiken mit Schwerpunkt Nordamerika. Er ist in den USA im Bereich Kumulrisiken für Munich Re tätig.
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