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Stürme

Pacific Catastrophe Risk Assessment & Finance Initiative: Wiederaufbau nach Zyklon Pam

Zyklon Pam hat als Wirbelsturm der höchsten Kategorie 5 im Inselstaat Vanuatu extreme Zerstörungen verursacht. Viele Menschen verloren Hab und Gut, die Infrastruktur ist stark beschädigt.

20.03.2015

Die kleinen Inselstaaten im Südpazifik, zu denen Vanuatu gehört, sind sehr stark Naturkatastrophenrisiken ausgesetzt. Eine Stärkung von Infrastruktur und Gebäuden, damit sie solchen Katastrophen stand halten, hat Vorrang. Zudem können neuartige Versicherungslösungen dazu beitragen, die finanziellen Folgen solcher Katastrophen in Entwicklungsländern abzumildern. So kann Menschen geholfen werden, die häufig ihre ganzes Hab und Gut verloren haben und vielfach ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können. In Vanuatu wird vermutlich ein Teil der Nothilfe und der Aufräumarbeiten von der Pacific Catastrophe Risk Assessment & Finance Initiative getragen, einem von der Weltbank initiierten und umgesetzten Pilotprojekt, das überwiegend von Geberländern und zunehmend den beteiligten Ländern finanziert wird. Munich Re ist als einer von fünf Versicherern an der Rückdeckung des Projekts beteiligt. Topics Online sprach dazu mit Michael Roth, Senior Manager im Bereich Public Sector Business Development von Munich Re:
Zyklon Pam hat als Wirbelsturm der höchsten Kategorie 5 im Inselstaat Vanuatu extreme Zerstörungen verursacht. Viele Menschen verloren Hab und Gut, die Infrastruktur ist stark beschädigt. © NASA

Was ist die Pacific Catastrophe Risk Assessment & Finance Initiative genau?

Die Pacific Catastrophe Risk Assessment & Finance Initiative ist ein Programm, das von verschiedenen Gebern finanziert und von der Weltbank umgesetzt wird. Es ist entstanden im Rahmen des weltweiten Disaster Risk Financing and Insurance Program der Weltbank. Ziel ist es, Versicherungslösungen als Beitrag zur Finanzierung von Katastrophenschäden in Schwellen- und Entwicklungsländern zu fördern. Im Mittelpunkt steht dabei die Beratung von politischen Entscheidungsträgern, die Analyse von Risiken und die Entwicklung von Lösungskonzepten für die Finanzierung und Versicherung von Katastrophenrisiken.

Wer ist an dem Programm beteiligt, und wie hoch sind die Deckungssummen?

Über das Versicherungsprogramm PCRAFI zedieren die beteiligten Staaten (Vanuatu, Cook-Islands, Marshall Islands, Tonga und Samoa) Risiken aus tropischen Wirbelstürmen und Erdbeben/Tsunami über ein Versicherungsderivat die Weltbank. Diese gibt ebenso über Derivate die Risiken an die beteiligten Erst- und Rückversicherer weiter, darunter Munich Re. Vanuatu hat sich Deckung für tropische Wirbelstürme in Höhe von ca. 6 Mio. US$ gekauft, für Erdbeben in Höhe von ca. 3,6 Mio. US$. Munich Re ist an dem Programm beteiligt und hat auch in der Entwicklungsphase von PCRAFI beratend unterstützt. Insgesamt beträgt die Deckungssumme aus dem Versicherungsprogramm für die beteiligten Staaten 41,7 Mio. US$, mit einem Schwerpunkt auf Wirbelstürmen als Risiko.

Was haben die teilnehmenden Länder von solch einer Versicherungslösung?

Die beteiligten pazifischen Inselstaaten haben in der Regel keinen Zugang zu den Kapitalmärkten und können zur Finanzierung von Schäden nach Naturkatastrophen nicht schnell Kapital an den Kapitalmärkten aufnehmen. Die Verwendung von parametrischen Triggern, bei denen Auszahlungen an Stärke der jeweiligen Naturkatastrophe und nicht an tatsächliche Schadenssummen gekoppelt sind, erlaubt eine Auszahlung aus dem Versicherungsprogramm innerhalb kurzer Zeit. Die somit rasch zur Verfügung stehenden Mittel können für die Nothilfe und für die Aufräumarbeiten nach einer Naturkatastrophe genutzt werden. PCRAFI wurde in enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Staaten entwickelt, so dass das Programm möglichst weit den Interessen der Länder entspricht. Durch diese Einbeziehung konnten sich die politischen Entscheidungsträger auch ein wesentlich besseres Bild von der Risikoexponierung ihrer Staaten machen und damit gezieltere Maßnahmen für die Risiko-Prävention und –Reduktion ergreifen.

Wie funktioniert die Auszahlung, und gehen die Zahlungen aus dem Programm direkt an die betroffenen Menschen?

Die Auszahlung bekommen die jeweiligen Staaten. Die Mittel werden für Nothilfe und Aufräumarbeiten genutzt und kommen somit indirekt auch den betroffenen Menschen zu Gute.

Die Rede ist von einer Pilotphase. Wie sehen die weiteren Pläne aus?

Die Weltbank führt Gespräch für die Zukunft von PCRAFI. Beispiele wie vergleichbare Programme in Afrika (ARC) und für Staaten in der Karibik (CCRIF) zeigen auf, wie man solche überregionalen Versicherungskonzepte institutionalisieren kann. Solche Lösungen können Entwicklungsländern helfen, da sie relativ kurzfristig Finanzmittel bereitstellen und zudem der Schaden auf mehrere Schultern verteilt wird.
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