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Stürme

Serie von Wirbelstürmen in Japan und zwei Volltreffer in USA

Die Bilanz der Wirbelsturmsaison 2018 

Nach den Rekordschäden durch Hurrikane 2017 haben auch in diesem Jahr tropische Wirbelstürme weltweit hohe Milliardenschäden verursacht. Die Besonderheiten der Sturmsaisons 2018 auf der Nordhalbkugel waren eine hohe Zahl von Taifunen, die Japan trafen, und zwei Volltreffer von Hurrikanen auf das US-Festland. Von besonderer Bedeutung auch für Versicherer ist, wie stark natürliche Klimaschwankungen die Sturmaktivität beeinflusst haben. Die Gesamtschäden fielen mit rund 51 Mrd. US-Dollar zwar deutlich niedriger aus als im Vorjahr (220 Mrd. US-Dollar), lagen aber erheblich über dem Langfristdurchschnitt der um Wertewachstum bereinigten Schäden (34 Mrd. US-Dollar). Die Versicherer müssen rund 25 Mrd. US-Dollar tragen, etwa ein Drittel des Vorjahreswertes, aber etwa doppelt so viel wie im Durchschnitt (12 Mrd. US-Dollar).

05.12.2018
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Am 30. November geht die Sturmsaison im Nordatlantik und im östlichen Nordpazifik offiziell zu Ende, während im Nordwestpazifik sogar noch bis Jahresende Stürme auftreten können. Schon jetzt ist klar, dass die Wirbelsturmsaison 2018 als ungewöhnlich in die Statistik eingehen wird: Bis Ende November gab es in allen Ozeanbecken mehr Stürme mit mindestens Tropensturmstärke als im Langfristmittel. Der Index der von allen Wirbelstürmen freigesetzten Windenergie (Accumulated Cyclone Energy, ACE) als Maß der Sturmaktivität war 1,5 Mal so hoch wie das Langfristmittel 1981-2010. Während die Überschreitung im Atlantik und westlichen Nordpazifik mit +24% bzw. +19% relativ klein ausfiel, war sie im östlichen Nordpazifik westlich von Mexiko (+140%) und im Indischen Ozean (+77%) sehr hoch. Gemessen an den Schäden zählt die diesjährige Wirbelsturmsaison der Nordhalbkugel zu den sieben teuersten überhaupt.

Wie ein Hurrikan entsteht
© Munich Re
Auch 2018 spielte die natürliche Klimaschwankung ENSO eine große Rolle, jedoch mit besonderer Wirkung: Im westlichen Teil des zentralen tropischen Pazifik stiegen die Meeresoberflächentemperaturen deutlich. Dies lag an einer Variante des ENSO-Phänomens El Niño, die als „zentralpazifischer El Niño“ („El Niño Modoki“) bezeichnet wird. Hierbei findet die stärkste Erwärmung weiter westlich als bei einem typischen El Niño statt. Im Nordwestpazifik sorgte dies für zwei Effekte: Die Sturmaktivität war höher als im Langfristmittel, und Zugbahnen nach Norden waren wegen veränderter Zirkulationsbedingungen wahrscheinlicher, so dass Japan von vielen Stürmen in Taifunstärke getroffen wurde. Im Nordatlantik dagegen entstanden vor dem Hintergrund noch neutraler klassischer ENSO-Bedingungen besonders ab September eine ganze Reihe von Wirbelstürmen mit Hurrikanstärke.

Die Bilanz der Sturmsaison in den Ozeanbecken der Nordhalbkugel

1.    Tropischer Nordatlantik

Hurrikan-Schäden USA
Häufiger hohe Hurrikan-Schäden in USA nach Beginn einer Phase mit höherer Sturmaktivität in den 1990ern

Bis Ende August verlief die Tropensturmsaison im Nordatlantik recht glimpflich. Es gab bis dahin 5 tropische Wirbelstürme, davon erreichten nur zwei Hurrikanstärke, also Windgeschwindigkeiten von mindestens 119 km/h (74 mph). In den ersten Septembertagen hingegen sprang die Sturmaktivität an. Binnen weniger Tage bildeten sich vier weitere Stürme, darunter Hurrikan Florence als der erste „major hurricane“ zeitweise der zweithöchsten Kategorie mit Windgeschwindigkeiten weit über 200 km/h. Die allmählich im Pazifik entstehenden El-Niño-Bedingungen, die üblicherweise die Hurrikanentstehung dämpfen, kamen für die Saison 2018 zu spät. Insgesamt bildeten sich 15 tropische Wirbelstürme (langfristiger Durchschnitt 11,8), von denen 8 Hurrikanstärke erreichten (6,4).

Die Gesamtschäden durch die tropischen Wirbelstürme im Nordatlantik betrugen 31 Mrd. US-Dollar, davon waren 14 Mrd. US-Dollar versichert. Die Schäden entfielen fast vollständig auf die USA. Auffällig ist, dass dort gemessen am Bruttoinlandsprodukt, also bereinigt um die Werteentwicklung, in den vergangenen 15 Jahren vier Jahre einen deutlichen Ausschlag nach oben zeigen. 2018 war dieser Ausreißer auch sichtbar, wenn auch geringer. In früheren Jahren waren solche Ausschläge nach oben nicht so häufig. Diese Beobachtung entspricht der Tatsache, dass die Umweltparameter im Nordatlantik in den 1990er Jahren in eine Phase übergingen, die eine höhere Tropensturmaktivität anfachten.

Hurrikansaison 2018
Zwei Volltreffer in USA: Hurrikane Florence und Michael

Den allerhöchsten Anteil der Schäden verursachten die Hurrikane Michael und Florence mit 16 Mrd. US-Dollar und 14 Mrd. US-Dollar (davon versichert 10 Mrd. US-Dollar und 4 Mrd. US-Dollar). Bei Hurrikan Michael, der mit Windgeschwindigkeiten von 250 km/h als bisher viertstärkster Sturm überhaupt das US-Festland erreichte, werden durch den höheren Anteil versicherter Sturmschäden 60% der Schäden von Versicherern getragen. Am Westende von Florida, dem Ort des Landfalls, hatte es vor Michael keinen Landfall eines derartigen Hurrikans gegeben. Viele ältere Gebäude, die nicht neuen Baustandards entsprachen, wurden zerstört.

Dagegen betrug der Anteil der versicherten Schäden bei Florence nur 40%, da Hochwasser nach extremen Regenfällen die meisten Schäden verursachte. In normalen Gebäudeversicherungen ist das Flutrisiko nicht mit gedeckt, daher ist die Versicherungsdichte in USA gegen Hochwasserschäden gering. Das staatliche National Flood Insurance Program (NFIP) steht nur in teilnehmenden Regionen zur Verfügung. Die Verbreitung ist relativ gering, und die maximal möglichen Deckungssummen liegen unter den Werten vieler Häuser. Eine höhere Versicherungsdichte gegen Hochwasser wäre sinnvoll, zumal Studien einen Einfluss des Klimawandels auf Starkniederschlagereignisse in den Küstenregionen am Golf von Mexiko aufgezeigt haben.

2.    Nordwestpazifik

Taifunsaison 2018
Japan 2018 von mehr Taifunen getroffen als üblich

Im Nordwestpazifik war die Sturmaktivität im Jahr 2018 hoch. Die freigesetzte Energie der Stürme bezogen auf die gesamte Saison lag um etwa 20% über dem langfristigen Durchschnitt. Insgesamt bildeten sich 16 Taifune (langfristiges Mittel bis 28. November: 15,8), von denen 9 (8,3) Windstärken der höchsten Kategorien 3-5 erreichten.

Die Entstehung des zentralpazifischen El Niño sorgte für Zirkulationsverhältnisse, die Wirbelsturmtreffer in Japan wahrscheinlicher machen. Dieses Muster herrschte seit Sommer vor und wurde schon früher bei sehr aktiven Taifun-Saisons beobachtet, zum Beispiel 2004 oder 1966.

Der starke Einfluss dieser Sonderform der Klimaschwankung El Niño auf die Sturmtreffer in Japan ist auffällig. Die dadurch ausgelösten Wetterextreme sind für die betroffenen Kommunen und auch für Versicherer eine Herausforderung.

„Unsere Experten analysieren die Zusammenhänge der Taifunsaison 2018 sehr genau, um Versicherern ein besseres Risikomanagement zu ermöglichen“, sagte Hermann Pohlchristoph, Vorstandsmitglied von Munich Re. „Wir sind schon lange in Japan als Rückversicherer präsent und kennen Land und Markt sehr gut. Es ist für uns selbstverständlich, dass wir mit unseren Kunden eng zusammenarbeiten, um sie beim Umgang mit solchen Herausforderungen zu unterstützen.“ 

Taifunschäden Japan
Taifune verursachten 2018 hohe Schäden in Japan

Insgesamt trafen oder streiften sieben Stürme die japanischen Inseln. Fünf davon gingen mit Taifunstärke an Land oder näherten sich stark und brachten extreme Niederschläge mit sich. Die Gesamtschäden durch die Stürme betrugen 12 Mrd. US-Dollar, davon waren 8 Mrd. US-Dollar versichert. Taifun Jebi alleine verursachte Schäden von 8,5 Mrd. US-Dollar, davon waren etwa 6 Mrd. US-Dollar versichert. Damit war dieser Sturm einer der teuersten Taifune in Japan in der Geschichte. In Japan war es erst das dritte Jahr seit 1980, in denen Sturmschäden mehr als 2 Promille des gesamten Bruttoinlandsprodukts ausmachten, was die Besonderheit der diesjährigen Sturmereignisse zeigt.

Die Philippinen wurden von Super-Taifun Mangkhut (Ompong) mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 270 km/h getroffen. Zehntausende Menschen wurden evakuiert, dennoch kamen etwa 100 Menschen bei dem Tropensturm der höchsten Kategorie 5 ums Leben. Wegen der geringen Verbreitung von Versicherung in dem Land war nur ein Bruchteil der Schäden dort versichert. Der größte Teil der Gesamtschäden durch Taifun Mangkhut von 4,5 Mrd. US$ entstand in Hongkong und auf dem chinesischen Festland.

Insgesamt betrugen die Schäden durch Taifune im gesamten Nordwestpazifik 17 Mrd. US-Dollar, wovon Versicherer voraussichtlich 9,5 Mrd. US-Dollar tragen.

Eberhard Faust
Forschungsleiter Klimarisiken und Naturgefahren
Mark Bove
Mark Bove
Meteorologe und Fachmann für die Modellierung von Naturkatastrophenrisiken mit Schwerpunkt Nordamerika. Er ist in den USA im Bereich Kumulrisiken für Munich Re tätig.
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