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Stürme

Hurrikansaison 2017: Eine Serie extremer Stürme

Es war ein richtiges Trio: Die drei Hurrikane Harvey, Irma und Maria haben innerhalb von nur vier Wochen die Hurrikansaison 2017 zur bisher teuersten aller Zeiten gemacht. Die Gesamtschäden beliefen sich nach vorläufigen Schätzungen auf etwa 215 Mrd. US$. Die versicherten Schäden dürften in der Größenordnung von 100 Mrd. US$ liegen.

01.12.2017
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Gemessen an Originalwerten übertrafen die Schäden 2017 die des bisherigen Rekordjahres 2005 mit den verheerenden Wirbelstürmen Katrina, Rita und Wilma (Gesamtschäden: 170 Mrd. US$, davon versichert: 85 Mrd. US$). Angesichts der extremen Schäden stellt sich die Frage nach den Ursachen.

Günstige Umstände für starke Stürme

Außergewöhnlich aktiv war die Hurrikansaison 2017 nur von Mitte August bis Anfang Oktober. In dieser Zeit waren mehrere meteorologische Voraussetzungen erfüllt, die eine erhöhte Aktivität begünstigten. Die Temperaturen der Meeresoberfläche im tropischen Hauptentstehungsgebiet lagen weit über dem Durchschnitt. Zudem waren die Windunterschiede zwischen der bodennahen Luft und größeren Höhen äußerst gering. Ein aktiver westafrikanischer Monsun produzierte genügend Vorläufer von tropischen Wirbelstürmen, zudem herrschte in der mittleren bis oberen Troposphäre eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit. Das Zusammentreffen dieser begünstigenden Umstände „knipste“ die Saison gewissermaßen an und führte zu einer Reihe außergewöhnlich starker Stürme.

Von den insgesamt 17 benannten Stürmen entwickelten sich zehn zu Hurrikanen, sechs davon schwere Stürme der Kategorie 3-5. Zum Vergleich: Im Zeitraum erhöhter Hurrikanaktivität seit 1995 gab es im Durchschnitt 3,4 schwere Hurrikane pro Jahr. Die von den Stürmen insgesamt freigesetzte kinetische Energie (Accumulated Cyclone Energy, ACE) lag in diesem Jahr etwa auf dem Niveau der Jahre 2004 und 1995. Höhere Werte hatte man seit 1950 nur im Jahr 2005 verzeichnet. All diese Jahre hoher Hurrikanaktivität fallen in den Zeitraum ab 1995 mit erhöhten Meeresoberflächentemperaturen im tropischen Nordatlantik.
 
Auffallend ist, dass die schweren Hurrikane Harvey, Irma und Maria des Jahres 2017 sich alle schnell intensivierten. Sie verursachten Niederschlagsrekorde, rekordverdächtige Windstärken, oder behielten – im Fall von Irma – außerordentlich lange Zeit ihre extreme Stärke bei.
Es war ein richtiges Trio: Die drei Hurrikane Harvey, Irma und Maria haben innerhalb von nur vier Wochen die Hurrikansaison 2017 zur bisher teuersten aller Zeiten gemacht. Die Gesamtschäden beliefen sich nach vorläufigen Schätzungen auf etwa 215 Mrd. US$. Die versicherten Schäden dürften in der Größenordnung von 100 Mrd. US$ liegen.

Irma und Maria mit ähnlicher Zugbahn

Unterschiedliche Wirkmechanismen waren für die regionalen Zerstörungen verantwortlich, die sich von der texanischen Golfküste bis nach Florida und in die nordöstliche Karibik erstreckten: So kam Harvey nur langsam voran, weil ein Hochdruckgebiet die Zugbahn des Sturms blockierte. Als Folge gingen über dem Osten von Texas und in Louisiana tagelang sintflutartige Regenfälle nieder.
 
Die Schäden durch die anderen Stürme in der Karibik und in Florida waren überwiegend auf hohe Windgeschwindigkeiten und Sturmfluten zurückzuführen. Weil Irma und Maria auf ihrem Weg durch die Karibik einer ähnlichen Zugbahn folgten, wurden einige Inseln gleich zweimal getroffen. Und Maria zerstörte, was Irma noch übrig gelassen hatte.
 
Viele Gegenden und Küstengebiete in der Region wurden schwer betroffen. Wichtige Infrastruktureinrichtungen wie Stromversorgung und Kommunikationsnetze fielen flächendeckend und über längere Zeit aus. Die Situation belastete die öffentlichen Haushalte massiv. Und weil viele Fachkräfte für den Wiederaufbau benötigt wurden, kam es zu Engpässen und Verzögerungen. Das ließ die Schadenhöhe weiter ansteigen, trieb Preise nach oben, bremste die Wirtschaft und führte in manchen Gegenden zur Abwanderung von Menschen. 


Ohne Zweifel haben klimatische Bedingungen die Aktivität der diesjährigen Hurrikansaison mit beeinflusst. Zwar ist im nördlichen Nordatlantik im Mittel zwischen 2014 und 2016 die Oberflächentemperatur deutlich gesunken. Allerdings hat diese Veränderung den tropischen Nordatlantik nicht erreicht. Daher sind die Oberflächentemperaturen in tropischen Gewässern seit Beginn der aktuellen Warmphase Mitte der 1990er Jahre nach wie vor hoch, auch wenn in den vergangenen Jahren die Hurrikansaison jeweils nicht übermäßig aktiv war. Tatsächlich erreichte die Temperaturabweichung von August bis Oktober 2017 im Hauptentstehungsgebiet der tropischen Wirbelstürme im Nordatlantik den dritthöchsten Wert seit 1995. 
 
Dies führte zusammen mit begünstigenden meteorologischen Bedingungen zu einer sehr aktiven Tropensturmsaison. Auffällig ist: Aktive Hurrikanperioden folgen einem gewissen Zeitmuster: Die Schwankungsbreite von einer Saison zur nächsten ist hoch, aber immer wieder kommt es zu Jahren mit außergewöhnlich großer Aktivität und Häufungen sehr schwerer Stürme. Eine wichtige Lehre aus der Hurrikansaison 2017 sollte daher sein: Die Versicherungsindustrie sollte ihre Risikomodelle so verbessern, dass sie saisonale Häufungen schwerer Stürme ausreichend gut simulieren. 
 
Neben den Einflüssen natürlicher Klimazyklen wie Warm- und Kaltphasen könnte auch der Klimawandel bereits eine Rolle gespielt haben. Statistisch signifikante Belege dafür gibt es allerdings noch kaum. Aktuelle Projektionen gehen davon aus, dass in den meisten Ozeangebieten die Zahl der tropischen Wirbelstürme bis Mitte bzw. Ende des 21. Jahrhunderts praktisch unverändert bleiben oder stagnieren wird. Allerdings wird erwartet, dass extrem starke Stürme (Kategorie 4–5) in den meisten Regionen häufiger auftreten. Zudem könnten die Niederschläge im Umkreis von ca. 100 Kilometern um das Sturmzentrum wegen der höheren Verdunstung zunehmen. Die maximale Intensität könnte im Mittel geringfügig steigen. 
 
Angesichts dieser Erwartungen erscheint die Saison 2017 wie ein Vorgeschmack auf die Zukunft. In der Tat vermuten wir angesichts der Erwartung von mehr extremen Stürmen in der Zukunft, dass außergewöhnliche Hurrikanjahre wie 2004, 2005 und 2017 künftig ebenfalls häufiger werden.  
Munich Re Experten
Eberhard Faust
Forschungsleiter Klimarisiken und Naturgefahren
Mark Bove
ist Meteorologe und Fachmann für die Modellierung von Naturkatastrophenrisiken mit Schwerpunkt Nordamerika. Er ist in den USA im Bereich Kumulrisiken für Munich Re tätig.
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