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Stürme

Hurrikansaison 2018: Plötzlich Stürme wie am Fließband

Bis Ende August sah es nach einem ruhigen Verlauf der diesjährigen Hurrikansaison aus. Doch als hätte jemand einen Knopf gedrückt, sprang die Sturmaktivität im tropischen Nordatlantik Anfang September plötzlich an. Mit Hurrikan Florence traf nun der erste schwere Hurrikan der Saison nahe der Grenze zwischen den Bundesstaaten North und South Carolina auf die US-Küste. Vor dem Landfall schwächte sich Florence auf einen Hurrikan der Kategorie 1 ab, hatte aber immer noch Windgeschwindigkeiten von 150 km/h, in Böen noch stärker. Vor allem brachte der Sturm großflächig sintflutartige Niederschläge mit sich. Über dem Meer war Florence zeitweise ein Stufe-4-Hurrikan mit Windgeschwindigkeiten von weit über 200 km/h. Wie kommt es zu einem so sprunghaften Verlauf? Eberhard Faust, Forschungsleiter Klimarisiken und Naturgefahren von Munich Re, beantwortet die Fragen.

14.09.2018

Wie ist die Hurrikansaison bisher verlaufen?

Eberhard Faust: Bis Ende August blieb die Tropensturmsaison im Nordatlantik recht glimpflich. Es gab bis dahin 5 tropische Wirbelstürme, davon erreichten nur zwei Hurrikanstärke, also Windgeschwindigkeiten von mindestens 119 km/h (74 mph). Landfall machte nur Tropensturm Alberto. Der Index der durch den Wind der Stürme freigesetzten kinetischen Energie der Saison, ACE (Accumulated Cyclone Energy), als aggregierender Indikator erreichte bis dahin nur 57 % des Durchschnittswertes (1981-2010). In den ersten Septembertagen hingegen sprang die Sturmaktivität an. Binnen weniger Tage bildeten sich vier weitere Stürme, darunter Florence. Der ACE-Index erreichte per 10. September bereits 110 % des langfristigen Durchschnittswertes bis zu diesem Termin.
Wie ein Hurrikan entsteht

Was hat plötzlich das Entstehen von Hurrikanen begünstigt?

In den vergangenen Monaten war die Meeresoberflächentemperatur im tropischen Nordatlantik kühler als üblich. Zudem war die Luft in der Atmosphäre in 5 bis 6 Kilometern Höhe über dem Meer sehr trocken, was ebenso die Entstehung von Wirbelstürmen hemmt. In den vergangenen Wochen haben sich die klimatischen Rahmenbedingungen geändert: Die Meerestemperaturen kletterten Ende August/Anfang September in südlichen Teilen sogar auf überdurchschnittliche Werte, während die negativen Abweichungen im nördlichen tropischen Bereich verschwunden waren. In dieser Zeit bildete sich Hurrikan Florence. Inzwischen sind die Temperaturen im östlichen tropischen Bereich des Nordatlantik wieder leicht unterdurchschnittlich geworden.

Wichtig dürfte sein, dass in einem Teil der Hauptentstehungsregion von tropischen Wirbelstürmen im Mittel über die erste Septemberwoche hinweg die Scherwinde abgenommen haben, also Winde in unterschiedlicher Richtung und Geschwindigkeit in der Höhe und nahe an der Meeresoberfläche. Eine geringe vertikale Windscherung lässt tropische Wirbelstürme leichter entstehen und sich organisieren. Auch ist der Luftdruck über dem tropischen Atlantik gesunken, wodurch die Instabilität der Atmosphäre zunahm – auch das ist förderlich für tropische Wirbelstürme. Ein weiterer Punkt: Der eigentlich erwartete Beginn einer El-Niño-Phase im äquatorialen Pazifik verzögert sich weiter, die eine dämpfende Wirkung auf die Hurrikane im Atlantik hätte. Es spielen also viele Faktoren eine Rolle.
Schäden durch tropische Wirbelstürme in Nordamerika
Schäden durch tropische Wirbelstürme in Nordamerika: Starke Schwankungen, sehr hohe Schäden im Jahr 2017

Müssen wir bis Ende der Saison Ende November mit weiteren heftigen Stürmen rechnen?

Das ist schwer zu sagen. Viel hängt davon ab, ob und wann es tatsächlich zu einer El-Niño-Phase im Pazifik kommt. Diese war ursprünglich für August oder September erwartet worden. Zuletzt lautete die Erwartung im Mittel über ein Ensemble wichtiger Vorhersagemodelle eher auf Oktober, also nach dem Monat September, in dem im Langfristmittel die meisten tropischen Wirbelstürme entstehen. Tatsächlich ist der wirkliche Beginn einer El-Niño-Phase, einer mehrjährigen natürlichen Klimaschaukel im Pazifik, sehr schwer vorherzusagen. Die Hurrikansaison 2018 könnte also am Ende durchaus in einem Korridor um den langfristigen Durchschnitt (11,8 tropische Stürme, davon 6,4 Hurrikane) liegen, bei tatsächlicher Verzögerung des Einsetzens von El Niño bis sehr spät ins Jahr sogar darüber. Übrigens, im Nordwest-Pazifik ist die Taifunsaison von einer überdurchschnittlich hohen Zahl von Stürmen geprägt, der ACE-Index lag am 10. September 21 % über normal. Die in südlichen Teilen des Nordwest-Pazifik überdurchschnittlichen Wassertemperaturen sind einer der Gründe dafür. Fast zeitgleich zu Hurrikan Florence näherte sich dort der Supertaifun Mangkhut als Sturm der höchsten Stufe 5 mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 250 km/h dem Norden philippinischen Hauptinsel Luzon.

Wichtig ist zu sagen, dass jeder Landfall eines schweren Hurrikans extreme Schäden verursachen kann. Die Maßnahmen zur Vorbereitung auf einen Sturm und zur Schadenbegrenzung etwa durch stabilere Gebäude dürfen also nicht nachlassen, egal wie die Vorhersagen ausfallen.
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