Stürme

Hurrikansaison 2020 wird vermutlich heftiger als üblich

                        

Die anstehende Hurrikansaison wird nach bisherigen Prognosen heftiger ausfallen als im langfristigen Durchschnitt. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie wären schwere Sturmtreffer auf Land besonders problematisch, da vielerorts Hilfskräfte womöglich stark gebunden sind und Evakuierungen schwieriger sind. Deshalb muss in diesem Jahr umso mehr Vorsorge und Maßnahmen zur Verminderung von Schäden im Vordergrund stehen.

02.06.2020
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Die meisten bisherigen Prognosen gehen davon aus, dass sich im Nordatlantik 16 oder gar mehr tropische Wirbelstürme bilden können, was auch den Erwartungen von Munich Re entspricht. 8 davon könnten Hurrikanstärke erreichen, vier davon sogar schwere Hurrikane der Kategorien 3-5 (Windgeschwindigkeiten höher als 95 Knoten/178 km/h) werden, wobei es um diese Zahlen Unsicherheitsspannen gibt.

Zum Vergleich: Im langfristigen Durchschnitt (1950-2019) lag die Zahl der tropischen Wirbelstürme im Nordatlantik pro Saison bei 12. 6,3 davon erreichten Hurrikanstärke, 2,5 wurden zu schweren Hurrikanen. Die für 2020 erwartete Sturmaktivität entspricht etwa den Durchschnittswerten der Warmphase ab Mitte der 1990er Jahre im tropischen Nordatlantik, welche die Sturmentstehung begünstigt hat.

Die tatsächliche Sturmaktivität ist schwer vorherzusagen, da sie von vielen Faktoren beeinflusst wird. Von großer Bedeutung ist die natürliche Klimaschwankung El Niño-Southern Oscillation (ENSO) im Pazifik. Während El-Niño-Phasen wird die Hurrikanaktivität im Nordatlantik eher gedämpft, während im Nordwest-Pazifik in diesem Fall oft überdurchschnittlich viele schwere Taifune entstehen.

Für die nun beginnende Saison gehen bisherige Vorhersagen vom Mai davon aus, dass die nur sehr geringe El-Niño-Intensität ganz verschwinden wird. In den Hauptmonaten der Hurrikansaison (August - Oktober) könnten sogar kühl-neutrale Bedingungen vorherrschen, der ENSO-Index nähert sich also La-Niña-Bedingungen an. Von dieser Klimaschwankung dürfte deshalb in diesem Jahr voraussichtlich kein dämpfender Einfluss auf die Sturmaktivität im Atlantik ausgehen. Zugleich wird erwartet, dass die Wassertemperaturen im tropischen Nordatlantik sogar über dem Durchschnitt liegen könnten. Eine höhere Hurrikanaktivität könnte die Folge sein.

Schäden durch Wirbelstürme © Munich Re

Für die Taifunsaison im Nordwest-Pazifik würden neutrale ENSO-Bedingungen bedeuten, dass die Wirbelsturmaktivität etwa im Rahmen des langfristigen Durchschnitts liegen könnte (26 benannte Stürme, wovon wiederum 9 die schwersten Kategorien erreichten). In den beiden vorangegangenen Jahren 2018 und 2019 trat im Pazifik die ENSO-Spielart eines Zentralpazifischen El Niño („El Niño Modoki“) auf. Während einer „El Niño Modoki“-Phase werden Zugbahnen von Taifunen häufiger in Richtung Japan gelenkt. Dadurch waren in den vergangenen beiden Jahren große Schäden zu verzeichnen. Die bisher vorliegenden Prognosen lassen für 2020 nicht erneut ein solches Muster erwarten.

Klar ist: Durch die Corona-Pandemie sind Länder und Gesellschaften nun viel anfälliger im Fall einer Naturkatastrophe, da die Hilfsressourcen womöglich bis auf weiteres extrem belastet sind. Länder wie die Bahamas, über denen im vergangenen Herbst Hurrikan Dorian mit extremen Windgeschwindigkeiten über 300 km/h wütete, wären besonders verletzlich, zumal das Land nicht nur die damaligen Schäden, sondern auch finanzielle Einbrüche durch das Ausbleiben von Touristen verkraften muss. 

Eine Prognose von Schäden für die beginnende Wirbelsturmsaison auf der Nordhalbkugel ist wie üblich nicht möglich. Denkbare Zugbahnen und Landfalls lassen sich nur bei konkreten Stürmen und nur Tage vorher abschätzen. Angesichts der extremen Schäden durch tropische Wirbelstürme kommt auf längere Sicht der Schadenprävention durch sturmsichere Gebäudekonstruktionen eine Schlüsselrolle zu. Schließlich reicht ein einziger schwerer Wirbelsturm über einem Ballungsraum aus, um extreme Schäden zu verursachen. Mehr als vier Fünftel aller Schäden durch tropische Wirbelstürme seit 1980 von 1,5 Billionen US$ wurden von besonders schweren Stürmen verursacht, wie aus der NatCatSERVICE-Datenbank von Munich Re hervorgeht. 

Munich Re Experten
Eberhard Faust
Eberhard Faust
Forschungsleiter Klimarisiken und Naturgefahren
Mark Bove
Mark Bove
Natural Catastrophe Solutions Manager
Munich Re US
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