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Stürme

El Niño/La Niña: Das Christkind und seine Schwester

2015 hat uns bei ganzheitlicher Betrachtung das drittstärkste je gemessene El-Niño-Ereignis nach 1997/98 und 1982/83 beschert. Nun ist damit zu rechnen, dass die Klimaschaukel kippt: La Niña hat andere Auswirkungen auf das regionale Wetter als ihr Bruder.

11.07.2016

Die sogenannte ENSO (El Niño/Southern Oscillation)-Klimaschaukel, zu der die beiden Phänomene La Niña und El Niño gehören, wirkt sich in vielen Regionen der Erde spürbar auf Witterung und Wetter aus. Die Oberflächentemperatur des Meeres, die über einen als Indikator dienenden Ausschnitt des äquatornahen Pazifiks gemittelt wird, dient dabei als Anhaltspunkt dafür, in welcher der drei Phasen sich die Klimaschaukel befindet: Man unterscheidet die neutrale Phase sowie die Phänomene El Niño und La Niña, die als entgegengesetzte Konfigurationen des tropischen Ozean-Atmosphäre-Systems im Pazifischen Ozean eine natürliche Klimaschwingung bezeichnen. Über sogenannte Telekonnektionen sind ihre Auswirkungen weltweit zu spüren, insbesondere in tropischen und subtropischen Regionen. 

In den kommenden Monaten ist mit dem Einsetzen von La Niña zu rechnen

Die außergewöhnlich starke El-Niño-Phase, die sich seit März 2015 bis zum Höhepunkt im November/Dezember 2015 entwickelt hatte (Mehr dazu lesen Sie im Beitrag „Ein starkes Christkind“), schwächte sich seitdem zunehmend ab. Seit Mitte Mai 2016 herrschen nun wieder neutrale Bedingungen. Im Juli/August sollen nach den Vorhersagen der saisonalen Modelle zunächst schwache La-Niña-Verhältnisse einsetzen. Eine La-Niña-Phase tritt oft direkt im Folgejahr von kräftigen El-Niño-Ereignissen auf und ist eigentlich ein Anti-El-Niño: Die Passatwinde wehen nun verstärkt; das Oberflächenwasser im östlichen äquatornahen Pazifik und vor der Küste des tropischen Südamerika wird besonders kalt, das Wasser vor den Küsten Südostasiens und Australiens hingegen besonders warm. Auch La Niña beeinflusst das weltweite Wetter. Die Auswirkungen sind verglichen mit El Niño jedoch tendenziell umgekehrt: Da wo es beispielsweise Starkregen gab, herrscht nun Trockenheit. Und La Niña kann deutlich länger andauern, die Auswirkungen sind mitunter sogar über mehr als ein Jahr hinweg zu beobachten.

Typische Auswirkungen von La Niña

Erfahren Sie in den Topics Online 2016 der Munich Re mehr zum El-Niño-Phänomen und zu La Niña, der großen Schwester. Jetzt lesen. © Munich Re
Wie die Grafik zeigt, können unter dem La-Niña-Einfluss typischerweise etwa vermehrte Niederschläge und erhöhte Überschwemmungsgefahr in einigen Regionen eintreten, beispielsweise im Osten und Norden Australiens sowie in Südostasien. Besonders trocken kann es hingegen im Süden der USA und Norden Mexikos, im Osten des äquatornahen Afrika oder in Nordargentinien und Südbrasilien werden. Erwartet wird auch eine höhere Aktivität von tropischen Wirbelstürmen im Atlantik, auch im Nahbereich der Australischen Küsten nimmt die Aktivität solcher Stürme zu und im Bereich des westlichen Nordpazifik werden die Philippinen während La-Niña-Phasen oft von anomal vielen Stürmen getroffen.  Diese Auswirkungen auf Naturgefahrenrisiken könnten die Versicherungswirtschaft regional stark beeinflussen. Um ein Beispiel zu nennen: In der Karibik und in Mexiko liegt die Variabilität der normalisierten Wirbelsturmschäden in kühl-neutralen bzw. La-Niña-Episoden deutlich höher als in El-Niño-Phasen. Schadenbilanz des 1. Halbjahres 2016: Unwetter und Erdbeben treiben Schäden
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