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Naturkatastrophen

Extreme Taifune und schwere Hochwasser in Asien

Die Naturkatastrophen 2019 in Zahlen

Enorme Schäden durch tropische Wirbelstürme in Asien, großflächige Überschwemmungen in Indien und China sowie starke Unwetter in den USA haben das Naturkatastrophenjahr 2019 geprägt. Während in Kalifornien die Waldbrände dieses Jahr glimpflich verliefen, tobten zum Jahresende im Südosten Australiens ungewohnt heftige Buschfeuer.

09.01.2020
Gesamte und versicherte Schäden 1980-2019 © Munich Re / NatCatSERVICE
Gesamte und versicherte Schäden 1980-2019
Insgesamt beliefen sich die Gesamtschäden aus Naturkatastrophen 2019 auf 150 Milliarden US-Dollar und erreichten damit in etwa das Schadenniveau des Jahres 2013 (140 Milliarden US-Dollar). Die versicherten Schäden lagen mit rund 52 Milliarden US-Dollar bei einem Drittel der Gesamtschäden und pendelten sich damit auf der Schadenlast von 2016 ein. Weltweit wurden 820 relevante Schadenereignisse in der Datenbank NatCatSERVICE erfasst. Insgesamt kamen bei den Naturkatastrophen des Jahres 9.000 Menschen ums Leben.
 

Globale Schäden deutlich niedriger als im Durchschnitt der letzten Jahre

Sowohl die Gesamtschäden als auch die versicherten Schäden aus Naturkatastrophen lagen 2019 deutlich unter denen der letzten drei Jahre. Auch verglichen mit den vergangenen 10 Jahren lag der Gesamtschaden von 150 Milliarden US-Dollar unter dem Durchschnittswert von 187 Milliarden US-Dollar. Allerdings sorgte eine große Zahl von Ereignissen mit kleineren Milliardenschäden dafür, dass die 100 Milliarden US-Dollar-Marke im vergangenen Jahr wieder deutlich überschritten wurde. Damit hob sich 2019 mit deutlich höheren Schäden beispielsweise von den schadenarmen Jahren 2014 und 2015 ab. Dies zeigt, wie volatil sich die einzelnen Schadenjahre zueinander verhalten und dass sowohl einzelne Ereignisse als auch ein Kumul an Ereignissen die Statistik dominieren können.

Von den registrierten 820 relevanten Naturkatastrophen verursachten 33 Ereignisse einen Gesamtschaden von jeweils über 1 Milliarde US-Dollar. Hiervon war besonders Japan, China, Indien, die USA und die Karibik betroffen. 9 dieser  Ereignisse erreichten bzw. überstiegen ebenfalls einen versicherten Schaden von 1 Milliarde US-Dollar, allesamt tropische Wirbelstürme und Unwetter mit Überschwemmungen und Tornadoausbrüchen.

Naturkatastrophen 1980-2019 (Anzahl der Ereignisse)

Anzahl der Naturkatastrophen

2019 wurden 820 Ereignisse im NatCatSERVICE von Munich Re registriert. Dabei entfielen 7 % auf geophysikalische Ereignisse wie Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche, 38 % auf Stürme, 45 % auf Überschwemmungen, Sturzfluten und Erdrutsche sowie 10 % auf Hitze, Kälte und Waldbrände. Die Verteilung folgt im Großen und Ganzen dem langfristigen Trend zu mehr Stürmen und Überschwemmungen. Hauptsächlich war Asien (43 %) betroffen, gefolgt von Nordamerika inkl. Zentralamerika und der Karibik (20 %), Afrika (15 %), Europa (12 %) und Australien/Ozeanien (2 %).

Betrachtet man die Anzahl in den vier von Munich Re definierten Katastrophenklassen (https://natcatservice.munichre.com) auf Basis des Gesamtschadens und/oder der Zahl der Todesopfer, entfielen 2019 15 % der Ereignisse auf die Klassen der großen Katastrophen. In der Klasse der mittelschweren Ereignisse waren es 33 % und bei den Kleinstschäden 52 %. Diese Kategorie ist am stärksten der Berichterstattung unterworfen. Anders als bei der Anzahl ist bei der Schadenstatistik der Effekt vieler kleiner Ereignisse jedoch nicht relevant.

Anzahl der Todesopfer ging weiter zurück

2019 kamen weltweit bei Naturkatastrophen rund 9.000 Menschen ums Leben. Die Zahl der Todesopfer liegt damit weit unter den Durchschnittswerten der letzten 10 (37,400) und der letzten 30 Jahre (51,600). Neben 1984 und 2014 gehört 2019 zu den drei Jahren mit der niedrigsten Zahl an Todesopfern seit 1980. Fast 60 % der Menschen kamen bei Überschwemmungsereignissen ums Leben, gefolgt von Stürmen mit rund 30 %. Geophysikalische Ereignisse wie Erdbeben und Vulkanausbrüche hatten letztes Jahr bei der Zahl der Todesopfer lediglich einen Anteil von 3 %, 7 % der Getöteten starben durch klimatologische Ereignisse wie Hitze, Kälte und Waldbrände. Dies unterscheidet sich ebenfalls deutlich von der Landzeitverteilung, da von 1980–2018 fast 50 % aller Todesopfer Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Tsunamis zum Opfer fielen. Die meisten Menschen kamen in Asien (58 %) und in Afrika (29 %) ums Leben.

Kontinente

Asien mit hohem Anteil an Naturkatastrophenschäden im Jahr 2019 © Munich Re / NatCatSERVICE
Asien mit hohem Anteil an Naturkatastrophenschäden im Jahr 2019

Asien

43 % der Ereignisse, 48 % der Todesopfer und 50 % der Gesamtschäden entfielen 2019 auf Asien. Damit wurde der Kontinent 2019 überdurchschnittlich stark von Naturkatastrophen betroffen, besonders von tropischen Zyklonen und Überschwemmungen. Die Gesamtschäden kumulierten sich auf insgesamt 75 Milliarden US-Dollar, fast 19 Milliarden US-Dollar entfielen dabei auf die Versicherungswirtschaft. Allen voran sind hierfür die Taifune Hagibis, Faxai in Japan und Lekima in China verantwortlich. Alleine die Schadenlast aus diesen drei Stürmen belief sich auf 34 Milliarden US-Dollar. In China und Indien kam noch ausufernde Monsunüberschwemmungen hinzu. Ein Erdbeben in China im Juni gehört ebenfalls zu den Ereignissen, die einen Gesamtschaden von über einer Milliarde US-Dollar verursacht haben.

Australien/Ozeanien

Australien war in 2019 das Land mit extremen Gegensätzen. Am Anfang des Jahres kämpfte der Nordosten des Landes mit ungewöhnlich heftigen Regenfällen, die in weiträumigen Überschwemmungen und Erdrutschen ausarteten. Mehr als 12.000 Häuser wurden beschädigt, über 1.000 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Die Gesamtschäden beliefen sich auf 1,7 Milliarden US-Dollar, wovon die Versicherungswirtschaft fast 1 Milliarde US-Dollar getragen hat.

Insbesondere im Südosten Australiens führte extreme Hitze und Dürre im Laufe des Jahres zu verehrenden Waldbränden, die in der Geschichte des Landes beispiellos sind. Im Bundesstaat New South Wales und in Sydney wurde zeitweise der Ausnahmezustand ausgerufen. Schwere Rauchwolken lagen wochenlang über der Millionenmetropole und beeinträchtigen das öffentliche Leben extrem. Eine Schadenschätzung war zum Ende des Jahres noch nicht möglich, zumal viele Brände noch andauerten.

In Neuseeland kam es zu einem verheerenden Unglück, als der White Island Vulkan im Dezember unvermittelt ausgebrach. 18 Menschen kamen dabei ums Leben.

Nordamerika (mit Karibik und Zentralamerika)

Rund 20 % alle relevanten Naturkatastrophen in 2019 wurden in Nordamerika inkl. Karibik und Zentralamerika erfasst, sie waren für 36 % der Gesamtschäden sowie 55 % der versicherten Schäden verantwortlich. In Summe beliefen sich die Gesamtschäden auf insgesamt 55 Milliarden US-Dollar, 29 Milliarden US-Dollar entfielen auf die Versicherungswirtschaft. Das entspricht in etwa den Werten von 2016 und liegt deutlich unter den 53 Milliarden US-Dollar in 2018. Schadenrelevante Ereignisse waren Hurrikan Dorian, der Ende August/Anfang September hauptsächlich in der Karibik und allen voran auf den Bahamas für Milliardenschäden sorgte. Die US-Küste verschonte der enorm starke Sturm weitgehend.

Zudem führten starke Unwetter, Überschwemmungen und ein Wintersturm in den USA zu hohen Schäden. Ein Mix aus Schneeschmelze, ausgelöst durch relativ warme Temperaturen im März, und Unwetter mit Starkregen sorgten in Nebraska und später im Jahr am Mississippi für lange und großräumige Überschwemmungen. Hauptsächlich die landwirtschaftliche Produktion wurde hierbei betroffen. Auf diese Ereignisse entfielen alleine 48 Milliarden US-Dollar an Gesamtschäden. 24 Milliarden US-Dollar waren hierbei versichert.

Südamerika

60 Ereignisse sorgten für Gesamtschäden von rund 2 Milliarden US-Dollar. Der versicherte Anteil war wegen der niedrigen Versicherungsdichte nur gering. Weltweit entfielen damit 8 % der Ereignisse, 7 % der Todesopfer, aber nur 1 % der Gesamtschäden auf den Kontinent.

Afrika

Gleich zwei starke Zyklone, Idai und Kenneth, trafen im März und April auf die Ostküste Afrikas und trafen hier besonders Mosambik, aber auch die Nachbarländer Malawi und Zimbabwe. Insgesamt kamen bei den beiden Ereignissen über 1.000 Menschen ums Leben. Idai war damit die schwerste humanitäre Naturkatastrophe in 2019. Nicht nur die hohen Windgeschwindigkeiten des Sturms, sondern auch die Sturmflut und große Mengen Niederschlag sorgte für weitreichende Überschwemmungen, die weit ins Land hinein reichten. Ganze Landstriche wurden verwüstet und die landwirtschaftliche Produktion fast völlig zerstört. Die Gesamtschäden beider Stürme beliefen sich insgesamt auf 2,5 Milliarden US-Dollar. Der versicherte Anteil war dabei minimal.

Schwere Schäden durch Gewitter mit Hagel und Tornados am Mittelmeer © picture alliance / ZUMAPRESS.com
Schwere Schäden durch Gewitter mit Hagel und Tornados am Mittelmeer

Europa
In Europa sorgte Wintersturm Eberhard im März 2019 für erhebliche Sachschäden in Deutschland, Tschechien, Polen, der Ukraine, Belgien, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden. Der Gesamtschaden belief sich auf gut 2 Milliarden US-Dollar. 1,3 Milliarden US-Dollar wurden hierbei von der Versicherungswirtschaft getragen. Besonders Unwetter mit Sturzfluten und Überschwemmungen trafen immer wieder den Mittelmeerraum. Allen voran waren Italien, Frankreich und Spanien betroffen. Die Schäden reichten in die Milliarden.

Eines der wenigen Erdbebenereignisse des Jahres ereignete sich im November in Albanien. Der Gesamtschaden belief sich auf 700 Millionen US-Dollar. Dabei kamen 51 Menschen ums Leben.

Unsere Experten
Petra Löw
Leiterin NatCatSERVICE Climate & Public Sector Business Development
Ernst Rauch
Global Head Climate & Public Sector Business Development
Chief Climate and Geo Scientist
Mark Bove
Mark Bove
Meteorologe und Fachmann für die Modellierung von Naturkatastrophenrisiken mit Schwerpunkt Nordamerika. Er ist in den USA im Bereich Kumulrisiken für Munich Re tätig.
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