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Naturkatastrophen

Hurrikansaison 2017: Eine Serie von Monsterstürmen

Die Satellitenbilder lassen erschauern: Auf dem Weg in Richtung Florida zog Hurrikan Irma, lange Zeit ein Sturm der höchsten Kategorie 5, vergangene Woche über karibische Inseln hinweg. Allein das Auge des Sturms war viel größer als viele der Inseln, die Irma traf.

11.09.2017
Die vergangenen Jahre waren von zumeist schwächeren Hurrikanen geprägt, die oft auf dem Atlantik blieben oder, wenn sie Land erreichten, dichtbewohnte Regionen weitgehend verschonten. Nun entstanden zuletzt gleich mehrere Superstürme, die auch das Festland der USA und Mexikos erreichten. Einige Fakten:

Warum entstehen jetzt plötzlich so viele starke Stürme?

Der September ist der Monat mit den meisten Hurrikanen, da dann das Wasser im Nordatlantik und Golf von Mexiko am wärmsten ist. Dazu kommt in diesem Jahr, dass über dem tropischen Nordatlantik die vertikale Windscherung, also die Differenz zwischen den Winden in der oberen Troposphäre und der Meeresoberfläche, sehr gering ist. Das lässt tropische Wirbelstürme leichter entstehen und sich in ihrer Rotationsbewegung organisieren. 

Zudem ist die Wassertemperatur an der Oberfläche des tropischen Nordatlantiks im Moment überdurchschnittlich hoch. Dadurch verdunstet mehr Wasser. Der erhöhte Wasserdampfgehalt der Atmosphäre befeuert die Stärke der Stürme. Es gibt also zwei Faktoren, die das Entstehen vieler und starker Wirbelstürme begünstigen.

Ist die Hurrikansaison 2017 ungewöhnlich?

Bis Anfang September (Status 8.9.2017) gab es 2017 im tropischen Nordatlantik 11 tropische Wirbelstürme. Sechs davon erreichten Hurrikanstärke, drei davon waren schwere Hurrikane mit Windgeschwindigkeiten von mindestens 178 km/h. Damit haben sich bereits etwa so viele Stürme ereignet wie im langfristigen Durchschnitt seit 1950 über das gesamte Jahr (11,5/6,3/2,6). Durch einen natürlichen Zyklus der Meerestemperaturen im Nordatlantik gibt es kältere und wärmere Phasen, die jeweils mehrere Jahrzehnte andauern. In den Warmphasen ist die Hurrikanaktivität signifikant höher. Eine solche Warmphase setzte im Nordatlantik Mitte der 90er Jahre ein. Die mittleren Tropensturmfrequenzen für die Warmphasen liegen bei 14,8 Stürmen, davon 7,6 Hurrikanen und 3,5 schweren Hurrikanen.
Die Satellitenbilder lassen erschauern: Auf dem Weg in Richtung Florida zog Hurrikan Irma, lange Zeit ein Sturm der höchsten Kategorie 5, vergangene Woche über karibische Inseln hinweg. Allein das Auge des Sturms war viel größer als viele der Inseln, die Irma traf.
Gesamtschäden durch tropische Wirbelstürme in Nordamerika 1980-2016. Quelle: Munich Re NatCatSERVICE
Ungewöhnlich in diesem Jahr waren einige der Stürme selbst: Hurrikan Harvey zog als starker Kategorie 4-Sturm langsam über das Meer und sammelte enorm viel Feuchtigkeit auf, bevor er am 26. August in Texas auf Land traf. Er blieb dann lange fast auf der Stelle, mit ständiger Zufuhr von Wasserdampf. Daher sprengten die Niederschläge Rekorde: Im küstennahen Osten von Texas fielen flächendeckend mehr als 1000 Liter Regen pro Quadratmeter (an manchen Orten mehr als 1300), was statistisch etwa einmal in 1000 Jahren vorkommt. Starke Überschwemmungen waren die Folge. 

Irma ist einer der stärksten Hurrikane seit Beginn der Messungen und tobte am längsten mit Windstärken der höchsten Kategorie 5 (>250 km/h), bevor er am 8. September eine Kategorie zurückgestuft wurde.

Die teuerste Wirbelsturmsaison bislang war das Jahr 2005 mit Gesamtschäden von rund 170 Mrd. US$. Die Schäden der Stürme dieses Jahres lassen sich noch nicht schätzen, werden jedoch mit zu den höchsten der letzten Jahre zu rechnen sein.

Spielt der Klimawandel eine Rolle?

Die Wirbelsturmaktivität im Atlantik wird sehr stark durch natürliche Klimaschwankungen bestimmt. Allerdings haben die Meerestemperaturen im Atlantik über die letzten Jahrzehnte auch durch den Klimawandel kontinuierlich zugenommen, und können der Treiber starker Stürme sein. Insgesamt erwarten Forscher durch den Klimawandel für die zweite Hälfte des Jahrhunderts zwar keine Zunahme bei der Zahl von Tropenstürmen, wohl aber einen höheren Anteil der extrem starken Stürme. Die globale Erwärmung führt zudem dazu, dass die Atmosphäre mehr Wasserdampf enthält und damit auch das Niederschlagspotenzial aus tropischen Wirbelstürmen zunimmt. 

Einzelne Ereignisse oder auch der Verlauf einer Sturmsaison lassen sich aber nicht direkt dem Klimawandel zuschreiben. Das kann nur über langfristige Statistiken geschehen.
Peter Höppe erklärt die Hurrikansaison 2017 (in Englisch)

Was ist zu tun?

Die jüngsten Stürme machen deutlich, wie wichtig Vorsorgemaßnahmen sind. Infrastruktur, Gebäude, Verkehrswege und Industrieanlagen entlang der gefährdeten Küsten Mexikos, der USA und in der Karibik müssen gestärkt sowie Frühwarnsysteme und Evakuierungspläne verbessert werden, um künftige Schäden zu mindern und Menschen zu schützen.

Die jüngsten Naturkatastrophen in den USA und der Karibik, aber auch in Indien zeigen schmerzhaft die signifikante Unterversicherung gegen die Folgen solcher Ereignisse.
Eine höhere Versicherungsdichte ist wichtig, um die finanziellen Folgen einer Katastrophe für Menschen möglichst zu lindern.

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