dcsimg
Naturkatastrophen

Fort McMurray: Herausforderungen für die Schadenbearbeitung

Sechs Monate nach den verheerenden Waldbränden in der kanadischen Provinz Alberta im Frühjahr 2016 ist der Wiederaufbau von Fort McMurray in vollem Gange. Die Bewohner kehren in die weitgehend zerstörte Stadt zurück, und der Wiederaufbau der Gebäude hat begonnen. Dabei erschwert jedoch eine Reihe von Faktoren die zügige Schadenregulierung.

15.12.2016

Zum einen wird erwartet, dass nicht alle früheren Einwohner von Fort McMurray in ihre alte Heimat zurückkehren werden. Zu den wichtigsten Arbeitgebern der Gegend gehört die Ölsandindustrie. Diese hatte schon vor den Waldbränden unter den in letzter Zeit niedrigen Ölpreisen gelitten. Als Folge davon waren auch die Immobilienpreise in Fort McMurray gesunken. Diejenigen Bewohner der Stadt, die nach dem Brand nicht zurückkehren, werden sich statt eines Wiederaufbaus ihrer zerstörten Gebäude deren Zeitwert ersetzen lassen.

Dessen Ermittlung wird jedoch durch den Preisverfall vor dem Brand erschwert. Denn nicht immer wird sich klären lassen, inwieweit die niedrigen aktuellen Immobilienpreise auf den Feuerschäden beruhen und nicht nur eine Fortführung des längerfristigen, vom Brand unabhängigen Preisrückgangs darstellen. Für die ehemaligen Bewohner Fort McMurrays kommt erschwerend hinzu, dass der so ermittelte Zeitwert nicht selten unter den ursprünglich von ihnen für die Häuser gezahlten Kaufpreisen liegen wird.
Andere Einwohner von Fort McMurray wollen ihre zerstörten Häuser zwar wiederaufbauen, aber nicht mehr in der Überflutungszone des Flusses oder in den durch das Feuer kontaminierten Gebieten. Mit dem Wiederaufbau an anderer Stelle sind aber regelmäßig Mehrkosten verbunden. Diese sind meist unproblematisch gedeckt, soweit der Ortswechsel auf zwingenden behördlichen Vorgaben beruht.

Anders sieht es dagegen aus, wenn sich der Geschädigte aus freien Stücken entscheidet, an anderer Stelle zu bauen. Dann können die Mehrkosten nur in ganz besonderen Härtefällen geltend gemacht werden, soweit dies aus humanitären Gründen geboten ist. Streitigkeiten darüber, ob diese Voraussetzungen vorliegen, können den Wiederaufbau erheblich verzögern.

Zusätzliche Verzögerungen folgen daraus, dass Teile von Fort McMurray wegen kontaminierter Asche von den Behörden zunächst gesperrt wurden. Zudem stellte die Beseitigung des Schutts, die Prüfung und Erteilung von Baugenehmigungen und die Wiederherstellung der für den Wiederaufbau erforderlichen Infrastruktur die örtlichen Behörden vor größte Herausforderungen. Eine Fertigstellung der Gebäude vor dem Wintereinbruch war daher oft nicht möglich. Da während der Dauer des Bodenfrostes meist nicht weitergebaut werden kann, führt dies dazu, dass sich die Schadenregulierung jedenfalls bis weit in das nächste Jahr hineinziehen wird.

Insgesamt zeigen die Waldbrände von Fort McMurray damit einmal mehr die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit aller Beteiligten nach Naturkatastrophen. Nur wenn örtliche und überregionale Behörden, Versicherer und Hilfsorganisationen bei solchen Großschäden reibungslos kooperieren, ist eine zügige Schadenregulierung und die Vermeidung unnötiger Kosten möglich.
Wir verwenden Cookies um Ihr Internet-Nutzungserlebnis zu verbessern und unsere Websites zu optimieren.

Mit der weiteren Nutzung unserer Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies dieser Website zu. Weitere Informationen zu Cookies und dazu, wie Sie die Cookie-Einstellungen in Ihren Browsereinstellungen anpassen können, finden Sie in unsereren Cookie-Richtlinien.
Sie können Cookies deaktivieren, aber bitte beachten Sie, dass das Deaktivieren, Löschen oder das Verhindern von Cookies Ihre Internet-Nutzung beeinflussen wird.