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Erdbeben

Ein Erdbeben, mehrere Verwerfungen

In Neuseeland bebte Mitte November die Erde so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Mindestens neun verschiedene Verwerfungen brachen. Trotz hoher Magnitude hielten sich die Schäden im Rahmen.

27.03.2017
Sechs Jahre nach Beginn der Erdbebenserie, die 2010 die Stadt Christchurch zerstörte, traf am 14. November 2016 erneut ein schweres Beben mit der Momenten-Magnitude 7,8 Neuseeland. Es waren die stärksten Erschütterungen seit dem Wairarapa-Erdbeben von 1855 (Magnitude 8,2–8,3). Das Ereignis traf hauptsächlich das Gebiet zwischen Christchurch und Wellington im nordöstlichen Teil von Neuseelands Südinsel. Trotz der großen Magnitude waren nur zwei Todesopfer zu beklagen. Das lag zum einen an der niedrigen Bevölkerungsdichte in der Epizentralregion. Zum anderen ist Neuseeland bekannt für seine Erfahrungen mit erdbebensicheren Bauten und verfügt über moderne Bauvorschriften, die seit langer Zeit in Kraft sind.  

Laut dem neuseeländischen Institute of Geological and Nuclear Sciences (GNS Science) fand das Beben nicht entlang einer einzigen Verwerfung statt. Vielmehr brachen mindestens neun separate Verwerfungen, einige davon wie die in der Waipapa-Bucht waren bisher unbekannt. Die größte Verschiebung ereignete sich entlang der bekannten Kekerengu-Verwerfung. Das Bild eines Hauses (Seite 48 oben), das genau auf der Störungszone stand, zeigt, wie stark sich der Boden bewegt und die Landschaft verändert hat. Der Verlauf der Verwerfung an der Oberfläche (Seite 48 unten) erinnerte nach dem Erdbeben an den Hadrianswall, das Grenzbollwerk des einstigen römischen Reiches nahe der heutigen Grenze zwischen Schottland und England.

Die Verwerfung brach nördlich des Epizentrums und erzeugte die größte registrierte Bodenbeschleunigung (PGA – Peak Ground Acceleration) in Ward mit dem 1,3-Fachen der Erdbeschleunigung g. PGAs überschritten 0,2 g in Teilen der Hauptstadt Wellington und Lower Hutts, während in Christchurch die Werte niedriger lagen. In Wellington war die Spitzenbeschleunigung ähnlich hoch wie beim Seddon-Beben vom 21. Juli 2013 (Magnitude 6,5), jedoch trat diesmal ein ungewöhnliches Schadenmuster auf: Während niedrige Gebäude nur gering beschädigt wurden, kam es an mittelhohen Gebäuden zu starken Schäden. Der Hauptgrund dafür sind langperiodische Bodenbewegungen. Sie waren diesmal in Wellington deutlich höher, als es normalerweise bei einem solchen PGA-Niveau zu erwarten gewesen wäre. Das ist teilweise nachvollziehbar, wenn man die große Magnitude des Bebens und den Richtungseffekt der Energieabstrahlung nach Norden berücksichtigt. Trotzdem bleibt die zentrale Frage, warum Gebäude einer bestimmten Größe (zehn bis 15 Etagen) so anfällig auf die Erdstöße reagiert haben. 

Positiv ist, dass Gebäude aus unbewehrtem Mauerwerk, welche seismisch nachgerüstet wurden, die Erschütterungen gut überstanden haben. In Anbetracht der hohen -Versicherungsdichte und der Nähe zu Städten wie Blenheim, Wellington und Christchurch, die alle in potenziellen Schadengebieten liegen, sind die versicherten Schäden zwar signifikant, aber deutlich niedriger als bei der Christchurch-Erdbebenserie von 2010/2011.

Nach derzeitigem Wissensstand kann man nicht sagen, ob in Wellington die Wahrscheinlichkeit für ein weiteres großes Beben gestiegen oder gesunken ist. Interessanterweise gab es seit dem 2009er-Erdbeben im Dusky Sound (Magnitude 7,8) in Fjordland mehrere große Beben in Neuseeland. Ähnliches trug sich bereits zwischen 1848 und 1942 zu, als mehrere Erdbeben mit Magnituden größer als 7,0 das Land heimsuchten. Trotzdem lässt sich nicht sagen, ob die nächsten Dekaden seismisch aktiver sein werden als im genannten Zeitraum. Die Erfahrungen in Neuseeland zeigen, dass das Bewusstsein für die seismischen Gefahren und die entsprechende Vorsorge der einzige Weg sind, um den von Erdbeben ausgehenden Risiken besser Herr zu werden.
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