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Klimawandel

Wissensnetzwerke sind Treiber von Innovationen

Seit Jahrzehnten untersucht Munich Re Daten von Naturkatastrophen, tauscht sich mit Fachexperten international über Schadentreiber und Trends aus und überträgt das Wissen auf das Versicherungsgeschäft. Dieses Vorgehen aus der GeoRisikoForschung wird künftig verstärkt auch in anderen Fachgebieten mit hoher Relevanz an der Schnittstelle Wissenschaft-Wirtschaft Anwendung finden. Munich Re will in Bereichen wie Energie, Mobilität, Infrastruktur, Internet der Dinge oder künstliche Intelligenz Netzwerke mit Forschern und Innovationstreibern in der Industrie voranbringen. Das Ziel: Trends zu erkennen, um als Vorreiter und Partner Risikotransferlösungen und Services zu entwickeln.

14.12.2017

Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek verwies auf einem Symposium zum Abschied des Leiters der GeoRisikoForschung, Peter Höppe, auf erste Research-Ansätze in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Anlass waren damals erste Hinweise darauf, dass der Klimawandel Naturkatastrophen und damit auch Schäden beeinflusst. Dieses Wissen war und ist für das Kerngeschäft von Munich Re mit Naturgefahrendeckungen höchst relevant. „Der damals eingeschlagene Weg der Research-Teams vernetzt mit international führenden Vertretern aus übernationalen Organisationen und der Privatwirtschaft ist eine Art Blaupause für das Vorgehen bei Zukunftstechnologien“, sagte Jeworrek.

Forschung über genaue Auswirkung des Klimawandels in bestimmten Regionen

Höppe, selbst Meteorologe, hat 14 Jahre lang das Wissensnetzwerk für die GeoRisikoForschung bei Munich Re weiterentwickelt. Das so ausgebaute Naturkatastrophen-Knowhow hat zu neuen digitalen Analyse- und Lösungstools beigetragen und die Versicherbarkeit von Naturgefahren erhöht. Wenn Höppe zum Jahresende mit Erreichen der Altersgrenze bei Munich Re ausscheidet, wird der Auftrag seiner Kollegen im Research geschärft sein: Um das führende Naturkatastrophen- und Klima-Knowhow von Munich Re noch stärker für die Zusammenarbeit mit Kunden zu nutzen, werden die Einheiten enger an operative Bereiche angekoppelt. „Früher brauchten wir eher das Wissen, ob es den Klimawandel gibt oder nicht. Heute geht unser Research-Interesse in die Richtung: Wie genau wirkt sich der Klimawandel denn in bestimmten Regionen aus, und sind künftig auch kurzfristigere Prognosen konkreter Entwicklungen auf der Naturkatastrophenseite möglich“, sagte Jeworrek.
Naturkatastrophenresearch ist wichtig für das Geschäft von Munich Re – Vorstand Torsten Jeworrek
Wie dieser Research-Ansatz im Bereich Klimawandel aussehen kann, erklärte Ernst Rauch, Leiter der Einheit Climate & Public Sector Business Development, anhand von Beispielen: So beeinflussen Maßnahmen zum Klimaschutz Ressourcen und Verfügbarkeiten bestimmter Metalle, etwa wenn bei einer weltweiten Förderung von Elektrofahrzeugen mehr seltene Metalle gebraucht würden. Einer Studie der Weltbank zufolge wäre die Nachfrage nach seltenen Metallen bei einem 2°C-Szenario um ein Vielfaches höher als bei einem Pfad, bei dem die Weltgemeinschaft auf eine Erderwärmung um 4°C zusteuert, wie bisher. Dies kann Technologieentwicklungen und den Bedarf nach neuen, technologiespezifischen Versicherungslösungen beeinflussen. Ähnlich verhält es sich bei Energieerzeugungs- und Speichertechnologien, etwa der Technologie „Power to Gas“, also den Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energien zur Erzeugung von synthetischem Methan oder Wasserstoff als CO2-emissionsfreiem Energieträger. „Wir müssen Technologien und Markttrends in einer frühen Phase verstehen, damit wir mit hoher Fachexpertise unsere Rolle als Risikoträger, Partner und Berater unserer Kunden ausfüllen können“, sagte Rauch.

Schellnhuber: Beim Klimawandel haben wir dicke Bretter zu bohren

Auf dem Symposium wiesen zwei renommierte Forscher auf die Bedeutung von Versicherern bei der Risikobewertung und damit der Zukunftsgestaltung hin: Nach den Worten von Professor Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) birgt ein ungebremster Klimawandel die Gefahr, klimarelevante Systeme auf der Erde wie etwa den Golfstrom zu beeinträchtigen und damit neue Risikodimensionen zu generieren. „Beim Klimawandel haben wir dicke Bretter zu bohren. Und es ist gut zu wissen, dass große Unternehmen wie Munich Re mitbohren und es hier Fachleute gibt, die wissen, wo man den Bohrer ansetzt“, so Schellnhuber.
Ungebremster Klimawandel birgt Gefahr, klimarelevante Systeme auf der Erde zu beeinflussen – PIK Potsdam-Direktor Schellnhuber
Dagegen umkreiste der in München forschende Astrophysiker und Naturphilosoph Professor Harald Lesch das Thema „Künstliche Intelligenz“ (KI) und Risikoverständnis. Schon heute sind hochentwickelte, auf KI-Technologien basierende Systeme extrem leistungsfähig beim Sammeln und Analysieren von Daten. Eine der zentralen Herausforderungen beim Einsatz von KI-Systemen bestehe in der potenziellen Verselbstständigung lernender Algorithmen. „Es muss immer Menschen geben, die die künstliche Intelligenz kontrollieren und verstehen. Ansonsten entwickelt sich die künstliche Intelligenz nur aus Selbstzweck weiter“, sagte Lesch. Das gelte auch für die automatisierte Risikobewertung bei Banken oder Versicherern: „Man muss immer verstehen können, warum KI zu einer bestimmten Bewertung und Entscheidung kommt, und nicht zu einer anderen. Darum braucht es immer eine gesunde Mischung aus menschlicher und künstlicher Intelligenz.“
 
Die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf würdigte die Rolle von Munich Re in der Politikberatung. Peter Höppe habe den 2007 gegründeten Bayerischen Klimarat, dem er acht Jahre lang angehörte, unverzichtbar für die Staatsregierung gemacht.
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