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Klimawandel

Gesellschaftlicher Nutzen im Vordergrund

Naturkatastrophen bringen viel Leid mit sich, bedeuten aber auch große finanzielle Verluste für die betroffenen Menschen und Volkswirtschaften. Da ein großer Teil der Katastrophenschäden nicht durch Versicherungen gedeckt ist, sind Kooperationen zwischen Politik und Privatwirtschaft ein zunehmend wichtiges Instrument, um diese Versicherungslücke insbesondere in Schwellenländern zu schließen und damit eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen.

11.09.2017
Die World Conference on Disaster Risk Reduction in Sendai 2015 markierte einen Meilenstein im Hinblick auf das globale Management von Katastrophenrisiken. Fast 190 Länder verabschiedeten eine neue Strategie zur Katastrophenvorsorge, um besonders anfällige Bevölkerungsgruppen weltweit vor den Folgen von Extremereignissen zu schützen. Hauptziel ist es, humanitäre und ökonomische Folgen von Katastrophen zu verringern und die Resilienz zu stärken, also die Fähigkeit, nach einem Schadenereignis schnell den Wiederaufbau in Angriff nehmen zu können.

Anreize für Präventionsmaßnahmen

Erfolgreiche Vorsorge in diesem Sinn beginnt lange vor einem Ereignis, indem sie die Bewältigungs- und Anpassungskapazitäten verbessert. So kann die Assekuranz über ihre Schadenerfahrung wichtige Erkenntnisse für Präventionsmaßnahmen liefern, durch risikoadäquate Prämien Anreize zur Schadenvermeidung geben und durch Risikotransfer finanzielle Schocks aus Katastrophenereignissen im öffentlichen und privaten Sektor abfedern. 

Diese Erkenntnis und die Tatsache, dass der Klimawandel Extremwetterrisiken in vielen Regionen verschärft, haben den G7-Gipfel von Elmau 2015 dazu bewogen, ein konkretes Versicherungsziel für Entwicklungs- und Schwellenländer zu formulieren. Bis 2020 sollen weitere 400 Millionen Menschen mit geringem Einkommen Zugang zu Versicherungslösungen für Klimarisiken erhalten. Der Weg dahin führt in vielen Fällen über sogenannte Entwicklungspartnerschaften, bei denen Regierungen oder supranationale Organisationen mit der Privatwirtschaft kooperieren.

Entwicklungspartnerschaften sind eine Option

Im Rahmen dieser Partnerschaften ist die Versicherungswirtschaft für die Entwicklung und Umsetzung der Lösungen zuständig. Die öffentliche Hand steckt die politisch-gesellschaftlichen Ziele sowie den rechtlichen und regulatorischen Rahmen ab.

Wie groß die Versicherungslücke gerade in einkommensschwachen Ländern ist, belegen Zahlen aus den vergangenen Jahrzehnten: In Schwellen – und in Entwicklungsländern entstanden durch Naturkatastrophen im Zeitraum 1980 bis 2016 gesamtwirtschaftliche Schäden von rund 1000 Milliarden US-Dollar, wovon weniger als drei Prozent versichert waren (Quelle: Munich Re NatCatService).Der fehlende Versicherungsschutz führt dazu, dass der Wiederaufbau im Wesentlichen aus Spendenmitteln und sporadischen staatlichen Leistungen zu bestreiten war, oft erst verzögert einsetzte und bisweilen sogar fast unmöglich war. Insbesondere viele Entwicklungsländer verfügen nur über unzureichende finanzielle Ressourcen und sind im Katastrophenfall auf Hilfe von außen angewiesen.

Doch auch in vielen OECD-Staaten besteht eine zum Teil beträchtliche Versicherungslücke. Die volkswirtschaftlichen Kosten einer Katastrophe sind auch in Industrienationen bei weitem nicht durch Versicherungen gedeckt. Die Ursachen dafür sind zwischen Ländern mit niedrigem  Einkommen sowie den OECD-Staaten höchst unterschiedlich. Während die niedrige Versicherungsdurchdringung in einkommensschwachen Ländern oft die Folge herausfordernder ökonomischer und regulatorischer Rahmenbedingungen ist, muss man die Lage in den OECD-Staaten differenzierter betrachten. Dort ist die Versicherungslücke zum Teil auf staatliche Programme zur Katastrophenhilfe – oder zumindest auf die von der Bevölkerung wahrgenommene Botschaft, dass „der Staat schon helfen wird“ –  zurückzuführen. Die Nachfrage nach privaten Versicherungen wird verdrängt oder fällt der implizit vermuteten staatlichen Hilfe zum Opfer.

Munich Re

Viele Beispiele für gelungene Zusammenarbeit

Öffentlich-private Entwicklungspartnerschaften haben bereits seit vielen Jahren ihren gesellschaftlichen Nutzen unter Beweis gestellt: Etwa der 1999 von der mexikanischen Regierung eingerichtete FONDEN (Fondo de Desastres Naturales), die Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility (CCRIF) oder die African Risk Capacity (ARC). Auch jenseits von Klimarisiken und Naturkatastrophen sind Entwicklungspartnerschaften auf dem Vormarsch, wie das Beispiel der neuartigen Pandemie-Initiative der Weltbank, der Pandemic Emergency Financing Facility (PEF) zeigt. 


Diese Erfolge sind auch das Ergebnis eines wachsenden Verständnisses zwischen öffentlicher Hand und privater Versicherungswirtschaft, welches Potenzial partnerschaftliche Entwicklungen von Risikotransferlösungen entfalten können. Trotzdem  finden sich aber für Ideen aus der privaten Versicherungswirtschaft, die einen guten Mehrwert für alle Beteiligten schaffen könnten, auch aktuell nicht immer geeignete Ansprechpartner im öffentlichen Bereich, weil vielfach ein ganzheitliches Risikomanagement auf staatlicher Ebene fehlt. Eine in Analogie zur Zentralbank als unabhängige Instanz, die Entscheidungen abseits des politischen Tagesgeschehens träfe, würde einen erheblichen Fortschritt bedeuten. Wir sprechen hierbei von einer öffentlichen Instanz bzw. Funktion ähnlich der eines „Chief Risk Officers“ in der Privatwirtschaft.

Anzeichen für Paradigmenwechsel

Die herausragende Bedeutung der Versicherung im UN „Sendai Framework for Action“, im Pariser Klimaabkommen und in der G7 InsuResilience-Initiative sind Anzeichen für einen Paradigmenwechsel. Nämlich Versicherung nicht nur als Folge wirtschaftlicher Entwicklung zu betrachten, sondern auch als Instrument um über eine integriertes Risikomanagements nachhaltige Entwicklung oft erst möglich zu machen. Damit könnten  gleichermaßen ökonomische Schäden und humanitäres Leid reduziert werden.

Munich Re ist einer der Treiber dieser Entwicklungspartnerschaften. Sie tragen im Zusammenwirken aller Stakeholder dazu bei, große Risiken besser zu beherrschen bzw. zu verringern. Gelingt uns das, wäre mehr erreicht als über spendenfinanzierte Hilfsprogramme, die keinen Präventionsaspekt beinhalten.

Partnerschaften für innovativen Risikotransfer

Munich Re trägt mit konkreten Lösungen dazu bei, globale Herausforderungen zu bewältigen und die Grenzen der Versicherung auszudehnen – auf neue Regionen, Risiken und Kundengruppen. In unserer Fachabteilung „Climate & Public Sector Business Development“ managen Experten aktiv die Kooperation mit Entwicklungsbanken, supranationalen Organisationen und der Entwicklungspolitik.  Durch eine intensive unternehmensinterne Zusammenarbeit unserer Risikoexperten wird  das Fachwissen für diese Kundengruppe gebündelt und gemeinsam werden Lösungen gefunden und umgesetzt. Voraussetzung für eine langfristig erfolgreiche Kooperation mit dem öffentlichen Sektor ist das Erreichen eines relevanten gesellschaftlichen Nutzens  und einer stabilen wirtschaftlichen Basis für die beteiligte Versicherungswirtschaft.
Munich Re

Munich Re Experten
Ernst Rauch
Leiter Climate & Public Sector Business Development
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