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Klimawandel

Klimaschutz braucht Technologie – Ein Plädoyer für Sachlichkeit und verstärkte Anstrengungen in Europa

Der Klimawandel ist eine Tatsache. Die dramatischen Folgen einer ungebremsten Erderwärmung sind hinreichend beschrieben. Konzentrieren wir uns also darauf, wie wir den Klimawandel so gut wie möglich dämpfen können.

08.08.2018
Aus meiner Sicht wird zu wenig beachtet, in welchem Umfang dafür neuen klimafreundlichen Technologien zum Durchbruch verholfen werden muss. Eines ist klar: Auf uns alleine gestellt wird ein Umsteuern nicht gelingen. Hierfür benötigen wir alle gemeinsam die Politik.
 
Erinnern wir uns: Der Kühlschrank mit Ozonschicht-schädigendem FCKW wanderte einst ziemlich schnell ins Museum. Alarmiert von wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Ozonloch und der öffentlichen Debatte trieb die internationale Politik damals den Wandel voran. Erfolgreich! Letztlich gelang der Ausstieg, weil dann für den Ersatz von FCKW in vielen Industriezweigen durch Forschung umweltfreundliche, machbare Alternativen bereitstanden.
 
Das ist der Schlüssel: Wir brauchen neue Technologien – bei Stromgewinnung, Transport, Energiespeicherung, industrieller Produktion. Ohne sie bliebe nur der Wohlstandsverzicht, um die Erderwärmung zu begrenzen. Zwar versuchen viele Menschen, umweltfreundlich zu leben und leisten einen wertvollen Beitrag. Viele Unternehmen gestalten ihren Geschäftsbetrieb klimaneutral, Munich Re seit 2015. Aber seien wir ehrlich, weltweit kann der CO2-Ausstoß so nicht entscheidend reduziert werden.
 
Auch wird niemand ernsthaft dafür plädieren, Menschen in ärmeren Ländern mit Blick auf den Klimawandel Wohlstandssteigerungen generell zu verwehren. Schließlich sind die Industrieländer für den größten Teil der bisherigen Emissionen verantwortlich, die zum Anstieg des CO2-Gehalts in der Atmosphäre um 40 Prozent seit Beginn des 20. Jahrhunderts geführt haben. Unser Wohlstand fußt zu einem guten Teil darauf.
 
Ermutigend ist, wie stark die Kosten für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen gesunken sind. Studien etwa des Fraunhofer-ISI-Instituts für die Desertec-Industrie-Initiative DII haben zudem belegt, wie gut und effizient erneuerbare Energien fossile Kraftwerke weitgehend ersetzen können. Und zwar genau dann, wenn die Energieerzeugung an geeigneten Standorten mit neuesten Übertragungstechnologien international vernetzt wird.
 
Der Wandel benötigt auch neue Technologien. Eine interessante Diskussion zum Beispiel läuft unter dem Fachbegriff „Power to X“. Es geht um das Umwandeln von Energie aus erneuerbaren Quellen in synthetisch erzeugte Brennstoffe wie Wasserstoff oder Methan. Diese könnten in vielen Sektoren der Wirtschaft eingesetzt werden, für die es heute keine adäquate Alternative zu fossilen Brennstoffen gibt, zum Beispiel in der Luftfahrt oder der Petrochemie. Ähnliches gilt für die Brennstoffzelle, bei der aus Wasserstoff durch chemische Reaktion Strom erzeugt wird und nur Wasserdampf entsteht. Faszinierend klingt auch die Idee, Offshore-Windanlagen auf schwimmenden Fundamenten zu verankern, wodurch sie an ganz anderen Stellen errichtet werden könnten als bislang. Durch alle drei genannten Beispiele wäre im Prinzip Energie aus Solar- oder Windstrom ständig verfügbar. Aber bis dahin sind noch große Fortschritte nötig.
 
Wir bei Munich Re wollen neuen klimafreundlichen Technologien zum Durchbruch verhelfen. Ein Element werden – natürlich – Versicherungslösungen sein, mit denen wir einen Teil der oft besonderen Risiken schultern. Das tun wir heute schon, indem wir etwa Leistungsgarantien für Photovoltaikanlagen abdecken. Aber das reicht nicht. Für schnellere Fortschritte möchten wir uns gerne branchenübergreifend und von Anfang an konzertiert für neue Technologien zur Energieerzeugung engagieren.
 
Die Folgen des Klimawandels werden auch bei Begrenzung der Erderwärmung auf unter 2 Grad Celsius teuer. Wetterkatastrophen werden – nach Region und Ereignisart unterschiedlich – häufiger und extremer. Noch viel teurer und gesellschaftlich einschneidender würden die Folgen einer Verfehlung des 2 Grad-Ziels sein. Deshalb benötigen wir den Mut von Politik und Gesellschaft, größere Schritte zu gehen, etwa mit einem funktionierenden und globalen Emissionshandelssystem, das ausreichend starke preisliche Anreize zum sukzessiven Umstieg auf non-fossile Energieformen setzt.
 
Unter den fossilen Brennstoffen ist Kohle verantwortlich für den größten Anteil an CO2-Emissionen. Rechnerisch müssen für das 2 Grad-Ziel vier Fünftel der Kohlereserven im Boden bleiben. Daher ist auch klar, dass neue Kohlekraftwerke mit langen Laufzeiten damit nicht in Einklang zu bringen sind.
 
Deshalb wird Munich Re weder in Aktien noch Anleihen von Unternehmen investieren, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle erzielen. Und wir werden im Einzelrisikogeschäft, wo wir die Risiken genau sehen können, im Grundsatz künftig keine neuen Kohlekraftwerke oder -minen in Industrieländern mehr versichern. Es wird Ausnahmen mit Einzelfallprüfungen geben, etwa bei bestehenden Kunden oder eben auch in Schwellenländern. Für diese Einzelfallprüfungen erarbeiten wir jetzt Kriterien, so dass zum Beispiel die Abhängigkeit eines Landes von Kohle oder die Klimastrategie eines Unternehmens eine Rolle spielen können. Wir wollen hier unsere Kunden beim Wandel hin zu klimafreundlichem Vorgehen begleiten. Aber es bleiben Ausnahmen und damit wenige.
 
Wichtig ist mir, dass wir alle Maßnahmen von der Wirkung her betrachten. Selbst wenn alle Forderungen zum Kohleausstieg erfüllt würden, wäre das Klima nicht gerettet. Daher steht für uns das Arbeiten an Lösungen für neue, klimafreundliche Technologien im Mittelpunkt unserer Klimaaktivitäten. Deutschland und Europa mit seinen vielen Technologiefirmen und Innovationstreibern haben es in der Hand, hier Vorreiter zu sein. Unser Ziel ist, dass Munich Re dazugehört. So wollen wir unseren Beitrag zum 2 Grad-Ziel leisten.
© Munich Re
Wir bei Munich Re wollen neuen klimafreundlichen Technologien zum Durchbruch verhelfen.
Joachim Wenning
CEO Munich Re
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