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Klimawandel

Klimafakten 2017 - Das wärmste Jahr ohne El-Niño-Einfluss

2017 war eines der drei wärmsten registrierten Jahre. Aber fast wichtiger ist: Es war das wärmste Jahr ohne einen Wärmebeitrag aus der natürlichen Klimaschwankung El Niño. Insgesamt gehören alle 17 Jahre seit 2001 zu den 18 Top-Jahren der Wärmerangfolge. Klimawissenschaftler sehen in all dem einen deutlichen Ausdruck des Klimawandels.

14.03.2018
Nach den Daten der US-Wetterbehörde NOAA vom Januar übertraf die globale Mitteltemperatur 2017 über Land- und Meeresoberflächen den Mittelwert des 20. Jahrhunderts von 13,9 °C um 0,84 °C. Damit sind die aufeinanderfolgenden Jahre 2014 bis 2017 auch die vier wärmsten der Messreihe seit 1880. 2017 war auch das drittwärmste Jahr, das dem durch El Niño geprägten wärmsten Jahr 2016 folgte. Es war zugleich das wärmste Jahr ohne einen Einfluss von El Niño, der typischerweise die globale Mitteltemperatur erhöht. Vielmehr standen am Beginn des Jahres kühlneutrale Bedingungen und an seinem Ende schwache La-Niña-Bedingungen.

Die größten Warmabweichungen fanden sich im Mittel in zentralen, nördlichen und östlichen Bereichen Asiens, wo es bereits im Winter und Frühjahr viel zu warm war. Russland und China registrierten im Zeitraum Januar-September Rekordwärme. Auch in südlichen Bereichen Nordamerikas und Alaska war es zu warm – hier spiegelten die Werte starke Abweichungen aus den frühen und den letzten Monaten des Jahres wider. Die USA hatten das drittwärmste Jahr, Kalifornien registrierte den heißesten Sommer mit einer Hitzewelle im August/September – eine der Voraussetzungen für die späteren schweren Waldbrände.

Zu den weiteren Landbereichen mit positiv abweichender Wärmeentwicklung zählte Ostaustralien, wo regional in Queensland und New South Wales das wärmste Jahr verzeichnet wurde und im Januar/Fe- bruar 2017 Hitzewellen auftraten. Weiterhin war es in West- und Teilen Mittel- sowie Südeuropas sehr warm. Insbesondere war das im März der Fall, dann noch einmal im Zuge von extremen Hitzeperioden im Juni/Juli und in Südeuropa auch im August. Forscher haben ermittelt, dass ein heißer Sommer im europäischen Mittelmeerraum wie 2017 durch den Klimawandel gegenüber dem Beginn des 20. Jahrhunderts erheblich wahrscheinlicher geworden ist. Derzeit liegt die Wahrscheinlichkeit demnach bei etwa zehn Prozent (World Weather Attribution, 2017).
2017 war eines der drei wärmsten registrierten Jahre. Aber fast wichtiger ist: Es war das wärmste Jahr ohne einen Wärmebeitrag aus der natürlichen Klimaschwankung El Niño. Insgesamt gehören alle 17 Jahre seit 2001 zu den 18 Top-Jahren der Wärmerangfolge. Klimawissenschaftler sehen in all dem einen deutlichen Ausdruck des Klimawandels.
Abweichung der globalen Mitteltemperatur vom Mittel 1901 bis 2000
17 der 18 wärmsten Jahre fallen 2001–2017 Quelle: Munich Re, basierend auf National Centers for Environmental Information/NOAA
2017 war eines der drei wärmsten registrierten Jahre. Aber fast wichtiger ist: Es war das wärmste Jahr ohne einen Wärmebeitrag aus der natürlichen Klimaschwankung El Niño. Insgesamt gehören alle 17 Jahre seit 2001 zu den 18 Top-Jahren der Wärmerangfolge. Klimawissenschaftler sehen in all dem einen deutlichen Ausdruck des Klimawandels.
Regionale Abweichung der Jahresmitteltemperatur 2017 vom Mittel 1981 bis 2010
Quelle: Munich Re, basierend auf National Centers for Environmental Information/NOAA
2017 war eines der drei wärmsten registrierten Jahre. Aber fast wichtiger ist: Es war das wärmste Jahr ohne einen Wärmebeitrag aus der natürlichen Klimaschwankung El Niño. Insgesamt gehören alle 17 Jahre seit 2001 zu den 18 Top-Jahren der Wärmerangfolge. Klimawissenschaftler sehen in all dem einen deutlichen Ausdruck des Klimawandels.
Regionale Abweichung der Jahresniederschläge 2017 vom Mittel 1961 bis 1990
Quelle: Munich Re, basierend auf National Centers for Environmental Information/NOAA
Darüber hinaus kam es auch in vielen anderen Regionen zu Hitzewellen: Am Jahresbeginn in Argentinien und Chile, später in Pakistan, Iran und Oman sowie in Teilen Chinas. Die Grafik auf Seite 60 (unten) zeigt, dass der globale Flächenanteil, der jährlich in den Sommermonaten von starken und extremen Hitzeereignissen betroffen wird, spätestens seit den 1990er-Jahren kontinuierlich angestiegen ist. Seit 2000 nahm die mittlere Zahl von Personen, die in einem Jahr Hitzewellen ausgesetzt sind, nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation um 125 Millionen zu (WMO, 2017).

Etwas kühler als im Mittel des 20. Jahrhunderts war es gemittelt über die ersten zehn Monate im Westen Russlands – hervorgerufen von monatlichen Kühlabweichungen in dieser Region und angrenzenden Gebieten im April, Mai, Juni, Juli und Oktober. Insbesondere im April war auch das zuvor anomal warme West-, Mittel- und Osteuropa unter den Einfluss polarer und arktischer Luft geraten. Das führte zu verbreiteten Frostschäden in weiten Teilen Europas, da die Blüh- und Austriebsphasen in Obst- und Weinanbaugebieten nach einem warmen Frühling schon weit fortgeschritten waren.

Im äquatornahen Pazifik stellte sich in den ersten Monaten eine Verteilung von Meeresoberflächentemperaturen ein, bei der enorme Wärme vor der Küste Perus und relative Kühle in westlicheren Bereichen des Äquatorialpazifiks herrschten. Das führte im Februar, März und Anfang April zu schweren und schadenintensiven Niederschlägen im Nordwesten von Peru, da die hohe Verdunstung auf dem Meer viel Feuchte bereitstellte. Der peruanische Wetterdienst sprach von einem „Küsten-El-Niño“ – freilich keine voll ausgebildete El-Niño-Phase. Daneben gibt es Indizien, dass dieses äquatoriale Temperaturmuster über Fernwirkungen auch zu einer sehr aktiven frühen Schwergewittersaison in den USA beitrug, die Milliardenschäden nach sich zog.

In Europa herrschte in den Sommermonaten eine annähernde Nord-Süd-Zweiteilung, was die Niederschläge angeht: In Südeuropa von Portugal über Spanien, Südfrankreich, besonders Italien und Teilen des Balkans war es zu trocken und großteils zu heiß, was auch zahlreiche Waldbrände begünstigte. In Portugal lag der Jahresniederschlag bei nur 60 Prozent des Langfristmittels, die Periode April bis Dezember war die trockenste seit Messbeginn. In Italien fielen in der rekordheißen Zeit von Januar bis August nur 64 Prozent des üblichen Niederschlags. In den nördlicheren Gebieten Europas hingegen war es überwiegend zu feucht. Beispielsweise wurden der Norden und Nordosten Deutschlands von außergewöhnlichen Starkniederschlägen getroffen, in Schottland war es der nasseste Juni seit Aufzeichnungsbeginn, und auch in Teilen Skandinaviens war es anomal feucht. In einigen Gebieten Ostafrikas setzte sich die Dürre aus 2016 fort, insbesondere in Somalia, aber auch im Norden Kenias und im Südosten Äthiopiens. In der südafrikanischen Westkap-Provinz intensivierte sich die Trockenheit.

In China verursachten große Niederschlagsmengen im Zuge des Ostasiatischen Monsuns wie schon im Vorjahr im Juni und Juli im Jangtse-Gebiet Flusshochwasser und Schäden. Der Südasiatische Sommermonsun, in dessen Zuge extreme Starkniederschläge etwa in Zentralindien schon seit Jahrzehnten zunehmen, führte bis sehr spät in die Monsunsaison im September hinein in Indien, Nepal und Bangladesch zu schweren regionalen Überschwemmungen. Das wirkt wie ein Blick in die Zukunft der Monsunsysteme. Denn unter fortgesetztem Klimawandel erwartet der Weltklimarat IPCC neben einer Ausdehnung der Monsunsaison eine weitere Zunahme der Variabilität des Niederschlags, seiner Intensität und der 5-Tage-Niederschlagsmengen.
2017 war eines der drei wärmsten registrierten Jahre. Aber fast wichtiger ist: Es war das wärmste Jahr ohne einen Wärmebeitrag aus der natürlichen Klimaschwankung El Niño. Insgesamt gehören alle 17 Jahre seit 2001 zu den 18 Top-Jahren der Wärmerangfolge. Klimawissenschaftler sehen in all dem einen deutlichen Ausdruck des Klimawandels.
Starke Hitzeereignisse weltweit – betroffener Landflächenanteil seit 1950
Quelle: Munich Re, basierend auf Daten von Coumou & Robinson (2013): monatliche Mitteltemperaturen, die um eine (starke Hitze) oder zwei (extreme Hitze) Standardabweichungen über dem Durchschnitt 1951–1980 liegen.
Die Bedrohung des Menschen und der Druck zu erhöhter Resilienz war angesichts vieler Hitzewellen, Dürreepisoden, Waldbrände, Überflutungen, aber auch einer extrem aktiven Hurrikansaison im Nordatlantik im Jahr 2017 evident. Dass der Klimawandel den deutlichen Langfrist-Trend bei der globalen Mitteltemperatur erklärt und bei vielen dieser Wetterextreme eine verstärkende Rolle spielt beziehungsweise immer stärker spielen wird, kann nicht mehr übersehen werden.
  • Quellen:
    World Weather Attribution (2017): Euro-Mediterranean Heat – Summer 2017 (https://wwa.climatecentral.org/analyses/euro-mediterranean-heat-summer-2017/)
    Coumou, D. & Robinson, A. (2013): Historic and future increase in the global land area affected by monthly heat extremes. Environ. Res. Lett. 8(3). doi:10.1088/1748-9326/8/3/034018
    NOAA/NCEI (2018): Global Climate Report – Annual 2017
    WMO (2017): WMO’s provisional statement on the state of the climate

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