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Klimawandel

Klimawandel - Die verdrängte Herausforderung

Es war ein Hoffnungsschimmer: In Paris zimmerten Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt vor zwei Jahren ein Klimaabkommen, das die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad begrenzen soll, damit die Folgen einigermaßen beherrschbar bleiben. Vier Wochen vor dem nächsten Klimagipfel in Bonn, mit den Fidschi-Inseln als stark betroffenem Entwicklungsland im Vorsitz, scheint das 2-Grad-Ziel allerdings weiter entfernt denn je.

10.10.2017

Seit Paris sind die CO2-Emissionen beinahe unverändert geblieben. Kohlendioxid wirkt aber rund 100 Jahre als Treibhausgas. Daher lohnt mit Blick auf die kommenden Generationen jede Anstrengung, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Denn je geringer der Anstieg der Erderwärmung, desto geringer die Folgen. 

3277 Milliarden US-Dollar. Das ist die Summe der Schäden durch Wetterkatastrophen weltweit seit 1980. Natürlich lässt sich nicht zuverlässig beziffern, inwieweit der Klimawandel daran einen Anteil hat. Aber: Wegen der extremen Schadenpotentiale müssen Rückversicherer genau verstehen, wie sich Wahrscheinlichkeit und Ausmaß bestimmter Ereignisse durch den Klimawandel ändern. 

Rein naturwissenschaftlich betrachtet führt die Erderwärmung zu mehr Verdunstung von Wasser. Die Atmosphäre kann durch die höheren Temperaturen gleichzeitig mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Es ist also mehr Energie vorhanden, die bei der Kondensation von Wasserdampf frei wird, und es kann mehr regnen. Die Wettermaschine läuft schneller.

Es ist herrschende wissenschaftliche Meinung, dass es durch den Klimawandel mehr wetterbedingte Naturkatastrophen geben wird. Und die genaue Analyse unserer Schadendaten lässt vermuten, dass sich dies in einigen Regionen bereits niederschlägt, so etwa bei Schäden aus schweren Gewittern in den USA und in Europa. Sie nehmen deutlich zu, selbst wenn man den Zuwachs der exponierten Werte herausrechnet.

© Munich Re
Eine stärkere Verbreitung von Versicherung könnte dazu beitragen, dass Menschen, Unternehmen und ganze Volkswirtschaften nach Katastrophen finanziell schneller auf die Beine kommen.
Joachim Wenning
CEO Munich Re

Die Zusammenhänge sind sehr komplex, pauschale Aussagen daher unangemessen. Bei Hurrikanen im Nordatlantik sind beispielsweise – ich sage das bewusst vor dem Hintergrund der Serie von Hurrikanen in diesem Jahr – nur vorsichtige Aussagen möglich. Anders als bei anderen Gefährdungsarten, erwartet die Wissenschaft hier durch den Klimawandel langfristig zwar keine allgemeine Zunahme der Häufigkeit von Sturmereignissen, aber dafür häufiger sehr schwere Stürme.


Es gibt einen anderen sehr spannenden Forschungszweig, an dem auch wir mitwirken: Unmittelbar nach einer Wetterkatastrophe wird mit Hilfe von systematischen Modellierungen abgeschätzt, um wieviel wahrscheinlicher dieses einzelne Ereignis durch den Klimawandel geworden ist. Wir nähern uns also ganz langsam dem Punkt, an dem die Folgen des Klimawandels quantifizierbar erscheinen. Bis dahin wird aber noch einige Zeit vergehen. Und es wäre unklug, mit Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und zur Anpassung an bereits unvermeidliche Folgen zu warten.

Deshalb versucht Munich Re systematisch, den Klimawandel in den Geschäftsprozessen zu berücksichtigen. Seit 2015 arbeiten wir weltweit CO2-neutral. Nun werden wir mit der Rückversicherung und unserer Erstversicherungstochter ERGO zudem gemeinsam das Accelerator-Programm von Climate-KIC fördern, um mit frischen Ideen aus der Start-up Szene den Klimaschutz voranzubringen. Climate-KIC ist die größte europäische Innovationsinitiative für klimafreundliche Technologien. Die ausgewählten Startups erhalten neben finanziellem Anschub auch fachliche Unterstützung durch Experten von uns. Ich freue mich schon auf die Ergebnisse des ersten Programms. In Ergänzung dazu bauen wir gemeinsam mit Solarkiosk Solar E-HUBBS für Afrika, die Menschen in entlegenen Regionen Strom aus Solarzellen für ihre Mobilgeräte und Zugang zum Internet bieten.

Hauptaufgabe von Versicherungen ist es, die finanziellen Folgen von Schadenereignissen zu mildern. Mit Blick auf die weltweiten Schadenssummen durch Naturkatastrophen ist es ein ernsthaftes Problem, dass seit 1980 weniger als ein Drittel der volkswirtschaftlichen Schäden versichert war. Den Rest mussten die Länder und ihre dort lebenden Menschen selber schultern. Gerade in Schwellen- und Entwicklungsländern ist die finanzielle Absicherung kaum vorhanden. Hohe Opferzahlen und hohe unversicherte Sachschäden werfen die betroffenen Länder dauerhaft in ihrer Entwicklung zurück.

Ein gutes Signal, wie Versicherung wirken kann, ist hier der Inselstaat Dominica. Im September wurde Dominica von Hurrikan Maria, einem Sturm der höchsten Stufe, verwüstet. Wenige Tage später kündigte ein eigens für die kleinen Karibikinseln aufgebauter Pool aus einem Versicherungsvertrag die Auszahlung von 19 Millionen US$ an.

Eine stärkere Verbreitung von Versicherung könnte dazu beitragen, dass Menschen, Unternehmen und ganze Volkswirtschaften nach Katastrophen finanziell schneller auf die Beine kommen. Weltweit hat sich die Versicherungslücke in den letzten Jahren etwas verringert, sie ist aber immer noch gigantisch. Selbst in den USA oder in Europa sind die Hälfte oder noch mehr der Gesamtschäden aus Naturkatastrophen nicht versichert. Versicherung kann und will mehr Schäden abdecken und damit mehr leisten, mit den Folgen des Klimawandels besser fertig zu werden.

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