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Betriebsrisiken

Wie sicher sind unsere Lebensmittel?

Medien und aufgeklärte Konsumenten befeuern regelmäßig die Diskussion um die Sicherheit unserer Lebensmittel. Wie steht es um die Qualität unserer Nahrung und wann führt ein Lebensmittelskandal zu einem versicherten Haftpflichtschaden?

15.12.2014

EHEC, Hormone und Antibiotika im Fleisch, Dioxin in Eiern, Glasscherben im Apfelmus, mit Melamin belastetes Milchpulver oder Etikettenschwindel – die Liste der in der Öffentlichkeit diskutierten Lebensmittelskandale ist lang. Lebensmittelmängel können vom reinen Ekelgefühl bis hin zur schweren Lebensmittelvergiftung führen. Die Risikowahrnehmung in der Öffentlichkeit steht oft aber nicht im richtigen Verhältnis zur tatsächlichen Gefahr, deren Ausmaß geringer oder auch größer sein kann als wahrgenommen. Und ein Lebensmittelskandal führt auch nicht immer zu einem versicherten Haftpflichtschaden.

Entwicklungen in der Lebensmittelsicherheit

Alle Unternehmen, die mit Lebensmitteln umgehen, unterliegen heute einer besonderen Sorgfaltspflicht und behördlicher Aufsicht. Der Hersteller muss über die gesamte Produktionskette hinweg alles unternehmen, damit seine Lebensmittel sicher sind und eine korrekte Kennzeichnung aufweisen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) haben bereits 1962 ein Gremium zur Qualitätssicherung von Lebensmitteln geschaffen, den Codex Alimentarius: Über 180 Staaten arbeiten hier in mehr als 20 verschiedenen Komitees gemeinsam an der Sicherheit unserer Nahrung. Der Codex empfiehlt unter anderem, das HACCP-Konzept (Hazard Analysis Critical Control Point) zur Garantie der Lebensmittelsicherheit anzuwenden. Das Konzept wurde 1959 von der NASA für die Herstellung von Astronautennahrung entwickelt und gilt mittlerweile als wichtigster internationaler Sicherheitsstandard in der Lebensmittelindustrie. Seit 2006 ist es in der EU verpflichtend geworden und muss in die Qualitätsmanagementsysteme der Unternehmen integriert sein.

Wer haftet für fehlerhafte Produkte?

Im Rahmen der Produkthaftung, die in der Regel weltweit als eine verschuldensunabhängige Gefährdungshaftung ausgestaltet ist, haften der Hersteller oder der Importeur für fehlerhafte Produkte. Im Zentrum stehen Sach- und Personenschäden. Soweit von den in den Verkehr gebrachten fehlerhaften Produkten eine konkret drohende Personenschadengefahr ausgeht, sind Hersteller und Händler dazu verpflichtet, zur Schadenverhütung einen Rückruf zu veranlassen. Notfalls geschieht dies auch auf behördlichen Zwang hin.

Produktschutzpolicen senken finanzielles Risiko

Die zunehmend strengeren Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit und das steigende Qualitätsbewusstsein der Konsumenten sorgen heute für Rückrufe auf einem hohen Niveau. Hinzu kommt die „Verwundbarkeit“ der Lebensmittelbranche durch böswillige Produktmanipulationen oder Produkterpressung. Für betroffene Unternehmen kann so ein Fall existenzbedrohende Ausmaße annehmen. Zur Absicherung der finanziellen Folgen wurde die Produktschutzpolice entwickelt. Sie verfügt über zahlreiche Eigenschadenelemente zur Deckung von:

  • Rückrufkosten
  • Gewinnausfall durch Umsatzrückgang
  • Werbekosten zur Produktrehabilitierung
  • Erpressungsforderungen
  • Krisenberatungskosten

Tipps für das Underwriting

Bei der Risikoprüfung durch den Underwriter sind neben dem Risikomanagement auch die Rückruf- und Krisenmanagementprozesse zu untersuchen. Sehr wichtig ist, dass im Risikomanagementsystem des Versicherungsnehmers alle HAACP-Vorgaben erfüllt sind. Denn ausreichende Präventivmaßnahmen und die angemessene Reaktion auf eine potenzielle Krise sind die entscheidenden Parameter, um Risiken sowie Kosten wirksam zu minimieren. Aus Sicht der Haftpflichtversicherung sind bei der Beurteilung der Risiken folgende Punkte besonders zu beachten:

  • Die meisten Produkte werden aufgrund der begrenzten Haltbarkeit relativ rasch konsumiert. Das heißt, bei einem Rückruf erreicht man nicht mehr die gesamte Menge der betroffenen Produkte.
  • Lieferanten von Zusatzstoffen sehen sich einem erhöhten Risiko in der Rückrufkostenversicherung gegenüber, da durch den „Verdünnungseffekt“ enorme Mengen an Endprodukten von einem Rückruf betroffen sein können.
  • Unter Umständen können unerwünschte oder unzureichend erforschte Stoffe in Lebensmitteln, die nach dem Verzehr im Körper verbleiben, sich erst im Laufe von Jahren negativ auf den Konsumenten auswirken. Dies kann für den Haftpflichtversicherer ein potenzielles Langzeitrisiko oder zusätzlich ein denkbares Kumulrisiko darstellen.

Prämienentwicklung entspricht nicht dem aktuellen Risiko

In den vergangenen Jahren gingen die Prämien in diesem Bereich zurück; doch diese Entwicklung wird dem tatsächlichen Risiko nicht gerecht. Außerdem wurden die Versicherungsbedingungen in den letzten Jahren stetig erweitert, zum einen, um den immer strenger werdenden Verbraucherschutzbestimmungen Rechnung zu tragen. Zum anderen, weil zunehmend eine Verlagerung des unternehmerischen Risikos auf die Versicherungsbranche erfolgt. Die Basis für ein langfristig ertragreiches Geschäft bei der Haftpflichtversicherung von Lebensmittelherstellern sind also eine gute Beratung im Risikomanagement sowie eine behutsame Risikoselektion und viel Sorgfalt im Underwriting, gerade bei „innovativen“ Deckungsbausteinen oder Kostenelementen. Munich Re beobachtet kontinuierlich die Risikoentwicklung im Lebensmittelsektor und berät seine Kunden bei allen versicherungsrelevanten Fragen.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie im aktuellen TOPICS Magazin 2/2014, das Sie hier herunterladen können. TOPICS Magazin 2/2014
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