dcsimg
Betriebsrisiken

Neues bei D&O-Versicherungen

Cybersicherheit, soziale Medien, Sammelklagen: Der Markt für Managerhaftpflichtversicherungen (D&O) verändert sich ständig. Der US-Branchenexperte Kevin LaCroix erläutert neue Marktentwicklungen.

01.09.2015

Cybersicherheit, soziale Medien, Sammelklagen: Markt für Managerhaftpflichtversicherungen (D&O) verändert sich. Branchenexperte Kevin LaCroix erklärt Entwicklungen. © orla connolly
Kevin M. LaCroix ist Anwalt und Executive Vice President bei dem US-Versicherungsbroker RT ProExec, einer Sparte der R-T Specialty LLC, , der sich ganz auf den Bereich der Managerhaftung konzentriert. Er selbst beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit diesem Thema.

Kevin war Gast der internen Veranstaltung unseres Topic Network Casualty Claims und auf unserer internationalen Kundenkonferenz Global Casualty Claims Conference. Dort sprachen wir mit ihm über die neuesten Entwicklungen im Bereich D&O in den USA.

Warum sind die Trends bei Aktionärssammelklagen so wichtig für die D&O-Risiken in den USA?

Wenn man sich gravierende Schadenfälle von an US-Börsen notierten Unternehmen ansieht, stellt man fest, dass Sammelklagen das größte Risiko sind. Das ist schon lange so, aber es gibt aktuell einige interessante Entwicklungen: Während die Anzahl börsennotierter Unternehmen in den letzten 15 Jahren um rund 30 Prozent gesunken ist, blieb die Anzahl der Prozesse konstant. Die Wahrscheinlichkeit, mit einer Sammelklage konfrontiert zu werden, ist heute also größer. Vielen Unternehmen ist dies noch nicht klar. . Dieser Entwicklung liegen mehrere Faktoren zugrunde. Am entscheidendsten ist die Veränderung bei den Kanzleien, die Kläger in Rechtsstreitigkeiten über Wertpapiere vertreten: Wir haben es nicht mehr mit einer einzelnen, dominanten Kanzlei zu tun, sondern mit einer Vielzahl kleinerer Anwaltsfirmen, die jede sich bietende Gelegenheit nutzen. Es gibt etliche jüngere Anwälte, die sehr bemüht sind, Rechtsstreitigkeiten dieser Art mit Nachdruck zu verfolgen.

Wir sehen in den USA auch mehr Aktionärssammelklagen gegen Unternehmen mit Sitz im Ausland. Warum geschieht  das Ihrer Meinung nach? Haben ausländische Unternehmen in den USA hier ein ausreichendes Risikobewusstsein?

Die meisten Unternehmen sind sich meiner Meinung nach bewusst, dass in den USA schneller geklagt wird. Aber möglicherweise unterschätzen sie die Häufigkeit solcher Rechtsstreitigkeiten und wie teuer diese werden können. Ich beobachte das vor allem bei chinesischen Unternehmen, deren Aktien an US-Börsen notiert sind. Es kommt vor, dass diese Unternehmen davor zurückscheuen, die zu ihrem Schutz notwendigen Versicherungen abzuschließen, aber dadurch gefährden sie sich und ihr Management.

Wie wirken sich die weltweit verstärkten Bemühungen um Korruptionsbekämpfung auf D&O-Schadenfälle in den USA aus?

Wir sehen mehr Klagen gegen ausländische, an US-Börsen notierte Unternehmen, die auf Korruptionsermittlungen in deren Heimatland basieren. Das ist eine recht neue Entwicklung, wobei die Triebfeder häufig politische Veränderungen in den betreffenden Ländern sind. Nehmen wir beispielsweise Brasilien, das erst Anfang 2014 ein Gesetz zur Korruptionsbekämpfung eingeführt hat. Inzwischen ist das größte brasilianische Unternehmen, der Energiekonzern Petrobras, in den USA bereits mit zahlreichen Sammelklagen überzogen worden.

Welche Veränderungen hat es in den letzten Jahren in den USA bei Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit Fusionen und Übernahmen gegeben?

Aktuell herrscht in diesem Bereich eine starke Dynamik. Größere Transaktionen im Wert ab 100 Millionen US-Dollar, bei denen es um die Übernahme eines in den USA börsennotierten Unternehmens geht, führen heute fast unweigerlich zu einem Rechtsstreit. Im Grunde ist das inzwischen schon Teil der Transaktionskosten. Dementsprechend erhöht sich die Anzahl der D&O-Prozesse und das macht sich auch im Gesamtschadenverlauf der Versicherer bemerkbar.

Welche anderen Entwicklungen in den USA müssen Versicherer beachten?

Bei abgeleiteten Aktionärsklagen hat es wesentliche Veränderungen gegeben. In der Vergangenheit beschränkten sich Vergleiche in der Regel auf die Verpflichtung der Beklagtenseite, Änderungen in der Unternehmensführung umzusetzen. In letzter Zeit gab es jedoch einige Fälle, in denen Vergleiche über sehr hohe Beträge geschlossen wurden, die sich in einigen Fällen auf hunderte Millionen US-Dollar beliefen. Es ist davon auszugehen, dass es häufiger zu solch hohen Zahlungen kommen wird, und das hat wesentliche Folgen für die Anbieter von Managerhaftpflichtversicherungen. Mit Schadenfällen dieser Größenordnung hatte man bislang einfach nicht gerechnet. Für Versicherungsnehmer bedeutet das, dass sie sich höher versichern müssen, wodurch sich natürlich für Versicherungsgesellschaften mehr Absatzchancen ergeben. Ich weiß allerdings nicht, ob die Versicherer im D&O-Markt den potenziellen Schadenaufwand schon ausreichend in ihrer Preiskalkulation berücksichtigen.

Cyber-Sicherheit ist ein Anliegen, das auf der Prioritätenliste vieler Unternehmen ganz oben steht. Handelt es sich dabei um ein D&O-Risiko?

In diesem Bereich herrscht derzeit große Unsicherheit. Wir stehen ganz am Anfang und können die Anzahl der Schadenfälle und den Schadenaufwand hier noch nicht absehen. In den letzten Jahren gab es einige sehr aufsehenerregende Datensicherheitsverletzungen. Allerdings haben nur wenige davon zu Klagen gegen die oberste Führungsebene geführt.  Im vergangenen Jahr sind solche Klagen überhaupt nicht vorgekommen. Es wäre jedoch ein Fehler anzunehmen, dass die Cyber-Sicherheit deshalb kein wesentliches Risiko für die Managerhaftpflicht darstellt. Wenn die Aufsichtsbehörden Unternehmen, bei denen es zu Verletzungen kommt, verstärkt verfolgen, könnten solche aufsichtsbehördlichen Maßnahmen zu mehr Schadenfällen führen. Die Kläger werden sich am Vorbild der Aufsichtsbehörden orientieren. Cyber-Sicherheit ist ein Bereich, dessen Entwicklung sich noch einige Jahre hinziehen wird. Künftig müssen sich Versicherungsträger aber meiner Meinung nach auf mehr Schadenfälle einstellen.

Wie sieht es mit den sozialen Medien aus? Ist auch hier mit mehr Schadenfällen zu rechnen?

Zahlreiche Unternehmen setzen heutzutage soziale Medien ein, um mit der Öffentlichkeit im weiteren Sinne, aber auch mit Investoren und potenziellen Anlegern zu kommunizieren. Medien wie Twitter und Facebook unterliegen jedoch Beschränkungen, die unter Umständen im Hinblick auf die Publizitätspflicht relevant sind. Es würde mich keinesfalls überraschen, einen Rechtsstreit zu erleben, bei dem es um die Irreführung von Anlegern durch die Kommunikation über soziale Medien geht.

Wir verwenden Cookies um Ihr Internet-Nutzungserlebnis zu verbessern und unsere Websites zu optimieren.

Mit der weiteren Nutzung unserer Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies dieser Website zu. Weitere Informationen zu Cookies und dazu, wie Sie die Cookie-Einstellungen in Ihren Browsereinstellungen anpassen können, finden Sie in unsereren Cookie-Richtlinien.
Sie können Cookies deaktivieren, aber bitte beachten Sie, dass das Deaktivieren, Löschen oder das Verhindern von Cookies Ihre Internet-Nutzung beeinflussen wird.